Faschismus im 21. Jahrhundert

Freitag, 21. September 2018 08:35

Skizzen der drohenden Barbarei

Wohin treiben die beständig nach rechts abdriftenden Gesellschaften in den Zentren des kapitalistischen Weltsystems? Mit jeder neuen Wahl scheint der Durchmarsch der Neuen Rechten unaufhaltsam voranzuschreiten. Die Verrohung des öffentlichen Diskurses, die zunehmende rechte Gewalt, die rasch voranschreitende Aushebelung bürgerlicher Grundrechte – sie lassen Erinnerungen an den Vorfaschismus der 30er Jahre aufkommen.

Link: https://www.heise.de/tp/buch/telepolis_buch_4164167.html

Auf Crashkurs

Donnerstag, 20. September 2018 12:27

Die USA eskalieren ihren Handelskrieg gegen China. Es droht ein neuer Krisenschub samt autoritärer Wende

Telepolis, 20.09.2018

Nach Ansicht des reichsten Oligarchen der „Volksrepublik“ China, des Internetmilliardärs Jack Ma, steht die Weltwirtschaft am Beginn eines 20-jährigen Handelskriegs. Mit dieser Warnung reagierte der Gründer der Internetplattform Alibaba auf die Eskalation des Handelsstreits zwischen China und den USA durch die rechtspopulistische Trump-Administration.

Somit scheint – sollte sich die Einschätzung Jack Mas bestätigen – das kapitalistische Weltsystem am Beginn einer neuen historischen Krisenperiode zu stehen, in der zunehmende Handelskonflikte und Protektionismus den Freihandel des neoliberalen Zeitalters ablösten. Die strukturelle Überproduktionskrise, in der sich das Weltsystem befindet, würde somit nicht mehr durch Kreditaufnahme und Verschuldung überbrückt, sondern durch Handelskriege direkt ausgetragen – mit allen verehrenden sozioökonomischen wie politischen Folgen.

Links: https://www.heise.de/tp/features/Auf-Crashkurs-4168902.html?seite=all

Die braune Staatsfraktion

Montag, 10. September 2018 05:15

Telepolis, 10.09.2018

Mob und Elite: Im Staatsapparat machen reaktionäre Naziversteher mobil. Ein Kommentar zum deutschen Vorfaschismus

Bei den staats- und regierungsinternen Auseinandersetzungen um die pogromartigen Ausschreitungen in Chemnitz geht nicht um Fakten. Es geht nicht um die mit einer Fülle von Material und Zeugenaussagen belegte Tatsache, dass ein brauner Mob in der sächsischen Stadt – größtenteils unbehelligt von der Polizei – eine Hetzjagd auf Migranten und politische Gegner veranstalten konnte – und dabei ein jüdisches Restaurant angriff.

Die infantil anmutende Verbreitung dumpfer, schnell zu durchschauender „alternativer Fakten“ durch Verfassungsschutzpräsident Maaßen, Bundesinnenminister Seehofer und den sächsischen Landesfürsten Kretschmer ist äußerer Ausdruck eines Machtkampfes innerhalb der CDU/CSU und des Staatsapparates. Die evidenten Lügen der braunen Staatsfraktion sind eigentlich selber eine Machtmanifestation: „Seht her, zu was wir fähig sind, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen.“

Selbst wenn Herr Verfassungsschutzpräsident Maaßen – der die Echtheit des Videomaterials zu den Gewaltakten in Chemnitz anzweifelt – Reptiloide oder die große Kondensstreifenverschwörung in Zusammenhang mit der braunen Menschenjagd von Chemnitz brächte, er wäre immer noch im Amt und Würden.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Die-braune-Staatsfraktion-4158406.html

„Conspiracy theorists are in the same league as psychics, magicians, astrologists and gurus“

Samstag, 25. August 2018 06:00

Telepolis, 25.08.2018

An Interview about conspiracy theories and the tactics of the communication guerilla with the authors of the Wu Ming collective

Question: There are strange things going on in the within the social networks inhabited by right wing groups, like 4chan – even considering the low standards of the extreme right. A bizarre conspiracy theory is gaining traction, titled simply as „Q“, exactly like one of your most popular Works. „Q“ states on 4chan, among other things, that Donald Trump as a true American hero is engulfed in a titanic struggle against a global conspiracy, organized by a mighty pedophile organization. Did you as Wu Ming provoke this conspiracy-theory by using tactics of communication guerilla?

