Archiv für die Kategorie 'Weltwirtschaftskrise'

Von Spekulationsblasen und Robotern

Montag, 12. Februar 2018

Telepolis, 12.02.2018

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem wild wuchernden Finanzsektor und der durch fortschreitende Digitalisierung forcierten Krise der Arbeitsgesellschaft?

Die deutsche IT-Industrie warnte Anfang Februar die Gesellschaft vor sich selbst: Gut zehn Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze sollen dem IT-Verband Bitkom zufolge in Deutschland im Gefolge der voranschreitenden „Digitalisierung“ der Wirtschaft verloren gehen.

Rund 3,4 Millionen Stellen würden laut einer Umfrage in den kommenden fünf Jahren wegfallen, die Bitkom unter 500 Unternehmen durchführte. Rund 25 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen mit einer Belegschaft von mehr als 20 Lohnabhängigen gaben zudem an, durch die Digitalisierung ihre Existenz bedroht zu sehen.

Dabei frisst die digitale Revolution inzwischen ihre eigenen Kinder, wie Bitkom-Präsident Achim Berg anhand der Beschäftigungsentwicklung in der Sparte der Kommunikationstechnik ausführte. Derzeit gebe es rund 20.000 Arbeitsplätze in diesem Sektor, während es Mitte der 1990er Jahre noch 200.000 Jobs waren.

Links: https://www.heise.de/tp/features/Von-Spekulationsblasen-und-Robotern-3965236.html

Von der Euphorie zur Panik?

Dienstag, 06. Februar 2018

Telepolis, 06.02.2018

Die Kursverluste an den Weltbörsen setzten sich am Montag fort. Staaten kaum in der Verfassung, um einen neuen Krisenschub effektiv zu begegnen

Es ist das übliche, deprimierende Spielchen, das bei einem jeden Krisenschub von vorne beginnt: Anstatt den systemischen Ursachen der zunehmenden Krisenanfälligkeit des Weltfinanzsystems nachzugehen, setzt in den Vereinigten Staaten bereits die große Sündenbocksuche ein. Wer ist schuld am aktuellen Aktienkrach?

USA Today etwa fragt, ob Präsident Trump, der sich monatelang mit steigenden Aktienkursen brüstete, jetzt auch die Verantwortung für die massiven Kursverluste übernehmen werde. Bei den erzkonservativen Fox News wiederum war man überzeugt, dass irgendwie doch der ehemalige Präsident Barack Obama für den derzeitigen Crash verantwortlich sei.

Das Weiße Haus bemüht sich indessen bereits, die Verwerfungen herunterzuspielen und Trumps „langfristige Wirtschaftsstrategie“ zu betonen, die dank der jüngst beschlossenen Streukürzungen die „Prosperität des amerikanischen Volkes“ erhöhen werde.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Von-der-Euphorie-zur-Panik-3961435.html

Gefangen in der Liquiditätsblase

Montag, 05. Februar 2018

Telepolis, 05.02.2018

Die aktuellen Turbulenzen auf den Finanzmärkten verweisen auf die systemische Sackgasse, in der sich das Weltfinanzsystem befindet

Wenn Finanzmarktberichte mit Fotos besorgt dreinschauender Wertpapierhändler bebildert werden, dann ist es mal wieder soweit: Turbulenzen auf den Finanzmärkten lassen in der Öffentlichkeit die verdrängte Angst vor dem nächsten großen Crash, vor einem neuen Krisenschub, wieder aufkommen.

Diesmal sind es die Kursstürze an den US-Märkten, die für Unruhe sorgen. Der wichtigste US-Aktienindex, der Dow Jones, ist am vergangenen Freitag um mehr als 650 Zähler eingebrochen, was den heftigsten Einbruch seit gut zwei Jahren entsprach.

Auf Wochenbasis hat der Dow mehr als 1.100 Punkte eingebüßt. Unruhe, Verunsicherung machte sich folglich auf den „Märkten“ bereit: Ist dies nur eine Kurskorrektur bei einem seit einer knappen Dekade anhaltenden Aktienboom oder folgt jetzt der Crash?

