Archiv für August 2021

Deutsche Welle

Dienstag, 31. August 2021

Konkret, 09/2021

Wie die hiesige Öffentlichkeit die extremen Folgen der Klimakrise verdaut, ohne am Kapitalismus zu zweifeln. Von Tomasz Konicz

Alles lief nach Plan – doch dann kam der Regen. Die historisch beispiellose Flutkatastrophe, die mitten im Bundestagswahlkampf Westdeutschland heimsuchte, hat nicht nur mehr als 150 Menschenleben gekostet und viele Tausend Existenzen zerstört. Das Extremwetterereignis drohte sich auch zu einer echten PR-Katastrophe zu entwickeln – vor allem für die Wahlkämpfer/innen von CDU und FDP, die die Grünen noch wenige Wochen vor der Flut als Verbotspartei gebrandmarkt hatten, weil sie lächerlich inadäquate Klimaschutzmaßnahmen wie Tempolimits, Flugverbote und höhere Spritpreise forderten. Noch wenige Tage vor dem »Starkregen« machte das CDU-Fossil Armin Laschet aus dem Kohleland Nordrhein-Westfalen gegenüber dem britischen »Guardian« klar, dass europäischer Klimaschutz auch künftig an den Interessen der deutschen Wirtschaft seine Grenzen finden würde, da die CO2-Reduktionsziele der EU nicht »auf Kosten einer Verminderung der Leistungsfähigkeit der deutschen Industrie« umgesetzt werden dürften.

Link: https://www.konkret-magazin.de/628

A NORMALIZAÇÃO DOS TALIBÃS

Montag, 30. August 2021

Os centros do sistema mundial descobrem o islamofascismo como um instrumento repressivo de administração da crise na periferia

Original “Die Normalisierung der Taliban“ in: www.konicz.info, 29.08.2021. Tradução de Boaventura Antunes

Falar com os Talibãs? A Sra. Merkel não pode perder tempo a este respeito. Enquanto pessoas em pânico mergulham na morte no aeroporto de Cabul agarradas aos aviões que descolam, enquanto islamistas do Estado islâmico fazem explodir dezenas de pessoas em fuga em ataques suicidas, a Chanceler declarou o domínio talibã no Afeganistão uma nova realidade, que era „amarga“ mas com que tínhamos de nos „ocupar“. Isto significa, acima de tudo, manter conversações com os islamistas da Idade da Pedra „a fim de poder preservar algo do que beneficiou o povo do Afeganistão nos últimos 20 anos“ (só se pode esperar que a Chanceler não se refira, por exemplo, aos maciços ataques aéreos alemães, que levaram o percurso profissional de um Coronel Klein até ao posto de general). (1) Segundo Merkel, o governo alemão já está a disponibilizar 500 milhões de euros para fins humanitários. Com isto se espera „continuar a proteger as pessoas“ no Afeganistão após a evacuação que terminará dentro de „alguns dias“. (2)

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Die Normalisierung der Taliban

Sonntag, 29. August 2021

29.08.2021

Die Zentren des Weltsystems entdecken den Islamofaschismus als ein repressives Instrument der Krisenverwaltung in der Peripherie.

Mit den Taliban reden? Frau Merkel kann es nicht schnell genug damit gehen. Während am Kabuler Flughafen panische Menschen, sich an startenden Flugzeugen festklammernd, in den Tod stürzen, während IS-Islamisten bei Selbstmordattentaten Dutzende Flüchtende in die Luft sprengen, erklärte die Kanzlerin die Talibanherrschaft in Afghanistan zu einer neuen Realität, die zwar „bitter“ sei, mit der man sich aber „auseinandersetzen“ müsse. Dies bedeute vor allem, mit den Steinzeitislamisten Gespräche zu führen, „um etwas von dem, was den Menschen in Afghanistan in den letzten 20 Jahren zugutegekommen ist, bewahren zu können“ (Mensch kann nur hoffen, die Kanzlerin meint damit nicht die massenmörderischen deutschen Luftschläge, die etwa einem Oberst Klein Karrierepfade bis zum General offenlegten).1 Die Bundesregierung stelle schon mal 500 Millionen Euro für humanitäre Zwecke bereit, so Merkel. Hierdurch hoffe man, nach der Evakuierung, die in „einigen Tagen“ beendet werde, in Afghanistan „weiter Menschen zu schützen“.2

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Das globale Agrarsystem – Wahnsinn mit Methode

