Welcome, Robot Overlords

Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis vollautomatische Killerdrohnen die Schlachtfelder des 21. Jahrhunderts dominieren werden.

22.07.2026, erschien leicht modifiziert unter dem Titel Vollautomatisiertes Töten in der Jungle World 2026/29

Vor rund zwei Jahren wurde in der Ukraine ein neues, dystopisches Kapitel drohnengestützter Kriegsführung aufgeschlagen. Laut Informationen der Zeitschrift The New Scientist haben die Streitkräfte der Ukraine bei einem experimentellen Angriff erstmals vollautonome Angriffsdrohnen gegen die russischen Invasionstruppen eingesetzt, die hierbei tatsächlich Verluste an Mann und Material erlitten haben sollen.1 

Vertreter ukrainischer Drohnenproduzenten gaben gegenüber dem britischen Wissenschaftsblatt an, 2024 zehn Quadcopter Drohnen mit AI-Modellen ausgestattet zu haben, die einen Frontabschnitt von drei bis fünf Kilometer abdecken sollten, um sie hiernach in einen „Terminator-Modus“ zu versetzen, bei dem die Drohnen vollautomatisch Ziele erfassen und angreifen sollten. Der experimentelle Angriff soll partiell erfolgreich gewesen sein: Russische Truppen und Fahrzeuge wurden getroffen. Ende 2025 publizierte die New York Times einen Hintergrundbericht zur Evolution der Drohnentechnik im Ukrainekrieg, der ebenfalls zur Schlussfolgerung gelangte, dass inzwischen nahezu alle Angriffsphasen automatisiert werden können.2

Die Ukraine verbietet bislang den Einsatz vollautomatischer KI-Killerdrohnen, auf Nachfrage des The New Scientist erklärten Armeesprecher, dass bislang immer ein Mensch in der Angriffskette ukrainischer Drohnensysteme involviert sei. Die derzeit an der Front eingesetzten Systeme sind bereits in der Lage, automatisch Ziele zu lokalisieren, zu erfassen und die finalen Meter des Angriffs vollautomatisch durchzuführen, um die Operationen zu vereinfachen, erläuterten ukrainische Armeeangehörige, doch würden die Angriffsbefehle immer innerhalb der militärischen Hierarchie von Menschen erteilt. 

Der große Gleichmacher

Es gibt kein offizielles Verbot vollautomatischer KI-Killersysteme seitens der UN, doch bislang hat keine kriegsführende Partei deren Einsatz offiziell zugelassen, was inzwischen nur noch eine politisch-ethische Hürde darstellt. Und diese Hürde dürfte bald fallen, da die militärischen Vorteile einer vollautomatischen Drohnenkriegsführung immer deutlicher zutage treten. Die Drohne ist der große Gleichmacher des frühen 21. Jahrhunderts, der es unterlegenen Kriegsparteien ermöglicht, militärisch weit überlegene Gegner in Schach zu halten und Konflikte zu verlängern. 

Der massive Einsatz von Drohnen ermöglichte es der Ukraine, die russische Invasion Mitte 2026 – zumindest vorläufig – nahezu vollständig zum Stillstand kommen zu lassen, obwohl der Kreml weitaus größere Ressourcen für seinen Angriffskrieg mobilisieren konnte. Ukrainische Drohnen machen inzwischen nicht nur russische Großangriffe an der Front unmöglich, um den Kreml in einen Stellungskrieg zu zwingen, sie erreichen inzwischen auch die russischen Nachschublinien im Hinterland, etwa die Strecke zwischen Mariupol und der Krim, was die Versorgung der russischen Invasionstruppen erschwert. Die spektakulären Angriffe auf Russlands Energiesektor, wie auch die Marginalisierung der russischen Schwarzmeerflotte – sie wären ohne massiven Einsatz von Langstrecken- und Seedrohnen nicht möglich gewesen. 

Dasselbe Szenario, bei der die Drohne als militärischer Gleichmacher fungierte, gilt für andere aktuelle Konflikte: bei der strategischen Niederlage der USA im Krieg gegen den Iran spielten billige, massenhaft eingesetzte Drohnen eine wichtige Rolle – vor allem bei Angriffen gegen die Golfstaaten und bei der Blockade der Straße von Hormus. Ähnlich verhält es sich bei dem Krieg zwischen Israel und der Hisbollah im Südlibanon, wo die schiitische Miliz der israelischen Armee empfindliche Verluste durch Drohnenschläge zufügen konnte. 

Wohin tendiert diese militärisch-technische Entwicklung? Das Aufkommen der vollautomatischen KI-Drohne ist faktisch zwangsläufig, gerade vor dem Hintergrund der allgemeinen krisenbedingten Verrohung und Barbarisierung, da sie den Fluchtpunkt der Rüstungsspirale bei dieser Waffengattung darstellt, die sich mit dem Ukraine-Krieg voll entfaltete: Der Einsatz ferngelenkter Drohnen führte zum Aufkommen elektronischer Störeinrichtungern, die wiederum mittels Glasfaserkabel gekontert wurden, die Front-Drohnen Reichweiten von mehreren Dutzend Kilometer ermöglichen. Inzwischen werden auch diese kabelgestützten Drohnen durch Abwehrsysteme gekontert, die auf das Kappen dieser Glasfaserkabel abzielen. Hinzu kommt die Entwicklung von Abfangdrohnen, die Angriffsdrohnen ausschalten sollen.  

