Sie nennen es „Aufklärung“

Ein unveröffentlichter Leserbrief an die „Junge Welt“.

Wir haben uns inzwischen an die absurdesten orwellschen Begriffsverstümmelungen gewöhnt, mit denen etwa Kriege als „friedensschaffende Missionen“ oder Sozialkürzungen als „mutige Reformvorhaben“ legitimiert werden. Wovon aber sprechen in Wahrheit die Mitglieder der Gruppe Arbeiterfotografie, wenn sie in einem Interview mit der Jungen Welt behaupten, durch eine Veranstaltung mit der Querfrontband Die Bandbreite der „Aufklärung“ Vorschub geleistet zu haben? Die Verbreitung absurder Verschwörungsideologien rund um die terroristischen Anschläge vom 11. September 2001 sowie die von der Arbeiterfotografie betriebene Apologetik des iranischen Regimes hätte man früher als Mythenbildung bezeichnet.

Besonders aufgeklärt ist der Umgang dieses illustren Bündnisses – in dem auch der notorische Querfrontler Jürgen Elsässer nicht fehlen darf – mit dessen Kritikern. Die werden einfach pauschal als Antideutsche bezeichnet, weil auch Antideutsche Kritik an diesem Querfrontzirkus übten, der da im Club Voltaire aufgeführt wurde. Wie müsste man die Arbeiterfotografie oder die Band Die Bandbreite unter Anwendung derselben Pseudologik bezeichnen, wenn man bedenkt, dass ihre aufrichtige Liebe zum iranischen Klerikalfaschismus oder der mit sektenhafter Penetranz hinausposaunte Irrglaube an eine 9/11-Verschwörung auch von ordinären Nazis geteilt werden?

Ironischerweise hat die gesamte Schwerpunktseite der Jungen Welt vom 15.10.2009 mehr mit der Dialektik der Aufklärung gemein, als es der Arbeiterfotografie jemals bewusst werden wird. „Am Ende des Fortschritts der sich selbst aufhebenden Vernunft bleibt ihr nichts mehr übrig, als der Rückfall in Barbarei oder der Anfang der Geschichte.“ Diese Prognose Horkheimers passt zur unseren derzeitigen Epoche wie der Verschwörungsideologe ins Word Trade Center.

Der Inhalt dieses Interviews lässt schon mal die Umrisse einer barbarischen, in mythisches Verschwörungsdenken zurückfallenden Ideologie erkennen, wie sie von der Bandbreite und der Arbeiterfotografie mehr unbewusst verbreitet denn bewusst propagiert wird. Ein Anfang der Geschichte ist mit deutschen Verschwörungsideologen und iranischen Klerikalfaschisten sicherlich nicht zu bewerkstelligen.

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