Samstag, 28. August 2021

Streifzüge, 2021-82

Die Autodestruktivität der globalen Mehrwertmaschine kommt gerade bei der unmittelbaren Verwertung der Ökosysteme voll zur Entfaltung. Der kapitalistische Produktivitätsextremismus, bei dem alle betriebswirtschaftliche Rationalität dem irrationalen Selbstzweck uferloser Kapitalverwertung unterworfen ist, wird somit erst bei einem genaueren Blick auf die globale Nahrungsmittelindustrie in seiner vollen Monstrosität sichtbar. Der Spätkapitalismus bringt eine regelrecht inzestuöse, im höchsten Maße labile und krisenanfällige Agrarindustrie hervor, die den kommenden klimabedingten Erschütterungen der Nahrungsmittelversorgung der Menschheit nicht gewachsen ist – und diese eher noch verstärken wird (konkret 4 und 5/2013).

Zum einen stellt die scheinbare Wahl zwischen Produkten im Supermarkt größtenteils eine Illusion dar. Kaum etwas trügt so sehr wie die Vielfalt der Waren, die die Sinne des Konsumenten beim Gang durch einen Supermarkt überflutet, denn die der kapitalistischen Wirtschaftsweise inhärente Tendenz zur Ausbildung von Monopolen oder Oligopolen – das logische Endziel der Marktkonkurrenz – ist trotz all der Bauernhofromantik, die sich auf vielen Lebensmittelverpackungen findet, auch bei der Nahrungsproduktion längst voll entfaltet. Nahezu alle Zweige der Agrar- und Lebensmittelbranche werden von einigen wenigen Großkonzernen beherrscht, die maßgeblich die Produktionsverhältnisse und informellen „Spielregeln“ in ihren Marktsektoren bestimmen.

Link: https://www.streifzuege.org/2021/das-globale-agrarsystem-wahnsinn-mit-methode/

Transformação do sistema ou barbárie

Donnerstag, 26. August 2021

26.08.2021

Não é possível evitar as piores consequências da catástrofe climática sem ultrapassar o capital com a sua compulsão de valorização
Tomasz Konicz

O debate sobre o clima é sem dúvida o campo de batalha mais deprimente da campanha eleitoral para o Parlamento Federal, já que aqui o abismo entre a ideologia e a realidade atingiu agora dimensões alucinantes. As medidas em discussão pública estão tão distantes do que seria necessário para evitar o colapso sócio-ecológico que involuntariamente vem à memória a fase final do socialismo realmente existente, quando os esclerosados aparelhos do Estado e do partido se revelaram absolutamente incapazes de mudar de rumo para combater a enfermidade das suas sociedades.

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Das Imperium fällt zurück

Donnerstag, 26. August 2021

Konkret 08/2021

Die USA treiben die Konfrontation mit China voran. Doch die einstige Weltmacht schwächelt und kann auf die uneingeschränkte Gefolgschaft ihrer Bündnispartner längst nicht mehr zählen. Von Tomasz Konicz

Wie sieht geopolitische Schadensbegrenzung durch eine abgetakelte Hegemonialmacht aus, die sich partout nicht mit ihrem weltpolitischen Abstieg abfinden kann? Ungefähr so: Ende Juni meldeten US-Medien, dass Washington und Berlin bis zum August einen Deal abschließen wollen, der den Umgang mit der umkämpften Pipeline Nord Stream 2 regeln soll. Bei den laufenden Verhandlungen gehe es vor allem darum, Mechanismen zu etablieren, die sicherstellten, dass „Russland Energie nicht als ein Zwangswerkzeug“ gegen die Ukraine oder sonstige Staaten in Mittel- und Osteuropa nutzen könne. Im Gespräch seien bislang von Berlin abgelehnte Regularien, die Deutschland zur Blockade der Gaslieferungen via Nord Stream verpflichten würden, sollte Russland versuchen, die Ukraine zu „erpressen“. Zudem wurden dem maroden osteuropäischen Staat, der 2014 durch einen vom Westen unterstützten Putsch aus der russischen Einflusssphäre herausgelöst wurde, Infrastrukturinvestitionen in Aussicht gestellt.

