Archiv für Juli 2008

Tschechische Siemens-Werker zu Streik bereit

Donnerstag, 31. Juli 2008

„Junge Welt“, 29.07.2008
Konzern plant Schließung oder Verkauf des Bahnwerks in Prag-Zlicin. Belegschaft wehrt sich

Siemens gab jüngst erste Details des geplanten Stellenabbaus im Konzern bekannt. Die von der Führung angeordneten Massenentlassungen und Betriebsveräußerungen werden nicht zuletzt auch Tschechien hart treffen, da sich Siemens dort von seinem Bahnwerk trennen will. »Wir haben in Prag sehr gut ausgebildete Fachkräfte und können uns auch vorstellen, das Werk an ein solides Unternehmen zu verkaufen«, verkündete der Chef der Siemens-Sparte Mobility, Hans-Jörg Grundmann, jüngst gegenüber der Presse. Angeblich gebe es bereits »Interessenten« für das Werk in der tschechischen Hauptstadt, hieß es weiter aus der Konzernzentrale. Notfalls würde man den Standort auch stillegen, stellten Konzernsprecher klar. Der Betrieb in Prag-Zlicin beschäftigt derzeit noch nahezu 1000 Menschen.
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Polen: Aufruhr im »spanischen Arbeitslager«

Donnerstag, 31. Juli 2008

„Junge Welt“, 29.07.2008
Martialisches Sicherheitsaufgebot gegen Gewerkschafterprotest beim Hausgerätehersteller FagorMastercook

Im Vorfeld eines für Anfang September geplante Streiks setzt der Hausgerätehersteller FagorMastercook im polnischen Wroclaw auf Abschreckung. Als die linke Gewerkschaft »August80« (Sierpien80) am 18. Juli zu einer Kundgebung vor dem Werks­tor aufrief, glich das Betriebsgelände einem militärischen Sperrbezirk. Mit einem Ring aus Absperranlagen versehen, bewachten 450 Sicherheitsleute das Areal. Die Firmenleitung des spanischen Konzerns legte großen Wert darauf, öffentlich zu betonen, daß die angemieteten Schlägertrupps mit Elektroschockgeräten, Tränengas und Schlagstöcken ausgerüstet wurden. Dieses martialische Aufgebot sollte die Belegschaft von der Teilnahme an dem Protest abschrecken, der sich gegen Hungerlöhne und gewerkschaftsfeindliche Repressalien in dem seit 2002 zu Fagor gehörenden Betrieb richtete.
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Nach deutschem Vorbild

Montag, 28. Juli 2008

„Junge Welt“, 29.07.2008

Großbritannien marschiert in die Wirtschaftskrise, und New Labour schmiedet bereits die Folterinstrumente für das anwachsende Arbeitslosenheer

Die Töne britischer Wirtschaftswissenschaftler werden zunehmend schriller. David Blanchflower, Arbeitsökonom und Mitglied des Komitees für Monetärpolitik der Bank of England, sieht in einem Interview für den Guardian die britische Ökonomie »kopfüber in eine Rezession kippen, die mehr als ein Jahr andauern wird«. Großbritannien steuere laut dem Wirtschaftswissenschaftler auf eine Krise zu, die »schlimmer als in den USA« werden könnte, sollten nicht schnellstmöglich die Zinsen rapide gesenkt werden. In dem Interview vom 21. Juli warnte Blanchflower zudem, daß im Zuge der Krise »Hunderttausende ihre Arbeit verlieren« könnten. Der jüngste Anstieg der offiziellen Arbeitslosenrate auf 5,2 Prozent sei nur die »Spitze des Eisberges«.

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Der magersüchtige Exportweltmeister

Samstag, 26. Juli 2008

„Telepolis“ 26.07.2008

Die globale Wirtschaftskrise wird die exportfixierte deutsche Wirtschaft besonders hart treffen

Dominosteinen gleich gleich fallen immer mehr Volkswirtschaften der globalen Wirtschaftskrise zum Opfer, die durch das Platzen der Spekulationsblase auf dem Immobilienmarkt der USA ausgelöst wurde. Neben den  Vereinigten Staaten selbst ist auch  Großbritannien betroffen, das einen ähnlichen kreditfinanzierten Immobilienboom erlebte und nun auf eine Rezession zusteuert. Selbst das von einem dekadenlangen, atemlosen Wachstum ergriffene China meldet eine Verlangsamung seines Wachstumstempos. Die exportorientierte japanische Volkswirtschaft kommt inzwischen nahezu zum Erliegen. Das „neueste Opfer“ der Krise ist aber Spanien, das sich mit der größten Pleite der Wirtschaftsgeschichte des Landes konfrontiert sieht.

