Archiv für Juli 2010

Neue Hegemonialmacht – und ihre Grenzen

Freitag, 16. Juli 2010

„Lunapark21“, Heft 10

Wohl noch nie in der Geschichte des kapitalistischen Weltsystems konnte eine derartig stürmische Umwälzung eines Landes oder einer Region beobachtet werden, wie sie derzeit China erschüttert. Bei keinem anderen Thema gehen auch die Ansichten innerhalb der Linken so weit auseinander wie bei der Beurteilung und theoretischen Einschätzung dieses gewaltigen Umbruchs von globaler Tragweite: Kann die Volksrepublik noch als eine sozialistische Gesellschaftsformation bezeichnet werden oder haben wir es mit einem kapitalistischen System zu tun? Findet in China eine abhängige und periphere Entwicklung statt oder dominieren autonome Industrialisierungsprozesse, die auf die Herausbildung eines neuen Zentrums des kapitalistischen Systems hindeuten?
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Was kommt danach?

Donnerstag, 15. Juli 2010

„Streifzüge“, 49/2010

Jetzt – da der Kapitalismus am Ende ist – müsste mensch Politiker sein. Derzeit muss sich unsere politische Klasse nämlich zwischen zwei alternativen Wegen in den Systemkollaps entscheiden. Sollen jetzt drakonische Sparmaßnahmen ergriffen werden, die auf eine Sanierung des Staatshaushalts abzielen – und sofort einen verheerenden wirtschaftlichen Einbruch auslösen? Oder darf es eine Fortführung der staatlichen Defizitkonjunktur sein, bei der schuldenfinanzierte Konjunkturprogramme die schwindsüchtige kapitalistische Warenproduktion bis zum Staatsbankrott am Laufen halten werden? Am Ende könnte durch expansive Geldpolitik eine ordentliche Hyperinflation in Gang gesetzt werden, mit der die Schuldenberge, unter denen alle Industriestaaten verstärkt ächzen, inflationiert würden – und die zugleich praktischerweise den Glauben an den Fetisch Geld massenhaft ins Wanken brächte.
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20 JAHRE SYSTEMTRANSFORMATION IM MITTELOSTEUROPA

Donnerstag, 15. Juli 2010

„Telegraph“, 120/121

Wenn von der „Schocktherapie“ die Rede ist, mittels derer die osteuropäischen Volkswirtschaften  des  real  existierenden Sozialismus nach 1989 binnen kürzester Zeit eine brutale, kapitalistische Systemtransformation erfuhren, dann findet zumeist zuerst Polen Erwähnung. Tatsächlich wurde in Warschau mit offener Unterstützung neoliberaler US-Ökonomen und unter der Regie des damaligen Vizepremiers und Finanzministers Leszek Balcerowicz ab dem 1. Januar 1990 ein rabiates Wirtschaftsprogramm in Gang gesetzt, das insbesondere in seinen Ergebnissen als modellhaft für die Transformationsprozesse in nahezu allen osteuropäischen Volkswirtschaften – vielleicht mit Ausnahme Sloweniens – gelten kann.
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