Wohl bekomm’s!

Konkret 05/2013
In der Lebensmittelindustrie wird der blanke Irrsinn der kapitalistischen Wirtschaftsweise besonders deutlich.
Nichts trügt so wie die Vielfalt der Waren, die unsere Sinne beim Gang durch einen Supermarkt überflutet, denn die der kapitalistischen Wirtschaftsweise inhärente Tendenz zur Ausbildung von Monopolen oder Oligopolen – das logische Endziel der Marktkonkurrenz – ist trotz all der Bauernhofromantik, die sich auf vielen Lebensmittelverpackungen findet, auch bei der Nahrungsproduktion längst voll entfaltet. Nahezu alle Zweige der Agrar und Lebensmittelbranche werden von einigen wenigen Großkonzernen beherrscht, die somit maßgeblich die Produktionsverhältnisse und informellen »Spielregeln« in ihren Marktsektoren bestimmen. Daher gehören die bei jedem neuen Lebensmittelskandal von den Presseabteilungen dieser Konzerne verbreiteten Dementi und Unschuldsbeteuerungen zu den Höhepunkten der Heuchelei der an Verlogenheit nun wirklich nicht armen öffentlichen Debatte über den Lebensmittelsektor, die durch die jüngsten Affären um falsch deklariertes Pferdefleisch und kontaminiertes Tierfutter angestoßen wurde (s. KONKRET 4/12).

Die aus den Konzentrationsprozessen resultierende Form der Konkurrenz ist für das Gros er Marktsubjekte durch eine neofeudale Abhängigkeit von wenigen Giganten charakterisiert, deren Produktions- und Preisvorgaben den Charakter von Marktgesetzen angenommen haben. Das gilt auch für den deutschen Einzelhandel, der zu 90 Prozent von fünf Konzernen beherrscht wird: der Schwarz-Gruppe (Kaufland, Lidl), Aldi, Edeka, Rewe und Metro. Mit ihrer Marktmacht können diese Großkonzerne nicht nur inländische, sondern auch international agierende Zulieferer massiv unter Druck setzen. In den meisten Staaten Europas lassen sich ähnliche Konzentrationsprozesse konstatieren: In Finnland, Holland und Schweden kontrollieren sogar nur drei Großkonzerne rund 80 Prozent des Einzelhandels. Der Welt marktführer in der Branche – der inzwischen größer ist als BP, Exxon Mobile oder Toyota –sitzt allerdings in den Vereinigten Staaten: Walmart hat mit zwei Millionen Angestellten und einem Umsatz von mehr als 408 Milliarden US Dollar inzwischen die Dimensionen einer kleinen Volkswirtschaft erreicht.

Die Folgen dieser weit fortgeschrittenen  Oligopolbildung sind selbst dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) aufgefallen, das 2011 in einer Studie (Konzentration im Lebensmitteleinzelhandel: Hersteller sitzen am kürzeren Hebel) vor dem zunehmenden »Mißbrauch der Marktmacht« durch die wichtigsten deutschen Lebensmitteleinzelhänder warnte. Bei derart ausgeprägter Marktkontrolle sei die Belieferung dieses Einzelhandelsoligopols für die Hersteller »unverzichtbar«. Die Beziehungen zwischen Händlern und Herstellern seien folglich von »einem deutlichen Ungleichgewicht zu Lasten der Hersteller geprägt«, erklärten die Autoren. Dabei falle es schwer, zwischen den »handelsüblichen Drohungen« und einem »Mißbrauch einer bestehenden Nachfragemacht« zu unterscheiden. Rund 72 Prozent der Lebensmittelhersteller, die an der Umfrage zur Studie teilgenommen haben, gaben an, daß in den vergangenen fünf Jahren die »Sanktionen beziehungsweise Drohungen« der Lebensmittelkonzerne zugenommen hätten. Unter den Lebensmittelproduzenten, die weitgehend von einem Abnehmer im Einzelhandel abhängig waren, klagten sogar 87 Prozent über Drohungen mit einer »teilweisen oder vollständigen Auslistung« ihrer Produkte.

