Archiv für die Kategorie 'Weltwirtschaftskrise'

Vom Kalten zum Heißen Handelskrieg?

Donnerstag, 05. April 2018

Telepolis. 05.04.2018

Berlin scheint Partei zu ergreifen im eskalierenden Handelskonflikt zwischen Peking und Washington

Nun geht es Schlag auf Schlag. Nachdem Peking – in Reaktion auf Trumps Strafzölle auf Aluminium und Stahlprodukte – Anfang April bekannt gab, Handelshürden für 128 amerikanische Produkt zu errichten, drehte am vergangenen Dienstag wiederum Washington an der Eskalationsschraube.

Die von der US-Administration veröffentlichte Liste von Waren, die mit Strafzöllen belegt werden sollen, umfasst 1300 unterschiedliche Produkte. Der Gesamtwert dieser chinesischen Importe soll sich laut dem Büro des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer auf rund 50 Milliarden US-Dollar summieren.

Damit verlassen die Vereinigten Staaten das Terrain symbolischer Aktionen in den handelspolitischen Auseinandersetzungen der vergangenen Monate und gehen – die Appelle Pekings zur Mäßigung ignorierend – in die Offensive. Die Trump-Administration scheint entschlossen, den chinesischen Handelsüberschuss, der zuletzt 375 Milliarden US-Dollar betrug, schnell und deutlich zu reduzieren.

Betroffen von den Zollhürden Washingtons, die bis zu 25 Prozent der Importpreise erreichen sollen, sind vor allem komplexe Hightech-Waren, die in Produktionsketten mit einer hohen Wertschöpfung hergestellt werden: Elektroprodukte, Maschinen, Flugzeugteile und Medizinprodukte. Nach einem kurzen Prüfprozess sollen die Zölle schon binnen eines Monats verhängt werden.

China warnte abermals vor den drohenden ökonomischen Folgen eines Handelskrieges für die gesamte Weltwirtschaft – und kündigte entsprechende Vergeltungsmaßnahmen gegenüber Washington „in gleicher Höhe und gleichem Ausmaß“ an. Man sei „zuversichtlich und in der Lage, auf jeden Handelsprotektionismus der USA zu antworten“, hieß es aus Peking.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Vom-Kalten-zum-Heissen-Handelskrieg-4011035.html

Dollar vor dem Abstieg?

Dienstag, 27. März 2018

Telepolis, 27.03.2018

In Reaktion auf Strafzölle Washingtons scheint China einen Angriff auf den Petrodollar führen zu wollen

Trump macht Ernst mit seiner protektionistischen Politik. Während die EU noch einen Aufschub bis Mai erhielt, muss China eine Antwort finden auf die umfassenden Strafzölle, die Washington am 22. März verhängte. Die Höhe der Zölle soll sich auf rund 60 Milliarden US-Dollar jährlich belaufen.

Zugleich dient die vorläufige Aussetzung der US-Handelshürden für die EU vor allem dazu, Brüssel und Berlin in die amerikanische Front im Handelskrieg gegen Peking einzubinden. Der langfristige Verzicht Washingtons auf Strafzölle gegen europäische Waren ist nur dann möglich, wenn Deutscheuropa seine eigenständigen geopolitischen Ambitionen zurückfährt und sich in die antichinesische Allianz Washingtons einreiht.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Dollar-vor-dem-Abstieg-4006084.html

Das Ende der Globalisierung

Freitag, 23. März 2018

Telepolis, 23.03.2018

Der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA, China und der EU deutet auf ein drohendes Auseinanderbrechen der globalisierten Weltwirtschaft

Im Streit um die enormen globalen Handelsungleichgewichte stehen die Zeichen auf Eskalation. Der neue Wirtschaftsberater des rechtspopulistischen US-Präsidenten Donald Trump, Larry Kudlow, griff noch vor seiner offiziellen Ernennung die Europäische Union und China scharf an.

Die EU betreibe eine „sehr schlechte protektionistische Politik“, China habe „seit langem nicht nach den Regeln gespielt“, so der innerhalb der Republikaner gut vernetzte Kudlow, der Gary Cohn als ökonomischer Chefberater des Präsidenten ablöst. Cohn hat sich mit Trump gerade in der Streitfrage protektionistischer Politik überworfen, nachdem der US-Präsident erste Zölle für Stahl und Aluminium ankündigte.

