Archiv für die Kategorie 'Weltwirtschaftskrise'

Crisi del Coronavirus

Dienstag, 31. März 2020

di Tomasz Konicz

Il sistema capitalista mondiale sta entrando nella crisi più grave della sua storia, le cui conseguenze – se non verranno superate rapidamente – potrebbero mettere in ombra perfino quelle degli anni Trenta.
È arrivato di nuovo il momento di un «Noi» molto grande. Nel momento in cui il tardo capitalismo, già consumato dalle sue contraddizioni interne, viene investito dall’esplosione di un’altra crisi, arriva allora il momento dei grandi appelli al senso di comunanza, alla coesione e alla disponibilità a sacrificarsi. Tutti quelli che sono i prigionieri di una società profondamente divisa – dal miliardario al lavoratore salariato e ai senzatetto – vengono improvvisamente ed ugualmente chiamati a fare sacrifici. Ma si tratta di un grande e falso „tutti insieme“, dal momento che per sostenere un sistema distruttivo ed irrazionale devono essere bruciati innumerevoli miliardi. Questa volta però, il sacrificio a Mammona sembra richiedere letteralmente il sangue. Ecco che così il capitalismo viene smascherato come quella religione secolarizzata che aveva descritto Benjamin nel 1921.

Link: https://francosenia.blogspot.com/2020/03/la-folle-setta-suicida-di-mammona.html

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CRISE DO CORONAVÍRUS: O COLAPSO IMINENTE

Donnerstag, 26. März 2020

Tomasz Konicz, Tradução de Boaventura Antunes, 26.03.2020

O sistema capitalista mundial está a entrar na crise mais grave da sua história, cujas consequências – se não forem ultrapassadas rapidamente – podem deixar na sombra até mesmo a década de 1930.

Chegou novamente a hora do „nós“ muito grande. Quando o capitalismo tardio, consumido pelas contradições internas, é tomado por outro surto de crise, surge então o momento de grandes apelos ao sentido do comum, à coesão e à disponibilidade para fazer sacrifícios. Todos os prisioneiros de uma sociedade profundamente dividida são igualmente chamados a fazer sacrifícios – do bilionário ao assalariado e ao sem-abrigo. Trata-se do grande e falso todo, quando inúmeros milhares de milhões têm de ser queimados para suportar um sistema destrutivo e irracional. Mas desta vez o sacrifício ao Mamon parece exigir, literalmente, sangue. O capitalismo é assim desmascarado como a religião secularizada que Walter Benjamin descreveu já em 1921.

Sangue para o deus sanguinário

Que tal o sacrifício da vida? É por uma boa causa, para a economia! É isso que eles estão realmente a discutir agora. Todos têm de fazer sacrifícios, Dan Patrick, vice-governador do Texas, exigiu recentemente aos seus cidadãos que todos fizessem sacrifícios. Afinal de contas, a economia tem de continuar a funcionar. Os assalariados deveriam, portanto, ir trabalhar apesar da pandemia, e os idosos, que morrem com mais frequência do que a média com o Coronavírus, deveriam simplesmente ser sacrificados para que os netos possam continuar a trabalhar – exigiu o vice-governador. Ele próprio estava preparado para dar a ida pela economia, afirmou Patrick, de 70 anos. O próprio Trump argumenta de forma semelhante, vendo o seu país „não ter sido feito para isso“, para „permanecer fechado“. Entretanto o presidente dos EUA fala em „reabrir“ os EUA até à Páscoa.

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Coronakrise: Der kommende Absturz

Donnerstag, 26. März 2020

lowerclassmag, 26. März 2020

Das kapitalistische Weltsystem tritt in die schwerste Krise seiner Geschichte ein, deren Folgen – sollte sich nicht schnell überwunden werden – selbst die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts in den Schatten stellen könnten.

Es ist mal wieder so weit – die Zeit des ganz großen “Wir” ist angebrochen. Wenn der von inneren Widersprüchen zerfressene Spätkapitalismus von einem abermaligen Krisenschub erfasst wird, dann bricht der Moment der großen Appelle an den Gemeinsinn, an den Zusammenhalt und die Opferbereitschaft an. Alle Insassen einer zutiefst gespaltenen Gesellschaft werden gleichermaßen aufgerufen Opfer zu bringen – vom Milliardär, über den Lohnabhängigen, bis zum Obdachlosen. Es geht ja ums große falsche Ganze, wenn unzählige Milliarden zur Stützung eines zerstörerischen und irrationalen Systems verfeuert werden müssen. Doch diesmal scheint der Opfergang für den Mammon buchstäblich Blut zu fordern. Der Kapitalismus wird dadurch als die säkularisierte Religion demaskiert, die Walter Benjamin schon 1921 beschrieb.

Blood for the Blood God

Wie wäre es also mit dem Opfer des Lebens? Es ist ja für eine gute Sache, für die Wirtschaft! So wird inzwischen tatsächlich argumentiert. Alle müssten Opfer bringen, forderte jüngst etwa Dan Patrick, seines Zeichens Vize-Gouverneur des US-Bundesstaates Texas, von seinen Bürgern. Die Wirtschaft müsse schließlich weiter laufen. Die Lohnabhängigen sollten folglich trotz Pandemie zur Arbeit gehen, man müsse die Alten, die überdurchschnittlich oft an Corona sterben, einfach opfern, damit die Enkel weiterarbeiten können – so die Forderung des Vize-Gouverneurs. Er selber sei bereit, sein Leben für die Wirtschaft zu geben, behauptete der 70-jährige Patrick. Ähnlich argumentiert auch Trump selber, der sein Land “nicht dafür gemacht” sieht, “geschlossen zu bleiben”. Der US-Präsident sprich inzwischen davon, die USA bis Ostern wieder “aufzumachen”.

