Archiv für Mai 2013

All you can eat

Donnerstag, 30. Mai 2013

Konkret 3/2013
Ist das Wachstum der Weltbevölkerung schuld an der globalen Nahrungsmittelknappheit? Eine Kritik der Wiederbelebung der Thesen des britischen Pfarrers Thomas Robert Malthus.

In den vergangenen Jahren ist die Anhängerschaft einer der ältesten kapitalistischen Krisenideologien, des Malthusianismus, geradezu beängstigend gewachsen. Kaum ein Bei trag über steigende Lebensmittelpreise, Hungerunruhen oder die sich anbahnende Ressourcenkrise kommt ohne einen Verweis auf das beständige Wachstum der Weltbevölkerung oder gar eine »Bevölkerungsexplosion« aus, die als eine Ursache der beklagten Krisenphänomene benannt wird. Nichts scheint auch bei der Deutung der zunehmenden ökologischen Verwerfungen einfacher, als dem von dem britischen Pfarrer Thomas Robert Malthus (1766–1834) formulierten Glaubensbekenntnis zu folgen, wonach die Menschheit an ihrer übermäßigen Vermehrung zugrunde gehen werde.
(mehr …)

Zittern mit Fernost

Dienstag, 28. Mai 2013

„Junge Welt“, 29.05.2013
Konjunktureintrübung und Geldschwemme in der wichtigsten globalen Wachstumsregion drohen Weltwirtschaft in Abwärtsspirale zu ziehen

Noch vor wenigen Tagen verbreitete die japanische Notenbank (Bank of Japan – BoJ) Optimismus. Die Konjunktur habe sich in den vergangenen Monaten deutlich belebt, ließ sie am 22. Mai erklären. Das seit Jahrzehnten unter einer hartnäckigen Deflation (Preiserosion bei anhaltender Kaufzurückhaltung der Konsumenten; d. Red.) und ökonomischer Stagnation leidende Land verzeichnete im ersten Quartal 2013 einen Zuwachs der Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt; BIP) um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr wäre das ein Plus von 3,5 Prozent. Angetrieben werde der Aufschwung durch die Exportwirtschaft, die sich dank des fallenden Yen-Kurses rasch habe erholen können. Überdies sahen die Notenbanker erste Anzeichen für einen Anstieg der Kapitalinvestitionen und eine Belebung der Konsumnachfrage in Japan. In Erwartung dieser Konjunkturbelebung kletterte der japanische Börsenleitindex Nikkei auf den höchsten Stand seit rund fünf Jahren.
(mehr …)

Mad Max im Zweistromland

Montag, 27. Mai 2013

Telepolis, 27.05.2013
Das um sich greifende Chaos in der arabischen Welt markiert die jüngste Phase der fortschreitenden Desintegration des kapitalistischen Weltsystems

Die Wahrnehmung des Demonstrationsrechts im „postrevolutionären“ Libyen kann zu einem ähnlichen Himmelfahrtskommando ausarten, wie es auch während der jahrzehntelangen Herrschaft des Revolutionsführers Muammar al-Gaddafi der Fall war. Ein Demonstrationszug, der in der libyschen Hauptstadt Tripolis gegen das überhandnehmende Milizwesen protestierte, wurde am 11. Mai brutal von Milizionären angegriffen. Die Freischärler hätten viele Demonstrationsteilnehmer zusammengeschlagen und etliche jüngere Männer verschleppt. „Wir haben keine Ahnung, wer sie mitnahm und wo sie jetzt sind“, klagte ein Demonstrant.

Link: http://www.heise.de/tp/artikel/39/39202/1.html

Versiegende Lebensader

Sonntag, 26. Mai 2013

„Junge Welt“, 24.05.2013
Colorado River: Exzessive Wasserentnahme, marode Infrastruktur und Klimawandel bedrohen das wichtigste Flußsystem im Südwesten der USA

Im Südwesten der USA droht womöglich eine Umweltkatastrophe gewaltigen Ausmaßes – die allmähliche Austrocknung des Colorado River. Immer mehr besorgte Stimmen warnen vor dem mittelfristigen Kollaps dieses Flußsystems – samt der darauf basierenden regionalen Wirtschaftsstruktur. Kürzlich erklärte die Nichtregierungsorganisation (NGO) American Rivers den Colorado zu dem am stärksten gefährdeten Fluß der USA. Die »Lebensader in der Wüste« befinde sich aufgrund exzessiver Wasserentnahme buchstäblich am Versiegen, warnte sie.
(mehr …)

Wofür kämpfen wir?

