Archiv für August 2017

Der ewige Jude hat Konjunktur

Freitag, 11. August 2017

Neues Deutschland, 12.08.2017
Reflexionen zur Wechselwirkung von Antisemitismus und Krise anhand aktueller Vorkommnisse

Es hat was von einer massenhaft auftretenden, fiebrigen Aufwallung, die über das Land fegt. Etwas, das im Unterbewussten schlummerte, tritt ans Tageslicht. Latent vorhandene Ressentiments werden manifest, drängen zur Entäußerung, zur irren Tat. Kurz nach der Wahl Donald Trumps wurden Dutzende antisemitische Vorfälle in den USA gemeldet. Allein in New York seien drei jüdische Friedhöfe binnen zweier Wochen von Vandalen heimgesucht worden, gab Reuters Anfang März bekannt. Ähnliche Vorfälle wurden unter anderem aus Philadelphia und St. Louis gemeldet. Bezeichnend die Reaktion Trumps auf diese wochenlange antisemitische Welle: Er machte seine politischen Gegner hierfür verantwortlich, die ihn dadurch »schlecht aussehen lassen« wollten.

Link: https://www.neues-deutschland.de/artikel/1060337.der-ewige-jude-hat-konjunktur.html

(mehr …)

Der Westen beginnt im Osten der EU

Donnerstag, 10. August 2017

Telepolis, 10.08.2017

Ukrainische Arbeitsmigranten spielen inzwischen eine wichtige Rolle auf dem polnischen Arbeitsmarkt. Beginnt eine neue Westwanderung?

Let’s go west! Seit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union 2004 haben – die Schätzungen hierüber gehen weit auseinander – zwischen 1,5 und 2,3 Millionen polnischer Arbeitsmigranten ihr Land auf Arbeitssuche gen Westen verlassen.

Diese enorme Westwanderung, die in einer ersten Phase vor allem Großbritannien, Irland, die Niederlande und die skandinavischen Länder mit einem Millionenheer billiger Arbeitskräfte versorgte, hat entscheidend zur Reduzierung des extremen Pauperismus in Polen beigetragen – einem Land, das vor dem Beitritt zur EU unter einer Arbeitslosenquote von bis zu 20 Prozent litt.

Dieser gigantische Migrationsstrom, der rund fünf Prozent der Gesamtbevölkerung Polens erfasste, ist weiterhin nicht versiegt. Immer noch fahren polnische Arbeitskräfte nach Westeuropa, jetzt verstärkt in den deutschsprachigen Raum, um dem niedrigen Lohnniveau östlich der Oder zu entfliehen. Zu den rund zwei Millionen Polen, die bereits dauerhaft im Ausland leben, kommen hunderttausende Arbeitskräfte, die weiterhin mit dem Gedanken an eine dauerhafte Auswanderung spielen.

Laut Umfragen, die von der deutsch-polnischen Handelskammer referiert wurden, nimmt dieser Migrationsdruck aber rasch ab: Spielten im Vorjahr noch 19 Prozent aller Arbeitskräfte mit dem Gedanken der Auswanderung, seien es in diesem Jahr nur noch 13,7 Prozent. Vor allem Lohnabhängige abseits der boomenden Metropolen mit einem niedrigen Nettoeinkommen von weniger als 2000 Zloty (470 Euro) seien weiterhin bereit, auszuwandern oder saisonale Arbeitsgelegenheiten im Westen wahrzunehmen.

Diese polnischen Arbeitsmigranten können aber heutzutage auf den Bahnhöfen, in denen sie Züge gen Westen besteigen, durchaus ihren Leidensgenossen aus dem Osten begegnen, die in Polen auf Arbeitssuche ankommen, um den Folgen von Wirtschaftszerfall und Bürgerkrieg zu entfliehen. Seit dem westlich gesponserten Umsturz in der Ukraine ist die Zahl der ukrainischen Wanderarbeiter und Tagelöhner in Polen, wo Ukrainer zeitlich beschränkte Arbeitsvisa erhalten können, stark angestiegen: Für rund eine Million ukrainischer Arbeitsmigranten beginnt somit der Westen im Osten der EU.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Der-Westen-beginnt-im-Osten-der-EU-3796444.html

Zur Wiederkehr der nationalistischen Ideologie

Mittwoch, 09. August 2017

Telepolis, 09.08.2017

Politische Ökonomie des Krisennationalismus – Teil 2

Im ersten Teil der Textserie wurden die zunehmenden handelspolitischen Auseinandersetzungen zwischen Staaten und Wirtschaftsräumen auf den sich „hinter dem Rücken“ dieser Subjekte entfaltenden Prozess kapitalistischer Widerspruchsentfaltung zurückgeführt. Der tritt den Subjekten in Form marktvermittelter, naturwüchsig erscheinender „Sachzwänge“ gegenüber, die die Krisenkonkurrenz auf allen Ebenen anheizen.

