Feudalismus als Ausweg aus der Krise

Wie weit autoritäre Lösungsstrategien der gegenwärtigen Krise im Umfeld der deutschen Meinungsführer inzwischen diskutabel geworden sind, offenbart dieses erschütternd offene Plädoyer für einen neuen postdemokratischen Stände- und  Elitenstaat, das es als „Blogbeitrag“ auf die Startseite der FAZ geschafft hat:  „Der Weg zur Herrschaft – Manifest für die Edlen, Reichen und Tüchtigen – 1000 Jahre Stabilität und soziale Sicherheit für die Elite: Der Feudalismus kennt Antworten auf die Probleme und Systemkrisen, die Aufklärung und Bürgerlichkeit mit sich brachten.“

Hier ein paar Zitate zum Gruseln:

„Die Demokratie ist tot, weil sie auf den Irrtümern der Aufklärung beruht. Die Behauptung Kants, dass die Menschen ihre Unmündigkeit selbst verschuldet hätten und aus eigener Kraft aus ihr herausfinden könnten, ist empirisch widerlegt. Ebenso Marx mit der Annahme, dass Demokratie  im Kommunismus münden würde. Denn Demokratie und Kommunismus waren ja immer schon eins: Willkürlich postuliert man die Gleichheit aller, will allen gleiche Rechte geben: Christen und Heiden, Ehrlichen und Spitzbuben, Edlen und Gemeinen, Frauen und Männern, Tüchtigen und Faulen, Anwesenden und Abwesenden, Reichen und Armen, Klugen und Dummen, Eigenen und Fremden, Gesunden und Kranken, Tapferen und Feiglingen, Erstgeborenen und Bankerten. Das heißt dann „aufgeklärte Zivilgesellschaft“. Die hatten einen Traum! Bekommen hat Europa stattdessen die Umverteilungsdiktatur der Minderleister, die sich umsonst genehmigen, wofür Tüchtige arbeiten lassen müssen: Sozialhilfe, Krankenhäuser, Renten, Schulen, Museen, Arbeitsplätze, Polizeischutz, Fabrikinspektionen, Mindestlöhne, Schlossneubauten,  Prozesskostenhilfe, Gesundheitsämter, Immobilienkredite,  Bafög und Elterngeld. All das müssen die Tüchtigen bezahlen. Schildabürger waren sie und Schuldenbürgen sind sie nun. Da haben Sie, Citoyen Siéyès, Ihren Dritten Stand!“

„Was tun? Welcher Weg wird diejenigen zur Herrschaft führen, die zum Herrschen bestimmt sind?
Früher hätte man den schlanken Polizeistaat favorisiert, der die Interessen der Tüchtigen vor den Gelüsten der neidischen Masse schützt. Bismarck, Pinochet und Li Peng haben bewiesen, wie gut er funktionieren kann. … Da wir aus dem Feudalismus hervorgegangen sind, muss er zu uns passen. Und seine Fähigkeit, in Perioden wirtschaftlicher Stagnation für soziale und politische Stabilität zu sorgen, hat er tausend Jahre lang unter Beweis gestellt.“

Das Ganze ist offenbar nicht ironisch gemeint. Hier werden die von Sarrazin popularisierten Ansichten und Ressentiments weiterentwickelt. Wann wird sich der Verfassungsschutz dieses extremistischen Umfelds der Frankfurter Allgemeinen Zeitung annehmen?

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