Wu Ming: Wu Ming and the Wu Ming Foundation don’t pull media pranks. That was one of the activities of the Luther Blissett Project, which lasted from June 1994 to December 31st, 1999. After the end of that project, all participants moved beyond and founded new projects and collectives.
Wu Ming is the name adopted in January 2000 by the authors who, using the collective moniker Luther Blissett, had previously written the novel Q. After the end of the LBP and the global impact of Q, we decided to keep experimenting with the novel form and meta-historical fiction. In the following years we wrote 54, Manituana, Altai, The Army of Sleepwalkers and in these days we’re finishing a new novel titled Proletkult. We also wrote heavily researched, fact-filled works which one might simplistically describe as creative non-fiction. We ourselves call them „Unidentified Narrative Objects“, UNOs.
In Italy, a sort of „fan activism“ has developed around our novels and UNOs, a vast community developed out of our blog Giap and our Twitter profile, with lots of experiments, transmedia storytelling, collaborative projects, open workshops and seminars, new blogs and collectives, even new mountaineering clubs. This process had already started in the 2000s, but it intensified and accelerated during the 2010s. This „collective of collectives“ is what we call the Wu Ming Foundation.
We got involved in the international debate on the QAnon hoax because it bears many resemblances to both the LBP’s work and our old novel. Many people got in touch with us in the past weeks. We had received dozens of emails and twitter DMs even before the Buzzfeed interview. Anyone who read our novel and then read the news about the QAnon phenomenon found it obvious that the latter took inspiration from the former, and wanted to know what’s our take on the whole thing.
Not only the references to our novel are hard to overlook – starting from the most apparent: «Q» himself and his dispatches – but the similarities between QAnon and the kind of media pranks we used to play back in the Luther Blissett days are striking.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Conspiracy-theorists-are-in-the-same-league-as-psychics-magicians-astrologists-and-gurus-4144259.html

„Verschwörungstheoretiker spielen in derselben Liga wie Hellseher, Astrologen und Gurus“

Samstag, 25. August 2018 05:57

Telepolis, 25.08.2018

Ein Interview über Verschwörungstheorien, den Zauber der Illusion und die Taktik der Kommunikationsguerilla mit den Mitgliedern des Autorenkollektivs Wu Ming

Bei Wu Ming handelt es sich um ein 2000 gegründetes und ursprünglich aus fünf anonymen Personen bestehendes Autorenkollektiv, das sich den neuen sozialen Bewegungen zurechnet. Die Gruppe ging aus dem Luther Blissett Project hervor, in dem mit Praktiken der Kommunikationsguerilla experimentiert wurde – und das den international viel beachteten Roman Q verfasste.

Frage: Es ereignen sich derzeit merkwürdige Dinge in den sozialen Netzwerken, die von rechten Gruppen frequentiert werden, wie etwa 4chan – selbst wenn man die niedrigen Standards der extremen Rechten bedenkt. Eine bizarre Verschwörungstheorie, einfach „Q“ oder QAnon genannt, gewinnt an Zugkraft. „Q“ ist auch der Titel eines Ihrer bekanntesten Werke. „Q“ behauptet auf 4chan unter anderem, dass Donald Trump als wahrer amerikanischer Held in einen titanischen Kampf gegen eine globale Verschwörung verwickelt ist, hinter der eine mächtige pädophile Organisation steht. Haben Sie als Wu Ming diese Verschwörungstheorie durch Taktiken der Kommunikationsguerilla provoziert?

