Die Herrschaft der Terror-Clowns

11.01.2026

Anmerkungen zur clownesken Wiederkehr des nackten US-Imperialismus in der Endzeit des Kapitals.

“We live in a world, in the real world, Jake, that is governed by strength, that is governed by force, that is governed by power… These are the iron laws of the world since the beginning of time.”

Stephen Miller1

Nach rund einer Stunde fiel das absurde imperialistische Theater, das die Trump-Administration am 03. Januar anlässlich ihrer erfolgreichen Aggression gegen Venezuela aufführte,2 endgültig in sich zusammen. Trumps Gerede von dem Erdöl, das man nun ausbeuten werde, davon, dass man keine Konkurrenz im US-Hinterhof dulden werde, all dies könnte noch das faschistische Narrativ des Weißen Hauses stützen, wonach die USA mittels bloßer militärischer Gewalt sich „ihre“ westliche Hemisphäre wieder untertan machen müssten. Diese Aufführung verlor aber jedwede Konsistenz, sie driftete ab ins Irrational-Psychedelische, als der Präsident, der längst wie die Realsatire aus Charlie Chaplins „Great Dictator“ wirkt, über die Gründe der Begnadigung von Juan Orlando Hernandez befragt wurde, des ehemaligen Präsidenten von Honduras, der eine langjährige Gefängnisstrafe wegen Drogenhandels absaß.3

Trumps clowneske Horrorshow 

Hernandez sei ungerecht behandelt und „verfolgt“ worden, ähnlich wie „ein Mann namens Trump“ von Joe Biden, so Trump. Das macht den mittelamerikanischen Drogendealer und den US-Präsidenten quasi zu Schicksalsgefährten. „Ich, ich, ich“; – plötzlich dreht sich minutenlang alles wieder um Donald Trump und das große Unrecht, das ihm durch seine Wahlniederlage zugefügt worden ist. Niemand lacht auf, alle bleiben bitterernst und professionell – und je weiter die Berichterstattung sich von dieser grotesken Pressekonferenz entfernt, desto seriöser erscheint die Freakshow, die dort aufgeführt wurde. Die Massenmedien schaffen es, diesen Auftritt zu „professionalisieren“, sie überspachteln den trumpschen Wahn mit wohlmeinenden Interpretationen, CNN4 und New York Times (NYT)5 legitimieren gar die US-Intervention in Caracas.

Doch der offen in seiner ganzen Irrationalität und Todessehnsucht zutage tretende faschistische Wahn lässt sich nicht mehr bevormunden – er will die Primetime. Trump ritt sein ganzes professionelles Leben lang die große Geldwelle in einer der verruchtesten semi-mafiösen Branchen der USA, in der Baubranche. Und Trump führt vor Augen, dass danach nur noch ein Stumpf eines Menschen übrig bleibt. Der Hohlkörper, den das Kapital hinterlässt, die narzisstische Subjekthülse, sie kann nur noch den sich in blankem Größenwahn manifestierenden Verwertungszwang des Kapitals imitieren – und das ist es wohl auch, was die Millionen vom Kapital verwüsteten Menschenstümpfe anspricht, die Trump wählen. Sie schauen in den Spiegel und sehen ihren eignen unerfüllten Narzissmus und Größenwahn. It’s all about me, always – bis zur Präsidentschaft oder bis zum Amoklauf6 (Und wieso nicht beides?).

Trump, wie auch ein Großteil seines Kabinetts, erinnert an die Internetgestalt des Horror-Clowns, die 2016 eine kurzfristige Welle von mitunter gewalttätigen Imitationen auslöste.7 Die pathogenen, borderlinehaften Charakterzüge Trumps, sie personifizieren dabei – so will es der offenbar sadistische Weltgeist im Spätkapitalismus – den offen zutage tretenden Irrationalismus des Kapitals, der in seinem sich evident abzeichnenden Kollaps den Zivilisationsprozess mit in den Abgrund zu reißen droht.8 Und es sind gerade solche faschistischen Freaks, solche Terrorclowns der extremen Rechten, die als politische Subjekte diesen objektiven Destruktionsprozess exekutieren.

