Archiv für die Kategorie 'Weltwirtschaftskrise'

Battlefield Europe

Samstag, 01. Juni 2019

Telepolis, 01.06.2019

Die nationalistischen Zentrifugalkräfte in der EU gewinnen nach der Europawahl an Dynamik

Bis vor kurzen waren Europas Politeliten peinlichst darum bemüht, allen Spannungen zum Trotz die zunehmenden europapolitischen Differenzen nicht an die Oberfläche der Öffentlichkeit geraten zu lassen. Die knallharten nationalen Konflikte wurden auf diplomatischer Ebene, hinter verschlossenen Türen ausgetragen, während die Staats- und Regierungschefs die übliche europäische Harmonie simulierten.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Battlefield-Europe-4435658.html

Debatte um Enteignungen: Ein Schritt in die richtige Richtung

Freitag, 10. Mai 2019

Telepolis, 10.05.2019

Juso-Chef Kühnert hat mit seinen Sozialismus-Thesen einen offenen Nerv der krisengeschüttelten Spätkapitalistischen Gesellschaften getroffen

Ein beliebter Zeitvertreib in linken Krisen besteht darin, bei allen möglichen Gelegenheiten die vergessene linke Rhetorik prominenter SPD-Politiker hervorzukramen, die in ihrer Zeit als sogenannte „Jungsozialisten“ (Juso) so richtig die Sau rausgelassen haben. Der Kontrast zwischen jungsozialistischer Rhetorik und sozialdemokratischer Praxis bildet das beste Gegengift zu allen reformistischen Illusionen bezüglich der spätkapitalistischen Sachzwang-Gesellschaften – sowie der Politik der SPD. Das Juso-Prinzip ist relativ einfach: Die Jungsozialisten sollen sich in ihrer politischen Adoleszenz ordentlich austoben, damit sie später, als „erwachsene“ Politiker, um so reibungsloser die „Sachzwänge“ des Spätkapitalismus an ihrer ureigensten Klientel exekutieren.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Debatte-um-Enteignungen-Ein-Schritt-in-die-richtige-Richtung-4418047.html

Die Ökonomie als Waffe

Samstag, 13. April 2019

Telepolis, 13.04.2019

Auch ohne Autozölle: Der Wirtschaftskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und Europa scheint bereits im vollen Gange

Link: https://www.heise.de/tp/features/Die-Oekonomie-als-Waffe-4367657.html

Abschied von gestern

Mittwoch, 13. März 2019

Zum Niedergang der Weltmacht USA hat auch Deutsch-Europa beigetragen.
Konkret 02/2019

Es scheint eine jener ironischen Wendungen zu sein, zu denen der Weltgeist besonders in Krisenzeiten aufgelegt ist: Ausgerechnet der megalomane Borderliner Donald Trump, der antrat, die USA »wieder groß zu machen«, darf nun ihrer Abwicklung als globale Hegemonialmacht präsidieren. Die Vereinigten Staaten könnten »nicht weiterhin der Weltpolizist sein«, erklärte Trump Ende Dezember letzten Jahres während eines überraschenden Besuchs bei amerikanischen Soldaten im Irak. Es sei nicht fair, wenn das US-Militär die Last des Weltordnens allein tragen würde: »Wir möchten nicht mehr von Ländern ausgenutzt werden, die uns und unser unglaubliches Militär nutzen, um sich zu schützen.« Gewisse Länder würden »nichts dafür zahlen« wollen, so der Präsident mit dem Hinweis auf Auseinandersetzungen zwischen Washington und insbesondere Berlin um Militärausgaben und Nato-Beiträge. Die US-Army sei »auf der ganzen Welt verteilt«, was Trump »ehrlich gesagt lächerlich« findet.

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Die Ursprünge der Krise

Montag, 28. Januar 2019

Telepolis, 26.01.2019

Überblick über die systemischen Ursachen und den historischen Verlauf der Krise des spätkapitalistischen Weltsystems

Es scheint mal wieder so weit zu sein: die zunehmenden Turbulenzen an den Finanzmärkten, der einsetzende konjunkturelle Abschwung in den meisten Zentren des Weltsystems, die Währungs- und Schuldenkrisen der Schwellenländer bei einem beständig anschwellenden globalen Schuldenberg – sie deuten auf einen neuen Krisenschub hin. Der große Unterschied zum Crash von 2008 besteht aber darin, dass diesmal das Krisenbewusstsein in der Öffentlichkeit weitaus stärker ausgeprägt ist als beim Platzen der transatlantischen Immobilienblasen in den USA und Westeuropa, auf das der Mainstream bekanntlich nicht vorbereitet war.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Die-Urspruenge-der-gegenwaertigen-Wirtschaftskrise-4285127.html

Wolfgang Schäuble – Revolutionsführer wider Willen?

