Pleite made in BRD

Montag, 08. Februar 2010 19:22

“Junge Welt”, 09.02.2009

Der drohende Kollaps der Staatsfinanzen in südeuropäischen Euro-Ländern ist die direkte Folge der aggressiven deutschen Außenwirtschaftspolitik

Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) dürfte die Lufthoheit über Deutschlands Stammtische sicher sein, nachdem er sich Ende Januar ausdrücklich gegen jegliche Finanzhilfen für das von einem Staatsbankrott bedrohte Griechenland aussprach. Es könne nicht sein, »daß jetzt die deutschen und französischen Steuerzahler die Mißentwicklung in Griechenland zu finanzieren haben«, polterte Brüderle anläßlich des Weltwirtschaftsforums in Davos in der Welt. Die Europäische Währungsunion sei jedenfalls nicht gefährdet, so der liberale Politiker: »Wenn sich alle an die Spielregeln halten, ihre Hausaufgaben erfüllen, dann funktioniert das auch.«
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Quod erat demonstrandum II

Sonntag, 07. Februar 2010 20:09

Die Auseinandersetzungen um die Querfrontveranstaltung im Frankfurter “Club Voltaire” sind zwar schon etwas her, aber das folgende Zitat ist dennoch mehr als aufschlussreich:

“Ich habe diese Ausführungen aus meinem Gedächnis so gut wie möglich gemacht und hoffe dass diese zu einer größerer Bereitschaft unter deutschen Linke beitragen wird, sich auch mit traditionellen Rechte zusammenzuarbeiten.  Wie ich in der Tagung und anderswo schon gesagt habe: Unsere Feinde  befinden sich nicht bei den Skinhead Nazis oder bei Randgruppen der Konservativen sondern sitzen im Bundestag und in der Bundesregierung, wo sie die Beteiligung Deutschlands in einem Angriffskrieg und in der Besatzung eines zentralasiatischen Staates unterstützen, und eng mit zwei Schurkenstaaten wirtschaftlich, militärisch, polizeilich und geheimdienstlich zusammenarbeiten (USA und Israel).  Wir sollten nicht die Zusammenarbeit mit den Burschschaften gegen dieser unheiligen Allianz vernachlässigen.”

Wer sagte das? Elias Davidsson, der gemeinsam mit der “Arbeiterfotografie” und der Band die “Bandbreite” besagte Veranstaltung durchführte.

Wann und wo tat Herr Davidsson diese Aussage? Am 30. November 2009, nachdem der an einer Ideenwerkstatt der Burschenschaft Normannia-Nibelungen zu Bielefeld teilnahm.

Ob bei all jenen linken Personen, Gruppen und Presseorganen, die damals diese Querfrontveranstaltung wieder jeglichen offensichlichten Augenschein unterstützten, nur weil sie auch von Antideutschen kritisiert wurde, zumindest bei Kenntnis dieser Informationen ein Umdenken, vielleicht gar Schamgefühle einsetzen dürften? Es ist ja nicht so, dass mensch den Querfrontcharakter dieses illustren Bündnisses nicht wahrnehmen konnte. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

Bakschisch-Ökonomie

Freitag, 05. Februar 2010 10:20

“Junge Welt”, 05.02.2010
Afghanistan: Korruption ist, neben dem Drogenhandel, wichtigster Wirtschaftsfaktor unter dem von der NATO-Besatzung abhängigen Regime geworden

Die Bevölkerung Afghanistans sieht in der ausufernden Korruption das größte Hindernis beim Wiederaufbau des verwüsteten Landes. Zu diesem Ergebnis kam eine breit angelegte Umfrage des UN-Büros für Drogen- und Verbrechensbekämpfung (UNODC), die am 19. Januar der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Hierbei wurden 7600 Afghanen aus zwölf Städten und mehr als 1200 Dörfern befragt. Insgesamt gaben 56 Prozent der Umfrageteilnehmer an, daß die allgegenwärtige Bestechlichkeit für sie das größte Problem darstelle – noch vor der angespannten Sicherheitslage (54 Prozent) und der hohen Erwerbslosigkeit (52 Prozent).
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Halluzinierte Eiszeit