Der krisenbedingt zunehmende Druck, Preise und Kosten zu senken, fördert die Verschärfung der ohnehin brutalen Arbeits- und Produktionsbedingungen in der gesamten Produktionskette der Lebensmittel- und Agrarbranche. Mit der fortschreitenden Kapitalkonzentration verschwinden zugleich die Nischen, in die ein Ausweichen möglich wäre. Die Lebensmittelhersteller geben den Kostendruck an ihre Zulieferer weiter, die wiederum möglichst niedrige Preise beim Kauf von Agrarrohstoffen durchsetzen wollen. Wie hoch das Erpressungspotential hier inzwischen ist, illustriert die globale Verwertungskette beim Kaffee. Den rund 25 Millionen Kleinbauern und Landarbeitern, die im Kaffeeanbau beschäftigt sind, stehen fünf internationale Händler gegenüber, die 55 Prozent des Marktes kontrollieren, sowie nur drei Röstfirmen, deren Marktanteil circa 40 Prozent beträgt.

Ähnliche, mitunter noch stärker ausgeprägte Konzentrationsprozesse sind in nahezu allen Wirtschaftszweigen abgeschlossen, in denen mit dem Anbau, der Verarbeitung oder der Distribution von Nahrungsmitteln Kapital verwertet wird. In den USA kontrollieren vier fleischverarbeitende Unternehmen rund 84 Prozent aller Schlachtkapazitäten, vier große Geflügelzüchter haben den globalen Markt der Tiergenetikindustrie unter sich aufgeteilt, beim Saatgut beträgt der Marktanteil der Top-10-Konzerne 74 Prozent, bei Düngemitteln sind es 55 Prozent, bei Pestiziden 90 Prozent. Der globale Handel mit Soja und Getreide wird von vier Konzernen abgewickelt, die 74 Prozent Marktanteil erreichen. Die meisten dieser Marktführer streben inzwischen nach einer »vertikalen Integration« ihrer Verwertungstätigkeit, bei der die Kontrolle aller Produktionsschritte vom Akker bis zur Supermarkttheke forciert wird. Der Biotech- und Chemieriese Syngenta produziert nicht nur Pestizide und Saatgut, er läßt auch Gemüse anbauen und ist im landwirtschaftlichen Kreditgeschäft tätig. Der weltgrößte Getreidehändler Cargill läßt ebenfalls Landwirte auf Kredit produzieren, er stellt zudem Nahrungs- und Futtermittel her und beliefert über seine Tochtergesellschaften direkt die Supermärkte.

Die scheinbare Vielfalt der Waren in den Supermärkten trügt aber nicht nur hinsichtlich der Anbieter. Auch die bunten Produktverpackungen selber täuschen nur darüber hinweg, daß wir längst mit einem Einheitsfraß abgespeist werden, der von einer perversen, auf bloße Profitmaximierung orientierten Rationalisierung hervorgebracht wird. So wurde im Gefolge der Konzentrationsprozesse bei den Tierzüchtern (neuerdings als livestock genetics bezeichnet) die Anzahl der Zuchtlinien bei allen Nutztierrassen drastisch vermindert, während die Populationen der einzelnen Rassen sich genetisch immer ähnlicher werden. Ein Zuchteber oder Zuchthahn kann Millionen von Nachkommen haben.

Zumeist kommen dabei sogenannte Hybride zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um be sonders »leistungsfähige« Kreuzungen von Inzuchtlinien (BruderSchwesterVerpaarung), die über Dutzende von Generationen auf die Ausbildung bestimmter Merkmale selektiert wurden. Der führende britische Züchter Genus PLC bietet etwa Hybridzüchtungen beim Schwein an, beim amerikanischen Saatgutkonzern Pioneer entwickelten sich neben dem feilgebotenen Hybridmais auch Hybridhühner
zum Verkaufsschlager. Für die Züchter bringt dieses Inzuchtsystem den Vorteil, daß ihre hybriden »Produkte« immer wieder nachgekauft werden müssen, da die als »Heterosis-Effekt« bezeichneten Eigenschaften der Hybride bei ihren Nachkommen sukzessive verlorengehen.