Die Stimmung sei „innerhalb weniger Tage“ von Euphorie zu einer tiefen Sorge vor einer nachhaltigen Korrektur umgeschlagen, berichteten US-Medien (Panik an den US-Börsen). Die Turbulenzen wurden dabei gerade durch „gute“ Nachrichten ausgelöst: Die US-Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit sinkt, die Löhne steigen stärker als erwartet: Dies ist aber charakteristisch für eine Phase spekulativ überhitzter Konjunkturentwicklung, da der Kapitalismus bekanntlich nie gesünder aussieht als kurz vor dem nächsten Crash.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Gefangen-in-der-Liquiditaetsblase-3960387.html

Die Bank an Ihrer Seite

Montag, 27. November 2017

Konkret 09/2017

Wie tief die europäische Finanzindustrie mittlerweile in der Krise steckt, lässt sich am Zustand des italienischen Bankensektors erkennen. Von Tomasz Konicz

Die Banca Monte dei Paschi di Siena, die älteste Bank der Welt, scheint das jüngste Opfer der nicht endenden Euro-Krise zu werden. Das im Zuge der ersten protokapitalistischen Formierungsprozesse 1472 im mittelitalienischen Siena gegründete Finanzhaus, das seither ununterbrochen im Geldgeschäft ist, scheiterte kläglich am sogenannten Stresstest der EU-Bankenaufsichtsbehörde EBA, der Ende Juli die Krisenfestigkeit des europäischen Finanzsektors testen sollte. Unter den 51 getesteten Finanzinstituten landete die italienische Bank weit abschlagen auf dem letzten Platz – mit einer negativen Eigenkapitalquote von 2,4 Prozent im simulierten Fall einer Rezession. Neben zwei deutschen Geldhäusern, der Deutschen Bank und der Commerzbank, fand sich aber auch die führende italienische Großbank, die UniCredit, unter den zehn Schlusslichtern des Stresstests.

Der Umfang der verschleppten Krise des italienischen Finanzsektors, die sich im Ergebnis des Stresstestes spiegelte, lässt sich relativ genau beziffern: Bis zu 360 Milliarden Euro fauler Kredite haben die Banken der italienischen Halbinsel inzwischen akkumuliert, was immerhin 18 Prozent des gesamten Darlehnsbestandes des italienischen Finanzsektors entspricht. Nahezu ein Drittel der vom Zahlungsausfall bedrohten Kredite in der EU entfällt damit auf Italien. Damit droht die Halbinsel zum Epizentrum eines eventuellen neuen Krisenschubs in der EU zu werden, die ja spätestens mit dem „Brexit“ in einen Zustand offener Desintegration überzugehen droht (siehe konkret 8/16). Die Auseinandersetzungen um die konkrete Maßnahmen im Fall der italienischen Bankenkrise, die hauptsächlich zwischen Berlin und Rom geführt werden, dürften auch über den Fortbestand der EU entscheiden.

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Kapitalismus mit menschlicher Fratze

Montag, 27. November 2017

Konkret 07/2016

Alles wird gut – wenn nur alle gut werden. Das ist in etwa die Logik, die hinter all den Organisationsansätzen, Initiativen, Gesetzen und Ideologemen zu finden ist, die einen ethischen Kapitalismus, einen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz erkämpfen wollen. Kaum ein Konzern kommt ohne den Hinweis aus, seine Produkte würden nach ethisch einwandfreien Prinzipien produziert, und eine längst unüberschaubare Menge von Labels, Zertifikaten und Standards versichert dem Verbraucher in den Zentren, dass sein Konsum nicht auf Ausbeutung basiere oder durch Ressourcenraub in der Peripherie möglich gemacht werde.

Neben dem Fair-Trade-Siegel, das fairen Handel durch höhere Verdienste der Produzenten (etwa bei Schokolade) in der „Dritten Welt“ verspricht, können ethisch gestimmte Konsumenten auch nach Kleidung Ausschau halten, die von der Fair Wear Foundation zertifiziert wurde. Deren Siegel soll die Einhaltung fairer und „menschenwürdiger Arbeitsbedingungen“ in der Textilindustrie der Peripherie garantieren – was angesichts der barbarischen Zustände etwa in Bangladesch oder Kambodscha (siehe konkret 7/13) tatsächlich einen revolutionären Umbruch gleichkäme. Fair gehandelte Naturprodukte wie Obst, Gemüse, Blumen oder Kräuter garantieren Zertifikate wie „Fair Flowers Fair Plants“, „FairWild“, „Flower Label Program“, oder das Siegel der „Rainforest Alliance“.