Dienstag, 25. Dezember 2018

Telepolis, 25.12.2018

Wie die europäische Sozial- und Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik den Aufstand in Frankreich zusätzlich anfachte

Frankreichs Präsident Macron steht vor dem Scherbenhaufen seiner Politik: innen-, wie außenpolitisch.

Zum einen sind die ehrgeizigen Pläne Macrons zur „Vertiefung“ der europäischen Integration weitgehend gescheitert, mit denen die Folgen der extremen Ungleichgewichte in der EU gemildert werden sollten. Die ehrgeizigen Reformvorhaben, mit denen ein unabhängiger Eurozonen-Haushalt, ein europäisches Finanzministerium und umfassende Ausgleichsmechanismen zur Beggar-thy-Neighbour-Politik der Bundesrepublik eingeführt werden sollen, wurden von Berlin und weiteren Kernländern der Eurozone erfolgreich hintertrieben.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Wolfgang-Schaeuble-Revolutionsfuehrer-wider-Willen-4258688.html

Auf Crashkurs

Donnerstag, 20. September 2018

Die USA eskalieren ihren Handelskrieg gegen China. Es droht ein neuer Krisenschub samt autoritärer Wende

Telepolis, 20.09.2018

Nach Ansicht des reichsten Oligarchen der „Volksrepublik“ China, des Internetmilliardärs Jack Ma, steht die Weltwirtschaft am Beginn eines 20-jährigen Handelskriegs. Mit dieser Warnung reagierte der Gründer der Internetplattform Alibaba auf die Eskalation des Handelsstreits zwischen China und den USA durch die rechtspopulistische Trump-Administration.

Somit scheint – sollte sich die Einschätzung Jack Mas bestätigen – das kapitalistische Weltsystem am Beginn einer neuen historischen Krisenperiode zu stehen, in der zunehmende Handelskonflikte und Protektionismus den Freihandel des neoliberalen Zeitalters ablösten. Die strukturelle Überproduktionskrise, in der sich das Weltsystem befindet, würde somit nicht mehr durch Kreditaufnahme und Verschuldung überbrückt, sondern durch Handelskriege direkt ausgetragen – mit allen verehrenden sozioökonomischen wie politischen Folgen.

Links: https://www.heise.de/tp/features/Auf-Crashkurs-4168902.html?seite=all

Mit Allah gegen den US-Dollar

Montag, 13. August 2018

Telepolis, 13.08.2018

Kurzer Überblick über den geopolitischen und ökonomischen Hintergrund der aktuellen Krise in der Türkei

Die Töne werden zunehmend schriller im Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Türkei. Nachdem US-Präsident Donald Trump mittels eines Tweets, in dem er die Verdopplung der US-Strafzölle gegen die Türkei ankündigte, die türkische Lira abstürzen ließ, sprach der türkische Staatschef Erdogan von einem „Wirtschaftskrieg“, der von „außen“ gegen sein Land geführt werde. Dollar, Euro und Gold seien die „Patronen, Kanonen und Raketen“ dieses Krieges, so Erdogan.

Die USA hätten der Türkei „den Rücken zugekehrt“, es gebe eine „Währungsverschwörung“ gegen die Türkei, behauptete Erdogan, der abermals eine Anhängerschaft aufrief, Euro, Dollar und Gold gegen die schwindsüchtige türkische Lira einzutauschen, um den „nationalen Kampf“ zu gewinnen. Dabei appellierte der türkische Präsident an den Nationalismus und die religiöse Identität seiner Gefolgschaft: „Vergesst nicht, wenn sie ihre Dollars haben, dann haben wir unser Volk, unseren Gott.“

Neben der ins Hysterische abdriftenden Rhetorik des Präsidenten bemüht sich aber Ankara – bislang erfolglos – um eine Eindämmung der Währungsturbulenzen. Erdogans Schwiegersohn Berat Albayrak, der inzwischen den Posten des türkischen Finanzministers bekleidet, kündigte ein nicht näher spezifiziertes „Maßrahmenpaket“ an, das die Unabhängigkeit der Notenbank sicherstellen, die zweistellige Inflation bekämpfen, und die überhitzte Konjunktur dämpfen solle.