Von den livestock genetics werden nur diese Hybride oder die Samen der entsprechenden männlichen Zuchttiere verkauft, während die reinrassigen Zuchtlinien wie ein Staatsgeheimnis gehütet und unter Verschluß gehalten werden. Die hierdurch ausgelöste genetische Homogenisierung der Nutztierpopulation führte dazu, daß inzwischen Millionen von Rindern, Schweinen oder Hühnern nur noch die genetische Vielfalt einer Population von weniger als 100 Tieren aufweisen. Die Tendenz zur Ausbildung solcher »geschlossener Systeme«, die den Agrarkonzernen eine stetige Einnahmequelle verschaffen, dominiert auch in der Pflanzenzucht, wo ebenfalls leistungsfähige und aufwendig zu züchtende hybride Sorten zu den Verkaufsschlagern gehören. Bei Mais und Zuckerrüben werden inzwischen ausschließlich Hybridsorten verkauft.

Der Trend zu »Einwegprodukten«, die die Abhängigkeit der bäuerlichen Produzenten von den Agrarkonzernen zementieren, wurde vom Chemie und Gentech-Konzern Monsanto und seinem berühmten Gensoja Roundup Ready zur Vollendung gebracht. Diese am weitesten verbreitete gentechnisch veränderte Pflanze ist gegen das Monsanto-Pestizid Roundup resistent und muß bei dem Konzern erworben werden, da dieser sich ein Patent auf sie hat ausstellen lassen. Roundup Ready hat vor allem in Nord und Südamerika ernorme Marktanteile erobern können: Inzwischen enthalten beispielsweise rund 90 Prozent der in den USA angebauten Sojabohnen die patentierten Gene Monsantos. Die Drohungen mit Patentklagen bildeten einen wichtigen Faktor bei der Erzwingung dieses Monopols. Dabei nötigte Monsanto viele Farmer, deren Felder durch das von Nachbarn angebaute Monsanto-Gensoja kontaminiert wurden, mittels kostspieliger Gerichtsverfahren dazu, ebenfalls auf sein Produkt um zusteigen.
Die monopolistische Gigantomanie und die pervertierte Rationalität der Lebensmittelindustrie kommt aber erst bei der Fleischproduktion und verarbeitung voll zur Entfaltung. In den gesamten Vereinigten Staaten etwa gibtes inzwischen nur noch 13 riesige Schlachtfabriken, die nicht nur flächenmäßig die Ausmaße von Kleinstädten erreichen. Das größte Schlachthaus der Welt (eher eine Schlachtstadt), die Smithfield Hog Processing Plant in North Carolina, verarbeitet 32.000 Schweine pro Tag, während seine Kläranlage eine mittlere Stadt versorgen könnte. Die Arbeitsbedingungen sind so miserabel, daß Smithfield seine Arbeitskräfte aus einem Radius von mehr als 100 Kilometern im verarmten amerikanischen Süden zusammenkarren muß und überdies verstärkt »illegale« mexikanische Einwanderer rekrutiert. Europas Hähnchen und Puten, die inzwischen in Rekordzeit gemästet werden, können kaum noch laufen, da ihre Brüste dermaßen überzüchtet sind, daß die »hybriden« Tiere dieses Gewicht schlicht nicht tragen können. Bewegung wäre diesen geschundenen Kreaturenohnehin kaum möglich, da nach Ablauf der Mastzeit – die sich dank Überzüchtung binnen der vergangenen 50 Jahre von 90 auf 30 Tage reduziert hat – im Schnitt 20 Hähnchen auf einem Quadratmeter untergebracht sind. Eine Existenz in ihrer eigenen Scheiße fristen hingegen die US-Rinder, die in den Cafos (Concentrated Animal Feeding Operations) durch widernatürliches Maisfutter möglichst schnell zur Schlachtreife gebracht werden sollen. Die Fläche pro Rind ist so klein, daß die Tiere knietief in ihren Exkrementen stehen müssen.

