Archiv für die Kategorie 'Querfront'

Krisenimperialismus und Krisenideologie

Dienstag, 26. April 2022

konicz.info, 26.04.2022

Von Putin- und Nato-Trollen: Wie die Reste der deutschen Linken im Krieg um die Ukraine zwischen den Fronten zerrieben werden.

Die deutsche Linke scheint ein weiteres Opfer der russischen Invasion der Ukraine zu werden. Ein großer Teil dessen, was landläufig diesem ohnehin in Auflösung befindlichen1 politischen Lager zugeordnet wird, ergreift Partei in diesem imperialistischen Krieg, um hierdurch in Opportunismus, Regression, Bellizismus und neurechte Ideologie abzudriften. Hierdurch wird in der Linken aber nur die Frontstellung in diesem Konflikt reproduziert, ohne dessen Ursachen zu erfassen – wodurch erst adäquate Schlussfolgerungen für eine emanzipatorische Praxis in diesem Konflikt gezogen werden könnten.

Zum einen ist in diesem Zusammenhang das berüchtigte, rotbraune Spektrum der postlinken Putin-Trolle zu nennen, die mit dem Kriegsbeginn offen als reaktionäre Kräfte kenntlich werden. Russland und insbesondere die autoritäre Führungsfigur Putin fungierten lange Zeit als zentrales Identifikationssymbol der deutschen Querfront,2 als ein ideologisches Scharnier zwischen einer orthodoxen, in Regression begriffenen Linken, und der im Aufstieg befindlichen neuen Rechten.3 Diese ins Lager der Neuen Rechten abdriftenden Zerfallsprodukte der alten Linken mit ihrer Galionsfigur Sahra Wagenknecht, die ihre Sprachrohre in Organen wie Telepolis, Nachdenkseiten und Rubikon haben, erlitten eigentlich schon zu Kriegsbeginn ihre historische Niederlage.

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Wahn, wenn nicht jetzt?

Dienstag, 01. Februar 2022

konkret, 06/2020

Verschwörungstheoretiker fordern, was auch das Kapital sich wünscht: das Ende der Maßnahmen zur Pandemie-Bekämpfung. Von Tomasz Konicz

Bill Gates ist der neue George Soros. Als während der sogenannten Flüchtlingskrise Pegida und AfD endgültig in der Mitte der hiesigen Gesellschaft ankamen, diente der jüdische Investor und Philanthrop George Soros als zentrales Feindbild der sich formierenden Neuen Rechten. Auf ihn fixierte sich eine absurde antisemitische Verschwörungstheorie, der zufolge seine liberale Soros-Foundation, letztich aber eben „die Juden“, die „Umvolkung“ Deutschlands und Europas mit Hilfe der Flüchtlingsströme betrieben (siehe Lars Quadfasel in konkret 1/19). Neuer Krisenschub, neues Feindbild: Heute soll es der mäßig begabte Softwareentwickler und Milliardär Bill Gates sein, der vermittels seiner Stiftung im Hintergrund die Fäden zieht, um die Menschheit zu versklaven.

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Linkspartei: Wagenknecht statt Kampf um Emanzipation

Freitag, 24. September 2021

24.09.2021

Wie der Opportunismus der „Linkspartei“ sich in der hießen Wahlkampfphase selbst ein Bein stellte. Linker Opportunismus in der Krise, Teil 4.

Wenn man doch ein Indianer wäre, gleich bereit, und auf dem rennenden Pferde, schief in der Luft, immer wieder kurz erzitterte über dem zitternden Boden, bis man die Sporen ließ, denn es gab keine Sporen, bis man die Zügel wegwarf, denn es gab keine Zügel, und kaum das Land vor sich als glatt gemähte Heide sah, schon ohne Pferdehals und Pferdekopf.“

Kafka

Das Führungspersonal der Linkspartei (Partei die Linke – PDL) möchte wirklich ganz dringend mitregieren. Wie dringend? Das Sofortprogramm der Partei, publiziert in der heißen Wahlkampfphase, gibt darüber hinreichend Aufschluss.1 Der Kritik seitens der SPD und der Grünen an etlichen Programmpunkten folgend, warf man einen guten Teil seines Parteiprogramms über Bord, um mitten im Wahlkampf die Regierungsfähigkeit der „Linken“ zu demonstrieren.