Link: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28395/1.html

Der Osten auf Achse

Freitag, 25. Juli 2008

„Junge Welt“, 26.07.2008
Die Wirtschaftskrise wird die seit der Expansion der EU etablierten Migrationsströme verändern. Fachkräfte gehen verstärkt nach Skandinavien

The Sun, Großbritanniens wichtigstes Revolverblatt, geizte nicht mit starken Worten, um die Folgen des immer drastischeren Wirtschaftseinbruchs auf den britischen Inseln zu beschreiben. Die Krise werde einem regelrechen »Horrorfilm« gleichkommen, in dem das Vereinigte Königreich die »Schwelle der Rezession« überschreiten dürfte und die Arbeitslosenzahl von 1,6 auf über zwei Millionen hochschnellen werde. Die Entfaltung dieses Szenarios werde zu einer massiven Abwanderung der offiziell registrierten 650000 Osteuropäer führen, die sich derzeit als Arbeitsmigranten auf den Britischen Inseln durchschlagen, warnte die Boulevardzeitung. Dies könne dazu führen, daß der Lohndruck in den von den Migranten dominierten, schlecht bezahlten Arbeitsfeldern wachse, was aber einem »Desaster« gleichkäme, das unbedingt zu verhindern sei, so The Sun.
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Klaus präsentiert sich als standhaft

Freitag, 25. Juli 2008

„Junge Welt“, 26.07.2008
Versuch des polnischen Präsidenten, seinen tschechischen Amtskollegen in Sachen EU umzustimmen, scheitert

Nicht nur in Warschau und Prag war das Treffen zwischen dem polnischen Präsidenten Lech Kaczynski und seinem tschechischen Amtskollegen Vaclav Klaus vom Donnerstag mit einiger Spannung erwartet worden. Auch in Brüssel dürfte man die Konsultationen der Höchstrangigen unter den osteuropäischen Kritikern des EU-Vertrages von Lissabon mit Argusaugen verfolgt haben. Allerdings scheint bei dem Polen seit einem Treffen mit seinem französischen Amtskollegen und EU-Ratspräsidenten Nicolas Sarkozy am 14. Juli ein Meinungsumschwung stattgefunden zu haben: Er wolle nicht mehr blockieren, hatte Kaczynski geäußert. Folglich wurde in den Medien Polens darüber spekuliert, ob ihr Staatschef versuchen werde, Klaus zum Einlenken zu bewegen.
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Klima auf dem Sprung

Mittwoch, 23. Juli 2008

„Junge Welt“, 24.07.2008
Man kann nicht nur das Rad neu erfinden. Klimatologe aus den USA hat, ohne es zu merken, Marx für sich entdeckt und nennt es verbrecherisch, »daß in Washington Geld spricht«

Der US-amerikanische Klimawissenschaftler James E. Hansen kann getrost zur akademischen Elite seines Landes gezählt werden. Er ist Professor für Erd- und Umweltwissenschaften an der renommierten Columbia University und steht bei der US-Raumfahrtagentur NASA dem Goddard Institute for Space Studies vor. In den 80er Jahren war Hansen einer der ersten Wissenschaftler, die eindringlich vor den Folgen der Erderwärmung warnten.
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Kliniken auf dem Markt

Dienstag, 22. Juli 2008

„Junge Welt“, 23.07.2008
Neuer Anlauf zur Privatisierung des polnischen Gesundheitswesens durch neoliberale Regierung. Einige Städte handeln bereits auf eigene Faust

Polens ehemaliger Vizegesundheitsminister Bolesaw Piecha ließ während einer sonntäglichen Fernsehsendung kein gutes Haar an den Reformvorhaben der derzeitigen Regierungskoalition im Gesundheitswesen. Er befürchte eine »Kommerzialisierung medizinischer Leistungen«, sollten die von der rechtsliberalen Bürgerplattform PO geplanten Umstrukturierungen der Krankenhäuser und Kliniken zu »Kapitalgesellschaften« durchgesetzt werden. Dies liefe nach Ansicht von Piecha, einst Minister der konservativen PiS unter Jaroslaw Kaczynski, de facto auf eine Privatisierung des Gesundheitswesens hinaus. Ähnlich argumentierte sein ehemaliger Amtskollege Marek Balicki von den Sozialdemokraaten, der davor warnte, daß privatisierte Kliniken »gute Finanzergebnisse über das Wohl der Patienten stellen werden«.
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Fette Jahre sind vorbei

Montag, 21. Juli 2008

„Junge Welt“, 22.07.2008

In den osteuropäischen Vorzeigeländern frißt die Inflation allmählich das Wirtschaftswachstum auf. Finanzspekulanten verschärfen die Krise

Der neue Vorsitzende der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Thomas Mirow, richtete in seinen ersten Interview für die Financial Times Anfang Juli eine eindeutige Warnung an die Regierungen Osteuropas. Laut Mirow könnte das schnelle Wirtschaftswachstum der vergangenen Jahre in einer Reihe von Ländern Osteuropas durch die sich beschleunigende Inflation »hintertrieben« werden. »Wir müssen realisieren, daß die Inflation das Potential hat, die Fortschritte zu zerstören, die in vielen dieser Länder gemacht wurden.«
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Zurück aufs Land

Freitag, 18. Juli 2008

„Junge Welt“, 18.07.2008
Angesichts steigender Energie- und Rohstoffpreise und einer hohen Inflation will sich die Ukraine wieder als »Kornspeicher der Welt« positionieren

Die ausufernde Inflation bringt die ukrainische Regierungschefin Julia Timoschenko zusehends in Erklärungsnot. Die Regierung könne für die beständig steigenden Brotpreise nicht verantwortlich gemacht werden, erklärte die Premierministerin in der vergangenen Woche gegenüber dem Fernsehsender Inter. Ihre Koalition habe vielmehr zu einem Abebben der Teuerungswelle im Juni beigetragen. Die lokalen Entscheidungsträger, so Timoschenko, trügen die Verantwortung für die gestiegenen Brotpreise.

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