Archiv für die Kategorie 'Weltwirtschaftskrise'

Die Rezession der Neuen Rechten

Donnerstag, 14. Juni 2018

Telepolis, 08.06.2018

Kommentar: Der kommende Krisenschub wird durch die Politik des Rechtspopulismus in den USA und Europa beschleunigt

Auf einmal scheint dem exportgetriebenen Dauerboom in der Bundesrepublik sehr schnell die Luft auszugehen. Es seien „dunkle Wolken“, die sich über Deutschlands Industrie zusammenzögen, kommentierte die Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) die jüngsten konjunkturellen Frühindikatoren. Spiegel-Online berichtete, dass es in Europa nicht besser aussehe. Der wirtschaftliche Ausblick der Eurozone habe sich „dramatisch verschlechtert“, Ökonomen warnten inzwischen auch einem Abwärtstrend.

Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge ist der Auftragseingang der deutschen Industrie in vierten Monat in Folge zurückgegangen. Dies sei die „längste Auftragsflaute seit der letzten Finanzkrise“, konstatierte die FAZ. Analysten, die eine konjunkturelle Belebung erwarteten, zeigten sich überrascht von dem schwachen Jahresauftakt. Der Auftragsrückgang um 2,5 % im April sei „eine weitere kalte Dusche“, erklärte beispielsweise Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Diba-Bank gegenüber der Zeitung. „Die Entwicklung sieht nicht gut aus“, kommentierte auch der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Der „Dämpfer“ wurde zumeist mit der „jüngsten Debatte um Strafzölle“ erklärt, da die handelspolitischen Konflikte „erhebliche Verunsicherung“ in die Wirtschaft hineintragen würden.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Die-Rezession-der-Neuen-Rechten-4074987.html

Kapitalismus vor neuer Krisenphase?

Sonntag, 03. Juni 2018

Telepolis, 01.06.2018

Durch eskalierende Handelskriege droht der labilen Weltwirtschaft ein neuer Krisenschub

Der Rechtspopulist im Weißen Haus macht ernst. Mit der Verhängung von Strafzöllen auf Aluminium und Stahl durch die Trump-Administration scheint ein globaler Handelskrieg kaum noch abwendbar. Seit dem 1. Juni gelten in den Vereinigten Staaten Einfuhrzölle von 25% auf Stahl und 10% auf Aluminium, die auf entsprechende Waren aus der Europäischen Union, Kanada und Mexiko erlassen.

Alle drei betroffenen Volkswirtschaften und Währungsräume kündigten umgehend Vergeltung an. Aufgrund des hohen Handelsdefizits der Vereinigten Staaten dürfte sich die ökonomische Wirksamkeit dieser Gegenmaßnahmen aber in Grenzen halten. Die Europäische Union, die vorerst auf konkrete Maßnahmen verzichtete, drohte zuvor beispielsweise an, Strafzölle von bis zu 25 % auf amerikanische Motorräder, Zigarren, Saft und Erdnussbutter zu erlassen.

In einer ersten Reaktion sprach die EU-Kommission von einem „schlechten Tag für den Welthandel“, während die Bundesregierung Washingtons Vorgehen als „rechtswidrig“ bezeichnete. Der deutsche Außenminister Heiko Maas forderte ein geschlossenes Vorgehen der EU im kommenden Handelskrieg: „Unsere Antwort auf ‚America First‘ kann nur heißen: ‚Europe united‘.“ Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wiederum warnte vor der Kriegsgefahr, die im Zuge des „ökonomischen Nationalismus“, den Rechtspopulisten wie Donald Trump praktizieren, zunehme. Macron zog dabei Parallelen zwischen den 30er Jahren des 20 Jahrhunderts und der gegenwärtigen Krisenperiode.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Kapitalismus-vor-neuer-Krisenphase-4063148.html

Trump gewährt Aufschub für Einfuhrzölle

Donnerstag, 03. Mai 2018

Telepolis, 02.05.2018

Von der Agenda 2010 zur Exportweltmeisterschaft – kurze Geschichte der Exportausrichtung der Bundesrepublik

Trump ließ am 1. Mai Gnade walten. Weniger als vier Stunden vor Inkrafttreten der amerikanischen Einfuhrzölle auf Stahl und Aluminium hat die US-Regierung der EU, Mexiko und Kanada eine letztmalige Fristverlängerung bis zum 1. Juni gewährt. Damit sollen die Verhandlungen um neue Handelsabkommen, die zwischen EU und USA geführt werden, ohne handelspolitische Eskalation zum Abschluss gebracht werden können.