Washington ist eine Freakshow, lächerlich und abstoßend (Genauso wie Berlin, etc.), die zugleich bitterernst und brandgefährlich ist, da diese Freaks über die größte Militärmaschine der Welt und Tausende von Atomsprengköpfen samt Trägersystemen gebieten. Am empfindlichsten reagieren Amerikas Terror-Clowns, wenn man sich über sie tatsächlich lustig macht. Dies gilt für den US-Präsidenten, wie für dessen rechtsextreme ICE-Milizionäre.

Rackets, Rackets, Rackets

Die infantile imperialistische Angeberei Trumps konzentrierte sich auf die nahezu perfekt abgelaufene militärische Aktion, doch die eigentliche Drecksarbeit ist offenbar von den US-Geheimdiensten, wohl von der CIA, im Vorfeld mit verheerender Effizienz geleistet worden. Offensichtlich ist der venezolanische Staatschef Maduro schlicht verkauft worden an die USA, um einen offenen militärischen Konflikt zu verhindern – und es liegt eigentlich auch offen auf der Hand, von wem der Präsident Venezuelas verraten wurde. Es sind die Regierungsakteure, die nun mit den USA zu kooperieren bereit sind, wie etwa die ehemalige Vizepräsidentin Delcy Rodríguez, die Trump großzügige Spenden zukommen ließ9 und die Maduro bereits beerbt hat.10

By the way: Maduro, der ebenfalls einen Hang zu clownesken Auftritten à la Trump hat, ist selber ein verhinderter Imperialist. Noch vor zwei Jahren drohte er mit der Invasion des benachbarten ölreichen Guyana,11 um im Vorfeld der letzten Wahlen von der verheerenden ökonomischen Lage im Land abzulenken. Und dies ist eine altbekannte Machtlogik, die nicht zuletzt die imperialistische Intervention Trumps – der mit hartnäckiger Inflation und Pädophilieskandalen zu kämpfen hat – gegen Maduro motiviert haben dürfte. 


Die CIA hatte auf jeden Fall ein besseres Verständnis der Herrschaftsstrukturen Venezuelas als Maduros altlinke Anhängerschaft, die sich zumeist aus dem antiimperialistischen Spektrum rekrutiert. Amerikas Geheimdienste sahen ein korruptes Regime, das sich auf den Trümmern des einstigen sozialistischen Anlaufs in Venezuela formiert hat – und dass dessen Machthaber vor allem an stabilen Einnahmen für die eigenen Seilschaften interessiert sind. Der venezolanische „Staat“ ist kein monolithischer Block, sondern eine leicht aufzubrechende Allianz von Rackets, die sich des erodierenden Staatsapparates bemächtigt haben, um ihre partikularen Interessen zu verfolgen. Diese Zerfallsform staatlicher Herrschaft, wo der Staat seiner Funktion als ideeller Gesamtkapitalist verlustig geht, ist charakteristisch für einen Großteil der Peripherie und Semiperipherie des spätkapitalistischen Weltsystems. Der ökonomischer Krisenprozess, der den Staatsapparat gewissermaßen verwildern lässt, greift in seiner Endphase aber auch auf die Zentren über, auch auf die USA Trumps, die sich bereits in eine astreine faschistoide Oligarchie verwandelt haben.  

Wenn die CIA auf Venezuela blickt, dann schaut sie gewissermaßen in den Spiegel, in die nahe Zukunft der USA. Deswegen war es dem Geheimdienst ein Leichtes, sich in den dortigen Zuständen zurechtzufinden und entsprechende Hebel zu betätigen. Man versteht sich: Der militärische Druck, die Sanktionen und zuletzt die Akte nackter Piraterie gegen Öltanker erhöhten den Druck, während zugleich Signale potenzieller Kooperation gen Caracas verschickt worden sind. Das militärische Ergebnis dieser geheimdienstlichen Wühlarbeit: amerikanische Militärhubschrauber konnten in aller Seelenruhe in die Hauptstadt Venezuelas einfliegen, den Präsidenten kidnappen, Dutzende seiner kubanischen Leibwächter ermorden12 und weitgehend – von sporadischem Flugabwehrfeuer abgesehen – unbehelligt den Staatschef ausfliegen, während venezolanische Funktionsträger zu Ruhe und Ordnung aufriefen.   