Auch in Deutschland expandiert die Fleischbranche weiter. Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner will die BRD auch zu einer führenden Fleischexportnation machen, wobei der Lohnkahlschlag und die Prekarisierung der Arbeit seit der Einführung der Agenda 2010 dazu beigetragen haben, diesen Sektor mit billigen Arbeitskräften zu versorgen. Gigantische Tierfabriken mit bis zu 90.000 Schweinen oder 500.000 Masthähnchen sollen die Exportoffensive der deutschen Fleischindustrie beflügeln. Die Anzahl der Schweinehalter ist aufgrund des Verdrängungswettbewerbs in Deutschland seit 2001 um 70 Prozent, die der Hähnchenmäster (die einen durchschnittlichen Reingewinn von rund sechs Cent pro Hähnchen erzielen) um 50 Prozent zurückgegangen – bei gleichzeitigemAnstieg der Nutztierpopulation.

Seit 2005 sind die Exporte von Fleisch und Wurstwaren aus der Bundesrepublik tatsächlich um 60 Prozent gestiegen. Der kritische Agrarbericht 2012 spricht beispielsweise von einer »Hähnchenblase« in der BRD, da der Selbstversorgungsgrad bei Hähnchenfleisch in zwischen deutlich über 100 Prozent liege: »Trotz dieses offenbar gesättigten Marktes werden zur Zeit industrielle Masthähnchenanlagen in einem Umfang geplant, genehmigt und gebaut, der den derzeitigen Nachfragezuwachs um mehr als das Zehnfache übersteigt.«

Die in den für diese Überproduktion installierten Turbomastanlagen zur Schlachtreife gebrachten Tiere sind einer Tortur ausgesetzt, bei der ihre elementarsten natürlichen Bedürfnisse dem Kostenkalkül geopfert werden. Von den rund 60 Millionen Schweinen, die inDeutschland pro Jahr gemästet und geschlachtet werden, landen etwa ein Drittel, also 20 Millionen, im Müll. Die mit Antibiotika vollgepumpten Tiere werden im künstlichen Dämmerlicht gehalten, damit sie sich möglichst wenig bewegen und in 180 Tagen ihr Schlachtgewicht von 90 Kilo erreichen. Aufgrund der daraus resultierenden Verhaltensstörungen  beißen sich die Schweine oft gegenseitig die Schwänze ab – weswegen man dazu übergegangen ist, sie schon den Jungtieren abzuschneiden und den ausgewachsenen Tieren die Eckzähne abzuschleifen.

Wir bekommen von der Lebensmittelindustrie somit einen bunt verpackten, genetisch homogenisierten Einheitsfraß vorgesetzt, der  aus gefolterten Nachkommen von überzüchteten Inzesttieren und genetisch modifizierten Pflanzen zusammengebraut wird. Hinzu kommt noch der übliche Cocktail aus Antibiotika und Chemie, der dieses widerwärtige System überhaupt noch funktionsfähig erhält. Guten Appetit.
Der wichtigste Faktor, der die Existenz der spätkapitalistischen Lebensmittelindustrie ermöglicht, sind die Agrarsubventionen, mit denen bevorzugt große Agrarunternehmen in den USA und Europa überschüttet werden.  20 Prozent der größten Agrarbetriebe in der EU erhalten 80 Prozent der Subventionen. In der BRD erhalten die größten landwirtschaftlichen Unternehmen, die nur 1,5 Prozent der Gesamtempfänger ausmachen, 30 Prozent der Beihilfen. Insgesamt wenden die Vereinigten Staaten und die EU rund 350 Milliarden Euro jährlich zur Stützung ihrer auf ökologisch desaströse industrielle Produktion geeichten Agrarsektoren auf, die unter dem knallharten monopolistischen Wettbewerb und einer latenten Überproduktionskrise leiden.

