Archiv für Februar 2018

Geopolitische Unübersichtlichkeit

Dienstag, 27. Februar 2018

Neues Deutschland, 27.02.2018
Der neoimperialistische Mehrfrontenkrieg in Syrien ist Ausdruck der schwindenden US-Hegemonie.

Staaten sind keine Menschen, sie können zugleich miteinander kooperieren und konkurrieren. Dieser grundlegende Charakterzug kapitalistischer Geopolitik wird gerade im syrischen Mehrfrontenkrieg ins Extrem getrieben, wo etliche Groß- und Regionalmächte bei einem neoimperialistischen Großmachtpoker miteinander verbündet – und zugleich verfeindet sind. Die USA standen wochenlang am Rande militärischer Auseinandersetzungen mit dem »NATO-Partner« Türkei, bevor US-Außenminister Tillerson bei seiner jüngsten Türkei-Visite die mit den USA verbündeten Kurden Nordsyriens verscherbelte, indem er Erdogan die Region um die Stadt Manbij versprach. Dasselbe gilt für das mit dem Assad-Regime verbündete Russland, das Erdogans Afrin-Krieg bei einem imperialistischen Deal durch die Freigabe des Luftraums in seiner Einflusszone erst ermöglichte – nur um jetzt zuzusehen, wie Assad-treue schiitische Milizen, die gegen den Willen Moskaus in Afrin einrückten, von türkischen Kampfflugzeugen bombardiert werden.

Link: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1080794.syrien-krieg-geopolitische-unuebersichtlichkeit.html

(mehr …)

“Afrin must not fall”

Donnerstag, 22. Februar 2018

anfenglish.com, 21.02.2018

“This is, what Rovaja stands for: An progressive alternative to the hell capitalism, torn by his escalating inner contradictions, is descending into”, according to author and journalist Tomasz Konicz.

Link: https://anfenglish.com/news/afrin-must-not-fall-25041

KI und Kapital

Donnerstag, 22. Februar 2018

exit-online, Februar, 2018

„Can, what is playing you, make it to level-2?“
Nick Land

In der vom Silicon Valley herbeigesehnten Singularität käme das automatische Subjekt zu sich selbst.

Ist die Menschheit bereit, den bald unter ihr weilenden Roboterherrschern aufopferungsvoll zu dienen? Diese Frage, die ansonsten eher die Kulturindustrie in ihren Trashproduktionen aufwirft, könnte sich nach Ansicht etlicher Kritiker der Erforschung Künstlicher Intelligenz (KI) tatsächlich bald ganz reell stellen. Falls die Roboterherrscher überhaupt noch über die Menschheit zu herrschen wünschen – und sich nicht dazu entscheiden, in einem Reenactment der Terminatorfilme die lästigen „Fleischsäcke“ unverzüglich loszuwerden.

Die Stimmen, die vor einer weiteren, größtenteils unregulierten Erforschung künstlicher Intelligenz in den Laboren internationaler Hightech-Konzerne warnen, werden in letzter Zeit vernehmlicher – und sie gehören den unterschiedlichsten prominenten Figuren der Wissenschafts- und Hightech-Community.1

Link: http://www.exit-online.org/link.php?tabelle=aktuelles&posnr=686

Multidimensionales Great Game am Rande des Weltkriegs

Donnerstag, 22. Februar 2018

Streifzüge, 20.02.2018

Das durch neoimperialistische Gegensätze zerrissene Syrien gleicht einem Pulverfass – die Selbstverwaltung in Rojava bemüht sich, unter Ausnutzung dieser Widersprüche ihr emanzipatorisches Projekt zu forcieren.

Das komplexe Interessens- und Machtgeflecht in dem geschundenen poststaatlichen Gebilde, das einstmals Syrien war, wird wohl bald um eine weitere Facette erweitert werden. Nach langwierigen Geheimverhandlungen steht die Selbstverwaltung des bedrängten nordsyrischen Kantons Afrin kurz davor, ein militärisches Beistandsabkommen mit dem Assad-Regime abzuschließen.

Die kurdischen Selbstverteidigungseinheiten (YPG) in Afrin wehren seit rund einem Monat die Angriffe der türkischen Armee und verbündeter islamistischer Milizen ab, die trotz drückender militärischer Überlegenheit und der totalen Lufthoheit nur rund zehn Prozent des Territoriums des Kantons erobern konnten. Der Angriff des Erdogan-Regimes auf Afrin erfolgte erst nach der Freigabe des Luftraums durch Russland, das damit weitreichende türkische Zugeständnisse erreichen und die Selbstverwaltung in Afrin zur Aufgabe ihrer Autonomiebestrebungen nötigen wollte.

Bislang ist es nicht klar, inwiefern das Assad-Regime bei dem Verhandlungsmarathon mit Afrin einen politischen Sieg erringen, und die kurdische Selbstverwaltung tatsächlich ausschalten konnte. Kurdische Quellen geben an, dass die Vereinbarungen eine Präsenz der syrischen Armee an den Grenzen des Kantons und an etlichen logistischen Punkten vorsehen, ohne dass es zu einer Entwaffnung der YPG käme. Zugleich soll der Luftraum über Afrin geschlossen werden. Laut kurdischen Quellen wurden die Verhandlungen zwischen Assad und der Selbstverwaltung durch „äußere Kräfte“, vor allem Russland, immer wieder torpediert, das de facto die Kontrolle über den Luftraum über Westsyrien ausübt. Die kurz vor dem Abschluss stehende Vereinbarung sieht auch ein gemeinsames militärisches Vorgehen beider Partien gegen die türkische Okkupation in der nordsyrischen Region um Al Bab und Asas vor.