Dieser Aufschub verschafft vor allem dem Exportweltmeister Deutschland eine kurze Atempause. Kein anderer Industriestaat ist dermaßen stark von Exportüberschüssen abhängig wie die Bundesrepublik. 2017 exportierte die Bundesrepublik laut Statistischem Bundesamt Waren im Wert von 1,27 Billionen Euro, bei einem Überschuss in der Außenhandelsbilanz von 244,9 Milliarden Euro. Hieraus ergibt sich ein extremer deutscher Leistungsbilanzüberschuss von 7,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), der mehr als doppelt so hoch ist wie derjenige Chinas. Deutschland ist somit Exportüberschussweltmeister.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Trump-gewaehrt-Aufschub-fuer-Einfuhrzoelle-4038934.html

Die Systemfrage als Überlebensfrage

Samstag, 21. April 2018

Telepolis, 21.04.2018

Ein Kommentar zur rasch anwachsenden globalen Kriegsgefahr

Irgendwann wird es schiefgehen. Irgendwann – in ein paar Wochen, Monaten oder Jahren – wird es den am eskalierenden neoimperialistischen Great Game beteiligten Staaten nicht mehr gelingen, eine der sich häufenden geopolitischen Konfrontationen rechtzeitig zu entschärfen, um eine direkte militärische Konfrontation zu verhindern. Syrien, Iran, Ukraine, Türkei, Südchinesisches Meer, Taiwan – an Brandherden, die den kalten imperialistischen Machtpoker in einen verheerenden Großkrieg umschlagen lassen können, mangelt es nun wahrlich nicht.

Das spätkapitalistische Weltsystem scheint sich in einer spannungsreichen Vorkriegszeit zu befinden. Die einzelnen Machtblöcke und Staaten sind bereit, bei ihren regionalen oder globalen Machtstreben immer mehr zu riskieren, die nackten Interessen treten immer deutlicher hervor, während die Propaganda nur noch nachlässig, oberflächlich, als eine reine Pflichtübung betrieben wird.

Selbst die Propagandisten der imperialistischen Mächte, von Fox News bis Russia Today, glauben nicht mehr an die Rhetorik vom Menschen- oder Völkerrecht, mit der ihre brutale Machtpolitik, etwa in Syrien, müde gerechtfertigt wird.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Die-Systemfrage-als-Ueberlebensfrage-4029017.html

Vom Kalten zum Heißen Handelskrieg?

Donnerstag, 05. April 2018

Telepolis. 05.04.2018

Berlin scheint Partei zu ergreifen im eskalierenden Handelskonflikt zwischen Peking und Washington

Nun geht es Schlag auf Schlag. Nachdem Peking – in Reaktion auf Trumps Strafzölle auf Aluminium und Stahlprodukte – Anfang April bekannt gab, Handelshürden für 128 amerikanische Produkt zu errichten, drehte am vergangenen Dienstag wiederum Washington an der Eskalationsschraube.

Die von der US-Administration veröffentlichte Liste von Waren, die mit Strafzöllen belegt werden sollen, umfasst 1300 unterschiedliche Produkte. Der Gesamtwert dieser chinesischen Importe soll sich laut dem Büro des US-Handelsbeauftragten Robert Lighthizer auf rund 50 Milliarden US-Dollar summieren.

Damit verlassen die Vereinigten Staaten das Terrain symbolischer Aktionen in den handelspolitischen Auseinandersetzungen der vergangenen Monate und gehen – die Appelle Pekings zur Mäßigung ignorierend – in die Offensive. Die Trump-Administration scheint entschlossen, den chinesischen Handelsüberschuss, der zuletzt 375 Milliarden US-Dollar betrug, schnell und deutlich zu reduzieren.