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Systemfrage oder Barbarei

Mittwoch, 25. August 2021

Freitag, 30/2021

Transformation Die Klimadebatten dieses Wahlkampfes zeigen: Viele haben nicht verstanden, was auf dem Spiel steht

Die Klimadebatte bildet wohl das deprimierendste Kampffeld des einsetzenden Bundestagswahlkampfes, da hier der Abgrund zwischen Ideologie und Realität am weitesten auseinanderklafft. Was an Maßnahmen öffentlich diskutiert wird und was zur Abwendung des sozio-ökologischen Kollapses notwendig wäre, liegt so weit auseinander, dass sich unwillkürlich Erinnerungen an die Endphase des real existierenden Sozialismus einstellen, als erstarrte Staats- und Parteiapparate sich unfähig zur Kurskorrektur zeigten.

Link: https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/systemfrage-oder-barbarei

Germania. Crisi climatica e campagna elettorale: molti non hanno capito la vera posta in gioco

Mittwoch, 25. August 2021

mps-ti.ch, 25.08.2021

Il dibattito sul clima è probabilmente il tema che si sta rivelando più deprimente nella campagna elettorale per il Bundestag [si voterà il 26 settembre]. In effetti, è a questo livello che il fossato fra ideologia e realtà si fa più profondo. Ciò che è discusso in pubblico e ciò che sarà necessario per evitare il collasso socio-ecologico appaiono così distanti a tal punto da ricordare la fase finale del “socialismo realmente esistente”, ossia quando gli apparati ossificati dello Stato e del partito si sono rivelati incapaci di cambiare rotta.

Link: https://mps-ti.ch/2021/08/germania-crisi-climatica-e-campagna-elettorale-molti-non-hanno-capito-la-vera-posta-in-gioco/

Allemagne. Crise climatique et campagne électorale: beaucoup n’ont pas compris ce qui est en jeu

Mittwoch, 25. August 2021

alencontre.org, 25.08.2021

Par Tomasz Konicz

Le débat sur le climat est probablement le champ de bataille le plus déprimant de la campagne électorale [26 septembre] pour le Bundestag. En effet, c’est là que le fossé entre l’idéologie et la réalité se creuse le plus. Ce qui est discuté en public et ce qui serait nécessaire pour éviter l’effondrement socio-écologique sont si éloignés que surgissent involontairement des souvenirs de la phase finale du «socialisme réellement existant», c’est-à-dire lorsque les appareils ossifiés de l’Etat et du parti se sont avérés incapables de changer de cap.

Link: http://alencontre.org/ecologie/allemagne-crise-climatique-et-campagne-electorale-beaucoup-nont-pas-compris-ce-qui-est-en-jeu.html?fr=operanews

Systemtransformation oder Barbarei

Samstag, 21. August 2021

exit-online, 14.08.2021

Ohne Überwindung des Kapitals mit seinem Verwertungszwang ist ein Abwenden der schlimmsten Folgen der Klimakatastrophe unmöglich

Die Klimadebatte bildet ohne Zweifel das deprimierendste Kampffeld des voll einsetzenden Bundestagswahlkampfes, da hier der Abgrund zwischen Ideologie und Realität inzwischen schwindelerregende Dimensionen erreicht hat. Das, was an Maßnahmen öffentlich diskutiert wird, und das, was zur Abwendung des sozioökologischen Kollapses notwendig wäre, liegen so weit auseinander, dass sich unwillkürlich Erinnerungen an die Endphase des real existierenden Sozialismus einstellen, als erstarrte Staats- und Parteiapparate sich absolut unfähig zur Kursumkehr zeigten, um dem Siechtum ihrer Gesellschaften zu begegnen.

Eigentlich ist es noch viel schlimmer, da es nun schlicht um das blanke Überleben der Menschheit geht: Im bundesrepublikanischen Spätkapitalismus geraten die Grünen als „Verbotspartei“ unter Druck, weil Tempolimits auf Autobahnen, höhere Spritpreise oder die Abschaffung von Kurzstreckenflügen zur Diskussion stehen – während zugleich die Klimakrise bereits katastrophale Dimensionen annimmt und schlicht außer Kontrolle gerät. Dies wurde nicht nur anhand der beispiellosen Flutkatastrophe in Südwestdeutschland evident, sondern auch während der extremen Hitzewelle im Nordwesten der USA und Kanadas, die den dortigen Ökosystemen irreparablen Schaden zufügte.1 Seien es der Amazonas, der nicht mehr als CO2-Senke fungiert, die arktische Eisdecke, ein großer Teil der Permafrostböden im hohen Norden – überall droht das Überschreiten von Kipppunkten, die das Klimasystem vollends entgleisen lassen, während Deutschland über PS-starke Elektroautos und Billigflüge nach Malle diskutiert. Die Welt gerät buchstäblich aus den Fugen: Aufgrund der zunehmenden Eisschmelze verschiebt sich die Erdachse unseres Planeten.2

Link: https://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=aktuelles&index=2&posnr=783

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Sob fogo: o Ocidente retira-se do Afeganistão

Mittwoch, 18. August 2021

18.08.2021

Tomasz Konicz reflete sobre a retirada do Ocidente do Afeganistão, cujas consequências foram um Estado fracassado e uma situação de terra arrasada.