Regimedesign statt Regimechange  


Was sich hier deutlich abzeichnet, ist eine Weiterentwicklung krisenimperialistischer Praxis durch die Faschisten im Weißen Haus, denen die alten Neocons mit ihren Demokratisierungsplänen verhasst sind. Die USA betreiben keinen Regimechange in Venezuela, das Vorgehen könnte eher als Regimedesign, als die – mitunter kinetische – „Formung“, die Modellierung eines Regimes entlang amerikanischer Interessen bezeichnet werden. Die Kombination von Druck und Gewalt soll die oppositionellen Kräfte innerhalb des Staatsapparates schwächen, während die Kooperationswilligen und Seilschaften durch Anreize gestärkt werden.

Das Ganze könnte als imperialistisches Lean Management bezeichnet werden, bei dem eine direkte militärische Präsenz vor Ort – wie beim blutigen Regime Change der Neocons im Irak – nicht mehr nötig ist. Punktuelle Schläge gegen renitente Gruppierungen, gepaart mit selektiven Anreizen für diejenigen Seilschaften, die im korrupten Machtgefüge einfach nur noch reich werden wollen – darauf läuft die neue Form imperialistischer Aggression hinaus, die nun an Venezuela erprobt wird. Der zentrale Machthebel ist dabei militärisch: Es ist die Möglichkeit der USA, durch Akte von Piraterie den Ölexport Venezuelas nach Belieben zu behindern. Der Ölhahn kann abgedreht werden, falls Caracas nicht spurt.

Die neue Strategie der Regimeformung impliziert aber auch, das es vorerst keine Neuwahlen geben kann – den kooperationswilligen Rackets im Staatsapparat Venezuelas muss Washington eine Perspektive bieten, die zumindest einen geordneten Übergang ermöglicht. Vertreter der US-Administration machten rasch klar, dass es vorerst keine Neuwahlen in Venezuela geben wird. Und auch die irre Trump-Story, wonach der US-Präsident der Nobelpreisträgerin Machado seine politische Unterstützung verweigerte, weil diese den Nobelpreis nicht zu seinen Gunsten abtrat, hat somit durchaus eine krisenimperialsitische Binnenrationalität (Diese Groteske wird aktuell noch die Spitze getrieben, da Machado nun den Friedensnobelpreis an Trump abtreten will, um sich so Chancen auf eine Präsidentschaft in Venezuela zu verschaffen – Machado will ihren Nobel gegen die Präsidentschaft tauschen).13

Zudem geht die Trump-Administration dazu über, ihre Affinität zum ordinären Faschismus immer offener zu artikulieren. Washington will eher an die Tradition der blutigen, faschistischen CIA-Staatsstreiche während der Ära des Kalten Krieges in Lateinamerika anknüpfen, als an die demokratisch ummantelte Rhetorik vom Regime-Change, die sich während der westlichen Weltordnungskriege ab den 90ern etablierte. 

Regional und Imperial

Inzwischen wird offen darüber debattiert, welche neuen Ziele die imperialistische Kriegsmaschine Washingtons ins Visier nehmen wird. Die Aggression gegenüber Venezuela war einfach zu erfolgreich; dies ist das Verhängnis der gesamten Region. Washington ist auf dem Geschmack gekommen, die Faschisten im Weißen Haus haben Blut geleckt. Sie merken, wie schnell etwa der Pädophilieskandal der US-Funktionseliten in den Hintergrund rückte. Bedroht sind faktisch alle lateinamerikanischen Länder, die nicht von rechten Regierungen geführt werden. Trump drohte bereits Kolumbien, Trumps Außenminister erklärte unumwunden, dass Havanna sich Sorgen machen sollte. Die gemäßigt linke Präsidentin Mexikos wurde bedroht, ebenso Panama, dessen Kanal Trump wieder direkt kontrollieren will. 