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Telepolis: eine rotbraune Inside-Story

Montag, 20. September 2021

20.09.2021

Wie die Rackets der alten Linken sich der neuen Rechten anbiedern. Linker Opportunismus in der Krise, Teil 2.

Ein Deutscher ist ein Mensch, der keine Lüge aussprechen kann, ohne sie selbst zu glauben.“

Adorno

Der wohl hervorstechendste und auch erschreckendste Aspekt der deutschen Realitätsflucht liegt in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen.“

Arendt

Vorbemerkung

Schlimmer geht es immer. Der in finsteren Zeiten immer mal wieder geäußerte Stoßseufzer, schlimmer könne es nicht mehr werden, ist grundfalsch. Wenn die letzten Dekaden der zunehmenden Krisenentfaltung etwas bewiesen haben, dann eben dies: Es kann immer schlimmer kommen, als mensch denkt. Es gibt keine Grenze, vor der die Verwilderung und Barbarisierung haltmachen würde: weder in politischer, noch sozioökonomischer oder in ideologischer Hinsicht.

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Lügen mit Halbwahrheiten?

Sonntag, 18. Juli 2021

18.07.2021

Wie Telepolis-Chef Harald Neuber mit einseitigen Berichten den Querdenker-Wahn verbreitet.

Schwurbeln für Fortgeschrittene, 01: erster Teil einer Hintergrund-Serie zu Telepolis als Querfront-Organ, bei der die Absurditäten und Verrenkungen in dem rot-braunen Medium zum Anlass genommen werden, um allgemeine Tendenzen und Widersprüche im Spätkapitalismus zu thematisieren.

Es soll noch Menschen geben, die all dem Zeug tatsächlich Glauben schenken, das der Telepolis-Chef Harald Neuber fabriziert. Die Querdenker und Nazis etwa, die in den Telepolis-Foren als der größten Trollgrube des deutschsprachigen Internets den Ton angeben, dürften vor wenigen Wochen ihren kollektiven inneren Reichsparteitag abgehalten haben. Anfang Juli schien der ehemalige Bundestagsmitarbeiter der Linkspartei, der dort seine Zeit unter anderem damit verbrachte, Sahra Wagenknecht für Dieter Dehms Weltnetz-tv die passenden Stichworte zu liefern, Ungeheuerliches enthüllt zu haben.

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Ende Zusammenarbeit mit Telepolis unter Neuber

Sonntag, 04. Juli 2021

Liebe Leute, hier noch meine Einschätzung zu den Vorgängen bei Telepolis, seitdem der Laden von Neuber geführt wird. Ich muss dort aufhören. Nach 13 Jahren und vier Telepolis-Ebooks verengten sich meine publizistischen Spielräume in diesem Jahr bei Telepolis zunehmend. Ich wurde dort marginalisiert und schikaniert – nach meiner Einschätzung mit Rückendeckung und eventuell auf Initiative des Verlags.

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Schreiben wie ein Internettroll

Dienstag, 29. Juni 2021

Erschien leicht gekürzt in Konkret 06/21

Es ist zu befürchten, dass Sahra Wagenknecht selbst mit dem jüngsten Rechtsruck noch nicht ihre finale Form erreicht hat.


Dies Buch ist eine Zumutung. Nicht nur des Inhalts, sondern auch der Form wegen, die dieser annimmt. Vieles scheint mit der Intention geschrieben worden zu sein, möglichst mehrdeutig zu sein. Wagenknecht bedient sich einer scheinbar einfach und allgemeinverständlich gehaltenen Sprache, die aber manipulativ ist, voller absurder Wortungetüme wie dem eines „linken Konservatismus“, die jegliche eigenständige Reflexion, jegliches selbstständige Nach- und Weiterdenken vereiteln. Das Buch ist voll von schwammigen Begriffen und Formulierungen wie „Gemeinsinn“ oder „Maß und Mitte“, die zweideutig gehalten werden, oftmals einfach nur bestimmte Stimmungen und Assoziationen beim Leser erzeugen sollen, um Interpretationsräume offenzuhalten.

