Archiv für Juni 2008

Mittelschicht stürzt ab

Samstag, 14. Juni 2008

„Junge Welt“, 13.06.2008
»Nahrungsmittelunsicherheit« – steigende Energie- und Lebensmittelpreise sowie Immobilienkrise beschleunigen Pauperisierungstendenzen in den Vereinigten Staaten

Es war eine gespenstische Autofahrt, von der jüngst der US-Journalist Alexander Cockburn berichtete. Er sei am letzten Samstag im Mai, nachmittags während des verlängerten Wochenendes am Memorial Day (US-Feiertag), auf der Bundesstraße 199 zwischen zwischen Oregon und Kalifornien unterwegs gewesen. Normalerweise sei dies zu solch einer Hauptverkehrszeit eine aufreibende Strecke, die man im dichtesten Verkehr, »Stoßstange an Stoßstange« bewältigen müsse. Doch an diesem Wochenende konnte Cockburn diese Strecke in Rekordzeit zurücklegen. Das Verkehrsaufkommen sei so niedrig gewesen sei, als ob es »zwei Uhr nachts wäre«.
(mehr …)

Rebellion in Ungarn

Samstag, 14. Juni 2008

„Junge Welt“, 11.06.2008
Neoliberaler Kurs sorgt für Unruhe in der sozialdemokratischen Partei MSZP. Deren Führung läßt sich von Rechtsliberalen unterstützen

Einen Monat nach Bildung einer Minderheitsregierung haben die ungarischen Sozialdemokraten (MSZP) eine positive Bilanz ihrer eigenen Politik gezogen. Angeblich wurden mehr Gesetzesinitiativen auf den Weg gebracht als in den letzten drei Monaten der krisengeplagten Koalition mit dem wirtschaftsliberalen Bund der Freien Demokraten (SZDSZ). Die Allianz war zerbrochen, nachdem in einer Volksabstimmung am 9. März über 82 Prozent der Ungarn die Einführung von Gebühren bei Arztbesuchen und Krankenhausaufenthalten sowie Studiengebühren abgelehnt hatten. Seitdem befinden sich beide Parteien in einer Krise. Die neoliberale Offensive aber konnte in Ungarn zumindest vorläufig aufgehalten werden.
(mehr …)

Londons »wahre Krise«

Samstag, 14. Juni 2008

„Junge Welt“, 11.06.2008
Hauspreise verfallen, Zinsen steigen, Schuldner können Hypotheken nicht bedienen – die britische »Eigentümergesellschaft« schlittert in den Untergang

Ein Grundpfeiler britischer Politik, die von Margaret Thatcher in den 80er Jahren proklamierte »Ownership Society«(Eigentü­mergesellschaft), tritt seinen überfälligen Weg auf den Müllhaufen der Geschichte an. Damals hatte die als »Eiserne Lady« bezeichnete konservative Premierministerin die britische working class animiert, Wohneigentum zu erwerben. Britanniens Arbeiter und kleine Angestellte sollten zu vergünstigten Konditionen jene im öffentlichen Besitz befindlichen Häuser erwerben können, in denen sie wohnten. Das spaltete die Wählerbasis der Labour Party und suggerierte den Menschen, sie würden zu Eigentümern, gar zu Landlords, also Vermietern, »aufsteigen« können. Die Spaltungsstrategie der Tories ging auf und schuf tatsächlich eine Schicht von lohnabhängigen Immobilieneigentümern und Kleinstvermietern in Großbritannien, die fortan konservativ wählten und ihre Mieteinnahmen als ein Zubrot zum Gehalt betrachteten.
(mehr …)

Tatort Chatyn, Belarus

Montag, 09. Juni 2008

„Junge Welt“, 10.06.2008
Ein beeindruckender Gedenkstättenkomplex erinnert an das schrecklichste Kapitel der Geschichte der Republik – und widerspiegelt das Grauen der Nazi-Okkupation. Ein Besuch

