Neue braune Normalität

Kontext Wochenzeitung,  02.10.2019
Zu viele Nazis sind schlecht fürs Image, darum werden sie kurzerhand umbenannt. Der verharmloste Rechtsextremismus ist außerdem so erfolgreich, weil er ideologisch nicht mit dem totalitären Konkurrenzdenken bricht, das bereits in allen Gesellschaftsschichten verankert ist. Er überführt vorhandene Tendenzen lediglich in ihr barbarisches Extrem.

Die jüngsten Wahlerfolge der AfD in Ostdeutschland scheinen der Normalisierung des Rechtsextremismus in Deutschland weiter Vorschub zu leisten. Exemplarisch wäre etwa die ARD-Moderatorin Wiebke Binder zu nennen, die einen CDU-Mann am Wahlabend auf die Option einer „stabilen Zweierkoalition, einer bürgerlichen“ hinweist, die „ja theoretisch mit der AfD möglich“ wäre.

Wenn eine politische Formation zweistellige Ergebnisse erzielt, wenn sie im Osten nur knapp daran scheitert, zur meistgewählten Partei aufzusteigen, dann kann es sich dabei doch nicht um Rechtsextremisten oder gar um Nazis handeln. Es sind einfach zu viele, um hier noch im Sinne des üblichen bürgerlichen Extremismusdiskurses von kleinen, verblendeten und irrlichternden Minderheiten am Rande des politischen Spektrums sprechen zu können. Das demokratische Selbstbild der Bundesrepublik droht ins Wanken zu geraten, da offensichtlich weite Teile einer vermeintlichen Mitte nach rechts wegbrechen. Die Barbarei kommt nicht von außen in die Gesellschaft, sie wird in ihrer Mitte ausgebrütet.

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