Link: https://blogdaboitempo.com.br/2021/08/18/sob-fogo-o-ocidente-retira-se-do-afeganistao/

Von grünen und braunen Faschisten

Dienstag, 17. August 2021

Erschien ursprünglich ende 2014

Rechtsextremisten und Salafisten stehen sich näher, als es den Anhängern beider Gruppen klar sein dürfte.

Der Islamismus als praktisches Feindbild der extremistischen, gewaltbereiten Rechten hatte schon vor Pegida und AfD eine große Zugkraft. Bertis im Oktober 2014 konnten rechtsextreme Hooligans marodierend durch Köln ziehen und Jagt auf „Ausländer“ machen. Die sogenannten „Hooligans gegen Salafisten“ wollten angeblich gegen islamistischen Terror demonstrieren. Tatsächlich nahmen aber gerade die Ausschreitungen und Übergriffe des rechten Mobs in Köln offensichtlich einen terroristischen Charakter an. Stundenlang machte sich Pogromstimmung in der Kölner Innenstadt breit. Unter dem Vorwand einer Demonstration gegen den „islamistischen Terror“ terrorisierten gerade die rechtsextremen Schläger all jene Menschen in Köln, die nicht in ihr verblendetes Weltbild passen.

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Mit dem Rücken zur Wand

Sonntag, 15. August 2021

15.08.2021

Armeniens verzweifelte Lage illustriert die geopolitischen Realitäten nach dem Ende der US-Hegemonie.

Armenien scheint nach dem im November 2020 verlorenen Krieg nicht zur Ruhe kommen zu können. In den vergangenen Monaten stießen aserbaidschanische Truppen immer wieder auf armenisches Territorium vor und besetzten mehrere Grenzgebiete, wie etwa den Sev-See, einen im Südosten Armeniens gelegenen Grenzsee,1 der sich zu gut zwei Dritteln auf armenischen Territorium befindet. Seit diesem ersten aserbaidschanischen Vorstoß im vergangenen Mai,2 an dem mehrere Hundert Soldaten beteiligt waren, finden nahezu täglich3 Scharmützel4 in der Grenzregion5 der verfeindeten Kaukasus-Republiken statt.

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TRÊS TIPOS DE INFLAÇÃO

Mittwoch, 11. August 2021

Original “Dreierlei Inflation” in http://www.konicz.info/?p=4389, 8.8.2021. Tradução de Boaventura Antunes


Os debates acalorados sobre o aumento da inflação apontam para as contradições cada vez mais agudizadas da política de crise capitalista.
Tomasz Konicz

Rédea solta ou rédea curta – como deve a rotina continuar sem parar? O aumento dos preços na UE e nos EUA está mais uma vez a alimentar o eterno debate sobre o rumo certo da política monetária dos dois lados do Atlântico. Na Europa, são sobretudo os decisores da política monetária alemã, como o Presidente do Bundesbank, Jens Weidmann (1), que criticam publicamente as novas metas flexíveis de inflação do BCE, com as quais a inflação pode estar acima da meta de dois por cento, desde que não seja por um período de tempo muito longo. E também nos EUA está a aumentar a pressão política (2) sobre a Fed e a administração Biden, para tomarem medidas eficazes contra o aumento dos preços.

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Die Ängste des „Exportweltmeisters“

Montag, 09. August 2021

german-foreign-policy, 09.08.2021
Deutsche Ökonomen warnen, der vor allem in den USA und China erstarkende Protektionismus gefährde die exportfixierte deutsche Wirtschaft.

