Sjuganow allein zu Haus

„Junge Welt“ vom 15.06.06
Französische Kommunisten brechen Beziehungen zur Kommunistischen Partei Rußlands ab

Die Französische Kommunistische Partei (Parti Communiste Francais – PCF) kündigte in einer jetzt verbreiteten Erklärung den Abbruch jeglicher Kontakte zur Kommunistschen Partei der Russischen Föderation an (KPRF). Begründet wurde diese Entscheidung mit dem homosexuellenfeindlichen Verhalten des Parteivorsitzenden Gennadi Andrejewitsch Sjuganow sowie anderen Mitgliedern der russischen KP bei der Ende Mai brutal aufgelösten Schwulenkundgebung in Moskau.

Die Franzosen werfen der Führung der KPRF insbesondere vor, sich von den Grundlagen des Marxismus entfernt zu haben. Richard Sanchez, Politbüromitglied der PCF, erklärte, daß es nur in Rußland möglich wäre, Kommunist und gleichzeitig homosexuellenfeindlich zu sein. Des weiteren warf Sanchez der Führungspitze rund um Sjuganow vor, durch die »Beibehaltung stalinistischer Ideologie« und die Zusammenarbeit mit faschistischen und nationalistischen Gruppen zur Isolation der KPRF beizutragen. Schließlich kritisierte Sanchez die Passivität der KPRF: »Die russischen Kommunisten regierten nahezu 80 Jahre lang, deswegen wissen sie gar nicht, was es bedeutet, eine reelle Opposition zu sein.«

In einer offiziellen Antwort auf die gegen ihn von den französischen Genossen erhobenen Vorwürfe bekräftigte Sjuganow seinen ablehnenden Standpunkt bezüglich der Schwulenparade in Moskau. Der kommunistische Dumaabgeordnete Iwan Melinkow verwies darauf, daß Moskau nicht Paris oder Berlin sei, und das »jedwede Manifestationen sexueller Abweichung« öffentliche Empörung hervorriefe. Bei einer kurz nach dem Übergriffen auf die Moskauer Gay-Parade initiierten Umfrage befürworteten drei Viertel (77 Prozent) der Befragten die jüngste Entscheidung der Moskauer Stadtregierung, eine geplante Gay-Parade zu verbieten. Nur neun Prozent kritisierten den Beschluß als falsch. Generell ist die Toleranz gegenüber Homosexuellen in Rußland gering. 47 Prozent der Befragten gaben an, Homosexuelle zu verurteilen, 40 Prozent hegen keine Vorurteile.

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