Archiv für Juni 2007

Oder wir schießen die Sonne ab

Donnerstag, 07. Juni 2007

„Junge Welt“, 07.06.2007
Russische Wissenschaftler feilen an billigen Methoden zur Klimaregulierung. In der Hitze Moskaus wurde ein hemdsärmliger Ansatz vorgestellt: Aerosol versprühen

Ende Mai erreichten die Temperaturen in Moskau Rekordwerte. Der bisherige Spitzenwert für diese Jahreszeit lag bei 32 Grad im Schatten. Er wurde überboten. Das perfekte Wetter für Juri Israel, Direktor des Instituts für globales Klima und Umweltschutz der Russischen Akademie der Wissenschaften. Am 30. Mai präsentierte er in der russischen Hauptstadt Vorschläge zur Bekämpfung des Klimawandels. Israel gilt als einer der wichtigsten wissenschaftlichen Berater von Präsident Wladimir Putin und ist zugleich Vizevorsitzender des Weltklimarats der Vereinten Nationen (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC).

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Peinliche Armut

Dienstag, 05. Juni 2007

„Junge Welt“, 06.06.2007
Offiziell leben 16 Prozent der Russen unterhalb des Existenzminimums. Vor Wahlen setzt Kreml auf höhere Mindestlöhne

Armut wurde von Rußlands Behörden lange ignoriert. Seit einiger Zeit zeigt sich der Kreml jedoch bemüht, die Lebensbedingungen der ausgegrenzten und sozial benachteiligten Bevölkerungsschichten zumindest etwas zu bessern. So beschloß die Staatsduma im März, den in der Russischen Föderation gültigen Mindestlohn deutlich zu erhöhen. Ab September soll die minimale Entlohnung 2300 Rubel betragen, statt der 1100 Rubel (ca. 32 Euro) bisher. Ursprünglich sollte der Mindestlohn schon im Mai auf 1400 Rubel angehoben werden. Doch »Einiges Rußland«, die Partei von Präsident Wladimir Putin, forderte medienwirksam eine weitere Erhöhung, die »aufgrund der knappen Zeit«, wie die Zeitung Kommersant schrieb, erst im Herbst realisiert werden kann.

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Rußlands Antwort

Montag, 04. Juni 2007

leicht gekürzt in: „Junge Welt“, 05.06.2007
Putin: Stationierung von US-Raketen in Polen und Tschechien löst neuen Rüstungswettlauf aus

Zumindest die westliche Öffentlichkeit zeigte sich überrascht, als am 29. Mai die Strategischen Raketentruppen der russischen Armee den erfolgreichen Test einer neuen Interkontinentalrakete (ICBM) meldeten. Laut einer Erklärung des russischen Verteidigungsministe­riums ist die als RS-24 bezeichnete ICBM in der Lage, mit ihrem nuklearen Mehrfachsprengkopf (MIRV) bis zu zehn Ziele gleichzeitig anzugreifen. Rußlands Präsident Wladimir Putin betonte nur zwei Tage nach dem Raketentest, daß Rußland mit den neuen ICBM eine »Antwort auf die US-Pläne zum Aufbau einer Raketenabwehr in Europa« gegeben habe. Washington verfolge eine imperialistische Politik und löse damit einen neuen Rüstungswettlauf aus, doch Rußland werde weiterhin sein militärisches Potential stärken, um die »globale strategische Balance zu erhalten«, versicherte der Kremlchef. In einem Interview mit Korrespondenten der G-8-Mitgliedsländer sagte Putin am vergangenen Freitag, die russischen Raketen würden neue Ziele in Europa bekommen, wenn dort ein Teil des strategischen Nuklearpotentials der USA stationiert werden sollte, das Rußland bedrohen wird.

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Ländliches Signal an Prag und Washington

Sonntag, 03. Juni 2007

„Junge Welt“, 04.06.2007
Pünktlich zum Bush-Besuch in Tschechien: Weitere Dörfer lehnen US-Raketenabwehr eindeutig ab

Tschechiens konservativer Regierungschef Mirek Topolanek fährt inzwischen die ganz großen Geschütze auf, um die Beteiligung seines Landes am »Raketenschild« der USA zu legitimieren: Nichts weniger als das »Ende der Zivilisation« drohe Europa, sollte das von Rußland energisch abgelehnte »Raketenabwehrsystem« nicht errichtet werden. Falls die europäischen Staaten nicht »ihren Willen zur Freiheit« zeigen würden, »droht ihnen die Vernichtung«, so der tschechische Regierungsapokalyptiker auf einer Konferenz Ende vergangener Woche.

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Für die Wurzel sterben

Samstag, 02. Juni 2007

„Junge Welt“, 02.06.2007
Warschau will neuen Abstimmungsmodus im EU-Ministerrat durchsetzen. Prodi warnt vor Europa der »zwei Geschwindigkeiten«

Die polnische Hauptstadt entwickelt sich in letzter Zeit zu einem beliebten Reiseziel europäischer Politprominenz. Am 30. Mai waren der italienische Regierungs­chef Romano Prodi und der portugiesische Außenminister Luis Amado zu eintägigen Arbeitsbesuchen in Warschau, um mit ihren polnischen Amtskollegen über die Reanimierung der europäischen Verfassung zu diskutieren. Beide Politiker gaben sich hierbei alle Mühe, die polnischen Bedenken zu zerstreuen und Warschau zu einer kooperativeren Haltung in dieser vor allem von Berlin zur Priorität erhobenen Frage zu bewegen, wie die polnische Tageszeitung Rzeczpospolita meldete.

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Zerbrechlicher Kompromiß

Samstag, 02. Juni 2007

Gekürzt in „Juge Welt“, 01.06.2007
Die ukrainische Staatskrise ist nur vertagt, nicht gelöst

Als am Frühen Morgen des 27. Mai die Hauptkontrahenken des seit Monaten schwelenden, ukrainischen Machtpokers gemeinsam an die Öffentlichkeit gingen und den 30. September als neuen Termin für Vorgezogene Wahlen nannten, schien die durch den Machtkampf ausgelöste Lähmung des ukrainischen Staates endlich beigelegt. Sowohl der prowestliche Präsident Viktor Juschtschenko, als auch sein Gegenspieler, der als russlandfreundlich geltende Premier Viktor Janukowitsch, betonten gegenüber der Presse, einen Kompromiss gefunden zu haben, der „eine Lösung der politischen Krise“ mit sich bringe. Mit Ausnahme der Kommnisten sollen sich alle in der „Obersten Rada“, dem ukrainischen Parlament, vertretenen Parteien an dieser Kompromissbildung beteiligt haben. Die Spannung der letzten Tage wich breiter Erleichterung in Politik und Bevölkerung.

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