Archiv für Dezember 2017

Abschließende Erklärung

Samstag, 23. Dezember 2017

1.

Mitte September 2017 habe ich einen Text über die AfD auf dem Internetportal „Rubikon“ publiziert. https://www.rubikon.news/artikel/neoliberal-und-fremdenfeindlich Vor kurzem, im Zuge der hochkochenden Auseinandersetzungen um Querfrontbestrebungen innerhalb der Linken, habe ich erfahren, dass es sich bei diesem Portal um eine Publikation aus dem Querformatsspektrum handelt, die Verbindungen zu dem Verschwörungsideologen Ken Jebsen unterhält. Hiermit distanziere ich mich in aller Deutlichkeit von dieser Internetplattform, wie von dem gesamten Spektrum, das eine verhängnisvolle Rolle bei der derzeitigen Rechtsentwicklung in der Bundesrepublik spielt.

2.

Nachdem eben eine solche rotbraune Querfront aus Foren-Nazis und nationalen Sozialisten der Linkspartei mich als Autor aus der Internetplattform Telepolis gemobbt hat, stelle ich meine publizistische Tätigkeit bis auf Weiteres ein. Telepolis ist kein fortschrittliches Nachrichtenportal mehr, es ist keine der Meinungsfreiheit verpflichte Nische im Medienbetrieb, sondern Avantgarde des repressiven, stramm nach rechts marschierenden Mainstreams.

Ergänzung, zur Klarstellung: Ich habe meine publizistische Tätigkeit für Telepolis nicht wegen der unaufhörlichen Beschimpfungen der braunen und rot-braunen Trolls in den Foren freiwillig eingestellt. Die Chefredaktion erteilte mir ein Schreibverbot – unter Verweis auf die entsprechende Kampagne der Foren-Nazis, wie auch den zunehmenden Druck der nationalen Sozialisten in und um die Linkspartei (Flügel um Wagenknecht und Lafontaine). Beteiligt an diesem Mobbing waren (neben den Forennazis) unter anderem: der Ken-Jebsen-Anhänger Norbert Häring, das Querfrontorgan der „Nachdenkseiten“, der Lafontaine-Kumpel Flassback, etc., sowie einige „linke“ Telepolis-Autoren, die mir namentlich nicht bekannt sind – und die hinter meinem Rücken bei der Chefredaktion auf meinen Rausschmiss drängten. Die inzwischen breit gestreute Behauptung, ich hätte mich – aufgrund der alltäglichen Beschimpfungen in den Foren – beleidigt zurückgezogen, ist falsch. Das Gegenteil ist der Fall: Ich wollte Telepolis dem braunen Auswurf des Internets nicht widerstandslos zur Gänze überlassen, wurde aber dazu durch ein Schreibverbot  gezwungen. (Generelles mehrmonatiges Schreibverbot, danach umfassende thematische Schreibverbote: Keine Texte über AfD, Rechtspopulismus, Krise, Wagenknecht)

3.

Das Textearchiv auf dieser Homepage wird weiter bestehen und kann frei verwendet werden. Künftige Updates werden nur noch aus älteren, hier bisher nicht online gestellten Artikeln bestehen. Texte, auch die für Telepolis geschriebenen, können aber – nach Rücksprache mit mir – eventuell anderweitig verwendet werden.

Eine Frage der Raumzeit

Montag, 11. Dezember 2017

14. Juni 2017, Telepolis

Wertkritische Annäherungen an das Fermi-Paradoxon

KIC 8462852 gilt derzeit als einer der interessantesten Objekte der Galaxie. Der rund 1400 Lichtjahre von unserem Sonnensystem entfernte, im Sterneinbild Schwan gelegene F-Klasse Stern sticht aus der Milliardenmasse von Sonnensystemen durch sein wissenschaftlich schlicht unerklärbares Verhalten heraus.