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Macht Griechen kriechen

Montag, 27. November 2017

Konkret, 06/2016

Wie sich Berlins Finanzminister Schäuble und der Internationale Währungsfond jeweils rechts überholen wollen. Von Tomas Konicz

Was wäre ein europäischer Sommer ohne eine Neuinszenierung der griechischen Tragödie durch Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble. Die ins Stocken geratenen Verhandlungen über weitere „Sparmaßnahmen“ zwischen der ehemals linken Regierung in Athen und den „internationalen Gläubigern“ seien die Vorboten eines „Krisensommers“, berichtete die „Neue Züricher Zeitung“ Ende April. Sollte nicht bald Einigkeit bei der „Überprüfung des dritten Hilfspakets“ erzielt werden, drohten Athen „spätestens im Juli ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten“.

Schon im Sommers 2015 hatte Deutschlands Politik, angestachelt von chauvinistischen und ressentimentgeladenen Medien, alles daran gesetzt, der griechischen Linksregierung das Genick zu brechen und das geschundene Land möglichst umfassend zu demütigen. „Die Antwort lautet nein!“, antwortete Schäuble auch diesmal auf die Bitte der Regierung Tsipras, bei einem EU-Sondergipfel über die Auszahlung weiterer Notkredite zu beraten, die derzeit von der EU blockiert werden. Deutschland läßt die sozioökonomische Lage in Hellas bewusst eskalieren, um Athen zu weiteren Konzessionen zu nötigen. Schon Mitte April legte sich der oberste deutsche Sparsadist öffentlich fest: „Griechenland kann und muss noch mehr tun.“

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Freigeld für alle!

Montag, 27. November 2017

Konkret 05/2016

EZB-Chef Mario Draghi war bei einer Pressekonferenz Ende März bester Spendierlaune, als er den Bürgern der Euro-Zone allerlei Geldgeschenke in Aussicht stellte. Das sogenannte „Helikoptergeld“ sei ein „interessantes Konzept“, das gegenwärtig von „Ökonomen diskutiert“ werde, um die deflationären Tendenzen im Euro-Raum zu bekämpfen, erklärte Draghi den verdutzten Journalisten. Bei dieser finalen Stufe expansiver Geldpolitik wird zusätzliche Liquidität nicht mehr nur über Anleihekäufe auf den Finanzmärkten generiert, sondern direkt den Konsumenten oder dem Staat zur Verfügung gestellt. Aber nachdem vor allen in der deutschen Öffentlichkeit die Empörung über Draghis Erwägungen hochgekocht war, folgten lustlose Dementis einiger europäischer Notenbanker. Der EZB-Direktor Benoît Coeuré erklärte, dass er als Mitglied des EZB-Rats eine „gehörige Portion Skepsis“ gegenüber diesen Ideen haben müsse, doch als „Ökonom finde ich die akademische Debatte spannend“.

Der Begriff „Helikoptergeld“ geht auf ein Statement des ehemaligen US-Notenbankchefs Ben Bernanke zurück, der – in Anlehnung an ähnliche Äußerungen des neoliberalen Ökonomen Milton Friedman – bei einer Rede 2002 erklärt hatte, in einer schweren deflationären Krise notfalls Geld aus Helikoptern über Bevölkerungszentren abwerfen zu wollen, um die Nachfrage und die Wirtschaft zu stimulieren. Seitdem wird Bernanke von seinen orthodox-monetaristischen Kritikern gern mit dem Spitznahmen „Helikopter Ben“ belegt. Unter „Helikoptergeld“ sind somit die direkten Gelddruckprogramme der Notenbanken zu verstehen, mit denen man aufgrund schwerer wirtschaftlicher Verwerfungen, wie etwa einer chronischen Investitionsschwäche, den Umweg über den Aufkauf von (faulen) Wertpapieren oder Schuldtiteln auf den Finanzmärkten vermeiden will.

