Alte Liebe rostet nicht

leicht gekürzt in „Junge Welt“, 27.11.2007

Indien und Rußland wollen gemeinsam ein Kampfflugzeug der »fünften Generation« entwickeln. Bilateraler Handel soll weiter ansteigen

Russland und Indien planen die Entwicklung eines neuartigen Kampflugzeugs, das den neusten US-amerikanischen Modellen der so genannten „Fünften Generation“ mindestens ebenbürtig sein soll.  Ein quälend langer, sich über Jahre hinziehender Verhandlungsmarathon ging der Einigung zwischen Moskau und Delhi im Oktober voraus. Dies Rüstungsvorhaben gehöre zu den „ambitioniertesten russisch-indischen Projekten, das ein neues Stadium bilateraler Kooperation einläutet, die auf die Entwicklung neuartiger Waffensysteme abzielt“,  kommentierte ende Oktober Indiens Verteidigungsminister Arackaparambil Kurian Anton das Forschungsprojekt. Beteiligt an der Entwicklung und Produktion des neuartigen Kampfflugzeugs sind der russische Flugzeughersteller Suchoi und die indische Hindustan Aeronautics Limited (HAL).

Russland ist seit Jahren vergeblich bemüht, ein Kampfflugzeug der Fünften Generation zur Serienreife zu bringen. Suchoi habe es nicht geschafft, die „Produktion der rein experimentellen Su-47 mit eigenen Mitteln zu meistern“, so der Wissenschaftliche Berater der russischen Akademie des Technischen Wissenschaften, Juri Zaitsew, in einem Gastbeitrag für die Nachrichtenagentur RIA-Novosti. Tatsächlich sind die Summen, die zur Entwicklung neuer Kampjetsysteme aufgebracht werden müssen, inzwischen astronomisch hoch. Die Vereinigten Staaten investierten allein in die Entwicklung des „Joint Strike Fighter“ F-35 an die 20 Milliarden US-Dollar. Es waren also primär finanzielle Erwägungen, die Moskau veranlassten, sich nach Partnern bei diesem kostspieligen Unterfangen umzusehen.

Obwohl die Entwicklung des neuen Kampfjets noch nicht begonnen hat, gehen Moskau und Delhi davon aus, den Jungfernflug der neuen Militärmachine schon 2012 durchführen zu können, da Suhoi schon etliche Erfahrungen bei der Konstruktuion der Su-47 gesammelt hat. Das unter dem Namen PAK-FA laufende Gemeinschaftsprojekt soll nach Ansicht einiger westlicher Militärexperten sogar eine Weiterentwicklung der Su-47 darstellen. Das neue Flugzeug soll mit Stealth-Technologie ausgestattet sein, ohne Nachbrenner über längere Zeit mit Überschallgeschwindigkeit fliegen können, über eine sehr hohe Manövierfähigkeit verfügen und mit der neusten Raketengeneration sowie einen Radarsystem mit aktiver elektronischer Strahlschwenkung ausgestattet werden. Damit würde die PAK-FA in direkten Konkurrenz zur amerikanischen F-22 Raptor treten, dem bislang einzigen einsatzfähigen Kampfflugzeug der Fünften Generation, das den USA bislang die technologische und militärische Führungsposition in diesem Bereich sichert.

Dabei verlief die militärische Kooperation zwischen den seit Jahrzehnten eng zusammenarbeitenden Partnern in letzter Zeit alles andere als Reibungslos – immerhin kaufte Indien seit 1960 Waffen im Werts von umgerechnet 60 Milliarden US-Dollar von der Sowjetunion. Russlands Militärindustrie versäumte es aber jüngst immer wieder, die Vertragsbedingungen einzuhalten. So wird zum Beispiel der von Russland an Indien zu liefernde, 1,5 Milliarden US-Dollar teure Flugzeugträger „Admiral Gorschow“ nicht wie vereinbart 2008, sonder frühestens 2010 ausgeliefert. Die von Delhi erworbenen, russischen T-90 Panzer weisen Verarbeitungsmängel auf. Zudem haben russische Verzögerungen beinahe ein anderes bilaterales Projekt,  das Militärtransportflugzeug MTA zur Fall gebracht.

Diese Probleme mit russischen Militärgerät ließen Indiens Führung im Westen nach Alternativen suchen, um sich vor diesen negativen Entwicklungen zu schützen, die „viele Aspekte der bilateralen Beziehungen beeinträchtigt haben“, so Tatiana Schaumjan vom Zentrum für Indienstudien der Russischen Akademie der Wissenschaften. Bei einer neuen Ausschreibung über 126 Kampfflugzeuge der indischen Luftwaffe konkurriert nun die russische MiG-35 mit der F-16 und F-18 Hornet, der Schwedische Gripen, der französischen Rafaele, sowie dem Eruofighter-Konsortium. Delhi ist laut Zaitsew sogar bestrebt, mit den Vereinigten Staaten militärisch zusammenzuarbeiten, um an „Know-How der F-35“ zu gelangen, doch sollen die harschen Bedingungen Waschingtons diesem Vorhaben abträglich gewesen sein.

Dennoch bleibt Russland mit knapp über 50 Prozent Marktanteil der mit Abstand größte Waffendealer Indiens. Bei einer Moskau-Visite des indischen Premiers Manmonah Singh am 11. und 12. November vereinbarten beide Staaten doch noch den bilateralen Bau des Militrätransporters  MTA, sowie eine gemeinsame Mondmission, die ein unbemanntes Raumschiff bis zum Jahr 2017 zum Erdtrabanten befördern soll.  Mann wolle den Umfang des bilateralen Handels von sechs Milliarden in 2006 auf zehn Milliarden in 2010 erhöhen, verkündeten Russlands Präsident Wladimir Putin und Singh während einer Pressekonferenz.

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