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Kampf um „Normalität“

Dienstag, 18. Mai 2021

Telepolis, 18.05.2021

„Cancel Culture“ als Diskurswaffe im Kampf um öffentliche Hegemonie. Ein Kommentar

Es ist ein in die Jahre gekommenes, öffentliches Ritual, das inzwischen routiniert abgespult wird: Rechte „Tabubrecher“, die mit menschenfeindlichen Äußerungen zur weiteren Verrohung des öffentlichen Diskurses beitragen, können fest auf einen Opferstatus zählen, der ihnen einen weiteren Popularitäts- und Karriereschub verpasst.

„Klartext“ und „Gesinnungsdiktatur“

Seit der Sarrazin-Debatte, als der damalige Bundesbanker Muslimen und verarmten Menschen genetische Minderwertigkeiten andichtete, etablierte sich in solchen Fällen ein spezifischer Diskursverlauf, der alle öffentlichen Auseinandersetzungen um rechte Grenzüberschreitungen und Provokationen prägt: Kritik an den Überschreitungen mühsam in Deutschland in den Nachkriegsjahrzehnten errichteter zivilisatorischer Mindeststandards durch selbsternannte „Klartextredner“ wird als Ausdruck einer „Gesinnungsdiktatur“ dargestellt.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Kampf-um-Normalitaet-6048183.html

Im wunschgedachten Wirtschaftswunderland

Mittwoch, 21. April 2021

Wochenzeitung Kontext, 21.04.2021

Mit ihrem neuen Buch erfreut Sahra Wagenknecht die Rechte und verstört wieder einmal die eigene Partei. Für unseren Autor ist es der Abschied von der Linken, der sich lange abzeichnete und nun endgültig ist. Auch der von Wagenknecht geschmähte Bernd Riexinger kontert in Kontext.

Es ist mal wieder soweit: Sahra Wagenknecht hat ein neues Buch („Die Selbstgerechten“) geschrieben, das ihr breite öffentliche Aufmerksamkeit verschafft. Während in der Linken das Buch überwiegend auf harsche Kritik stößt und die Parteispitze zu einer Distanzierung nötigte, sind es vor allem rechte und rechtsextreme Kräfte, die Wagenknechts neues Werk bejubeln. Die AfD gab begeistert minderheitenfeindliche Passagen aus dem Buch Wagenknechts wieder, während Ulf Poschardt, Chefredakteur der Springerzeitung „Die Welt“, sich voll hinter die Thesen des Traktats stellte, das als eine Generalabrechnung mit einer „Lifestyle-Linken“ und deren „Identitätspolitik“ verstanden wurde.

Link: https://www.kontextwochenzeitung.de/debatte/525/im-wirtschaftswunderland-7450.html

„Die Corona-Proteste sind eine rechtsradikale Sammlungsbewegung“

Mittwoch, 21. April 2021

21.04.2021, Telepolis

Gespräch mit dem Gewerkschaftler und dju-Landesgeschäftsführer Jörg Reichel über die zunehmende Militanz der Querdenker und die Passivität der Polizei

Jörg Reichel ist ver.di Gewerkschaftler und Landesgeschäftsführer der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in Berlin-Brandenburg. Er hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit den Corona-Demos befassen müssen. Telepolis sprach mit Reichel über die Erfahrungen von Journalisten bei der Berichterstattung über die Aufmärsche der sogenannten „Querdenker“, die Haltung der Polizei sowie den demokratischen Zustand der Bundesrepublik.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Die-Corona-Proteste-sind-eine-rechtsradikale-Sammlungsbewegung-6022346.html

Die Welt als Wille der Verschwörer

Mittwoch, 20. Januar 2021

Kontext, 20.01.2021

Am Inhalt bemessen, mag der massenhafte Wahn in Krisenzeiten lachhaft erscheinen. Als soziales Phänomen muss er jedoch ernst genommen werden. Denn Verschwörungsideologien seien kein Fremdkörper in der Gesellschaft, meint unser Autor. Vielmehr handle es sich um eine extreme Form der erodierenden neoliberalen Mitte.