Betroffen von den Zollhürden Washingtons, die bis zu 25 Prozent der Importpreise erreichen sollen, sind vor allem komplexe Hightech-Waren, die in Produktionsketten mit einer hohen Wertschöpfung hergestellt werden: Elektroprodukte, Maschinen, Flugzeugteile und Medizinprodukte. Nach einem kurzen Prüfprozess sollen die Zölle schon binnen eines Monats verhängt werden.

China warnte abermals vor den drohenden ökonomischen Folgen eines Handelskrieges für die gesamte Weltwirtschaft – und kündigte entsprechende Vergeltungsmaßnahmen gegenüber Washington „in gleicher Höhe und gleichem Ausmaß“ an. Man sei „zuversichtlich und in der Lage, auf jeden Handelsprotektionismus der USA zu antworten“, hieß es aus Peking.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Vom-Kalten-zum-Heissen-Handelskrieg-4011035.html

Dollar vor dem Abstieg?

Dienstag, 27. März 2018

Telepolis, 27.03.2018

In Reaktion auf Strafzölle Washingtons scheint China einen Angriff auf den Petrodollar führen zu wollen

Trump macht Ernst mit seiner protektionistischen Politik. Während die EU noch einen Aufschub bis Mai erhielt, muss China eine Antwort finden auf die umfassenden Strafzölle, die Washington am 22. März verhängte. Die Höhe der Zölle soll sich auf rund 60 Milliarden US-Dollar jährlich belaufen.

Zugleich dient die vorläufige Aussetzung der US-Handelshürden für die EU vor allem dazu, Brüssel und Berlin in die amerikanische Front im Handelskrieg gegen Peking einzubinden. Der langfristige Verzicht Washingtons auf Strafzölle gegen europäische Waren ist nur dann möglich, wenn Deutscheuropa seine eigenständigen geopolitischen Ambitionen zurückfährt und sich in die antichinesische Allianz Washingtons einreiht.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Dollar-vor-dem-Abstieg-4006084.html

Das Ende der Globalisierung

Freitag, 23. März 2018

Telepolis, 23.03.2018

Der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA, China und der EU deutet auf ein drohendes Auseinanderbrechen der globalisierten Weltwirtschaft

Im Streit um die enormen globalen Handelsungleichgewichte stehen die Zeichen auf Eskalation. Der neue Wirtschaftsberater des rechtspopulistischen US-Präsidenten Donald Trump, Larry Kudlow, griff noch vor seiner offiziellen Ernennung die Europäische Union und China scharf an.

Die EU betreibe eine „sehr schlechte protektionistische Politik“, China habe „seit langem nicht nach den Regeln gespielt“, so der innerhalb der Republikaner gut vernetzte Kudlow, der Gary Cohn als ökonomischer Chefberater des Präsidenten ablöst. Cohn hat sich mit Trump gerade in der Streitfrage protektionistischer Politik überworfen, nachdem der US-Präsident erste Zölle für Stahl und Aluminium ankündigte.

Inzwischen warnt auch China, das sich bisher in dem Handelsstreit eher zurückhielt, vor weiteren protektionistischen Maßnahmen der USA, die nicht unbeantwortet bleiben würden. Man habe sich große Mühe gegeben, „einen Handelskrieg zu vermeiden, aber wenn einer ausbricht, ist Appeasement keine Option“, zitierte Spiegel Online aus einem Leitartikel der staatlichen Zeitung Global Times. Amerika müsse die Ärmel aufkrempeln und endlich lernen, hart zu arbeiten, hieß es in dem parteinahen Organ:

„Wenn die USA ihr Handelsdefizit reduzieren wollen, müssen sie die Amerikaner dazu bringen, härter zu arbeiten. Und sie müssen Reformen in Einklang mit der internationalen Marktnachfrage durchführen, statt den Rest der Welt aufzufordern, sich zu ändern.“

Link: https://www.heise.de/tp/features/Das-Ende-der-Globalisierung-3999761.html?seite=all

Handelserleichterungen gegen Zugeständnisse

Montag, 19. März 2018

Neues Deutschland, 19.03.2018
Die Trump-Administration geht dazu über, Strafzölle als geopolitischen Hebel zu benutzen

»Hast du keinen Stahl, hast du kein Land.« Mit einem seiner charakteristisch simplen Sprüche kündigte US-Präsident Donald Trump Anfang März die Einführung von Zöllen zum Schutz der US-Stahlindustrie an, die er als vital für die »nationale Sicherheit« der USA bezeichnete. Doch für wen werden diese neuen Zölle von 25 Prozent auf Stahl und 10 Prozent auf Aluminium eigentlich gelten?