BERLIN/WASHINGTON/BEIJING (Eigener Bericht) – Deutsche Ökonomen und Wirtschaftsmedien fürchten zunehmend um das exportfixierte Wirtschaftsmodell der Bundesrepublik. Ursache ist der global erstarkende Protektionismus, der vor allem die in eskalierender Rivalität befindlichen Weltmächte USA und China erfasst: Während die Vereinigten Staaten auswärtige Exporteure mit immer schärferen „Buy American“-Vorschriften abwehren, setzt auch die Volksrepublik, zunehmend durch US-Embargos unter Druck, gezielt auf die Verlagerung der Produktionsketten ins eigene Land. Beides gilt als eine ernste Gefahr für die deutsche Exportindustrie. Diese ist, wie jüngst Berechnungen des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) bestätigten, stärker von Exporten abhängig als alle anderen westlichen Industrienationen und deshalb von protektionistischen Tendenzen auch mehr als alle anderen bedroht. Das IW warnt zugleich vor einer „De-Globalisierung“ auch dahingehend, dass Wertschöpfungsketten weniger als zuvor internationalisiert werden. Als Gegenmaßnahmen sind unter anderem protektionistische Schritte der EU im Gespräch.

Link: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8682/

Dreierlei Inflation

Sonntag, 08. August 2021

08.08.2021

Die hitzigen Debatten um die ansteigende Inflation verweisen auf die sich zuspitzenden Widersprüche kapitalistischer Krisenpolitik.

Locker oder straff – wie soll die Tretmühle weiterlaufen? Die anziehende Teuerung in der EU und den USA lässt die ewige Debatte um den richtigen geldpolitischen Kurs beiderseits des Atlantiks abermals hochkochen. In Europa sind es vor allem deutsche Geldpolitiker wie Bundesbankpräsident Jens Weidmann,1 die öffentlich Kritik an den neuen flexiblen Inflationszielen der EZB üben, in deren Rahmen die Teuerung über der Zielmarke von zwei Prozent liegen kann, solange dies nicht über längere Zeiträume geschieht. Und auch in den USA steigt der politische Druck2 auf die Fed und die Biden-Administration, effektive Maßnahmen gegen die anziehenden Preise zu ergreifen.

In der Eurozone ist der Preisauftrieb im Juli tatsächlich auf 2,2 Prozent geklettert (was die Kritik Weidmanns an der lockeren EZB-Geldpolitik triggerte), während er im Juni noch mit 1,9 Prozent unter dem EU-Inflationsziel lag.3 In der BRD sind die Preise gar um 3,8 gestiegen,4 doch ist dies größtenteils auf das Auslaufen der Mehrwertsteuerrate von 16 Prozent zurückzuführen, die im Rahmen eines Konjunkturpaketes zu Beginn der Pandemie zeitweilig um drei Prozentpunkte gesenkt worden ist. Die USA verzeichneten gar – je nach Erhebungsmethode – im Juni 2021 einen Teuerungsschub von 3,9 bis 5,4 Prozent.

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„Auf Zuwanderung angewiesen“

Montag, 02. August 2021

german-foreign-policy, 02.08.2021

Deutsche Ökonomen dringen zur Sicherung der Exporterfolge auf mehr Arbeitszuwanderung. Ohne Migranten wäre die deutsche Innovationsfähigkeit zuletzt gesunken.

BERLIN (Eigener Bericht) – Deutsche Wirtschaftsforscher sehen die Grundlagen der deutschen Exporterfolge vom demografischen Wandel bedroht und dringen auf größere Arbeitszuwanderung in die Bundesrepublik. Aufgrund der Alterung der deutschen Gesellschaft werde der Arbeitsmarkt hierzulande selbst bei „moderaten Annahmen“ bis zum Jahr 2035 mehr als „fünf Millionen potenzielle Arbeitskräfte“ verlieren, heißt es in einer aktuellen Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Selbst wenn man sich bemühe, mehr Über-60-Jährige („Silver Worker“) zur Erwerbsarbeit zu nötigen, führe an einer Ausweitung der Immigration kein Weg vorbei. Diese ist laut dem unternehmensnahen Institut auch nötig, um die Innovationsfähigkeit Deutschlands zu sichern: Der ohnehin „nur moderate Aufwuchs“ bei Patentanmeldungen in den vergangenen Jahren sei „ausschließlich Erfindenden mit ausländischen Wurzeln zu verdanken“. Laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) schrumpft ohne Immigration nicht zuletzt die Steuerbasis und damit das Potenzial für Investitionen in die Infrastruktur, auf die die deutsche Exportindustrie angewiesen ist.

Link: https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8675/