Inzwischen warnt auch China, das sich bisher in dem Handelsstreit eher zurückhielt, vor weiteren protektionistischen Maßnahmen der USA, die nicht unbeantwortet bleiben würden. Man habe sich große Mühe gegeben, „einen Handelskrieg zu vermeiden, aber wenn einer ausbricht, ist Appeasement keine Option“, zitierte Spiegel Online aus einem Leitartikel der staatlichen Zeitung Global Times. Amerika müsse die Ärmel aufkrempeln und endlich lernen, hart zu arbeiten, hieß es in dem parteinahen Organ:

„Wenn die USA ihr Handelsdefizit reduzieren wollen, müssen sie die Amerikaner dazu bringen, härter zu arbeiten. Und sie müssen Reformen in Einklang mit der internationalen Marktnachfrage durchführen, statt den Rest der Welt aufzufordern, sich zu ändern.“

Link: https://www.heise.de/tp/features/Das-Ende-der-Globalisierung-3999761.html?seite=all

Handelserleichterungen gegen Zugeständnisse

Montag, 19. März 2018

Neues Deutschland, 19.03.2018
Die Trump-Administration geht dazu über, Strafzölle als geopolitischen Hebel zu benutzen

»Hast du keinen Stahl, hast du kein Land.« Mit einem seiner charakteristisch simplen Sprüche kündigte US-Präsident Donald Trump Anfang März die Einführung von Zöllen zum Schutz der US-Stahlindustrie an, die er als vital für die »nationale Sicherheit« der USA bezeichnete. Doch für wen werden diese neuen Zölle von 25 Prozent auf Stahl und 10 Prozent auf Aluminium eigentlich gelten?

Kurz vor Trumps Ansprache sind bereits Ausnahmen für Kanada und Mexiko in Aussicht gestellt worden. Doch dies hat seinen Preis: Beide Länder müssen das Freihandelsabkommen NAFTA nachverhandeln, das die Trump-Administration als unvorteilhaft für Washington ansieht. Handelserleichterungen gegen politische Zugeständnisse – dieses Muster einer neuen US-Politik, die Protektionismus als machtpolitischen Hebel benutzt, scheint sich zu verfestigen.

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Trump stahlhart

Samstag, 03. März 2018

Telepolis, 03.03.2018

Die handelspolitischen Auseinandersetzungen zwischen den USA, China und der EU drohen zu einem ausgewachsenen globalen Handelskrieg zu eskalieren – mit Deutschland als dem Hauptleidtragenden

Amerikas rechtspopulistischer Präsident Donald Trump scheint entschlossen, das enorme amerikanische Handelsdefizit von zuletzt 566 Milliarden US-Dollar durch Strafzölle nachhaltig zu senken – auch auf Kosten der exportfixierten deutschen Volkswirtschaft, die bei den nun akut drohenden Handelskriegen sich in einer äußerst exponierten strategischen Lage wiederfindet.

Die Vereinigten Staaten wollen künftig einen Importzoll von 25 Prozent bei Stahl und zehn Prozent bei Aluminium verlangen. Mit dieser Maßnahme will der Rechtspopulist Trump sein nationalistisches Wahlversprechen einhalten, mittels protektionistischer Maßnahmen eine Reindustrialisierung der Vereinigten Staaten einzuleiten. Die US-Industrie sei „unfair“ behandelt worden, die Zölle sollen für eine sehr lange Zeitspanne gelten, so dass Amerika wieder „neue Jobs“ und „pulsierende Unternehmen“ bekommen werde, erklärte der Präsident bei einem Treffen mit Unternehmern.

Schon beim Amtsantritt kündigte Donald Trump an, die Deindustrialisierung der Vereinigten Staaten zu revidieren, für die er die extremen Handelsdefizite verantwortlich macht, die Amerika gegenüber China und Deutschland aufweist. Ausdrücklich kritisierte der US-Präsident damals deutsche Fahrzeughersteller. In die USA importierte Waren, die in China oder Deutschland fabriziert werden, schaffen logischerweise in den Exportländern Arbeitsplätze – und nicht in den USA.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Trump-stahlhart-3985723.html

Von Spekulationsblasen und Robotern

Montag, 12. Februar 2018

Telepolis, 12.02.2018

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem wild wuchernden Finanzsektor und der durch fortschreitende Digitalisierung forcierten Krise der Arbeitsgesellschaft?

