Rußlands Ressourcen

Außer Reichweite des Westens

„Junge Welt“, 25.06.2008

Nichts würden sich die Konzernchefs und Spitzenpolitiker des Westens sehnlicher vom Kreml wünschen, als endlich Zugriff auf die Rohstoffe Rußlands zu erhalten. Schließlich sind die diesbezüglich global explodierenden Preise eine wesentliche Ursache auch für die wirtschaftliche Erholung im größten Nachfolgestaat der Sowjetunion. Doch offensichtlich denken weder der russische Staat noch die Oligarchie des Landes daran, die üppigen Einnahmen aus dem Export von Energieträgern mit westlichen Konzernen zu teilen.

Diese Lektion scheint gerade der britische Ölmulti British Petrol (BP) lernen zu müssen. BP hat durch den Joint-Venture-Konzern TNK-BP, den die Briten mit drei russischen Oligarchen seit fünf Jahren führen, direkten Zugriff auf Ener­gieträger Rußlands. Doch nun verlangen die einheimischen Anteilseigner mit Rückendeckung des Kreml einen Strategiewechsel. Die Milliardäre Michail Friedman, Viktor Vekselberg und der russischstämmige US-Multimilliardär Len Blavatnik, die gemeinsam 50 Prozent an TNK-BP halten, fordern eine internationale Expansion des Unternehmens, während der von BP eingesetzte TNK-BP-Präsident Robert Dudley vor allem russische Lagerstätten erschließen will.

Innerhalb der vergangenen Monate schalteten sich wiederholt russische Sicherheitsbehörden in den Konflikt ein. Die Moskauer Konzernzentrale von TNK-BP – immerhin der drittgrößte russische Ölkonzern – wurde mehrmals durchsucht. Die Anschuldigungen der Behörden reichen von Steuerdelikten und illegaler Beschäftigung britischer BP-Manager bis zur Spionage. Westliche Beobachter des Machtkampfes gehen davon aus, daß BP aus dem Joint Venture gedrängt werden soll, das dem britischen Ölmulti immerhin ein Drittel seiner Gesamtförderung an Rohöl einbringt und 23 Prozent der nachgewiesenen Ölreserven des Unternehmens garantiert.

EU-Handelskommissar Peter Mandelson warnte jüngst Moskau vor einem »Imageverlust«, da diese Konfrontation das »Renommee« Rußlands als Wirtschaftsstandort beschädige. Auch andere Mitglieder der EU-Kommission hatten Rußland bereits zur »Mäßigung« aufgerufen. Am 21. Juni berichtete nun die österreichische Zeitung Die Presse, daß TNK-BP »zurück in Staatshand« gehen solle. Gasprom werde »im Zuge der Renationalisierung des russischen Ölsektors« Anteile an diesem westlich-russischen Joint-Venture übernehmen. Bei allen Aufforderungen Medwedews zu verstärkten Investitionen europäischen Kapitals in Rußland – der Energiesektor des Landes bleibt weiterhin außer Reichweite des Westens.

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