Bislang ist es Astronomen nicht gelungen, schlüssig zu begründen, wie die heftigen Verdunklungen des Sterns zustande kommen, die zuletzt Mitte Mai wieder zu beobachten gewesen waren. Beobachtungen von Sternen mittels der sogenannten Transitmethode helfen dabei, Exoplaneten zu identifizieren. Die geringe Verdunklung des Sterns, die bei einem Planetentransit von dem Beobachter auf der Erde wahrgenommen werden kann, lässt Rückschlüsse auf dessen Größe zu.

Das Problem mit KIC 8462852 – der in Anlehnung an eine seiner Entdeckerinnen auch Tabbys Stern genannt wird – besteht nun darin, dass die unregelmäßig auftretenden Helligkeitsreduzierungen des Sternenlichts von bis zu 22 Prozent viel zu groß sind, als dass sie durch Exoplaneten verursacht werden könnten. Zudem weist der Stern eine langfristige, mindestens seit 1980 anhaltende Helligkeitsabnahme auf, die viele „natürliche“ Erklärungen ausschließt.
Unkonventionelle Erklärungsansätze

Zuletzt hat New Scientist einige dieser konventionellen Erklärungsansätze wie Asteroidenschwärme und Riesenplaneten zusammengefasst, die alle ihre Schwachstellen haben. Ein Asteroidenschwarm, der für solch eine Verdunkelung sorgen würde, müsste die Masse des Jupiter aufweisen, wobei es absolut nicht klar sei, ob „dies überhaupt physikalisch möglich“ sei. Der hypothetische Ringplanet, der einen solchen Helligkeitsabfall bei KIC 8462852 auslöste, müsste die fünffache Masse des Jupiters aufweisen. Mit dieser Masse könnte er aber auch „ein kleiner Stern“ sein.

Aufgrund dieser Unzulänglichkeiten der konventionellen Erklärungsansätze rückte Tabbys Stern schnell in den Fokus der Massenmedien. Die Wissenschaft kann nämlich auch unkonventionelle Erklärungsansätze, die um avancierte extraterrestrische Zivilisationen kreisen, in diesem Fall schlicht nicht ausschließen.

Eine Dyson-Sphäre, eine gigantische, den Stern umschließende Konstruktion befinde sich um KIC 8462852 Bau, so die phantastische Hypothese. Diese hypothetische Konstruktion würde es einer fortgeschrittenen Zivilisation ermöglichen, die Energie des betroffenen Sterns optimal zu nutzen. Bislang konnte auch dieser Erklärungsansatz nicht eindeutig widerlegt werden – auch wenn erste diesbezügliche Untersuchungen mit Rückschlägen verbunden waren.
Verstörende Absurdität der Lage der menschlichen Zivilisation

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Abschied vom Menschenrechtsimperialismus?

Montag, 11. Dezember 2017

13. Mai 2017, Telepolis

Menschenrechte sollen nicht mehr Mittel der US-Außenpolitik sein. Doch ist dies auch ein Grund zur Freude?

Dieser Tage neigt sich eine geopolitische Ära dem Ende entgegen – und kaum jemand hat es bemerkt. Die rechtspopulistische US-Regierung unter Donald Trump geht gerade daran, die Menschenrechte als Faktor der amerikanischen Außenpolitik abzuschaffen. Anfang Mai erklärte Rex Tillerson – ehemaliger Exxon-Chef und derzeitiger US-Außenminister – in einer außenpolitischen Grundsatzrede vor Angestellten des State Department, dass Menschenrechte zunehmend „Hürden“ bei der globalen Verfolgung von US-Interessen bilden würden.

Menschenrechte wie „Freiheit und menschliche Würde“ wurden von Tillerson in der Rede zu (kulturellen) „Werten“ der USA degradiert. Doch sollen diese Werte nicht mehr als Richtschnur amerikanischer Außenpolitik fungieren. „Dies sind unsere Werte. Aber sie sind nicht unsere Politik“, so der amerikanische Außenminister wörtlich.

Wenn die Vereinigten Staaten zu sehr die Einhaltung dieser Werte global propagierten, erläuterte Tillerson weiter, dann würde „die Realität Hürden schaffen bei der Realisierung unserer nationalen Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen“. Die Vereinigten Staaten müssten sich zuerst fragen, wie die konkreten sicherheitspolitischen und wirtschaftlichen Interessen gelagert seien, erst danach könne ausgelotet werden, ob Washington noch „unsere Werte voranbringen“ dürfe.