Wu Ming: Wu Ming und die Wu Ming Stiftung machen keine Medienstreiche. Das war eine der Aktivitäten des Luther Blissett-Projekts (LBP), das vom Juni 1994 bis zum 31. Dezember 1999 aktiv war. Nach dem Ende des Projekts entwickelten sich alle Beteiligten weiter und gründeten neue Projekte und Kollektive.
Wu Ming ist der Name, der im Januar 2000 von den Autoren angenommen wurde, die unter dem Sammelbegriff Luther Blissett den Roman Q geschrieben hatten. Nach dem Ende des LBP und der globalen Wirkung von Q haben wir uns entschlossen, weiter mit der neuen Form und der metageschichtlichen Fiktion zu experimentieren. In den folgenden Jahren schrieben wir 54, Manituana, Altai, The Army of Sleepwalkers und in diesen Tagen beenden wir einen neuen Roman mit dem Titel Proletkult. Wir schrieben auch stark recherchierte, faktenreiche Werke, die man vereinfacht als kreative Sachbücher bezeichnen könnte. Wir selbst nennen sie „Unidentified Narrative Objects“, UNOs.
In Italien hat sich eine Art „Fan-Aktivismus“ rund um unsere Romane und UNOs entwickelt, eine riesige Community aus unserem Blog Giap und unserem Twitter-Profil, mit vielen Experimenten, transmedialem Storytelling, Kooperationsprojekten, offenen Workshops und Seminaren, neuen Blogs und Kollektiven, sogar neuen Bergsteigerclubs. Dieser Prozess hatte bereits in den 2000er Jahren begonnen, hat sich aber in den 2010er Jahren intensiviert und beschleunigt. Dieses „Kollektiv der Kollektive“ nennen wir die Wu-Ming-Stiftung.
Wir sind in die internationale Debatte über den QAnon-Hoax eingestiegen, weil er viele Ähnlichkeiten mit der Arbeit des LBP und unserem alten Roman aufweist. Viele Leute haben uns in den letzten Wochen kontaktiert. Wir hatten schon vor dem Buzzfeed-Interview Dutzende von E-Mails und Twitter-DMs erhalten. Jeder, der unseren Roman gelesen und dann die Nachrichten über das QAnon-Phänomen gelesen hat, fand es offensichtlich, dass letzteres sich von ersteren inspirieren ließ. Man wollte wissen, was wir von der ganzen Sache halten.
Nicht nur die Verweise auf unseren Roman sind schwer zu übersehen – angefangen beim offensichtlichsten: „Q“ selbst und seine Botschaften -, sondern auch die Ähnlichkeiten zwischen QAnon und der Art von Medienstreichen, die wir in den Luther Blissett-Tagen gespielt haben.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Verschwoerungstheoretiker-spielen-in-derselben-Liga-wie-Hellseher-Astrologen-und-Gurus-4142270.html

Griechenland: Zu Tode gespart

Montag, 20. August 2018 15:40

Telepolis, 20. 8.2018

Ein Überblick über das schäublerische Spardiktat, das Griechenland sozioökonomisch verwüstete

Am heutigen Monat, den 20. August, ist es endlich soweit: Nach acht bitteren Jahren verlässt Griechenland das Krisenprogramm von EU und IWF. Dies gibt Anlass für eine Rückschau auf den verheerenden Krisenverlauf in Hellas, der in seiner Härte beispiellos ist im Nachkriegs-Europa, wie etwa die Basler Zeitung bemerkte: „Kein anderes europäisches Land musste in der Nachkriegszeit eine derart brutale Rosskur erdulden.“

Verglichen mit dem Vorkrisenstand sei die Wirtschaftsleistung Griechenlands um ein Viertel geschrumpft, die verfügbaren Einkommen seien im Schnitt sogar um ein Drittel eingebrochen. Angesichts der evidenten sozioökonomischen Verwüstungen haben sich bei der Rückschau auf die Krisenpolitik gegenüber Griechenland auch etliche Verantwortliche zu der einen oder anderen selbstkritischen Äußerung durchgerungen.
„Auch Fehler gemacht“

Klaus Regling, Chef des Europäischen Rettungsfonds ESM, erklärte gegenüber dem Spiegel, es „wäre arrogant zu sagen, wir hätten alles richtig gemacht“. Für diese „schlimmste Krise seit der Großen Depression“ hätte es einfach „kein Drehbuch“ gegeben. Der „Vordenker“ der brachialen schäublerischen Sparpolitik gegenüber Hellas, Ludger Schuknecht, räumte ebenfalls ein, in seiner Funktion als Chefökonom im Bundesfinanzministerium und Architekt der griechischen Austeritätspolitik „auch Fehler gemacht“ zu haben.

Dennoch betonten beide Spitzenfunktionäre, die politische Antwort Berlins auf die Krise, die aus einem rabiaten Austeritätsprogramm bestand, sei prinzipiell richtig gewesen. Auch in der öffentlichen Rückschau dominiert somit weiterhin das in der Bundesrepublik im Krisenverlauf etablierte ideologische Narrativ der Reformunwilligkeit oder Reformunfähigkeit des Mittelmeerlandes, mit dem die desaströsen sozioökonomischen Folgen der Berliner Austeritätspolitik in Hellas rationalisiert wurden.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Griechenland-Zu-Tode-gespart-4141781.html

AfD: Nur ein stummer Schrei nach Liebe?