Kurz vor Trumps Ansprache sind bereits Ausnahmen für Kanada und Mexiko in Aussicht gestellt worden. Doch dies hat seinen Preis: Beide Länder müssen das Freihandelsabkommen NAFTA nachverhandeln, das die Trump-Administration als unvorteilhaft für Washington ansieht. Handelserleichterungen gegen politische Zugeständnisse – dieses Muster einer neuen US-Politik, die Protektionismus als machtpolitischen Hebel benutzt, scheint sich zu verfestigen.

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Trump stahlhart

Samstag, 03. März 2018

Telepolis, 03.03.2018

Die handelspolitischen Auseinandersetzungen zwischen den USA, China und der EU drohen zu einem ausgewachsenen globalen Handelskrieg zu eskalieren – mit Deutschland als dem Hauptleidtragenden

Amerikas rechtspopulistischer Präsident Donald Trump scheint entschlossen, das enorme amerikanische Handelsdefizit von zuletzt 566 Milliarden US-Dollar durch Strafzölle nachhaltig zu senken – auch auf Kosten der exportfixierten deutschen Volkswirtschaft, die bei den nun akut drohenden Handelskriegen sich in einer äußerst exponierten strategischen Lage wiederfindet.

Die Vereinigten Staaten wollen künftig einen Importzoll von 25 Prozent bei Stahl und zehn Prozent bei Aluminium verlangen. Mit dieser Maßnahme will der Rechtspopulist Trump sein nationalistisches Wahlversprechen einhalten, mittels protektionistischer Maßnahmen eine Reindustrialisierung der Vereinigten Staaten einzuleiten. Die US-Industrie sei „unfair“ behandelt worden, die Zölle sollen für eine sehr lange Zeitspanne gelten, so dass Amerika wieder „neue Jobs“ und „pulsierende Unternehmen“ bekommen werde, erklärte der Präsident bei einem Treffen mit Unternehmern.

Schon beim Amtsantritt kündigte Donald Trump an, die Deindustrialisierung der Vereinigten Staaten zu revidieren, für die er die extremen Handelsdefizite verantwortlich macht, die Amerika gegenüber China und Deutschland aufweist. Ausdrücklich kritisierte der US-Präsident damals deutsche Fahrzeughersteller. In die USA importierte Waren, die in China oder Deutschland fabriziert werden, schaffen logischerweise in den Exportländern Arbeitsplätze – und nicht in den USA.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Trump-stahlhart-3985723.html

Von Spekulationsblasen und Robotern

Montag, 12. Februar 2018

Telepolis, 12.02.2018

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem wild wuchernden Finanzsektor und der durch fortschreitende Digitalisierung forcierten Krise der Arbeitsgesellschaft?

Die deutsche IT-Industrie warnte Anfang Februar die Gesellschaft vor sich selbst: Gut zehn Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze sollen dem IT-Verband Bitkom zufolge in Deutschland im Gefolge der voranschreitenden „Digitalisierung“ der Wirtschaft verloren gehen.

Rund 3,4 Millionen Stellen würden laut einer Umfrage in den kommenden fünf Jahren wegfallen, die Bitkom unter 500 Unternehmen durchführte. Rund 25 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen mit einer Belegschaft von mehr als 20 Lohnabhängigen gaben zudem an, durch die Digitalisierung ihre Existenz bedroht zu sehen.

Dabei frisst die digitale Revolution inzwischen ihre eigenen Kinder, wie Bitkom-Präsident Achim Berg anhand der Beschäftigungsentwicklung in der Sparte der Kommunikationstechnik ausführte. Derzeit gebe es rund 20.000 Arbeitsplätze in diesem Sektor, während es Mitte der 1990er Jahre noch 200.000 Jobs waren.

Links: https://www.heise.de/tp/features/Von-Spekulationsblasen-und-Robotern-3965236.html