US-Ökonomie weiter auf Talfahrt

„Junge Welt“, 28.02.2008
Immobilienmarkt bröckelt weiter, Inflation steigt, Verbrauchervertrauen sinkt

Eine ganze Reihe kürzlich veröffentlichter Konjunkturdaten wirft erneut ein bezeichendes Schlaglicht auf den miserablen Zustand der US-amerikanischen Ökonomie. So sank das Verbrauchervertrauen in der größten Volkswirtschaft der Welt überraschend stark. Der Consumer Confidence Index (Verbrauchervertrauensindex – CCI) sank von 87,3 Punkten im Januar auf nur noch 75 Zähler – weit tiefer, als von den Analysten erwartet. Seit Februar 2003, als die US-Streitkräfte sich auf den Überfall auf den Irak vorbereiteten, wurde ein solch niedriger Wert nicht mehr gemessen.

Der Erwartungsindex (Expectation Index), der die Verbrauchereinschätzung der künftigen Wirtschaftsentwicklung ausdrücken soll, schmierte regelrecht ab. Dieser Wert sank von 69,3 auf 57,9 Punkte, den tiefsten Stand seit 17 Jahren. Der US- amerikanische Verbraucher generiert mit seinem privaten Konsum einen Großteil der Nachfrage der amerikanischen Volkswirtschaft, ein Einbruch dieser Konjunkturstütze führt daher zwangsläufig in eine Rezession.

Neue Hiobsbotschaften gibt es auch vom krisengeschüttelten US-Immobilienmarkt. Die Anzahl der mit Hypothekten belasteten Häuser, die von Zwangsvollstreckungen bedroht sind, stieg im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat um 57 Prozent. Landesweit erhielten 233000 Haushalte Verwarnungen ihrer Hypothekenbanken, die die Nachzahlung ausstehender Raten anmahnen. Im Januar 2008 befand sich statistisch eins von 534 Häusern in den USA in der Zwangsvollstreckung, was einen Anstieg von acht Prozent binnen zwölf Monaten bedeutet. Konkret verloren 45327 Familien in diesem Monat ihr Eigenheim durch Zwangsvollstreckungen.

Zugleich gehen auch die Immobilienpreise weiter auf Talfahrt. Laut neuesten Zahlen der Ratingagentur Standard & Poor fielen die US-Hauspreise im vierten Quartal 2007 um 8,9 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Dies sei der schärfste Preisverfall in der zwanzigjährigen Geschichte dieses Indizes, ließ Standard & Poor verlautbaren. Auch in Relation zum dritten Quartal 2007 mußte die Ratingagentur einen einmalig heftigen Preisverfall vermelden: um 5,4 Prozent sanken die Immobilienpresie landesweit allein in diesem dreimonatigen Zeitraum.

Doch das ist noch nicht alles. Jüngst vom US-Arbeitsministerum publizierte Zahlen zur Entwicklung der Großhandelspreise lassen eine weitere Beschleunigung der Inflation erwarten. So seien die Großhandelspreise im Ja­nuar im Vergleich zum Vormonat in den gesamten Vereinigten Staaten um ein Prozent gestiegen, während von Ökonomen lediglich eine Inflation von 0,4 Prozent erwartet wurde. Die inflationäre Entwicklung im Großhandel beträgt im Jahresvergleich sogar alarmierende 7,5 Prozent. Solch eine hohe Teuerungsrate habe man seit Oktober 1981 nicht gemessen, meldete die Nachrichtenagentur AP. Entsprechend nervös reagiert der Geldmarkt. Am Mittwoch übersprang der Euro erstmals in seiner Geschichte die Marke von 1,50 Dollar.

Die Kommentarfunktion zu diesem Beitrag wurde deaktiviert.