»Kaukasus-Plan« aufgedeckt

„Junge Welt“, 28.04.2008
Russische Fernsehdokumentation thematisiert westliche Unterstützung der tschetschenischen Separatisten in 1990er Jahren

Eine Dokumentation des russischen Fernsehens sorgt derzeit international für hitzige Diskussionen. Unter dem Titel »Der Kaukasus-Plan« strahlte der Kanal 1 vor wenigen Tagen eine zuvor breit beworbene Sendung über die Ursachen des Bürgerkriegs in Tschetschenien aus. In der vom kremlnahen Journalisten Anton Wernitski produzierten Dokumentation wird behauptet, westliche Geheimdienste hätten in den 90er Jahren die tschetschenischen Separatisten massiv unterstützt. Der Regisseur sieht einen dahinter stehenden »Kaukasus-Plan« sogar als Teil einer umfassenderen Strategie des Westens. Sie ziele nach dem Zerfall der Sowjet­union darauf ab, Rußland »in viele kleine Staatsgebilde zu zerschlagen«, wie die Onlinezeitschrift News.ru erläuterte.

In dem Dokumentarfilm wird mehreren Westmächten vorgeworfen, der von Dschochar Dudajew Ende 1991 einseitig und ohne russische Anerkennung ausgerufenen »Tschetschenischen Republik Itschkeria« mannigfaltige Hilfestellung geleistet zu haben. So soll die neue Währung der »Republik« in Deutschland gedruckt worden sein, während Frankreich die Herstellung der neuen tschetschenischen Reisepässe übernommen habe. Der Waffennachschub für Dudajews Kämpfer soll über Georgien organisiert worden sein. Die Sezessionisten wurden laut der Dokumentation ebenfalls von den USA, Großbritannien, Saudi-Arabien und vor allem von der Türkei unterstützt.

Als Kronzeuge tritt in der Politreportage der 1992 von Dudajew ernannte Vizeaußenminister Berkan Yashar auf. Er soll seit Dekaden auf der Gehaltsliste des amerikanischen Außenministeriums gestanden haben. Yashar, ein türkischer Staatsbürger tschetschenischer Herkunft, soll ebenso über engste Kontakte zur türkischen Regierung verfügt haben. Nach Angaben der Filmemacher war er die zentrale Figur bei den finanziellen Transaktionen der tsche­tschenischen Separatisten. Zur weiteren Finanzierung soll ein großer Schmugglerring aufgebaut worden sein, in dem das tschetschenische Territorium als Umschlagplatz für Diamanten aus dem Norden Rußlands benutzt wurde.

Yashars Vorgesetzter, der ehemalige tschetschenische Außenminister Shamseddin Yusuf, bestätigte das Engagement amerikanischer Geheimdienste bei der Förderung der Sezessionisten: »Die CIA nahm uns sogar mit nach London«, berichtete Yusuf gegenüber den Filmemachern. Zitiert wird auch der US-amerikanische neokonservative Politiker Richard Perle. Er bestätigte, daß Washington Dudajew »spirituelle und finanzielle Unterstützung« angedeihen ließ. Perle ist Mitglied des »Amerikanischen Komitees für Frieden in Tschetschenien«.

Auf die in der Dokumentation erhobenen Anschuldigungen reagierte umgehend der inzwischen in Prag stationierte US-Sender Radio Free Europe– Radio Liberty (RFE/RL). Demnach grenzt die von Wernitski produzierte TV-Dokumentation an »sowjetische Propaganda«, die »Verschwörungstheorien« in Umlauf bringe. Dennoch mußte der befragte türkische Repräsentant der tschetschenischen Separatisten, Medet Onlu, gegenüber dem US-Sender zugeben, daß Yashar in den betreffenden Jahren eine wichtige Rolle gespielt hat.

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