Mittwoch, 03. Februar 2010 19:09

“Junge Welt”, 04.02.2010

Das kalte Wetter hat wenig mit dem Klima zu tun, aber tatsächlich könnte es hierzulande wegen der Erderwärmung vorübergehend kühler werden

Kaum kehrt für ein paar Wochen in weiten Teilen der Nordhalbkugel der Winter ein, schon machen die Leugner des Klimawandels in den Massenmedien mobil. So konstruierte etwa die stramm rechte Wochenzeitung Focus Mitte Januar einen »Forscherstreit« um eine global drohende »Kaltzeit«, die durch die schwache Sonnenaktivität ausgelöst würde und die »Klimakatastrophe« ausfallen ließe. Auf mehreren Seiten der Titelstory konnten zwielichtige Gestalten aus dem Umfeld klimaskeptischer Zirkel wissenschaftlich längst widerlegte Thesen ausbreiten, bis gegen Ende des Artikels auch der Focus kleinlaut einräumen mußte, daß die Sonnenaktivität seit Jahresende erneut zugenommen habe. Eine ähnliche, wenn auch nicht ganz so reißerische Story hatte der Spiegel bereits am 11. November 2009 lanciert. Hier wurde über eine angebliche »Pause« bei der Erderwärmung berichtet, die ebenfalls Gegenstand leidenschaftlicher Diskussionen unter Klimatologen sei. Auch der Tagesspiegel berichtete am 28. Januar, daß die Erderwärmung »gebremst« sei.
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Es wird schmerzhaft

Sonntag, 31. Januar 2010 20:43

“Junge Welt”, 01.02.2010
Großbritanniens lange Rezession ist offiziell beendet. Aufwärts geht es deshalb noch lange nicht. Gesamtverschuldung viermal so hoch wie Wirtschaftsleistung

Am 26. Januar hat die Londoner Statistikbehörde der längsten Rezession in der Wirtschaftsgeschichte Großbritanniens ein Ende bereitet. Um ganze 0,1 Prozent soll das britische Bruttoinlandsprodukt (BIP) im vierten Quartal 2009 gegenüber dem dritten Trimester gestiegen sein. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum schrumpfte das britische BIP um 3,2 Prozent.
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Sieg des Lobbyismus

Dienstag, 26. Januar 2010 19:37

“Junge Welt”, 26.01.2009

Oberstes Gericht der Vereinigten Staaten erlaubt Kapitalgesellschaften unbegrenzte Wahlkampffinanzierung. Selbst US-Präsident zeigt sich schockiert

Selten hat eine Grundsatzentscheidung des Supreme Court die US-Öffentlichkeit derart aufgewühlt, wie das jüngst gefällte Urteil zur Wahlkampffinanzierung. Selbst Präsident Barack Obama übte scharfe Kritik an der Entscheidung der auf Lebenszeit gewählten Richter: »Der Oberste Gerichtshof hat grünes Licht für einen neuen Ansturm von Lobbygeldern auf unsere Politik gegeben. Das ist ein großer Sieg für die Ölmultis, die Wall Street, die Versicherungskonzerne, die in Washington täglich ihre Macht einsetzen, um die Stimmen der Amerikaner zu übertönen.« Er könnte sich »nichts Verheerenderes für das öffentliche Interesse vorstellen«, als das am vergangenen Donnerstag ergangene höchstrichterliche Urteil, das »unsere Demokratie direkt angreift«, warnte Obama in seiner allwöchentlichen Radioansprache.
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Die Welt als ewige Weltverschwörung 1.1

Donnerstag, 21. Januar 2010 21:51

Hiermit veröffentliche ich nochmals meinen Beitrag zur Debatte rund um die Haltung der Linken zu Verschwörungstheorien und Verschwörungstheoretikern, der von Herrn Reinhard Kalinke überarbeitet und korrigiert wurde. Der Text steht allen Interessierten zur freien Verfügung.

Ein kurzer Exkurs über die Genese und zunehmende Popularität von Verschwörungstheorien in Krisenzeiten.