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Goldene Geschäfte mit der Panik

Mittwoch, 25. Oktober 2017

In Krisenzeiten haben rechte Deutungsansätze Hochkonjunktur

Neues Deutschland, 25.10.2017

Der tiefgreifende Krisenprozess, in dem sich das spätkapitalistische Weltsystem befindet, lässt sich nicht mehr ignorieren. Spätestens seit dem Krisenschub von 2007/08 scheint auch die Ohnmacht der kapitalistischen Krisenpolitik evident. Die Politiker sind nicht fähig, den eskalierenden inneren Widerspruch des Kapitals – die Verdrängung von Lohnarbeit aus dem Produktionsprozess – zu überwinden, der letztendlich eine ökonomisch überflüssige Menschheit und gigantische Schuldenberge fabriziert. Die Politik befindet sich folglich in einer Krisenfalle: Entweder wird die Zombieexistenz des Kapitalismus mittels fortgesetzter Verschuldung und abermaliger Blasenbildung verlängert bis zum nächsten großen Krach oder die obligatorische Sparpolitik führt in die sofortige Rezession.

Die politische Rechte in all ihren Schattierungen hat auf diesen Krisenprozess mit verstärkter Ideologieproduktion reagiert. Zumeist werden dabei die Krisenursachen auf eine in der Finanzsphäre verortete Verschwörung zurückgeführt. Konkret wird in der Szene einseitig vor den Folgen der gegenwärtigen Liquiditätsblase und der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank gewarnt. Hingegen wird die Zwangslage der Geldpolitik, die mit immer neuer schuldenfinanzierter Blasenbildung einen katastrophalen Konjunktureinbruch verhindert, ignoriert. Alle Übel scheinen nur aus unsolider Schuldenmacherei und Gelddruckerei herzurühren, die den Euro in Gefahr bringe – die inneren Widersprüche des Kapitals werden nicht wahrgenommen.

Link: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1067958.goldene-geschaefte-mit-der-panik.html

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Politische Ökonomie des Krisennationalismus

Montag, 07. August 2017

Telepolis, 07. 08.2017

Wieso feiert der Nationalismus in der Krise ein zombiehaftes Comeback?

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Auf diesen Nenner lassen sich die handelspolitischen Ergebnisse des G20-Gipfels von Hamburg bringen. Während der konfrontativ geführten Verhandlungen konnte der drohende Handelskrieg zwischen den USA und der BRD, der vor allem am Streit um Stahlimporte zu entfachen drohte, vorerst abgewendet werden.

In der Herzkammer der Deutschen Exportindustrie sprach die Schwäbische Zeitung anschließend von einem „bröckelnden Bekenntnis“ der Gipfelteilnehmer zum Freihandel. Trump sei mit seiner Abkehr vom globalisierten Handel nicht alleine, auch China betreibe durch harte Importauflagen ebenfalls einen „ökonomischen Nationalismus“.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Politische-Oekonomie-des-Krisennationalismus-3786906.html

Wachstum der Schuldenberge

Donnerstag, 06. Juli 2017

Telepolis, 06. Juli 2017

Chinas gute Konjunktur wird weiterhin auf Pump betrieben – doch stellt die Volksrepublik hierbei keine Ausnahme dar

Im Osten nichts Neues, so scheint es zumindest: Die Zeichen stünden in China weiterhin auf Wachstum, meldeten jüngst Wirtschaftsmedien unter Verweis auf den offiziellen Einkaufsmanagerindex der Volksrepublik. Die entsprechenden Wachstumsprognosen, etwa des IWF, wurden prompt erhöht: Inzwischen geht der Währungsfonds von einem chinesischen Wirtschaftswachstum von 6,7 Prozent in diesem Jahr aus.

So sei der Index von im vergangenen Mai von 51,2 auf 51,7 Punkte geklettert, was auf eine Beschleunigung der konjunkturellen Aufwärtsbewegung der letzten Monate hindeute. Dies sei der zweithöchste Wert dieses Jahres gewesen, bemerkte N-TV auf seiner Internetpräsenz, der die Prognosen deutlich überboten habe. Die Stimmung unter den Führungskräften der chinesischen Wirtschaft ist somit besser als erwartet. Der durch monatliche Umfragen ermittelte, vielbeachtete Einkaufsmanagerindex gilt als ein sicherer konjunktureller Frühindikator. Werte über 50 Punkten deuten auf eine Beschleunigung des Wirtschaftswachstums, bei einer Abkühlung sinkt der Index unter 50 Zähler.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Wachstum-der-Schuldenberge-3762292.html