Doch wohin mit all dem Frankenstein-Fraß, wenn die Aufnahmekapazitäten der in Übergewicht und Diabetes getriebenen heimischen »Märkte« (s. KONKRET 4/13) tatsächlich erschöpft sind? Sowohl die USA als auch die EU subventionieren die Ausfuhren ihrer Agrarprodukte in all die Regionen des globalen Südens, die sich aufgrund ihrer sozioökonomischen Marginalisierung, ihrer extremen Verschuldung oder ihrer willfährigen Herrschercliquen nicht mit Schutzzöllen dagegen wehren können. Die Europäische Union verwendet etwa sieben Prozent ihres Agrarhaushalts für die Förderung von Exporten, die mittels Dumpings die kleinbäuerliche und von Subsistenzwirtschaft geprägte Agrarstruktur insbesondere in Afrika zerstören. Europa und die USA sind für rund die Hälfte der weltweiten Getreideexporte verantwortlich, deren Exportpreise 34 bis 46 Prozent unter den tatsächlichen Produktionspreisen liegen. Die EU als größter Exporteur von Milch verkauft diese auf dem Weltmarkt für einen Dumpingpreis, der nur die Hälfte der tatsächlichen Kosten deckt. Jean Ziegler, der ehemalige UN-Berichterstatter für das Recht auf Nahrung, spricht ausdrücklich davon, daß diese Subventionspolitik »Menschen tötet«, da die Lebensmittel aus der EU »die Märkte Afrikas überschwemmen« und den afrikanischen Kleinbauern ihre Lebensgrundlage entziehen.

Die zuvor subsistenzwirtschaftlich bewirtschafteten Agrarflächen werden bei dem immer stärker um sich greifenden Land Grabbing (Aneignung von Land durch Konzerne und Investmentgesellschaften) im globalen Süden schließlich direkt in die Weltmarktproduktion inkorporiert. Immer öfter bedeutet dies, daß auf den ehemaligen kleinbäuerlichen Subsistenzflächen nun genetisch modifizierte Futterpflanzen für eben diejenigen höllischen Fleischfabriken angebaut werden, die den Ruin der kleinbäuerlichen Landwirtschaft beförder(te)n. Zugleich halten nahezu alle Industrieländer ihre Agrarzölle aufrecht, um zu verhindern, daß Produzenten aus der südlichen Hemisphäre selbst in diesem einzigen Sektor, in dem sie zumindest noch theoretische Konkurrenzmöglichkeiten hätten, eine Chance erhalten.

Die einzige Chance, die den betroffenen Menschen in der »Dritten Welt« verbleibt, besteht in der verzweifelten Flucht in die kapitalistischen Kernländer. Mehr als eine Million mexikanische Kleinbauern haben nach der 1994 erfolgten Einführung des Freihandelsabkommens Nafta ihre Lebensgrundlage verloren, weil die US-Agrarindustrie Mexiko in der Folge mit billigem Mais überflutete. Ein großer Teil dieser Menschen ackert inzwischen als »illegale« und geduldete Tagelöhner im amerikanischen Agrar und Lebensmittelsektor zu Löhnen und unter Arbeitsbedingungen, die US-Bürger nie akzeptieren würden. Auch der gigantische Cluster von gemüseproduzierenden Gewächshäusern in der südspanischen Region Almería (aufgrund seiner Ausdehnung auf 350 Quadratkilometern auch als »andalusisches Plastikmeer« bezeichnet) kann die unschlagbar günstigen Preise für sein Plastikgemüse nur dank der gnadenlosen Ausbeutung afrikanischer Arbeitsmigranten erreichen. Rund 22.000 von ihnen schuften dort unter brutalen Bedingungen für einen Hungerlohn in 32.000 Plastikplanengewächshäusern, um die jährliche Erntemenge von 2,8 Millionen Tonnen Obst und Gemüse einzubringen.
Damit schließt sich der Kreislauf: Der an der barbarischen Überproduktion von Chemiefraß erstickende Agrarsektor im nördlichen Zentrum des kapitalistischen Weltsystems formt mittels subventionierter Agrarexporte die Landwirtschaft im globalen Süden nach seinem Ebenbild; der Süden aber liefert nun die Rohstoffe und Arbeitskräfte für die weitere Verwertung in den Fleischfabriken und Gemüseimitate ausspeienden Plastikwüsten Europas und der USA.

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