Man fährt lange Zeit durch belorussische Wälder, bis man zur 1969 errichteten, abgeschieden gelegenen Gedenkstätte Chatyn kommt, die an die Verbrechen der deutschen Besatzer während des Zweiten Weltkrieges erinnert. Der Gedenkstättenkomplex befindet sich auf dem Terrain eines ehemaligen Dorfes, das von den deutschen Faschisten mitsamt aller Einwohner verbrannt wurde. Gewidmet ist dieses Mahnmal nicht nur den Bewohnern Chatyns, sondern Hunderten Dörfer des Landes, die von den Faschisten in ihrem Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion im Zuge von »Vergeltungsmaßnahmen« ausgelöscht wurden.
(mehr …)

Gipfel des Selbstbewusstseins

Montag, 09. Juni 2008

„Junge Welt“, 09.96.2008

Russland präsentiert sich bei Wirtschaftsforum als „Global Player“, der ein Gegengewicht zum Westenbilden möchte.

So ziemlich alles was Rang und Nahmen hat im postsowjetischen Raum ließ es sich nicht nehmen, auf dem 12. Wirtschaftsforum in St. Petersburg aufzulaufen. Neben einem Dutzend Staats- und Regierungschefs aus diversen GUS-Staaten und etwa 1500 Journalisten, kamen auch Russlands Oligarchen an der Newa zusammen. Für besonderes Aufsehen sorge die 115 Meter lange Jacht des Milliardärs Roman Abramowitch, der sein Prunkstück symbolträchtig neben dem Panzerkreuzer Aurora ankern ließ, dessen Feuersalven die Oktoberrevolution einleiteten.

(mehr …)

»Studium als Sicherheitsventil«

Samstag, 07. Juni 2008

Unibeilage der „Jungen Welt“, 14.05.2008
Die Uni als Alternative zur Erwerbslosigkeit – nach dem Ende des Sozialismus in Osteuropa ein ­wichtiger Faktor gegen Unzufriedenheit. Ein Gespräch mit Adrian Zandberg

Adrian Zandberg ist Vorstandsmitglied der größten linken, parteiunabängigen Jugendorganisation Polens, der Jungen Sozialisten (Mlodzi Socjalisci). Zandberg lehrt an der Universität Warschau Sozialgeschichte des 19. und 20. Jh.

(mehr …)

Peak Food, Peak Water

Samstag, 07. Juni 2008

„Telepolis“, 07.06.2008

Zur Neige gehende Energieträger, Klimawandel und Wassermangel lassen den globalen Spätkapitalismus an seine Entwicklungsgrenzen stoßen

Diesmal ist Kalifornien an der Reihe: Nachdem im letzten Jahr weite Teile der südöstlichen und mittleren Vereinigten Staaten von einer lang anhaltenden, beispiellosen Trockenperiode [extern] heimgesucht wurden, musste am vergangenen Dienstag Gouverneur Arnold Schwarzenegger den gesamten Bundesstaat Kalifornien zu einem Dürregebiet erklären.

Link: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/28/28093/1.html

Widerstand und Repression in Tschechien

Montag, 02. Juni 2008

„Junge Welt“, 30.05.2008
Verstärkter staatlicher Antikommunismus nach zunehmenden Protesten gegen Privatisierungen

Der Unmut in der tschechischen Bevölkerung über die neoliberale Politik der konservativen Regierung von Premier Mirek Topolanek nimmt zu. Bei etlichen Demonstrationen und sporadischen Streiks protestierten Lehrer, Ärzte und Krankenhauspersonal gegen die von der Regierungskoalition initiierte Privatisierung des Gesundheitswesens. Die renommierte Prager Karlsuniversität droht sogar damit, ihre medizinische Fakultät zu schließen, sollten die tschechischen Krankenhäuser tatsächlich – wie von der Regierung geplant – in »Aktiengesellschaften« umgewandelt werden. Für den 24. Juni rief der gesamte tschechische Gesundheitssektor einen eintägigen Warnstreik aus. Der Gewerkschaftsverband CMKOS, die Bus- und Metrofahrer aller größeren Städte und die Lehrerverbände kündigten überdies an, diese Proteste mit einem einstündigen Generalstreik zu unterstützen. Bei Großdemonstrationen am 28. Juni, am 2. und am 9. Juli wollen die Gewerkschaften ferner gegen die Erhöhung des Renteneintrittsalters auf 65 Jahre sowie Kürzungen im Bildungswesen protestieren.
(mehr …)