Trump geht schlicht dazu über, seine zu Beginn der zweiten Amtszeit angedrohte Vision eines panamerikanischen Imperiums14 zu realisieren. Die erodierende globale US-Hegemonie, die Trump im Namen eines altertümlich anmutenden Nationalismus abwickelt, sie wird durch bloße Dominanz, durch das militärisch grundierte Recht des Stärkeren ersetzt. Die bizarren Fieberfantasien, die der amerikanische Staatschef zu Beginn seiner Präsidentschaft absonderte, sie sollen Realität werden.15 Washington erhebt Anspruch auf unumschränkte Dominanz in der gesamten westlichen Hemisphäre. Einerseits will Trump den Zugriff der USA auf die Ressourcen und Energieträger der Region weitgehend monopolisieren. Andererseits soll der Einfluss konkurrierender Mächte, vor allem Chinas und Russlands, in Lateinamerika minimiert werden.

Die enge Kooperation Venezuelas mit Peking, Moskau und Teheran dürfte zur Realisierung der militärischen Option gegen Maduro beigetragen haben. Das Signal, das an die gesamte westliche Hemisphäre gerichtet war, ist eindeutig: Künftig ist zumindest eine partielle Aufhebung der Souveränität mittel- und lateinamerikanischer Staaten von Washington intendiert. Trump sieht Lateinamerika wieder als den imperialen Hinterhof der USA, ähnlich der imperialistischen Haltung Putins gegenüber dem postsowjetischen Raum. Bislang ist nur Brasilien von direkten militärischen Drohgebärden Washingtons verschont geblieben.  


Doch das könnte sich sehr bald ändern, wie das Beispiel Grönlands illustriert. Noch im Rausch ihres imperialistischen Triumphs gegenüber Caracas, als auch ein Großteil der EU-Regierungschefs dieser nackten Aggressionen zumindest implizit zustimmte, erklärte Washington unumwunden, Grönland in Besitz nehmen zu wollen. Notfalls gegen den Willen Dänemarks und der EU, notfalls mit militärischer Gewalt. Die diesbezüglichen Ansprüche aus den ersten Wochen der zweiten Präsidentschaft Trumps, sie sollen nun rasch realisiert werden. Zur selben Zeit, als Brüssel und die südamerikanische Wirtschaftszone Mercosur nach endlosen Verhandlungen ihr Freihandelsabkommen abschließen, geht Trump auf Konfrontationskurs nicht nur mit der EU, sondern mit der NATO, deren weitere Existenz der Präsident der USA bewusst der Inbesitznahme der arktischen Insel unterordnet.16 


Globaler Barbarisierungsschub 


Sein panamerikanisches Imperium, das buchstäblich von Grönland bis Feuerland reichen soll, ist Trump wichtiger als die NATO, die ein obsoletes Instrument der amerikanischen Hegemonie war. Und die Europäische Union ist schlicht und ergreifend das schwächste Glied in der Kette der von der Weltkrise des Kapitals inzwischen direkt erfassten Zentren des Weltsystems. Dies gilt nicht nur in militärischer Hinsicht, sondern vor allem aufgrund der Vielzahl der staatlichen Interessen innerhalb dieses Wirtschafts- und Währungsraums, die ohne größeren Aufwand gegeneinander ausgespielt werden können von Washington.

Eine einheitliche europäische Front zur Verteidigung Grönlands – so absurd ist die endkapitalistische Realität inzwischen – wird es kaum geben. Vor allem der ehemalige Export-Weltmeister Deutschland dürfte entscheidende Vergeltungsschritte – nicht nur militärischer, sondern auch ökonomischer Art – gegen US-Interessen in Europa blockieren (eine direkte militärische Auseinandersetzung um Grünland ist ohnehin illusorisch), um nicht noch weitere Marktanteile westlich des Atlantiks zu verlieren.  

Und solange sie keine nennenswerten Konsequenzen zu befürchten haben, werden die Faschisten im Weißen Haus weiterhin diese Eskalationsstrategie fortsetzen – allein schon deswegen, weil sie innenpolitisch immer stärker unter Druck geraten. So sieht das krisenbedingte Ende der US-Hegemonie aus, nachdem Washington nicht mehr gewillt ist, die Kosten dieser Hegemonie zu tragen. Ein waffenstarrender 400-Pfund-Gorilla, angeführt von einem größenwahnsinnigen faschistischen Borderliner, geht daran, seine Interessen direkt durchzusetzen, während die Rudimente der Nachkriegsordnung zerschlagen werden.

