Sloweniens Euro wird zum Teuro

„Junge Welt“, 16.01.07
Schon in der ersten Woche nach Einführung klagen Verbraucher über deutliche Preisanstiege

Der Euro entwickelt sich auch in Slowenien zum Teuro. Kurz bevor die Gemeinschaftswährung am 1. Januar in der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik eingeführt wurde, befürworteten dies noch 60 Prozent der zwei Millionen Slowenen. Inzwischen überwiegt in Ljubljana die Skepsis gegenüber dem Euro, der in zahlreichen Marktbereichen eine Teuerungswelle ausgelöst hat.

Berda Kutin, Präsidentin des slowenischen Verbraucherverbands ZPS, nannte auf einer Pressekonferenz Ende vergangener Woche knapp 600 Hinweise auf Preiserhöhungen, die allein in den ersten sieben Tagen seit der Einführung des Euro bei dem Verband eingingen. Dies habe sie überrascht, so Kutin. Von der Teuerung sei insbesondere die Gastronomie betroffen. Hier würden Preiserhöhungen von bis zu 30 Prozent verzeichnet.

Eine erste Preisrunde traf im Dezember den slowenischen Lebensmittelsektor. Kurz vor Weihnachten schnellten die Preise für viele Grundnahrungsmittel in die Höhe. Schon jetzt sei eine deutlicher Preisanstieg im Dienstleistungssektor zu beobachten, so Sloweniens Notenbankchef Mitja Gaspari gegenüber der Welt. Seinen Mitbürgern gab er den Rat, einfach weniger zu konsumieren, wenn die Preise für bestimmte Dienstleistungen steigen. Gegen den »Teuro« gebe es nun einmal keine Medizin, so Gaspari.

Der komplizierte Umrechnungskurs von 239,64 slowenischen Tolar zu einem Euro erleichtert es dem Einzelhandel, Preiserhöhungen unbemerkt durchzusetzen. Um die Inflation in Grenzen zu halten, verpflichteten die Behörden alle Anbieter, bis Mitte 2007 sämtliche Preise sowohl in Tolar, als auch in Euro anzugeben. Ansonsten beschränken sich Sloweniens Regierende auf Appelle: Die Bürger wurden aufgefordert, etwaige Preisveränderungen zu »kontrollieren«. An die Wirtschaft erging die Mahnung, sich mit Preiserhöhungen zurückzuhalten.

Schon 2006 lag die Inflation in Slowenien mit 2,8 Prozent deutlich über dem Durchschnitt der Eurozone von 1,9 Prozent. In diesem Jahr dürfte der Preisauftrieb weitergehen, da bald die Energiepreise im gesamten Land um zehn Prozent angehoben werden sollen.

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