Archiv für April 2011

Gewinner der Japan-Katastrophe

Donnerstag, 28. April 2011

„Neues Deutschland“, 28.04.2010

Deutsche Exporte aus der Autoindustrie und anderen Branchen nehmen stärker zu
Die deutsche Exportindustrie dürfte generell von der Schwächephase Nippons profitieren.

Japans Automobilindustrie muss als Folge des verheerenden Erdbebens weiterhin schwere Produktionsausfälle verkraften. Der Ausstoß aller japanischen Fahrzeugfabriken war im März katastrophenbedingt um mehr als 50 Prozent gesunken. Beim weltgrößten Autobauer Toyota verließen nur noch 130 000 Fahrzeuge die japanischen Montagewerke – ein Produktionseinbruch von 62,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Ähnlich sieht es bei Nissan und Honda aus. Den Fahrzeugproduzenten machen vor allem die Zerstörungen in der nordostjapanischen Region Tohoku zu schaffen, wo viele Zulieferfirmen wichtige Komponenten fertigen.
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Zinswende in neuen Krisenschub?

Dienstag, 19. April 2011

Telepolis, 19.04.2011

Die Erhöhung des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank (EZB) wird die angeschlagenen Volkswirtschaften der südlichen Peripherie der Eurozone weiter unter Druck setzen

Am vergangenen Donnerstag beendete die Europäische Zentralbank eine nahezu zweijährige Phase krisenbedingter Niedrigzinspolitik. Der Leitzins in der Eurozone wurde von 1,0 auf 1,25 Prozent angehoben. Die EZB ließ ihren Leitzins im Mai 2009 auf dieses historisch niedrige Niveau sinken, um mittels einer expansiven Politik des „billigen Geldes“ die Kreditvergabe zu stimulieren und so die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise zu mildern. Doch inzwischen überwiegen beim Zentralbankrat die Sorgen vor den zunehmenden Inflationsrisiken, die man „sehr genau verfolgen“ werde, wie EZB-Präsident Jean-Claude Trichet erklärte. Auch künftig würden Europas Währungshüter „alles Notwendige“ unternehmen, um die Preisstabilität in der Eurozone zu gewährleisten, so Trichet.

Link: http://www.heise.de/tp/artikel/34/34583/1.html

Russische Modernisierungsopfer?

Samstag, 16. April 2011

Hintergrund,  Heft 4 – 2010

Die Moskauer Ministerialbürokratie wählte im Mai vergangenen Jahres eine bislang in Russland unübliche Methode, um eine spektakuläre geopolitische Neuausrichtung russischer Außenpolitik zu signalisieren. Eine als vertraulich klassifizierte, circa 70 Seiten umfassende Neubewertung russischer Außenpolitik, die von einem eigens eingerichteten Komitee innerhalb des russischen Außenministeriums angefertigt wurde, fand sich aufgrund einer – offensichtlich gezielten – Indiskretion in den Redaktionsräumen der russischen Ausgabe des Nachrichtenmagazins Newsweek wieder. „Es scheint, als ob jemand mit einer amerikanischen Logik dies durchsickern ließ“, kommentierte Jewgeni Bashanow (engl. Schreibweise: Yevgeny Bazhanov), der Vizerektor der Moskauer Diplomatischen Akademie, diese amerikanischen Public-Relations-Methoden gleichende Vorgehensweise gegenüber US-Medien. Offizielle Vertreter des russischen Außenministeriums bestätigten zwar die Authentizität dieser Dokumente, doch enthielten sie sich jeglicher weiteren Kommentare.
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USA „griechischer als Griechenland“

Freitag, 01. April 2011

Wird die Schuldenkrise der USA bald in ein akutes Stadium treten?

„Der größte Bondinvestor der Welt hat kürzlich sämtliche amerikanische Staatsanleihen verkauft. Bill Gross billigt ihnen „nur geringen Wert“ zu. Als Grund nennt er staatliche Sozialprogramme. Dem Dollar prognostiziert der Fondsmanager massiven Kaufkraftverlust,“ meldete kürzlich die FTD.

Die systemischen Hintergründe dieser nun an ihre Grenzen stoßenden Verschuldungsdynamik beleuchtete ich in dem Text „Alles auf Pump„, den ich hier im Folgenden auszugsweise abermals wiedergebe:

Weltweite Defizitkreisläufe

Eher selten wird hingegen innerhalb der Linken die Tatsache thematisiert, daß das kapitalistische Weltsystem bis zum Krisenausbruch von zahlreichen, beständig an Umfang zunehmenden Defizitkreisläufen gekennzeichnet war. Der »südeuropäische« Defizitkreislauf in der Euro-Zone zwischen Deutschland und den südeuropäischen Euro-Ländern ist ja keineswegs einzigartig oder gar der größte seiner Art. Auch in Osteuropa blühte beispielsweise bis zum Ausbruch der Weltwirtschaftskrise eine Defizitkonjunktur. Westliche Banken, die eine dominierende Stellung auf den osteuropäischen Finanzmärkten einnehmen, haben sich mit insgesamt 1500 Milliarden US-Dollar (1250 Milliarden Euro) zwischen Baltikum und Schwarzem Meer engagiert. Diese riesigen Kreditbeträge fungierten ebenfalls als eine Art Brennstoff, der den Konjunkturmotor in Osteuropa am Laufen hielt und die Leistungsbilanzdefizite etlicher osteuropäischer Volkswirtschaften in den zweistelligen Prozentbereich (Baltikum, Rumänien, Ukraine) trieb. Auch Osteuropa fungierte kurz vor Krisenausbruch als ein lukrativer Absatzmarkt für die deutsche Exportindustrie, während zugleich die Schuldenberge der Osteuropäer bei westlichen Kreditinstituten wuchsen.

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