Archiv für Mai 2008

Täter werden zu Opfern

Freitag, 30. Mai 2008

„Junge Welt“, 22.05.2008
Präsident Juschtschenko bläst zum Generalangriff auf das sowjetische Erbe der Ukraine. Denkmäler werden geschleift, ein Pendant zur Birthler-Behörde geschaffen

Die Ukraine setzt ihre Annäherung an den Westen auch auf dem Gebiet der Geschichtspolitik fort. Präsident Viktor Juschtschenko kündigte vor wenigen Tagen eine Gesetzesinitiative an, die die Beseitigung aller »Denkmäler und Symbole des totalitären kommunistischen Regimes« zum Ziel hat. Er werde einen entsprechenden »Eilantrag« dem ukrainischen Parlament vorlegen, verkündete der Staatschef am 18. Mai anläßlich einer Gedenkzeremonie für die »Opfer politischer Unterdrückung«. So sollen alle sowjetischen Symbole – von Hammer und Sichel bis zum Lenindenkmal – geschleift und aus der Öffentlichkeit verbannt werden. Juschtschenko will »prokommunistische und imperialistische Kräfte« ausfindig gemacht haben, die nach »Vergeltung streben«.
(mehr …)

Angriff auf Rechte polnischer Arbeiter

Sonntag, 25. Mai 2008

„Junge Welt“, 26.05.2008
Unternehmer und Regierung in Warschau bereiten auf juristischem Weg die Entmachtung der Gewerkschaften vor

Der Klassenkampf in Polen ist in vollem Gange: Nach dem erfolgreichen Streik der schlesischen Kohlekumpel in der Zeche Budryk flammen auch in anderen Branchen immer neue Arbeitskämpfe auf. Das Unternehmerlager steckt deutlich in der Defensive. So streikten – organisiert von der linken Gewerkschaft »August 80« – am 19. Mai die schlesischen Straßenbahnfahrer für Lohnerhöhungen, am 27. Mai wird die Lehrergewerkschaft ZNP zu einem landesweiten Ausstand aufrufen, und auch die Angestellten der polnischen Post rebellieren. Selbst dem als Gewerkschaftsschreck berüchtigten Handelskonzern Tesco werden Grenzen gezeigt. Auf Drängen von Gewerkschaftern nahm die Staatsanwaltschaft ein Strafverfahren wegen zahlreicher arbeitsrechtlicher Verstöße auf.

(mehr …)

»1000 Zuschauer sind zuwenig«

Mittwoch, 21. Mai 2008

„Junge Welt“, 22.05.2008
Ansonsten alles wunderbar: Ein Gespräch mit Bernd Stange, dem Nationaltrainer von Belarus

Bernd Stange ist der Nationaltrainer von Belarus. Er war 1983–88 Nationaltrainer der DDR und trainierte bis 1991 Carl Zeiss Jena. Anschließend war er Trainer von Hertha BSC und FB Leipzig. Von 2002 bis 2004 trainierte er die irakische Nationalmannschaft
(mehr …)

Premier Topolanek schaltet auf stur

Dienstag, 20. Mai 2008

„Junge Welt“, 21.05.2008
Tschechische Regierung hält am Aufbau der US-Radaranlage fest. Friedensaktivisten im Hungerstreik

Die Proteste gegen den in Tschechien und Polen geplanten Aufbau einer US-Raketenabwehr verschärfen sich. Seit über einer Woche befinden sich die zwei tschechischen Friedensaktivisten Jan Tamas und Jan Bednar in einem unbefristeten Hungerstreik, um gegen die Stationierung einer amerikanischen Radaranlage auf dem 90 Kilometer südwestlich von Prag gelegenen Militärstützpunkt in Brdy zu protestieren. Neben dieser Radaranlage sollen noch zehn Abfangraketen in Nordpolen stationiert werden. Rußland kritisiert dieses Vorhaben aufgrund der damit einhergehenden Einschränkung seiner nuklearen Abschreckungsfähigkeit vehement. Die Hungerstreikenden wollen ihre Aktion so lange fortsetzen, bis die tschechische Regierung sich bereit erklärt, die Verhandlungen mit den USA auszusetzen, ein Referendum in dieser Frage zuzulassen und eine »offene, demokratische Diskussion« über diese essentielle Frage zuzulassen.
(mehr …)

Raketenpoker dauert an

Montag, 05. Mai 2008

„junge Welt“, 06.05.2008
Weiter Tauziehen zwischen Washington und Warschau um Raketenabwehr

Das Tauziehen um die in Osteuropa geplante US-amerikanische Raketenabwehr erfuhr am vergangenen Freitag eine neue Wendung. Ein namentlich nicht genannter »höherer Vertreter der US-Regierung« erklärte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters, daß »die Vereinigten Staaten einen anderen Standort für das Projekt der Raketenabwehr suchen werden, falls die Gespräche mit Polen scheitern sollten«. Er sei zuversichtlich, die Gespräche über die Stationierung von zehn Abfangraketen mit Polen doch noch zu einem erfolgreichen Abschluß zu bringen, obwohl noch etliche »harte Streitfragen« ungelöst seien, so der US-Politiker. Doch bei einem etwaigen Scheitern der Verhandlungen werde man Alternativen verfolgen, da »wir einfach mit der Raketenbedrohung fertigwerden müssen«. Insbesondere der Iran stelle nach Aufassung dieses Regierungsvertreters eine »wachsende Bedrohung« dar. Doch es ist vor allem Rußland, das diese Raketenabwehr in unmittelbarer Nähe seiner Grenzen als eine ernste Gefahr wahrnimmt und das Projekt vehement kritisiert.
(mehr …)