Russland solle laut kurdischen Quellen diese Vereinbarung weiterhin ablehnen, Iran und die USA seien hingegen aufgeschlossen. Formell erklärte der Kreml, der mit dem Erdogan-Regime umfassende geopolitische Deals abgeschlossen hat, dass Russland das türkische Einverständnis für einen Einmarsch der syrischen Truppen im nordsyrischen Afrin anstrebe, um dem zuzustimmen. Erdogan soll somit einer gegen ihn gerichteten Intervention zustimmen, so die russische Logik.

Link: http://www.streifzuege.org/2018/multidimensionales-great-game-am-rande-des-weltkriegs

Von Spekulationsblasen und Robotern

Montag, 12. Februar 2018

Telepolis, 12.02.2018

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem wild wuchernden Finanzsektor und der durch fortschreitende Digitalisierung forcierten Krise der Arbeitsgesellschaft?

Die deutsche IT-Industrie warnte Anfang Februar die Gesellschaft vor sich selbst: Gut zehn Prozent der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze sollen dem IT-Verband Bitkom zufolge in Deutschland im Gefolge der voranschreitenden „Digitalisierung“ der Wirtschaft verloren gehen.

Rund 3,4 Millionen Stellen würden laut einer Umfrage in den kommenden fünf Jahren wegfallen, die Bitkom unter 500 Unternehmen durchführte. Rund 25 Prozent der an der Umfrage teilnehmenden Unternehmen mit einer Belegschaft von mehr als 20 Lohnabhängigen gaben zudem an, durch die Digitalisierung ihre Existenz bedroht zu sehen.

Dabei frisst die digitale Revolution inzwischen ihre eigenen Kinder, wie Bitkom-Präsident Achim Berg anhand der Beschäftigungsentwicklung in der Sparte der Kommunikationstechnik ausführte. Derzeit gebe es rund 20.000 Arbeitsplätze in diesem Sektor, während es Mitte der 1990er Jahre noch 200.000 Jobs waren.

Links: https://www.heise.de/tp/features/Von-Spekulationsblasen-und-Robotern-3965236.html

Von der Euphorie zur Panik?

Dienstag, 06. Februar 2018

Telepolis, 06.02.2018

Die Kursverluste an den Weltbörsen setzten sich am Montag fort. Staaten kaum in der Verfassung, um einen neuen Krisenschub effektiv zu begegnen

Es ist das übliche, deprimierende Spielchen, das bei einem jeden Krisenschub von vorne beginnt: Anstatt den systemischen Ursachen der zunehmenden Krisenanfälligkeit des Weltfinanzsystems nachzugehen, setzt in den Vereinigten Staaten bereits die große Sündenbocksuche ein. Wer ist schuld am aktuellen Aktienkrach?

USA Today etwa fragt, ob Präsident Trump, der sich monatelang mit steigenden Aktienkursen brüstete, jetzt auch die Verantwortung für die massiven Kursverluste übernehmen werde. Bei den erzkonservativen Fox News wiederum war man überzeugt, dass irgendwie doch der ehemalige Präsident Barack Obama für den derzeitigen Crash verantwortlich sei.

Das Weiße Haus bemüht sich indessen bereits, die Verwerfungen herunterzuspielen und Trumps „langfristige Wirtschaftsstrategie“ zu betonen, die dank der jüngst beschlossenen Streukürzungen die „Prosperität des amerikanischen Volkes“ erhöhen werde.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Von-der-Euphorie-zur-Panik-3961435.html

Gefangen in der Liquiditätsblase

Montag, 05. Februar 2018

Telepolis, 05.02.2018

Die aktuellen Turbulenzen auf den Finanzmärkten verweisen auf die systemische Sackgasse, in der sich das Weltfinanzsystem befindet

Wenn Finanzmarktberichte mit Fotos besorgt dreinschauender Wertpapierhändler bebildert werden, dann ist es mal wieder soweit: Turbulenzen auf den Finanzmärkten lassen in der Öffentlichkeit die verdrängte Angst vor dem nächsten großen Crash, vor einem neuen Krisenschub, wieder aufkommen.

Diesmal sind es die Kursstürze an den US-Märkten, die für Unruhe sorgen. Der wichtigste US-Aktienindex, der Dow Jones, ist am vergangenen Freitag um mehr als 650 Zähler eingebrochen, was den heftigsten Einbruch seit gut zwei Jahren entsprach.

Auf Wochenbasis hat der Dow mehr als 1.100 Punkte eingebüßt. Unruhe, Verunsicherung machte sich folglich auf den „Märkten“ bereit: Ist dies nur eine Kurskorrektur bei einem seit einer knappen Dekade anhaltenden Aktienboom oder folgt jetzt der Crash?

Die Stimmung sei „innerhalb weniger Tage“ von Euphorie zu einer tiefen Sorge vor einer nachhaltigen Korrektur umgeschlagen, berichteten US-Medien (Panik an den US-Börsen). Die Turbulenzen wurden dabei gerade durch „gute“ Nachrichten ausgelöst: Die US-Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit sinkt, die Löhne steigen stärker als erwartet: Dies ist aber charakteristisch für eine Phase spekulativ überhitzter Konjunkturentwicklung, da der Kapitalismus bekanntlich nie gesünder aussieht als kurz vor dem nächsten Crash.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Gefangen-in-der-Liquiditaetsblase-3960387.html