Die Analogie des globalisierten Spätkapitalismus als der sinkenden Titanic, deren nationale Passagiere untereinander einen Verdrängungswettbewerb darum führen, wer als letzter ins Wasser fällt, könnte zur Illustrierung dieser Wechselwirkung von Krisis und Nationalismus herangezogen werden.

Das hochgradig „globalisierte“ spätkapitalistische Weltsystem ist somit durch gegenläufige Tendenzen verstärkter nationaler Konkurrenz gekennzeichnet, die eben die Globalisierung selber bedrohen.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Zur-Wiederkehr-der-nationalistischen-Ideologie-3786933.html

Politische Ökonomie des Krisennationalismus

Montag, 07. August 2017

Telepolis, 07. 08.2017

Wieso feiert der Nationalismus in der Krise ein zombiehaftes Comeback?

Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Auf diesen Nenner lassen sich die handelspolitischen Ergebnisse des G20-Gipfels von Hamburg bringen. Während der konfrontativ geführten Verhandlungen konnte der drohende Handelskrieg zwischen den USA und der BRD, der vor allem am Streit um Stahlimporte zu entfachen drohte, vorerst abgewendet werden.

In der Herzkammer der Deutschen Exportindustrie sprach die Schwäbische Zeitung anschließend von einem „bröckelnden Bekenntnis“ der Gipfelteilnehmer zum Freihandel. Trump sei mit seiner Abkehr vom globalisierten Handel nicht alleine, auch China betreibe durch harte Importauflagen ebenfalls einen „ökonomischen Nationalismus“.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Politische-Oekonomie-des-Krisennationalismus-3786906.html

Wir sind Zombie

Montag, 07. August 2017

Streifzüge, 03.08.2017

Anlässlich des Todes von George Andrew Romero:
Ein kurzer Exkurs zu der steilen kulturindustriellen Karriere, die dem Phänomen der Untoten in den vergangenen Jahren beschieden war.

Link: http://www.streifzuege.org/2017/wir-sind-zombie

Knapp 400 Millionen US-Dollar – soviel soll die Produktion und Vermarktung des Zombiespektakels World War Z verschlungen haben. Wenn Hollywood eine solch üppige Summe in die Verwertung eines jahrzehntelang randständigen Kulturphänomens investiert, dann muss es inzwischen im Mainstream der westlichen Kulturindustrie angekommen sein. Zumal sich diese enorme Investition letztendlich offenbar rentierte.

Die Zombies sind überall. Eine regelrechte Flut untoter Kulturprodukte ergießt sich über uns, bei der jährlich Dutzende von zombieverseuchten Filmen und Videospielen publiziert werden. Längst hat der jährliche Ausstoß an entsprechenden Kulturwaren neue Höchststände erreicht, die sogar über denen der ersten großen Zombiewelle in den Siebzigern und Achtzigern liegen, als George A. Romero mit seinen Klassikern Night of the Living Dead (1968) und Dawn of the Dead (1978) den Untoten einen ersten Popularitätsschub verschaffte. Laut der Liste der weltweit produzierten Zombiefilme, die auf Wikipedia zu finden ist (Ja, auch solch essenzielle Listen führt unsere Internetenzyklopädie), wurden zwischen 2010 und 2012 im Schnitt 35 Filme jährlich Produziert, in denen Untote eine Neben-, oder die Hauptrolle spielen. Hinzu kommen noch zahlreiche Computerspiele, in denen die lebenden Toten auf mehr- oder minder effektvolle Art und Weise in Einzelteile zerlegt werden müssen. In den Siebzigern und Achtzigern überschritt der Produktionsausstoß der Zombieindustrie hingegen nie die Marke von 12 Filmen pro Jahr.

(mehr …)

Deutschland droht den USA

Donnerstag, 03. August 2017

Telepolis, 03.08.2017

Nach der Eskalation im Streit um US-Sanktionen gegen Russland will die Bundesregierung Gegenmaßnahmen prüfen. Droht ein Handelskrieg samt Spaltung der EU?

Die geopolitischen Spannungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik scheinen – mitten in der heißen Wahlkampfphase – zu eskalieren. Die Bundesregierung halte die neuesten Sanktionen, die Washington als Vergeltung für angebliche russische Manipulationen im US-Wahlkampf erlassen habe, „schlicht und ergreifend für völkerrechtswidrig“, erklärte Wirtschaftsministerin Zypris am 29. Juli.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Deutschland-droht-den-USA-3792026.html