Link: https://www.kontextwochenzeitung.de/debatte/512/die-welt-als-wille-der-verschwoerer-7258.html

Der linke Blödheitskoeffizient

Mittwoch, 09. Dezember 2020

Dummheit ist der beste Verbündete des linken Opportunismus – dies macht der aktuelle Krisenschub mal wider evident.

exit-online, 09.12.2020

Kapitalismus oder Tod? Wozu Marxsche Theorie schnell verkommen kann, sofern sie die Systemkrise jahrzehntelang souverän ignoriert und folglich keinen adäquaten Krisenbegriff ausbildet, machte der renommierte US-Marxist David Harvey in einem im Dezember 2019 publizierten Interview in deprimierender Offenheit deutlich.1 Revolution? Das sei eine „kommunistische Fantasie“, wir lebten nicht mehr im 19. Jahrhundert. Kapital sei „to big to fail“, es sei zu notwendig, sodass wir es nicht uns erlauben könnten, dass es zusammenbreche. Die Dinge müssten hingegen „in Bewegung gehalten“ werden, da wir ansonsten „nahezu alle verhungern“ würden. Man müsse gar Zeit investieren, um es „aufzupäppeln“, so Harvey. Eventuell könne man langsam, an einer graduellen Rekonfiguration des Kapitals arbeiten, aber ein „revolutionärer Umsturz“ sei etwas, dass „nicht passieren kann und nicht passieren darf“ – und man solle gar aktiv daran arbeiten, dass es nicht passiere. Zugleich bemerkte der Kathedermarxist endlich, dass das Kapital „zu groß, zu monströs“ geworden sei, um zu überleben. Es befände sich auf einem „selbstmörderischen Pfad“.

Link: https://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=aktuelles&index=0&posnr=749

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Leipziger Corona-Randale

Sonntag, 08. November 2020

Telepolis, 08.11.2020

Es sind nicht nur Rechtsextreme in der großen deutschen Wahnbewegung aktiv, die am 7. November in Leipzig aufmarschierte und randalierte. Ein kritischer Zwischenruf

Link: https://www.heise.de/tp/features/Leipziger-Corona-Randale-4951210.html

Die Verbrechen des Bill Gates

Montag, 25. Mai 2020

Telepolis, 25.05.2020

Ein Blick hinter die Kulissen der Selbstdarstellungsshow des Microsoft-Milliardärs macht deutlich, wie Ideologie im Spätkapitalismus funktioniert

Die Versuchung ist groß, die Hassobjekte des um sich greifenden Wahns zu idealisieren. Doch auch wenn Millionen Wahnwichtel und Folienkartoffeln ihn zum neuen Oberbösewicht einer geheimen Weltregierung ernannt haben, ändert das nichts an der Tatsache, dass es sich bei Bill Gates um eine emeritierte Charaktermaske des Kapitals handelt, die nur deswegen zur Zielscheibe der abermals anschwellenden autoritären Revolte wurde, weil sie quasi in Rente ist.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Die-Verbrechen-des-Bill-Gates-4727474.html

Neue braune Normalität

Montag, 07. Oktober 2019

Kontext Wochenzeitung,  02.10.2019
Zu viele Nazis sind schlecht fürs Image, darum werden sie kurzerhand umbenannt. Der verharmloste Rechtsextremismus ist außerdem so erfolgreich, weil er ideologisch nicht mit dem totalitären Konkurrenzdenken bricht, das bereits in allen Gesellschaftsschichten verankert ist. Er überführt vorhandene Tendenzen lediglich in ihr barbarisches Extrem.

