Archiv für Juni 2009

Minsk und Moskau im Streit

Montag, 08. Juni 2009

„Junge Welt“, 05.06.2009
Belarus stellt strategisches Bündnis mit Rußland offen in Frage

Zwischen Minsk und Moskau ist die Stimmung schlecht. Der russische Finanzminister Alexej Kudrin kritisierte Ende Mai die exponierte Rolle des belarussischen Staates in Wirtschafts- und Währungsfragen als »sinnlose Politik«. Zudem nehme Belarus gegenüber Rußland eine »parasitäre Haltung« ein, so Kudrin am Donnerstag vergangener Woche im Anschluß an eine Staatsvisite in Minsk. Der belarussische Staatschef Alexander Lukaschenko konterte diese liberale Kritik am folgenden Tag, indem er dem russischen Finanzminister vorwarf, sich mit dem »weißrussischen Abschaum« gemein zu machen, der – bezahlt durch »westliches Geld« – baren »Unsinn verbreitet«.
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Die Weltwirtschaftskrise als Schuldenkrise

Samstag, 06. Juni 2009

Telepolis 06.06.2009

Konjunkturprogramme und Rettungsmaßnahmen für angeschlagene Finanzinstitute lassen die Staatsverschuldung weltweit explodieren

Wieder einmal treibt die internationalen Finanzmärkte die Angst vor dem Dollarverfall um. Diesmal sind es Spekulationen um die Bonität der Vereinigten Staaten, die den Greenback unter Druck setzen. Nachdem die Ratingagentur Standard & Poor’s am 21. Mai vor einer Abstufung der erstklassigen Bewertung der britischen Staatsanleihen warnte, die derzeit noch die Bestnote AAA tragen, schossen ähnliche Spekulationen bezüglich der US-amerikanischen Kreditwürdigkeit ins Kraut.
Hierbei handelt es sich nicht nur um bloße Spekulationen, da mit Japan bereits ein Schwergewicht der kapitalistischen Weltwirtschaft einer Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit erfahren hat. So setzte die Ratingagentur Moody’s die Bonitätsnote Japans Mitte Mai gleich um zwei Stufen auf nunmehr Aa2 herunter.

Link: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30415/1.html

Der Rostgürtel wächst

Donnerstag, 04. Juni 2009

„Junge Welt“, 05.06.2009
Vom industriellen Kernland zum Krisengebiet: Insolvenz von General Motors dürfte soziale Verfallstendenzen im Nordosten der USA befördern

Mit dem am vergangenen Montag eingeleiteten Insolvenzverfahren gegen General Motors (GM) geht eine über hundertjährige Ära amerikanischer Wirtschaftsgeschichte ihrem Ende entgegen. Am 16. September 2008 feierte der einstmals größte Fahrzeughersteller der Welt sein 100jähriges Jubiläum. Die nun eingeleitete Insolvenz dürfte als die bislang größte in die US-Geschichte eingehen. Im Kern handelt es sich hierbei um ein Umstrukturierungsverfahren, bei dem die Erhaltung von Unternehmensteilen Priorität genießt. 90 Tage soll General Motors Gläubigerschutz genießen. Während dieser Zeit sollen die überlebensfähigen Teile zu einem neuen Unternehmen geformt werden – der Rest wird abgewickelt.
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Eiserne Lady räumt auf

Donnerstag, 04. Juni 2009

„Junge Welt“, 02.06.2009
Litauens Präsidentin mischt sich in Regierungsarbeit ein und setzt neue Prioritäten

Litauens frisch gewählte Präsidentin Dalia Grybauskaite bemüht sich bereits, ihren Ruf als »Eiserne Lady« gerecht zu werden. Auf einer ersten Pressekonferenz kurz nach ihren überwältigenden Wahlsieg Mitte Mai, bei dem sie mit nahezu 70 Prozent aller Wählerstimmen bereits im ersten Wahlgang ins Präsidentenamt gehievt wurde, kündigte die 53jährige einschneidende politische Veränderungen an. »Heute ändert Litauen sein Antlitz, da die Gesellschaft entschieden erklärt hat, nicht mehr so weiterleben zu wollen, wie es ihnen die politischen Eliten diktieren«, erklärte die Staatschefin voller Pathos.
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Wer rettet wen?

Dienstag, 02. Juni 2009

„Junge Welt“, 03.06.2009
Der angeschlagene russische Automobilkonzern GAS will durch indirekten Einstieg bei Opel auch die eigenen Produktionskapazitäten auslasten. Hauptrisiko trägt der deutsche Staat

Liegt Opels Zukunft im Osten? Diesen Eindruck könnte gewinnen, wer den jüngsten Äußerungen des russischen Regierungschefs Glauben schenken mag. Das Kabinett in Moskau unterstützt laut Wladimir Putin den Einstieg der Sberbank und des österreichisch-kanadischen Autozulieferers Magna bei Opel: »Wir hoffen darauf, daß Magna sein Engagement in Rußland ausbauen wird«, bekräftigte Putin am Montag während eines Treffens mit dem Sberbank-Vorstandsvorsitzenden German Gref, dem Magna-Chef Siegfrid Wolf und dem russischen Industrieminister Viktor Christenk. Obwohl die Regierung laut Putin »nicht unmittelbar an diesem Geschäft beteiligt« sei, begrüße sie die Aktivitäten »unserer vom Staat geführten Bank vor allem deshalb, weil dieses Geldinstitut einer der größten Gläubiger der russischen Automobilindustrie ist«. Die ins Auge gefaßte Beteiligung an Opel durch die Sberbank solle in »die Strategie der Entwicklung der Auto­mobilindustrie integriert« werden, erläuterte der Premier: »Für uns ist das wichtig, weil dieser Deal sich auf die russischen Verbraucher und die Produzenten in Rußland auswirken wird.«
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Auf lange Krise eingestellt

Montag, 01. Juni 2009

„Junge Welt“, 02.06.2009
Rußlands Wirtschaft muß sich auf längere Durststrecke einrichten. Die Devisenreserven schmelzen, und die Subsistenzlandwirtschaft lebt wieder auf

Rußlands Bevölkerung scheint sich auf eine lange und harte Wirtschaftskrise einzustellen. Im Frühjahr meldeten Medien eine um 30 Prozent gestiegene Nachfrage nach Gemüsesamen und Setzlingen, die in Hausgärten und rund um das Ferienhaus, die Datscha, gepflanzt werden. Es war diese Tradition kleinräumiger Subsistenzlandwirtschaft, die während der desaströsen Systemtransformation in den 90er Jahren Hungersnöte in der Russischen Föderation verhinderte. Während nahezu der gesamten Regentschaft von Präsident Boris Jelzin wurden Renten und Löhne oft mit Verspätung oder gar nicht gezahlt. Für Millionen Arbeiter, Angestellte und Rentner wurde folglich der Gemüsegarten vor der Datscha zu einer wichtigen Lebensmittelquelle.

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