Die deutsche IT-Industrie warnte Anfang Februar die Gesellschaft vor sich selbst: Gut zehn Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze sollen dem IT-Verband Bitkom zufolge in Deutschland im Gefolge der voranschreitenden „Digitalisierung“ der Wirtschaft verloren gehen.

Rund 3,4 Millionen Stellen würden laut einer Umfrage in den kommenden fünf Jahren wegfallen, die Bitkom unter 500 Unternehmen durchführte. Rund 25 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen mit einer Belegschaft von mehr als 20 Lohnabhängigen gaben zudem an, durch die Digitalisierung ihre Existenz bedroht zu sehen.

Dabei frisst die digitale Revolution inzwischen ihre eigenen Kinder, wie Bitkom-Präsident Achim Berg anhand der Beschäftigungsentwicklung in der Sparte der Kommunikationstechnik ausführte. Derzeit gebe es rund 20.000 Arbeitsplätze in diesem Sektor, während es Mitte der 1990er Jahre noch 200.000 Jobs waren.

Links: https://www.heise.de/tp/features/Von-Spekulationsblasen-und-Robotern-3965236.html

Von der Euphorie zur Panik?

Dienstag, 06. Februar 2018

Telepolis, 06.02.2018

Die Kursverluste an den Weltbörsen setzten sich am Montag fort. Staaten kaum in der Verfassung, um einen neuen Krisenschub effektiv zu begegnen

Es ist das übliche, deprimierende Spielchen, das bei einem jeden Krisenschub von vorne beginnt: Anstatt den systemischen Ursachen der zunehmenden Krisenanfälligkeit des Weltfinanzsystems nachzugehen, setzt in den Vereinigten Staaten bereits die große Sündenbocksuche ein. Wer ist schuld am aktuellen Aktienkrach?

USA Today etwa fragt, ob Präsident Trump, der sich monatelang mit steigenden Aktienkursen brüstete, jetzt auch die Verantwortung für die massiven Kursverluste übernehmen werde. Bei den erzkonservativen Fox News wiederum war man überzeugt, dass irgendwie doch der ehemalige Präsident Barack Obama für den derzeitigen Crash verantwortlich sei.

Das Weiße Haus bemüht sich indessen bereits, die Verwerfungen herunterzuspielen und Trumps „langfristige Wirtschaftsstrategie“ zu betonen, die dank der jüngst beschlossenen Streukürzungen die „Prosperität des amerikanischen Volkes“ erhöhen werde.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Von-der-Euphorie-zur-Panik-3961435.html

Gefangen in der Liquiditätsblase

Montag, 05. Februar 2018

Telepolis, 05.02.2018

Die aktuellen Turbulenzen auf den Finanzmärkten verweisen auf die systemische Sackgasse, in der sich das Weltfinanzsystem befindet

Wenn Finanzmarktberichte mit Fotos besorgt dreinschauender Wertpapierhändler bebildert werden, dann ist es mal wieder soweit: Turbulenzen auf den Finanzmärkten lassen in der Öffentlichkeit die verdrängte Angst vor dem nächsten großen Crash, vor einem neuen Krisenschub, wieder aufkommen.

Diesmal sind es die Kursstürze an den US-Märkten, die für Unruhe sorgen. Der wichtigste US-Aktienindex, der Dow Jones, ist am vergangenen Freitag um mehr als 650 Zähler eingebrochen, was den heftigsten Einbruch seit gut zwei Jahren entsprach.

Auf Wochenbasis hat der Dow mehr als 1.100 Punkte eingebüßt. Unruhe, Verunsicherung machte sich folglich auf den „Märkten“ bereit: Ist dies nur eine Kurskorrektur bei einem seit einer knappen Dekade anhaltenden Aktienboom oder folgt jetzt der Crash?