Die jüngsten Wahlerfolge der AfD in Ostdeutschland scheinen der Normalisierung des Rechtsextremismus in Deutschland weiter Vorschub zu leisten. Exemplarisch wäre etwa die ARD-Moderatorin Wiebke Binder zu nennen, die einen CDU-Mann am Wahlabend auf die Option einer „stabilen Zweierkoalition, einer bürgerlichen“ hinweist, die „ja theoretisch mit der AfD möglich“ wäre.

Wenn eine politische Formation zweistellige Ergebnisse erzielt, wenn sie im Osten nur knapp daran scheitert, zur meistgewählten Partei aufzusteigen, dann kann es sich dabei doch nicht um Rechtsextremisten oder gar um Nazis handeln. Es sind einfach zu viele, um hier noch im Sinne des üblichen bürgerlichen Extremismusdiskurses von kleinen, verblendeten und irrlichternden Minderheiten am Rande des politischen Spektrums sprechen zu können. Das demokratische Selbstbild der Bundesrepublik droht ins Wanken zu geraten, da offensichtlich weite Teile einer vermeintlichen Mitte nach rechts wegbrechen. Die Barbarei kommt nicht von außen in die Gesellschaft, sie wird in ihrer Mitte ausgebrütet.

Link: https://www.kontextwochenzeitung.de/politik/444/neue-braune-normalitaet-6213.html

Alte Linke und Neue Rechte

Mittwoch, 13. März 2019

Kontext, 13.03.2019
Die grüne Realpolitik in Sachen Geflüchtete und der national-soziale Flügel der Linken haben dazu beigetragen, den Rechtsruck in der Gesellschaft zu befördern. Ein Debattenbeitrag.

Tue Böses und rede nicht darüber – auf diesen Nenner ließe sich in besonders krassen Fällen die Realpolitik der baden-württembergischen Grünen bringen, nachdem sie unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann Regierungsverantwortung übernommen haben. Dies gilt insbesondere für die Flüchtlingspolitik im grün-schwarzen Baden-Württemberg. Die ist längst kompatibel zur repressiven Linie der CDU, wie eine Anfrage der SPD zur direkten Abschiebung von Kindern aus Schulden und Kitas enthüllte. Das Innenministerium Baden-Württembergs erklärte, dass es sich auch weiterhin „nicht generell und in jedem Einzelfall vermeiden“ ließe, Kinder vor den Augen ihrer Klassenkameraden von Polizisten abzuführen, um sie abzuschieben. Am 10. Dezember 2018 traf eine solche Schulabschiebung zwei Kinder im Alter von sechs und elf Jahren. Der Mannheimer SPD-Landtagsabgeordnete Boris Weirauch kritisierte diese umstrittene Praxis in einer Pressemitteilung scharf: „Grüne Betroffenheitsrhetorik in allen Ehren, aber vollmundigen Ankündigungen müssen auch Taten folgen“.

Link: https://www.kontextwochenzeitung.de/debatte/415/alte-linke-und-neue-rechte-5757.html

Besetzt!

Samstag, 03. März 2018

Neues Deutschland, 03.03.2018

Deutschland ist nicht frei! Es wird von dunklen, angelsächsischen Mächten geknechtet, ist ferngesteuert von einer hinter den Kulissen agierenden Besatzungsmacht, der die deutsche Regierung in Wahrheit dient. Unter all den wirren Obsessionen, mit denen die Neue Deutsche Rechte im Überfluss gesegnet ist, sticht die populäre Besatzungsfantasie durch ihre vollendete Loslösung von der Realität noch hervor. Hier geht Ideologie in bloße Weltanschauung über. Während die Bundesrepublik im Gefolge der Eurokrise mittels Schäubles Spardiktat zur unumstrittenen Führungsmacht Europas aufstieg, während die deutsche und die französische Regierung gerade über eine eigenständige militärische Strategie, mithin über die europäische Bombe verhandeln, gewinnen in den blühenden politischen Wahnräumen zunehmend Ängste vor – zumeist US-amerikanischer – Fremdherrschaft an Boden.