Die erste Woche des Jahres 2026 hat somit die Welt grundlegend verändert. In geopolitischer Hinsicht ist nichts mehr so, wie es einstmals war. Es gibt kein Zurück zum Status quo ante. Auch wenn die Institutionen und Strukturen, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Konsequenz aus diesem Zeitalter der Blockkonfrontation errichtet worden sind, vorerst bestehen bleiben, sind sie endgültig zu bloßen Attrappen verkommen. Dasselbe gilt aber auch für die institutionellen Instrumente der untergegangenen US-Hegemonie: Internationaler Währungsfonds, Weltbank und NATO. Die NATO, das mächtigste militärische Bündnis der Weltgeschichte, ist faktisch Geschichte. 


An die Stelle der über Dekaden stabilen Allianzen und Hegemonialsysteme wird nun nackte Machtpolitik treten, ausgeführt von zunehmend risikobereit agierenden Staatsmonstern in flüchtigen, beständig wechselnden Konstellationen. Die Bereitschaft, immer größere Risiken und militärische Wagnisse einzugehen, resultiert aus dem Krisenprozess, dessen zunehmende innere Verwerfungen die Funktionseliten des Kapitals in die äußere Expansion treiben. Dieser instabile Krisenimperialismus trägt den Großkrieg bereits in sich.17


Aufgrund der zur historischen Reife gelangten Weltkrise des Kapitals handelt es sich bei dem nun einsetzenden globalen Barbarisierungsschub nicht einfach um eine Rückkehr zum Imperialismus des 18. oder 19. Jahrhunderts, da dieser ja in einer historischen Expansionsphase des Kapitals militärisch expandierte. Der gegenwärtige Krisenimperialismus – der sich in einer Phase der globalen Kontraktion des Kapitals entfaltet – nötigt faktisch die Staaten zum Konflikt, letztlich zum Krieg gegeneinander, um hierdurch die Krisenfolgen auf die Konkurrenz abzuwälzen. Die spätkapitalistische Welt wird tatsächlich zu einer „Räuberhöhle“.18 Da hat tatsächlich auch ein blindes sozialdemokratisches Huhn wie Bundespräsident Steinmeier mal ein Körnchen Wahrheit gefunden.  

Im Zeitraffer vom Imperialismus zum Faschismus

Die ideologische Verhärtung vom Imperialismus zum Faschismus vollzog sich, historisch betrachtet, in etlichen Dekaden: Von der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Ersten Weltkriegs als der Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Derzeit geht diese Verhärtung quasi im Zeitraffer vonstatten. Die imperialen Ambitionen der Faschisten im Weißen Haus werden inzwischen mit evidenter faschistischer Rhetorik unterlegt – Begründungen sind ja nicht mehr nötig. Die treibende Kraft hinter diesem faschistischen Coming Out ist Steven Miller,19 der rechtsextreme stellvertretende Stabschef im Weißen Haus, der als ein „vertraulicher Berater“ (NYT) von Trump gilt.20

Miller, der als einer der Architekten der US-Deportationspolitik und der Umformung des ICE zu einer trumphörigen Faschomiliz gilt, gab CNN kurz nach der Entführung Maduros und den Drohgebärden gegenüber Grönland ein Interview, in dem er sich strikt weigerte, der liberalen Rhetorik vom prodemokratischen Regime Change zu folgen.21 Miller, dessen Administration gerade gewaltförmig die mageren zivilisatorischen Überbleibsel der Nachkriegsordnung zerstört, griff dabei auf die üblichen rechtsextremen Projektionen zurück, indem er erklärte, dass das spätkapitalistische Weltsystem durch bloße Gewalt geprägt sei. Die USA können laut Miller, der seinen Hass auf die Nachkriegsordnung offen artikulierte, folglich überall Gewalt zur Interessensdurchsetzung anwenden, weil sie die Machtmittel dazu haben. 


Die Ressourcen der Region, imperialistische Interventionen, Territorien wie Grönland – die USA können laut dem Faschisten Miller all dies beanspruchen oder in Besitz nehmen, weil sie die militärische Macht dazu haben. Dies ist keine Frage des Rechts mehr, sondern bloßer militärischer Machtquellen. Und eben dies – die Anbetung blanker Gewaltanwendung – ist ein Kernelement faschistischer Ideologie. In seiner manifesten Krise fällt das spätkapitalistische Weltsystem faktisch hinter die Errungenschaften des Westfälischen Friedens nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges zurück. 