Freitag, 17. August 2018 08:42

Telepolis, 17.08.2018

Studien fördern bahnbrechende Erkenntnisse zutage: AfD-Wähler sind sexuell frustrierte Rassisten und Ausländerfeinde

Ein zentraler Mythos, der den politischen Aufstieg der AfD begleitet, besteht aus der Behauptung, dies sei die Partei der sozial Abgehängten. Die von der Politik missachteten „Modernisierungsverlierer“ würden demnach die rassistische und nationalistische Partei nicht aus Überzeugung, sondern aus Protest gegen „die da Oben“ wählen. Die mit diesem Mythos eng verwandte Rede von den zu kurz gekommenen „besorgten Bürgern“, deren berechtigte Sorgen, Ängste und Nöte Politik und Medien unbedingt ernst zu nehmen hätten, ist ja inzwischen sprichwörtlich geworden.

Diese weit verbreite Ansicht, wonach „fehlgeleitete“ Nöte und Sorgen einer sozial abgehängten Bevölkerungsschicht der AfD politischen Auftrieb verschafften, widerlegte eine kürzlich veröffentlichte wissenschaftliche Studie des German Socio-Economic Panel on Multidisciplinary Panel Data Research beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Aufbauend auf einer breiten empirischen Untersuchung kommt Studienautor Martin Schröder vom Institut für Soziologie bei der Universität Marburg zu dem Schluss, dass AfD-Wähler sich nur in Bezug auf sehr wenige Einstellungen von den „sonstigen Deutschen“ unterschieden: Sie seien „unzufrieden mit der Demokratie“, machten sich verstärkt Sorgen um Kriminalität – und sie seien der Meinung, dass „Flüchtlinge Deutschlands Kultur untergraben“ würden. Die AfD-Unterstützer unterschieden sich somit „fast ausschließlich“ durch ihre „Einstellungen“ zu Flüchtlingen von der Wählerschaft der sonstigen Parteien.

Link: https://www.heise.de/tp/features/AfD-Nur-ein-stummer-Schrei-nach-Liebe-4140166.html

Mit Allah gegen den US-Dollar

Montag, 13. August 2018 08:08

Telepolis, 13.08.2018

Kurzer Überblick über den geopolitischen und ökonomischen Hintergrund der aktuellen Krise in der Türkei

Die Töne werden zunehmend schriller im Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Türkei. Nachdem US-Präsident Donald Trump mittels eines Tweets, in dem er die Verdopplung der US-Strafzölle gegen die Türkei ankündigte, die türkische Lira abstürzen ließ, sprach der türkische Staatschef Erdogan von einem „Wirtschaftskrieg“, der von „außen“ gegen sein Land geführt werde. Dollar, Euro und Gold seien die „Patronen, Kanonen und Raketen“ dieses Krieges, so Erdogan.

Die USA hätten der Türkei „den Rücken zugekehrt“, es gebe eine „Währungsverschwörung“ gegen die Türkei, behauptete Erdogan, der abermals eine Anhängerschaft aufrief, Euro, Dollar und Gold gegen die schwindsüchtige türkische Lira einzutauschen, um den „nationalen Kampf“ zu gewinnen. Dabei appellierte der türkische Präsident an den Nationalismus und die religiöse Identität seiner Gefolgschaft: „Vergesst nicht, wenn sie ihre Dollars haben, dann haben wir unser Volk, unseren Gott.“

Neben der ins Hysterische abdriftenden Rhetorik des Präsidenten bemüht sich aber Ankara – bislang erfolglos – um eine Eindämmung der Währungsturbulenzen. Erdogans Schwiegersohn Berat Albayrak, der inzwischen den Posten des türkischen Finanzministers bekleidet, kündigte ein nicht näher spezifiziertes „Maßrahmenpaket“ an, das die Unabhängigkeit der Notenbank sicherstellen, die zweistellige Inflation bekämpfen, und die überhitzte Konjunktur dämpfen solle.