Link: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1081211.besetzt.html

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Querfront als Symptom

Sonntag, 28. Januar 2018

Telepolis, 28.01.2018

Die jüngsten Auseinandersetzungen um Querfronttendenzen verweisen auf den Durchmarsch der Neuen Rechten in einem sich auflösenden politischen Koordinatensystem

Im vergangenen Dezember geisterte ein Begriff durch die Medien, der ansonsten eher in historischen Debatten oder dem linkem Szenediskurs beheimatet ist: der Begriff der Querfront. Hierunter werden konkrete politische Bestrebungen oder allgemeine ideologische Tendenzen zur Verflechtung oder bewusster Kooperation rechter und linker Kräfte subsumiert, die in der Endphase der Weimarer Republik präsent waren.

Die gegenwärtige Querfront-Debatte kreiste aber um die zunehmenden rechtspopulistischen Tendenzen in der Partei „Die Linke“, die vor allem während des Bundestagswahlkampfes offen zutage traten. Konkret entzündete sich die Debatte an dem umstrittenen Linkspartei-Politiker Dieter Dehm, der sich offen mit dem Verschwörungsideologen und YouTube-Star Ken Jebsen bei Auseinandersetzungen mit dem linken Kultursenator Berlins solidarisierte, als dieser die Verleihung eines neu erfundenen „Karlspreises“ an Jebsen in Örtlichkeiten untersagte, die vom Berliner Senat gefördert werden. Jebsen gilt als zentrale Figur der Querfront, da er gezielt Autoren und Themen aus der Neuen Rechten wie auch dem orthodoxen oder post-sozialdemokratischen Spektrum seiner Zuschauerschaft vorsetzt.

Die Frankfurter Rundschau widmete einen längeren Artikel dem fragwürdigen Antisemitismus-Verständnis Dieter Dehms, das eine unheimliche Nähe zu ordinär antisemitischen Positionen aufweise. Auch Ken Jebsen musste 2011 nach Antisemitismusvorwürfen aus dem rrb ausscheiden, wo er als Rundfunkmoderator tätig war. Dehm und Jebsen sind schon mehrmals gemeinsam politisch aktiv geworden – vor allem bei der von Jebsen unterstützten „Mahnwachen-Bewegung“, die als ein Vorläufer und unfreiwilliger Wegbereiter für Pegida fungierte (Die Bewegung als Bewegung.

Die Selbstverständlichkeit, einem Verschwörungsideologen, in dessen Medienprodukten regelmäßig linke und rechte Autoren interviewt werden – vom stramm rechten Jürgen Elsässer über den Handelsblatt-Ökonomen Norbert Häring bis zum ehemaligen SPD-Politiker Albrecht Müller – führte aber zu erbitterten internen Auseinandersetzungen innerhalb der Linkspartei, wie der Tagesspiegel bemerkte.

Demonstrationen und Gegenkundgebungen für Jebsen wurden organisiert, dessen Anhängerschaft in der Linkspartei unverzüglich „Zensur“ witterte. Die „Klare Kante gegen Querfront“ titulierte Erklärung des Parteivorstands, der sich hinter den Kultursenator stellte, fiel mit 12 Enthaltungen und Nein-Stimmen gegen 18 Ja-Stimmen überraschend knapp aus.

Wenig später solidarisierte sich die Parteiführung auch noch mit Dieter Dehm. womit offensichtlich die Querfronttendenzen innerhalb der Linkspartei allen offiziellen Beschlüssen zum Trotz inoffiziell toleriert werden sollen. Für die Parteigröße Oskar Lafontaine, dessen rechtspopulistische Äußerungen immer wieder für Schlagzeilen sorgen, gibt es eine Querfront gar nicht. Dieser Begriff stamme aus dem „Arsenal der Geheimdienste“, so das Gründungsmitglied der Linkspartei. Welche Geheimdienste dahinter stecken sollen, hat der Linken-Politiker, der die Welt von einer „geheimen Weltregierung“ beherrscht sieht, nicht mitgeteilt.