Die Stimmung sei „innerhalb weniger Tage“ von Euphorie zu einer tiefen Sorge vor einer nachhaltigen Korrektur umgeschlagen, berichteten US-Medien (Panik an den US-Börsen). Die Turbulenzen wurden dabei gerade durch „gute“ Nachrichten ausgelöst: Die US-Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit sinkt, die Löhne steigen stärker als erwartet: Dies ist aber charakteristisch für eine Phase spekulativ überhitzter Konjunkturentwicklung, da der Kapitalismus bekanntlich nie gesünder aussieht als kurz vor dem nächsten Crash.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Gefangen-in-der-Liquiditaetsblase-3960387.html

Die Bank an Ihrer Seite

Montag, 27. November 2017

Konkret 09/2017

Wie tief die europäische Finanzindustrie mittlerweile in der Krise steckt, lässt sich am Zustand des italienischen Bankensektors erkennen. Von Tomasz Konicz

Die Banca Monte dei Paschi di Siena, die älteste Bank der Welt, scheint das jüngste Opfer der nicht endenden Euro-Krise zu werden. Das im Zuge der ersten protokapitalistischen Formierungsprozesse 1472 im mittelitalienischen Siena gegründete Finanzhaus, das seither ununterbrochen im Geldgeschäft ist, scheiterte kläglich am sogenannten Stresstest der EU-Bankenaufsichtsbehörde EBA, der Ende Juli die Krisenfestigkeit des europäischen Finanzsektors testen sollte. Unter den 51 getesteten Finanzinstituten landete die italienische Bank weit abschlagen auf dem letzten Platz – mit einer negativen Eigenkapitalquote von 2,4 Prozent im simulierten Fall einer Rezession. Neben zwei deutschen Geldhäusern, der Deutschen Bank und der Commerzbank, fand sich aber auch die führende italienische Großbank, die UniCredit, unter den zehn Schlusslichtern des Stresstests.

Der Umfang der verschleppten Krise des italienischen Finanzsektors, die sich im Ergebnis des Stresstestes spiegelte, lässt sich relativ genau beziffern: Bis zu 360 Milliarden Euro fauler Kredite haben die Banken der italienischen Halbinsel inzwischen akkumuliert, was immerhin 18 Prozent des gesamten Darlehnsbestandes des italienischen Finanzsektors entspricht. Nahezu ein Drittel der vom Zahlungsausfall bedrohten Kredite in der EU entfällt damit auf Italien. Damit droht die Halbinsel zum Epizentrum eines eventuellen neuen Krisenschubs in der EU zu werden, die ja spätestens mit dem „Brexit“ in einen Zustand offener Desintegration überzugehen droht (siehe konkret 8/16). Die Auseinandersetzungen um die konkrete Maßnahmen im Fall der italienischen Bankenkrise, die hauptsächlich zwischen Berlin und Rom geführt werden, dürften auch über den Fortbestand der EU entscheiden.

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Kapitalismus mit menschlicher Fratze

Montag, 27. November 2017

Konkret 07/2016

Alles wird gut – wenn nur alle gut werden. Das ist in etwa die Logik, die hinter all den Organisationsansätzen, Initiativen, Gesetzen und Ideologemen zu finden ist, die einen ethischen Kapitalismus, einen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz erkämpfen wollen. Kaum ein Konzern kommt ohne den Hinweis aus, seine Produkte würden nach ethisch einwandfreien Prinzipien produziert, und eine längst unüberschaubare Menge von Labels, Zertifikaten und Standards versichert dem Verbraucher in den Zentren, dass sein Konsum nicht auf Ausbeutung basiere oder durch Ressourcenraub in der Peripherie möglich gemacht werde.

Neben dem Fair-Trade-Siegel, das fairen Handel durch höhere Verdienste der Produzenten (etwa bei Schokolade) in der „Dritten Welt“ verspricht, können ethisch gestimmte Konsumenten auch nach Kleidung Ausschau halten, die von der Fair Wear Foundation zertifiziert wurde. Deren Siegel soll die Einhaltung fairer und „menschenwürdiger Arbeitsbedingungen“ in der Textilindustrie der Peripherie garantieren – was angesichts der barbarischen Zustände etwa in Bangladesch oder Kambodscha (siehe konkret 7/13) tatsächlich einen revolutionären Umbruch gleichkäme. Fair gehandelte Naturprodukte wie Obst, Gemüse, Blumen oder Kräuter garantieren Zertifikate wie „Fair Flowers Fair Plants“, „FairWild“, „Flower Label Program“, oder das Siegel der „Rainforest Alliance“.

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