Sonntag, 26. Mai 2013

Plädoyer für eine realistische Utopie

Streifzüge 57/2013

Die Verwertung ist aussichtslos und zerstörerisch …

In seiner Agonie greift das Kapital ein letztes Mal in voller Intensität um sich, alles – alle Lebensbereiche, alle Kontinente, alle Ressourcen, alle verbliebenen Nischen und Rückzugsräume, ja, unser Innerstes selber – soll der Verwertungslogik unterworfen werden. Mittels einer letzten extremistischen Expansionsbewegung, einer letzten „Flucht nach vorn“, mit der das Kapitalverhältnis seinen eskalierenden Widersprüchen davonzueilen versucht, werden gigantische Rohstoffmassen zur Aufrechterhaltung der immer stärker ins Stocken geratenden Verwertungsbewegung verheizt, steigen die Emissionen von Treibhausgasen immer weiter an.
Dabei sind es gerade die konkurrenzvermittelten Produktivitätssteigerungen, die nicht nur die innere Schranke des Kapitals bilden, sondern auch zur Eskalation der Ressourcen- und Klimakrise (der äußeren Schranke) führen. Je stärker die Produktivität ansteigt, desto geringer wird die in der einzelnen Ware vergegenständlichte abstrakte Arbeit (und somit ihr Wert), was folglich die Tendenz zur extremen Steigerung des Materialverbrauchs für die Verwertungsbewegung immer weiter befeuert. Unsere natürlichen Lebensgrundlagen werden so in einem immer schnelleren Tempo „verbrannt“, um die selbstzweckhafte, Amok laufende Kapitalverwertung – der im Produktionsprozess mit der lebendigen Arbeit die Substanz abhandenkommt – noch etwas länger aufrechtzuerhalten. Es ist, als ob die kollabierende globale Verwertungsmaschinerie in ihrem historischen Untergang nochmals sicherstellen wollte, dass nichts dem Kapitalismus folgen kann.
(mehr …)

Vortrag Eurokrise

Montag, 06. Mai 2013

Am 15. Mai werde ich im K-Fetisch in Berlin Neukölln um 20 Uhr zur Eurokrise referieren.

 

Lügen mit Zahlen

Montag, 06. Mai 2013

Telepolis, 06.05.2013
Wie mit der Manipulation statistischen Materials Politik gemacht wird

Was tun, wenn die Realität partout nicht mit den eigenen ideologischen Dogmen in Übereinstimmung gebracht werden kann? Ganz einfach: Man biegt sich die Realität solange zurecht, bis sie in das entsprechende ideologische Raster hineingepresst werden kann. Nichts eignet sich zur Umdeutung gesellschaftlicher Gegebenheiten besser als die Manipulation von Zahlen, denen inzwischen eine fast schon mythische Ausstrahlung innewohnt. In einer Gesellschaftsformation, die auf die uferlose numerische Akkumulation von Geldwerten fixiert ist, stellt das auf einen Zahlennenner gebrachte Faktum die höchste Autorität dar. Nichts ist im Spätkapitalismus so irrational wie die rationalen Zahlen.

Link: http://www.heise.de/tp/artikel/39/39031/1.html

Auf Kollisionskurs

Montag, 06. Mai 2013

Junge Welt, 06.05.2013
In Frankreich wächst der Druck auf Präsident Hollande, die von Deutschland diktierte Austeritätspolitik zu beenden

Die Zeichen stehen auf Sturm zwischen Deutschland und Frankreich. Wenn der französische Präsident François Hollande in einem Interview mit dem Wall Street Journal (WSJ) beteuern muß, daß er weiterhin fest an »die deutsch-französische Freundschaft« glaubt, dann müssen sich die Machteliten in Paris und Berlin gar auf Kollisionskurs befinden. Dabei dürfte der Ausgang dieses Machtkampfes zwischen den beiden größten Mächten Europas auch über die Zukunft der Euro-Zone entscheiden. Sollte es Hollande nicht gelingen, mit Kanzlerin Angela Merkel zu einer Übereinstimmung in der weiteren Krisenpolitik zu gelangen, ohne dabei die sozialistische Mehrheit im französischen Parlament zu verprellen, dann werde dies »tiefgreifende Auswirkungen auf die Zukunft der Euro-Zone haben«, warnte das WSJ.
(mehr …)