Militärfreunden die Stimmung vermiesen

„Junge Welt“, 10.07.2007
Ein breites linkes Bündnis macht gegen Sommerfest der Bundeswehr mitten in Hannover mobil

Am kommenden Freitag wird die 1. Panzerdivision der Bundeswehr im Stadtpark von Hannover ihr »Sommerbiwak« veranstalten, um im »zivilen Umfeld« den »Zauber der Nacht« zu genießen. Mit dieser bereits zum 34.Mal veranstalteten Propagandashow soll vor allem die »Verbundenheit der Bevölkerung der Patenstadt Hannover« mit ihrer zur weltweit operierenden Interventionstruppe transformierten 1. Panzerdivision zelebriert werden, wie die alljährlich ihre Grußbotschaften verlesenden SPD-Bürgermeister Hannovers regelmäßig betonen. 6 500 geladene Gäste aus Poltik, Wirtschaft und Militär wollen unter Tarnnetzen, zu Fackelschein und Militärmusik »Europas schönstes Gartenfest« genießen, so die Selbsteinschätzung der ästhetisch sichtlich verwirrten Organisatoren des schmissigen Spektakels.

Die 1. Panzerdivision ist nach Meinung des Generalinspekteurs des Heeres, Generalleutnant Hans-Otto Budde, »die Speerspitze der gepanzerten Kräfte des Heeres und bildet den Kern der Eingreifkräfte« der deutschen Miltärmaschinerie. Die Angehörigen der Division waren bisher an Militäreinsätzen und Okkupationen in Kambodscha, Bosnien- Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Afghanistan und Kuwait beteiligt. Mit dem Sommerbiwak soll die Akzeptanz dieser zur Angriffsarmee hochgerüsteten Bundeswehr in der Bevölkerung forciert und die »Normalisierung« einer mit militärischen Mitteln durchgesetzten Interessenpolitik der BRD befördert werden. Nicht zuletzt waren es Fennek-Schützenpanzer der Division, die Anfang Juni gegen den G-8-Widerstand rund um Heiligendamm verfassungswidrig eingesetzt wurden.

Seit einiger Zeit schon formiert sich Widerstand gegen diese militaristischen Umtriebe. Vor zwei Jahren hat erstmals eine kleine Gruppe von Linken den Eingang zum Sommerbiwak blockiert, bis sie nach etwa 15 Minuten von prügelnden Feldjägern abgedrängt wurde. Letztes Jahr waren es schon an die 150 Demonstranten, die der noblen Gästeschar ihr »Sommerfest« zu vermiesen trachteten. Dieses Jahr gelang es erstmals, ein Bündnis zu bilden, das ein breites Spektrum progressiver Kräfte umfaßt: von der Linkspartei über pazifistische Gruppen und ATTAC bis hin zur Autonomenszene.

Dieses antimilitaristische Bündnis hat sich auf einen »aktiven Charakter« der Proteste gegen das Sommerbiwak verständigt. Parallel sollen sich am Freitag um 17 Uhr zwei Protestzüge formieren: eine Fahrrad-Demo am Kröpke, sowie ein Umzug an der Hans-Böckler-Allee, Ecke Freundallee. Die Protestteilnehmer sollen sich »die ganze Zeit daran beteiligen, den anreisenden Festbesuchern ihre gute Laune zu vermiesen«, wie die an der Mobilisierung beteiligte »Rote Aktion Kornstraße« (RAK) gegenüber jW betonte.

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