Dies ist kein hohles Gerede, wie die Newssite Slate bemerkte, Tillerson sei bereits damit aufgefallen, dass er jedwede Kritik an der Menschenrechtslage in Saudi Arabien, Russland oder den Philippinen unterließ, bemerkte die liberale Internetpräsenz.

Zudem muss Tillerson umfassende Ausgabenkürzungen im State Department (bis zu 28 Prozent des bisherigen Budgets) umsetzen, von denen zumeist die Programme des „Soft Power“-Ansatzes – etwa zur Demokratieförderung – betroffen seien. Eine außenpolitische Spitzenposition im Weißen Haus, die zuvor als „special assistant to the president for multilateral affairs and human rights“ bezeichet wurde, ist von Trump bereits umbenannt worden, berichtete das linksliberale Blatt Mother Jones: in „special assistant for international organizations and alliances“.

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Vom Aberglauben zum Wissenschaftsglauben

Montag, 11. Dezember 2017

07. Mai 2017, Telepolis

Wie weit die gesellschaftliche Regression im Spätkapitalismus vorangeschritten ist, offenbart auch die neue „Wissenschaftsbewegung“

    Das Wissen, das Macht ist, kennt keine Schranken, weder in der Versklavung der Kreatur noch in der Willfährigkeit gegen die Herren der Welt.
Dialektik der Aufklärung

Ende April ging eine Protestwelle durch den globalen Wissenschaftsbetrieb, die sich vornehmlich gegen die wissenschaftsfeindliche Politik von US-Präsident Trump richtete (Scíence March). Die Wissenschaftler sehen sich mit einer zunehmend erstarkenden Wissenschaftsfeindlichkeit konfrontiert. Dies sei vor allem bei der Klimawissenschaft der Fall, die vor allem von den neuen rechtspopulistischen Bewegungen angegriffen werde.

Dabei weisen die Proteste aber eine merkwürdige Schlagseite auf, bei der jegliche kritische Selbstreflexion der Wissenschaft unterblieb. Wenn Kritik im Zusammenhang mit Forschung und Lehre geäußert wurde, dann nur an den Arbeitsbedingungen im Wissenschaftsbetrieb – während die widersprüchliche gesellschaftliche Funktion der Wissenschaft im Kapitalismus nahezu vollständig ausgeblendet wurde.

Die neue „Wissenschaftsbewegung“ fällt somit auf einen unkritischen Wissenschaftsbegriff zurück, wie er etwa im 19. Jahrhundert populär war. Selbst die Klassiker der wissenschaftskritischen Literatur scheinen im Wissenschaftsbetrieb kaum Spuren hinterlassen zu haben. Und tatsächlich kann die Welt so schön einfach sein – wenn man nur wissenschaftsgläubig genug ist. Auf der einen Seite finden sich hier die aufgeklärten Wissenschaftler, die in Gestalt des globalen Wissenschaftscommunity der objektiven Forschung und Lehre verpflichtet sein wollen. Die Gegenseite soll hingegen von den Kräften der irrationalen Finsternis, von Dummheit, Aberglauben und Partikularinteressen, beherrscht sein.

Fast könne es scheinen, als ob die Herrschaft im Kapitalismus immer noch auf plumpen Aberglauben oder auf dem Terror der Inquisition beruhen würde. Und tatsächlich ist es ja keine Einbildung, dass der Wissenschaft auch in den Metropolen immer größere Skepsis, mitunter offene Feindschaft entgegenschlägt. Es gibt eine breite, globale, in Mythen und Wahnvorstellungen versinkende barbarische Bewegung, deren Exponenten sich im Grad ihrer Militanz und in ihrer konkreten Ideologie unterscheiden: von der klimaleugnenden Wirtschaftslobby bis zur AfD, von Donald Trump bis zu den Taliban, von Boko Haram bis zum Islamischen Staat.
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