Bei den Auseinandersetzungen gehe es um nichts weniger als „das Wesen der Partei“, kommentierte die Wochenzeitung Die Zeit den zunehmenden Einfluss der Querfront innerhalb der „Linkspartei“. Fast hundert Jahre nach der historischen Querfrontdebatte in der Weimarer Republik streite „die Linkspartei erbittert und offen darum, mit wem sie welche Bündnisse eingehen darf, was ihr nutzt und was den Nationalisten. Was antisemitisch ist und was Herrschaftskritik.“

Für viele Exponenten aus dem Querfront-Spektrum im Dunstkreis von KenFM, Rubikon oder den Nachdenkseiten haben solche Debatten ohnehin kaum noch einen Sinn, da ihnen diese Einteilung des politischen Spektrums in Linke und Rechte Gruppen zunehmend fremd, künstlich und schlicht überholt vorkommt. Und tatsächlich scheint diese dumpfe, unreflektierte Ahnung eines Umbruchprozesses ein Körnchen Realität zu enthalten.

Das etablierte politische Koordinatensystem rechts- und linksgerichteter politischer Parteien und Kräfte scheint hohl und kaum noch mit Substanz aufgeladen. Die allgemein beklagte Hohlheit des politischen Spektrums, die „Austauschbarkeit“ der etablierten Parteien, wie auch die zunehmenden Querfronttendenzen innerhalb der sogenannten Linkspartei – sie sind Indizien tiefgreifender systemischer Veränderungen und Krisentendenzen, die auch die Sphäre des Politischen voll erfasst haben.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Querfront-als-Symptom-3952540.html

Erklärung Rubikon

Samstag, 23. Dezember 2017

Mitte September 2017 habe ich einen Text über die AfD auf dem Internetportal „Rubikon“ publiziert. https://www.rubikon.news/artikel/neoliberal-und-fremdenfeindlich Vor kurzem, im Zuge der hochkochenden Auseinandersetzungen um Querfrontbestrebungen innerhalb der Linken, habe ich erfahren, dass es sich bei diesem Portal um eine Publikation aus dem Querformatsspektrum handelt, die Verbindungen zu dem Verschwörungsideologen Ken Jebsen unterhält. Hiermit distanziere ich mich in aller Deutlichkeit von dieser Internetplattform, wie von dem gesamten Spektrum, das eine verhängnisvolle Rolle bei der derzeitigen Rechtsentwicklung in der Bundesrepublik spielt.

Vom Anti- zum Alternativimperialismus

Montag, 27. November 2017

Konkret 11/2016

Kleine Psychopathologie des gemeinen Putin-Trolls in  der Grauzone einer sich formierenden Querfront. Von Tomasz Konicz

Wer es sich immer noch nicht abgewöhnt hat, unzensierte Kommentarforen oder die üblichen sozialen Netzwerke zu durchstöbern, kennt sie zur Genüge: Die deutsche Anhängerschaft des russischen Präsidenten Wladimir Putin, die bei einschlägigen geopolitischen Themen leidenschaftlich Partei ergreift für Russland und den Kreml. Dabei handelt es sich gerade nicht um das Produkt einer Putinschen Trollfabrik, wie es der westliche Medienmainstream immer wieder lanciert. Der deutsche Putin-Schwarm hat eine Eigendynamik, die auf innerdeutsche ideologische wie machtpolitische Faktoren zurückzuführen ist.

Die Mitgliedschaft des Putinschen Fanclubs rekrutiert sich aus dem gesamten politischen Spektrum, es sind neurechte Bürger, rechtsextreme Agitatoren, orthodoxe, in Regression versinkende Linke darin zu finden. Ohne Übertreibung kann die politische Figur des russischen Präsidenten als einer der wichtigsten ideologischen Fixpunkte der neuen deutschen Querfront bezeichnet werden. Das liegt vor allem daran, dass der arme Wladimir Wladimirowitsch als ideologische Projektionsfläche deutscher Querschläger aller Art fungiert.

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