Seit Herausbildung der Herrschaft des Menschen über den Menschen gibt es Verschwörungen. Sie bilden eine der ältesten Techniken zur Eroberung und Aufrechterhaltung von Macht. Schon die ersten Herrscher von Stadtstaaten im Zweistromland etwa ursupierten oftmals den Thron vermittels einer Verschwörung – und sie lebten in permanenter Angst vor einer gegen sie gerichteten Verschwörung. Folglich spekulierten seit Anbeginn der Herrschaft die Beherrschten über die Ränkespiele am Hofe, über die Absichten der jeweils herrschenden Kaste. Mensch kann somit sagen, dass diese Spekulation der Untertanen über die Machenschaften am hermetisch abgeschlossenen Hofe, über die Ziele, Strategien und „Verschwörungen“ der Herrschenden so alt ist wie die Herausbildung der städtischen Zivilisation selbst.

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Griechenland ist überall

Samstag, 16. Januar 2010 17:20

“Junge Welt”, 14.01.2010

Überlebensdroge oder letzte Ölung? Staaten erzeugen Nachfrage auf Pump, um Kapitalismus zu retten. Risiken und Nebenwirkungen werden in Kauf genommen

Schlimmer geht’s immer: Laut aktuellen Berichten könnte das griechische Haushaltsdefizit noch höher ausfallen als bislang erwartet. (Allerdings steht Athen damit nicht allein.). Ende vergangenen Jahres mußte die neugewählte Regierung eingestehen, daß die bisherigen Angaben manipuliert waren (sie jW vom Donnerstag). Mit 12,7 Prozent des jährlichen Bruttoinlandsprodukts (BIP) sei der Fehlbetrag doppelt so hoch wie von der abgewählten konservativen Regierung nach Brüssel gemeldet. Die Gesamtverschuldung des Landes liegt inzwischen bei 125 Prozent des Jahres-BIP. Ratingagenturen reagierten auf den Bilanzschwindel mit Herabstufung der Kreditwürdigkeit des Landes. Am Dienstag erklärte die EU-Kommission, das griechische Haushaltsdefizit könnte noch größer ausfallen »als bisher erwartet«. Das Statistikamt in Athen arbeite »ineffektiv« und sei »anfällig für politische Einmischungen«.
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Fataler Krisenkreislauf

Donnerstag, 14. Januar 2010 17:06

“Junge Welt”, 13.01.2010

Erneute spekulative Blase: Extrem verteuerte Rohstoffe könnten 2010 globale Konjunkturerholung abwürgen. Dann droht vor allem Nahrungsknappheit

Rohstoffe werden wieder teurer, und das im Rekordtempo. Öl kostet inzwischen mehr als 80 US-Dollar je Barrel (159 Liter), nachdem es sich in Folge der Weltwirtschaftskrise Anfang 2009 innerhalb weniger Monate von fast 150 auf gut 30 Dollar verbilligt hatte. Einer Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge legten zwischen Februar und November 2009 die Preise für Rohstoffe um 40 Prozent zu. Der IWF spricht im Zusammenhang mit diesem Index von einem sehr ungewöhnlichen Anstieg, da in vergleichbaren Phasen früherer Krisen die Preiserholung im Schnitt nur bei fünf Prozent lag. Auch für das kommende Jahr werde der ungewöhnliche Trend anhalten so die globale Finanzorganisation, wenngleich sich das Tempo der Teuerungsauftriebs verlangsamen werde.
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Kapitalistische Klimakrise

Dienstag, 12. Januar 2010 16:03

“Junge Welt”, 12.01.2009

Analyse. Eine andere Welt ist lebensnotwendig: Kapitalakkumulation und Eigentumsverhältnisse befördern die globale Erwärmung und stehen Gegenmaßnahmen diametral gegenüber

Es ist bereits zu spät, um katastrophale Auswirkungen des Klimawandels selbst durch eine massive Reduktion der Emissionen von Treibhausgasen zu verhindern. In den letzten Wochen und Monaten wurde eine Reihe von wissenschaftlichen Untersuchungen veröffentlicht, die den rasant voranschreitenden Klimawandel in der Arktis thematisieren. So publizierten Forscher der Universität Cambridge und die Umweltstiftung World Wide Fund For Nature (WWF) Mitte Oktober eine umfassende Studie, die eine weitaus rascher voranschreitende Eisschmelze in der Arktis belegt als bislang angenommen. Ein Forscherteam hat im arktischen Winter auf einer rund 450 Kilometer langen Forschungsreise rund 6000 Datensätze bezüglich der Eisdecke in der Arktis gesammelt.
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