Wackliger Vertrag

„Junge Welt“, 23.05.2007
Einstieg des Axel-Springer-Verlages in den polnischen Fernsehmarkt könnte am Widerstand des Kartellamtes scheitern

Der Axel-Springer-Verlag bemüht sich seit mehreren Monaten, in Polen das zu realisieren, was die deutschen Kartellbehörden dem Medienkonzern verwehrten – den großangelegten Einstieg in den Fernsehmarkt. Schon vor einem halben Jahr unterzeichnete die Axel Springer AG einen Vorvertrag mit dem polnischen Fernsehenkonzern Polsat über den Erwerb von 25,1 Prozent der Unternehmensaktien. Der 1992 gegründete Polsat-Konzern ist mit zwei Vollprogrammen, Pay-TV-Angeboten und diversen Spartenkanälen der zweitgrößte Programmanbieter auf dem polnischen Fernsehmarkt. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Senderfamilie bei einem Umsatz von 213 Millionen Euro einen Nettogewinn von 72 Millionen.

Doch die Expansionsträume des Springer-Konzerns könnten noch platzen. Am 19. Mai berichtete die polnische Tageszeitung Gazeta Wyborcza, daß der Hauptaktionär und Vorsitzende des Aufsichtsrats von Polsat, Zygmunt Solorz-ak, auf eine Annullierung des Vorvertrags hofft. Aus dem Umfeld des polnischen Milliardärs hieß es, bei erneuten Verhandlungen über das Aktienpaket könnte ein wesentlich höherer Preis erzielt werden, als die 300 Millionen Euro, auf die man sich vor gut sechs Monaten mit der Springer AG einigte. Zudem, so zitiert die Wyborcza einen namentlich nicht genannten Insider, müsse man in einem solchen Fall »nicht unbedingt« an Springer verkaufen.

Ein solcher Fall – also eine Annullierung des Vorvertrages – könnte schon im Juli eintreten, wenn die Frist zur seiner endgültigen Ratifizierung abläuft. Dieser Bestätigung steht aber das polnische Gegenstück zum deutschen Kartellamt, das »Amt zum Schutze der Konkurrenz und der Konsumenten« (UOKiK), im Wege. Im April ließ das UOKiK den Vertrag zwischen Springer und Polsat auf Eis legen, da die polnischen Marktwächter ernsthafte Bedenken bezüglich der Mitspracherechte Springers bei der Unternehmenspolitik Polsats äußerten, sollte der Aktiendeal realisiert werden. Obwohl der deutsche Medienkonzern nur ein Viertel der Anteile übernehmen sollte, wären laut Vertrag keine gewichtigen finanziellen oder personellen Entscheidungen ohne die Zustimmung Springers möglich – Polsat hätte dann mit einer deutschen Sperrminorität zu kämpfen.

Auf dem polnischen Zeitschriftenmarkt nimmt die Axel Springer AG bereits eine dominierende Stellung ein. Der Konzern bringt mit dem Bild-Ableger Fakt die auflagenstärkste Zeitung auf den Markt, die um besonders gute Beziehungen zur regierenden polnischen Rechten bemühte Dziennik liegt bereits auf Platz drei. Hinzu kommen noch die Wochenzeitung Newsweek Polska und diverse Zeitschriften und Magazine.

Der Gazeta Wyborcza zufolge soll das Einschreiten des UOKiK auch politische Hintergründe haben. Die Behinderung des Aktiendeals zwischen Springer und Polsat sei ein »politisches Manifest der Kaczynski-Brüder«, um den Einfluß deutschen Kapitals auf die polnische Medienlandschaft in Grenzen zu halten, heißt es in Kommentaren. Letztlich könnte es der Axel Springer AG in Polen also ähnlich ergehen wie mit der ProSiebenSat.1 Media AG bei dem 2006 gescheiterten Übernahmeversuch.

Die Kommentarfunktion zu diesem Beitrag wurde deaktiviert.