Pentagon vs. Anthropic

Die vollautomatische KI-Drohne, die überhaupt keine Verbindung mehr zu einem menschlichen Kontrolleur braucht, würde die meisten bisherigen Abwehrmaßnahmen überwinden. Dabei bildet der KI-gesteuerte Drohnenschwarm, der aus hunderten oder gar tausenden Drohnen besteht, um ganze Frontabschnitte anzugreifen und hierdurch Breschen zu schlagen, den dystopischen Endpunkt dieser Rüstungsspirale, wie er etwa im zweiten Teil der Matrix-Trilogie visualisiert wurde. Wobei inzwischen eher die Finanzen als die Technik die entscheidende Hürde bei der Realisierung dieser Horrorvision darstellen dürften – der Schwarm müsste seine Rechenkapazitäten und seinen Speicher beim Angriff mitführen, was nicht nur angesichts der KI-Blase sehr teuer wäre.

Insofern verwundert es nicht, dass die entsprechenden Auseinandersetzungen um den Aufbau autonomer KI-Killersysteme vor allem im aufgeblähten militärisch-industriellen Komplex der USA geführt werden. Im Februar 2026 kam es gerade bei dieser Streitfrage zum spektakulären Bruch zwischen dem Pentagon und dem KI-Konzern Anthropic, als der Chef des Konzerns, Dario Amodei, sich der Erforschung und Anwendung vollautomatischer KI-Waffensysteme ohne eine explizite rechtliche Basis widersetzte. Zur Klarstellung: Amodei hat nur die Massenüberwachung von US-Bürgern mittels seiner KI-Systeme abgelehnt, KI-Killermaschinen wurden hingegen nicht prinzipiell ausgeschlossen. Das Pentagon hat hiernach die bereits bestehenden Abmachungen mit Anthropic gekündigt, neue Verträge mit OpenAI und Musks Grok abgeschlossen – und Amodeis Konzern zu einer nationalen Sicherheitsbedrohung erklärt. Diese Entscheidung revidierte Trump erst Mitte Juni nach einem Gespräch mit Amodei.3 

KI-Kriegsverbrechen? 

Dabei setzte das Pentagon bereits massiv Anthropics KI-Systeme innerhalb seiner Militärmaschinerie ein: Schon bei der Entführung des venezolanischen Staatschefs Marudo sollen diese im Rahmen der Zielerfassung eine wichtige Rolle gespielt haben. Eine zentrale Rolle spielten diese miteinander verwobenen Zielerfassungssysteme – Palantirs Maven und Anthropics Claude – bei der Planung und Durchführung des Iran-Krieges. Mittels dieser Auswertungs- und Erfassungssysteme war es dem Pentagon möglich, binnen der ersten 24 Stunden rund 1000 Ziele im Iran erfolgreich anzugreifen. Nicht nur die Zielerfassung, auch die Befehlskette erfährt eine ungeheure Beschleunigung: Vor allem die Zeitspanne zwischen Zielortung – etwa von mobilen Raketenabschussrampen – und Angriff können KI-Systeme substanziell verkürzen. Die Ära des Echtzeitkriegs, bei dem weitgehend automatisierte Hightech-Militärmaschinen eingehende Informationen unverzüglich in militärische Reaktionen umwandeln, scheint zum Greifen nahe. 

Alle KI-Systeme arbeiten mit statistischen Wahrscheinlichkeiten, die im Training eingeschliffen werden. Es sind mit gigantischen Rechenkapazitäten ausgestattete Autovervollständigungs-Lösungen, die mit mathematischer Zwangsläufigkeit zu den hinlänglich bekannten Halluzinationen führen, gerade wenn sie mit veraltetem Material gefüttert werden. Welche Konsequenzen solche KI-Fehler haben, wurde in den ersten Stunden des Iran-Krieges offensichtlich, als eine US-Rakete 175 Opfer in einer Mädchenschule forderte,4 die aufgrund veralteter Daten von den KI-Systemen des Pentagons als legitimes Ziel markiert worden war, was auch ein bezeichnendes Licht auf die menschliche Kontrolle dieser KI-Zielbestimmungen im Pentagon eines Pete Hegseth wirft.

Dieser massenmörderische Angriff könnte das erste KI-Kriegsverbrechen der Militärgeschichte markieren. Tausend Ziele konnte die US-Armee in 24 Stunden dank ihrer KI-Systeme im Iran angreifen – und eine Mädchenschule, die vor wenigen Jahren in unmittelbarer Nähe eines Komplexes der Revolutionsgarden eingerichtet worden war.   


1  https://www.newscientist.com/article/2529849-fully-autonomous-drones-have-killed-human-soldiers-for-the-first-time/

2  https://www.nytimes.com/2025/12/31/magazine/ukraine-ai-drones-war-russia.html

3  https://www.msn.com/en-us/politics/government/trump-says-anthropic-is-no-longer-a-national-security-threat-after-g7-lunch-with-amodei/ar-AA265yjJ

4  https://www.independent.co.uk/news/world/americas/us-politics/iran-school-attack-ai-investigation-b2937456.html

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