Erneut schwere Unruhen in Tallinn

„Junge Welt“, 30.04.07
Ein Toter, 160 Verletzte bei Zusammenstößen mit der Polizei nach Denkmal-Abriß. Putin »besorgt«

Die durch den Abriß des sowjetischen Ehrenmals in der estnischen Hauptstadt Tallinn ausgelösten Unruhen setzten sich am Wochenende fort. Am Samstag wurden Proteste der russischen Minderheit auch aus den Städten Johvi und Kohtla-Järve im Osten Estlands gemeldet. In Tallinn gingen abermals Tausende Demonstranten auf die Straße, bei Zusammenstößen mit der Polizei wurden ein junger Russe getötet und rund 160 Menschen verletzt. Bei Massenverhaftungen nahmen die Sicherheitskräfte über des Wochenende an die 1000 Demonstranten fest. Moskau erhob nach dem Tod des Russen schwere Vorwürfe gegen Tallinn und erklärte, der junge Mann sei umgekommen, als die Polizei mit »exzessiver Gewalt« Demonstranten beim Protest gegen den Abbau des Denkmals auseinandergetrieben habe. Tallinn wies die Vorwürfe als »haltlos« zurück.

Am Samstag nachmittag begann die Exhumierung der sterblichen Überreste der sowjetischen Soldaten, die in der Nähe des Denkmals bestattet wurden. Die Schleifung des Ehrenmals, wie auch das brutale Vorgehen der estnischen Polizei lösten nicht nur in Rußland breite Empörung aus. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bezeichnete das Vorgehen der estnischen Regierung als repressiv. Die Regierung in Tallinn kündigte am Sonntag den Wiederaufbau des Denkmals auf einem Militärfriedhof an.

In einem Telefonat mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich der russische Präsident Wladimir Putin »ernsthaft besorgt« über die seit Tagen anhaltenden Unruhen in Estland geäußert. Die russische Regierungspartei »Einheitliches Rußland« forderte die internationale Gemeischaft auf, eindeutig Stellung zu beziehen: »Wir rufen alle Staaten der Weltgemeinschaft auf, die faschistischen Handlungen der estnischen Regierung zu verurteilen«, heißt es in einem am Samstag veröffentlichten Aufruf.

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