Steven Miller – ein faschistischer Spinner, ein an die Goebbels-Parodie aus Chaplins „Great Dictator“ erinnernder Horrorclown, der im Weißen Haus nichts zu melden hat? Mitnichten. Wenige Tage nach dem Auftritt Millers bei CNN gab Donald Trump der New York Times (NYT) ein Interview, in dem er faktisch der geopolitischen Linie seines rechtsextremen Politberaters folgte.22 Nichts stehe der militärischen Gewaltanwendung der Vereinigten Staaten im Weg, erklärte der Präsident gegenüber der NYT, die in einem Kommentar offen seinen Angriff auf Venezuela unter Anwendung der üblichen liberalen Floskeln rechtfertigte.23 Es gebe nur einen Faktor, der die US-Militärmaschinerie beeinflussen könne, so der Horrorclown im Weißen Haus: „Meine eigene Moral, mein eigener Geist. Das ist die einzige Sache, die mich stoppen kann“.


Müller und Trump gaben den paar verhassten liberalen Medien, die die Faschisierung der USA noch übrig gelassen hat, Interviews, in denen sie den liberalen Bellizismus mit offener faschistischer Rhetorik konfrontierten. Sie machten sie zu Komplizen. Die nackte Macht, die Gewalt soll angebetet werden, sie verlangt Respekt. Der ganze liberal-demokratische Lack ist abgeblättert, und der faschistische Extremismus der Mitte zeigt eben dieser in Auflösung begriffenen Mitte, dem einstmaligen neoliberalen Mainstream, woher er eigentlich kommt, wo er seinen Ursprung hat. Die mitunter offen geäußerte Zustimmung zur imperialistischen Aggression Trumps gegenüber Venezuela dürfte somit nicht nur den Europäern inzwischen peinlich sein. 

Maduro machte sich über Trump lustig, und das soll angeblich – so eine der irren Clownstories aus dem Weißen Haus – den endgültigen Ausschlag für die blutige Intervention in Caracas gegeben haben. JD Vance warnte die Europäer bereits, sie sollen Trump und sein irres Grönlandgebrabbel bloß „ernst nehmen“.24 Faschistische Macht spreizt sich ostentativ, sie lädt geradezu ein zum Widerspruch, um diesen mit aller Brutalität zermalmen zu können. Dies ist ein Element autoritärer Konditionierung – der Untertan soll auf die Knie sinken, selbst vor einem irren Terror-Clown. Die Horrorclowns im Weißen Haus verlangen permanente Speichelleckerei, sie wollen überall Arschkriecher sehen, mögen sie noch so lächerlich wirken – als ob sie einem drogeninduzierten Fiebertraum entsprungen wären. Ansonsten werden Exempel statuiert: Seien es renitente Staatschefs hochkorrupter Peripherieländer, oder auch weiße amerikanische Mittelschicht Frauen, die von der ICE-Gestapo inzwischen schlicht abgeknallt werden, wenn sie keinen Respekt zeigen.

Krisenimperialismus konkret 


Woher kommt all dieser psychedelisch anmutende Wahnsinn? Die Nachrichten laufen, und mensch sieht sich versucht, zu checken, ob nicht LSD dem Drink beigemischt worden ist. Trump, dieser borderlinehafte Terrorclown,25 er ist Symptom, er ist die Personifizierung der Weltkrise des Kapitals in ihrer ins Barbarische treibenden Endphase. Die politische Rechte, der Faschismus, sie sind konkrete, subjektive Exekutoren dieser objektiven Krisentendenz zum Fall in die Barbarei, in den zivilisatorischen Kollaps.26 


Der Faschismus kommt nicht aus dem Weltall, er ist kein Fremdkörper, er formt sich in der Mitte der Gesellschaft, er ist deren durch Krisenschübe getriggerter Extremismus.27 Ansätze dazu finden sich in der New York Times und bei CNN, die Trumps Angriff gegen Venezuela legitimierten, sie finden sich bei Macron, bei Starmer, und bei dem deutschen Steigbügelhalter Merz, die den evidenten Völkerrechtsbruch der USA nicht kritisieren wollten – bis sie wenige Tage später selber ins Visier gerieten. 