Bislang haben diese Ankündigungen, die mit dem bisherigen Wirtschaftskurs von Staatschef Erdogan – der sich wiederholt als „Zinskritiker“ outete – brechen würden, keine Erholung des Lirakurses zur Folge gehabt. Die türkische Währung ist massiv abgestürzt. Allein die Ankündigung Trumps, weitere Strafzölle zu erlassen, ließ die Lira um 20 Prozent einbrechen. Das türkische Währungsdesaser wird aus mittelfristiger Perspektive erst voll ersichtlich: Vor einem Jahr konnten die Bürger der Türkei einen US-Dollar für rund 3,5 Lira erwerben, nun sind es rund 6,5 Lira.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Mit-Allah-gegen-den-US-Dollar-4134016.html

Postkapitalismus ohne Verzicht

Montag, 13. August 2018 08:04

Telepolis, 11.08.2018

Plädoyer wider die Verzichtslogik in der gegenwärtigen Klimadebatte

In der öffentlichen Diskussion über Ursachen und Folgen des Klimawandels sind zumeist die ganz großen Verallgemeinerungen an der Tagesordnung: Wir lebten über unsere Verhältnisse, der Mensch an sich treibe durch seine Gier die Welt in den ökologischen Abgrund, wir alle trügen irgendwie durch unseren Konsum Schuld an der drohenden Klimakatastrophe, die Menschheit müsse endlich zur Besinnung kommen, etc.
Das ganz große „Wir“

Der sogenannte Earth overshoot day stellt eine jener Gelegenheiten dar, an denen die Medien sich dieses ganz großen „Wir“ bedienen können. Der dieses Jahr schon am 1. August erreichte Zeitpunkt, an dem die globale nachhaltige Ressourcennutzung überschritten wird und die Menschheit ökologisch „auf Pump“ lebt, wird von den üblichen Appellen ans große Ganze begleitet.

Ein „Weiter so“ sei keine Option, warnte etwa Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), da wir auf Kosten kommender Generationen lebten und der Klimawandel „eine Folge unserer Übernutzung“ der natürlichen Ressourcen sei. Annalena Baerbock von der Partei der Grünen warnte: „Wir müssen unsere Lebensweise endlich klimafreundlicher und nachhaltiger gestalten, um den Raubbau von Ressourcen zu stoppen.“

Worauf dieses „wir“ hinausläuft, wird etwa bei der Finanzierung der gescheiterten deutschen Energiewende durch astronomische Strompreise, die letztendlich wie eine Kopfsteuer wirken, deutlich: Die Kosten, die aus dem kapitalistischen Wachstumswahn hervorgehen, sollen der Allgemeinheit aufgenötigt, letztendlich sozialisiert werden.

Wenn „wir alle“ irgendwie Schuld haben an dem sich überdeutlich abzeichnenden ökologischen Desaster, dann müssen wir alle auch dessen Last tragen – unabhängig vom Geldbeutel.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Postkapitalismus-ohne-Verzicht-4133750.html

Ultrarechte Eskalationsstrategie

Montag, 13. August 2018 08:01

Telepolis, 07.08.2018

Amerikas extremistische Rechte versucht, mit gewalttätigen Aufmärschen im Vorfeld der Senatswahlen zu punkten

Wieder einmal erwischte es Portland, eine innerhalb der US-Rechten als besonders liberal verschriene Stadt an der amerikanischen Westküste. Hunderte Anhänger der rechtsextremen Gruppen Patriot Prayer und Proud Boys marschierten in der Stadt auf, um einen ihrer inzwischen üblichen, zunehmend gewalttätigen Provokationsmärsche durchzusetzen.

Die martialisch auftretenden Rechtsextremisten wurden von antifaschistischen Gegendemonstranten konfrontiert, die sich aus einer breiten Koalition antirassistischer, feministischer, liberaler, linker und sozialer Gruppen zusammensetzte. Im Vorfeld wurden gar Befürchtungen geäußert, Portland würde zu einem „weiteren Charlottesville“ werden. Zur Erinnerung: In der ostamerikanischen Ostküstenstadt hat ein Rechtsterrorist bei einem ähnlichen Aufmarsch einen Wagen in antifaschistische Gegendemonstranten gefahren, dutzende Menschen verletzt und eine Antifaschistin getötet (Trumps rechter Anhang rastet aus).

Der letzte Aufmarsch der Rechtsextremisten in Portland am 30. Juni war ebenfalls von schweren Ausschreitungen überschattet. Diesmal marschierten die „Protofaschisten“ (Huffington Post) mit Baseballschlägern, Schlagstöcken, Messern, Schilden und Körperpanzerung auf. Obwohl die Polizeiführung am Vortag ausdrücklich das Tragen solcher Waffen untersagt hat, wurden seitens der Sicherheitskräfte keine Anstrengungen unternommen, diese Waffen zu beschlagnahmen.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Ultrarechte-Eskalationsstrategie-4130798.html