Bislang haben diese Ankündigungen, die mit dem bisherigen Wirtschaftskurs von Staatschef Erdogan – der sich wiederholt als „Zinskritiker“ outete – brechen würden, keine Erholung des Lirakurses zur Folge gehabt. Die türkische Währung ist massiv abgestürzt. Allein die Ankündigung Trumps, weitere Strafzölle zu erlassen, ließ die Lira um 20 Prozent einbrechen. Das türkische Währungsdesaser wird aus mittelfristiger Perspektive erst voll ersichtlich: Vor einem Jahr konnten die Bürger der Türkei einen US-Dollar für rund 3,5 Lira erwerben, nun sind es rund 6,5 Lira.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Mit-Allah-gegen-den-US-Dollar-4134016.html

Postkapitalismus ohne Verzicht

Montag, 13. August 2018

Telepolis, 11.08.2018

Plädoyer wider die Verzichtslogik in der gegenwärtigen Klimadebatte

In der öffentlichen Diskussion über Ursachen und Folgen des Klimawandels sind zumeist die ganz großen Verallgemeinerungen an der Tagesordnung: Wir lebten über unsere Verhältnisse, der Mensch an sich treibe durch seine Gier die Welt in den ökologischen Abgrund, wir alle trügen irgendwie durch unseren Konsum Schuld an der drohenden Klimakatastrophe, die Menschheit müsse endlich zur Besinnung kommen, etc.
Das ganz große „Wir“

Der sogenannte Earth overshoot day stellt eine jener Gelegenheiten dar, an denen die Medien sich dieses ganz großen „Wir“ bedienen können. Der dieses Jahr schon am 1. August erreichte Zeitpunkt, an dem die globale nachhaltige Ressourcennutzung überschritten wird und die Menschheit ökologisch „auf Pump“ lebt, wird von den üblichen Appellen ans große Ganze begleitet.

Ein „Weiter so“ sei keine Option, warnte etwa Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), da wir auf Kosten kommender Generationen lebten und der Klimawandel „eine Folge unserer Übernutzung“ der natürlichen Ressourcen sei. Annalena Baerbock von der Partei der Grünen warnte: „Wir müssen unsere Lebensweise endlich klimafreundlicher und nachhaltiger gestalten, um den Raubbau von Ressourcen zu stoppen.“

Worauf dieses „wir“ hinausläuft, wird etwa bei der Finanzierung der gescheiterten deutschen Energiewende durch astronomische Strompreise, die letztendlich wie eine Kopfsteuer wirken, deutlich: Die Kosten, die aus dem kapitalistischen Wachstumswahn hervorgehen, sollen der Allgemeinheit aufgenötigt, letztendlich sozialisiert werden.

Wenn „wir alle“ irgendwie Schuld haben an dem sich überdeutlich abzeichnenden ökologischen Desaster, dann müssen wir alle auch dessen Last tragen – unabhängig vom Geldbeutel.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Postkapitalismus-ohne-Verzicht-4133750.html

Der Exodus der Geldmenschen

Mittwoch, 18. Juli 2018

Telepolis, 16.07.2018

Flucht auf den Mars, Upload in die Cloud oder Rückzug in den Atombunker? Wie die Superreichen sich auf die Apokalypse vorbereiten

Der Sozialwissenschaftler und Medientheoretiker Douglas Mark Rushkoff erhielt im vergangenen Jahr ein Angebot, das er kaum ablehnen konnte.

Es sei das mit Abstand höchste Honorar gewesen, das ihm für einen Vortrag vor einem äußerst exklusiven Publikum in einem abgeschotteten Luxusressort für Superreiche angeboten wurde. Für den Gegenwert seines halben Jahresgehalts als Professor für Medientheorie und digitale Wirtschaft an der City University of New York sollte Rushkoff einen Vortrag samt Diskussionsrunde vor dem erlesensten Geldadel des Spätkapitalismus halten, vor einer Gruppe von rund hundert Investmentbankern, die Auskunft über das Thema „Die Zukunft der Technik“ wünschten.

Nach seiner Ankunft wurde der Medientheoretiker zuerst in einen Raum geführt, wo fünf weiße, ungeheuer reiche Männer auf ihn warteten, die für einen fünfstelligen Betrag vor allem eine Frage beantwortet sehen wollten: Wie überleben wir das „Ereignis“? Mit diesem Begriff belegten die hohen Herren den Zusammenbruch der Zivilisation, den sie als unabwendbar ansehen.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Der-Exodus-der-Geldmenschen-4110247.html