Die zunehmenden inneren Verwerfungen, die Spannungen und Widersprüche, die eskalierenden sozialen Konflikte – was liegt näher, als diesen gordischen Krisenknoten durch militärische Schläge gegen äußere Feinde zu durchtrennen? Die Krise steht jedem Anhänger Trumps buchstäblich auf der Stirn geschrieben, sofern sie ihre lächerlichen MAGA-Baseballcaps tragen. Amerika soll wieder groß werden, weil es für immer größere Bevölkerungsschichten der USA nicht mehr groß ist. Deswegen wählten sie ja Trump, der ihnen versprach, die Deindustrialisierung der Vereinigten Staaten durch Protektionismus zu revidieren.28

Da dies nicht schnell genug funktioniert, um die Midterms zu gewinnen, da die Entwertung des Werts bereits in Gestalt der „Krise der Lebenshaltungskosten“ um sich greift, da der Abschied von der US-Hegemonie die Position des Dollars als Weltleitwährung gefährdet, was zu einer sehr hohen Zinsbelastung des US-Haushalts führt, müssen andere Methoden der Herrschaftsstabilisierung gefunden werden. Trump, der eigentlich noch ein Imperialist des 20. Jahrhunderts ist, ein schmieriger Ölmensch, scheint auch deswegen so einen großen Wert auf die direkte Ausbeutung der Ölreserven Venezuelas zu legen, um hierdurch die Stellung des US-Dollars zu festigen. Die USA wollen nicht mehr die Kosten der Hegemonie tragen, die zur Deindustrialisierung der USA in der globalisierten Defizitkonjunktur des neoliberalen Zeitalters beitrug, und zugleich will Washington mittels militärischer Macht, mittels Ressourcenkontrolle, deren Vorteile beibehalten. 

Ähnliches gilt für die Inbesitznahme Grönlands wie für den Versuch, Kanada zu annektieren – damit reagiert der Klimaleugner Trump auf die Klima- und Ressourcenkrise, also auf die äußere Schranke des Kapitals, die in der Endlichkeit der Ressourcen unseres Planeten besteht, während das Kapital von einem uferlosen Verwertungszwang angetrieben wird. Trump ist während des Handelskrieges gegen China aufgefallen, dass die USA anfällig sind bei ihren Produktionsketten und ihrer Ressourcenversorgung – Grönland soll diese Lücke mittelfristig schließen.

Und dennoch wird die faschistische Option die Krise nicht bewältigen. Obwohl er die terroristische Krisenform kapitalistischer Herrschaft ist, wird der Faschismus des 21. Jahrhunderts – allem Terror und aller Gewalt zum Trotz – die Krise nicht „überwinden“ und stabile autoritäre Machtverhältnisse herstellen können. Das konnte auch der Faschismus des 20. Jahrhunderts nicht, der zwangsläufig seine selbstzerstörerische Zuflucht im Weltkrieg suchte. Doch diesmal gibt es auch kein neues kapitalistisches Akkumulationsregime, wie den Fordismus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das sich mittels Weltkrieg durchsetzen könnte – zumal die Zerstörungspotenziale der Militärapparate schlicht zivilisationsbedrohend sind und die Klimakrise bald in eine Klimakatastrophe umschlagen wird. 


All die „Interessen“, die nun der Faschismus mit aller Gewalt durchsetzen will, sie sind nur die trügerische Oberflächenerscheinung, hinter der sich der weltzerstörerische Irrationalismus des Kapitals in seiner Agonie entfaltet. Aus Geld muss Geld werden, die ganze Gesellschaft, die ganze Welt ist nur Material dieser fetischistischen Selbstbewegung, die erst dann erlischt, wenn sie die Gesellschaft, die Material dieser Selbstbewegung ist, vollends vernichtet hat, oder wenn das Kapital emanzipatorisch überwunden wird.

