Kommunismus = Internet + Räte

Telepolis, 29.09.2017

Einige Anmerkungen zu der in China aufkommenden Diskussion über die Aussichten einer Hightech-Planwirtschaft

Angesichts des Aufstiegs der extremen Rechten scheinen radikale Gesellschaftskritik und das Streben nach gesellschaftlichen Alternativen immer stärker in die Defensive zu geraten – gerade innerhalb der Linken („Aus Angst vor der AfD die Gesellschaftskritik aufgeben?“). Mögen sich nun Teile der politischen Linken von der Diskussion alternativer Gesellschaftsentwürfe verabschieden und die bloße Idee der Emanzipation aufgeben – es gibt andere relevante Akteure, die diese wichtige Aufgabe übernehmen. Etwa die Financial Times (FT), die somit, neben dem Papst, etwa die Linkspartei inzwischen mühelos links überholt.

Jüngst haben die Genossen von der FT einen längeren Bericht publiziert („The Big Data revolution can revive the planned economy“), der die Möglichkeiten der Einführung einer Hightech-Planwirtschaft eruiert. Insbesondere in der Volksrepublik China würden demnach Wege gesucht, um die im Verlauf der IT-Revolution entstandenen „Ozeane an Informationen“ anzuzapfen, mit deren eine modernisierte Form der zentralen Planwirtschaft „wiederbelebt“ werden könnte.

Die von der FT aufgegriffene Argumentationslinie, die eine zentrale Steuerung der Wirtschaft im 21. Jahrhundert propagiert, geht davon aus, dass die zentrale Planung und Leitung der Wirtschaft in der Sowjetunion letztendlich an einem Mangel adäquater Datenverarbeitung scheiterte. Dezentralisierte Datenverarbeitung sei effizienter als zentralisierte Datenverarbeitung, so die Financial Times in Anlehnung an den israelischen Historiker Yuval Noah Harari: „Wie konnte ein Planer, der in dem Gosplan-Büro in Moskau sitzt, darauf hoffen, all die sich bewegenden Teile der sowjetischen Ökonomie zu verstehen, die sich über elf Zeitzonen erstreckte?“

Doch die „Explosion von Daten“ im Spätkapitalismus könnte – zumindest in der Theorie – dazu beitragen, dass die „Informationsungleichgewichte“ zwischen der Markt- und der Planwirtschaft nivelliert würden und Managemententscheidungen auf einer besseren Informationsgrundlage fielen, so die FT. Die Planer einer Zentralen Planwirtschaft würden sich demnach „sehr schnell die Werkzeuge zu eigen machen, um Daten effektiv zu verarbeiten“.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Kommunismus-Internet-Raete-3844634.html

 

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