Systemimmanent gibt es nur noch den Absturz in die Barbarei, begleitet von den irren Faxen der faschistischen Terrorclowns, die diesen Absturz exekutieren. Es gibt keinen Boden unter den Füßen, alles ist in Auflösung, die bald einsetzende Panik zum Greifen nahe, da der Wert selber als das Fundament der kapitalistischen Arbeitsgesellschaft sich in Auflösung befindet. Die Systemtransformation ist unausweichlich, und bisher ist es nur der Faschismus, der diese objektiv anstehende Transformation aktiv in die barbarische Richtung treibt. Folglich gibt es keine andere Alternative für all das, was noch von der Linken – aller Regression und allem Opportunismus trotzend – übrig geblieben ist, als für einen emanzipatorischen Transformationsverlauf zu kämpfen,29 gegen den Krisenimperialismus, und vor allem gegen den Faschismus des 21 Jahrhunderts. Der Transformationskampf ist unausweichlich. 


Ich finanziere meine journalistische Tätigkeit größtenteils durch Spenden. Falls Ihnen meine Texte zusagen, dann können Sie sich gerne daran beteiligen – entweder über Patreon, über Substack, oder durch direkte Banküberweisung nach Absprache per Mail:

https://www.patreon.com/user?u=57464083

https://konicz.substack.com


1  https://www.nytimes.com/2026/01/05/us/politics/stephen-miller-greenland-venezuela.html

2  https://abcnews.go.com/International/video/full-press-conference-pres-trump-venezuela-strike-maduro-128872019

3  https://www.spiegel.de/ausland/donald-trump-begnadigt-juan-orlando-hernandez-honduras-ex-praesident-freigelassen-a-e0c97aeb-bf52-4e32-b139-09037b02f358

4  https://www.youtube.com/watch?v=3tbUIJihpLM

5  https://www.nytimes.com/2026/01/05/opinion/trump-maduro-oust-raid.html

6  https://www.telepolis.de/article/Fluchtpunkt-Amok-3263142.html

7  https://www.telepolis.de/article/Das-Terrorspiel-der-Clowns-3453956.html

8  https://www.telepolis.de/article/Donald-Trump-und-die-Zeit-des-Borderliners-3462308.html?seite=all

9  https://www.msn.com/en-us/news/world/how-delcy-rodr%C3%ADguez-courted-donald-trump-and-rose-to-power-in-venezuela/ar-AA1THo68

10  https://www.nytimes.com/2026/01/04/world/americas/trump-venezuela-leader-rodriguez-machado.html

11  https://en.wikipedia.org/wiki/Guyana%E2%80%93Venezuela_crisis_(2023%E2%80%932024)

12  Marudo, der für die Staatsoligarchie in Venezuela zu einem Geschäftsrisiko verkam, konnte sich nicht mehr auf seine Leute verlassen

13  https://www.nytimes.com/2026/01/09/world/americas/trump-venezuela-machado-nobel-prize.html

14  https://www.konicz.info/2025/03/15/alles-muss-in-flammen-stehen/

15  https://www.konicz.info/2025/03/15/alles-muss-in-flammen-stehen/

16  https://www.nbcnews.com/politics/congress/chris-murphy-end-nato-alliance-us-annexed-greenland-denmark-rcna253440

17  https://www.konicz.info/2022/06/23/was-ist-krisenimperialismus/

18  https://www.sueddeutsche.de/politik/die-welt-wird-eine-raeuberhoehle-bundespraesident-steinmeier-fordert-respekt-vor-internationalem-recht-li.3364936

19  https://www.splcenter.org/resources/extremist-files/stephen-miller/

20  https://www.nytimes.com/2026/01/06/us/politics/stephen-miller-foreign-policy.html

21  https://www.youtube.com/watch?v=kLFkQbPWWDI

22  https://www.nytimes.com/2026/01/08/world/interview-donald-trump-venezuela-ice.html

23  https://www.nytimes.com/2026/01/05/opinion/trump-maduro-oust-raid.html

24  https://www.dw.com/en/greenland-vance-warns-europe-to-take-trump-seriously/a-75442457

25  https://www.konicz.info/2016/12/16/donald-trump-und-die-zeit-des-borderliners/

26  https://www.konicz.info/2024/04/19/e-book-faschismus-im-21-jahrhundert-skizzen-der-drohenden-barbarei-epub/

27  https://www.konicz.info/2025/01/18/die-schluesseluebergabe/

28  https://www.konicz.info/2025/06/01/jd-vance-verstehen/

29  https://www.konicz.info/2022/10/12/emanzipation-in-der-krise/

Nach oben scrollen