Link: https://lowerclassmag.com/2020/03/26/coronakrise-der-kommende-absturz/

Schwellenländer auf der Kippe

Montag, 23. März 2020

Telepolis, 23.03.2020

Bei länger anhaltender Krise drohen weiten Teilen der angeschlagenen Semiperipherie ökonomische Zusammenbrüche

Die gegenwärtige Wirtschaftskrise scheint eine Regel zu bestätigen, die bislang in den meisten kapitalistischen Krisenschüben konstatiert werden musste – je weiter eine Region von den Zentren des kapitalistischen Weltsystems zu finden ist, desto schwerer der Krisenverlauf. Dies scheint auch in diesem Fall für die Semiperipherie des spätkapitalistischen Weltsystems zu gelten. Einstmals als künftige „Lokomotiven der Weltwirtschaft“ gehandelt, stellt sich für die meisten Schwellenländer inzwischen nur noch die Frage, wie schwer die Rezessionen oder Einbrüche verlaufen werden, die durch den aktuellen Krisenschub ausgelöst werden.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Schwellenlaender-auf-der-Kippe-4687731.html

Kapitalismus kaputt?

Dienstag, 17. März 2020

Telepolis, 17.03.2020
Löst die gegenwärtige Pandemie den nächsten globalen Krisenschub aus? Ein Überblick über die strukturelle Krisenanfälligkeit des spätkapitalistischen Weltsystems

Was hat oberste Priorität angesichts der rasch um sich greifenden Pandemiepanik, der abstürzenden Finanzmärkte und der sich in vielen Weltregionen abzeichnenden Rezessionen, die Millionen Menschen in ein existenzgefährdendes Elend zu stürzen drohen? Eine ordentliche, rasche umgesetzte Bankenrettung natürlich! Soviel müsste eigentlich noch aus dem letzten Crash von 2008/09 hängen geblieben sein.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Kapitalismus-kaputt-4684452.html

Das Virus, die Weltwirtschaft und das Klima

Dienstag, 17. März 2020

Telepolis, 13.03.2020
Einige Bemerkungen zur Wechselwirkung von innerer und äußerer Schranke des kapitalistischen Weltsystems angesichts der zunehmenden Panik

Endlich mal frei durchatmen, die Seele baumeln lassen, etwas zur Ruhe kommen – Corona sei Dank? Unter Ausblendung des menschlichen Leidens und der sozialen Panik, die die gefährlichste Pandemie seit vielen Jahrzehnten verursacht, scheinen die Stilllegungen von Produktionskapazitäten tatsächlich zu einer substanziellen Verringerung des Ausstoßes von Treibhausgasen geführt zu haben.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Das-Virus-die-Weltwirtschaft-und-das-Klima-4679329.html

Battlefield Europe

Samstag, 01. Juni 2019

Telepolis, 01.06.2019

Die nationalistischen Zentrifugalkräfte in der EU gewinnen nach der Europawahl an Dynamik

Bis vor kurzen waren Europas Politeliten peinlichst darum bemüht, allen Spannungen zum Trotz die zunehmenden europapolitischen Differenzen nicht an die Oberfläche der Öffentlichkeit geraten zu lassen. Die knallharten nationalen Konflikte wurden auf diplomatischer Ebene, hinter verschlossenen Türen ausgetragen, während die Staats- und Regierungschefs die übliche europäische Harmonie simulierten.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Battlefield-Europe-4435658.html

Debatte um Enteignungen: Ein Schritt in die richtige Richtung

Freitag, 10. Mai 2019

Telepolis, 10.05.2019

Juso-Chef Kühnert hat mit seinen Sozialismus-Thesen einen offenen Nerv der krisengeschüttelten Spätkapitalistischen Gesellschaften getroffen

Ein beliebter Zeitvertreib in linken Krisen besteht darin, bei allen möglichen Gelegenheiten die vergessene linke Rhetorik prominenter SPD-Politiker hervorzukramen, die in ihrer Zeit als sogenannte „Jungsozialisten“ (Juso) so richtig die Sau rausgelassen haben. Der Kontrast zwischen jungsozialistischer Rhetorik und sozialdemokratischer Praxis bildet das beste Gegengift zu allen reformistischen Illusionen bezüglich der spätkapitalistischen Sachzwang-Gesellschaften – sowie der Politik der SPD. Das Juso-Prinzip ist relativ einfach: Die Jungsozialisten sollen sich in ihrer politischen Adoleszenz ordentlich austoben, damit sie später, als „erwachsene“ Politiker, um so reibungsloser die „Sachzwänge“ des Spätkapitalismus an ihrer ureigensten Klientel exekutieren.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Debatte-um-Enteignungen-Ein-Schritt-in-die-richtige-Richtung-4418047.html

Die Ökonomie als Waffe

Samstag, 13. April 2019

Telepolis, 13.04.2019

Auch ohne Autozölle: Der Wirtschaftskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und Europa scheint bereits im vollen Gange

Link: https://www.heise.de/tp/features/Die-Oekonomie-als-Waffe-4367657.html

Abschied von gestern

Mittwoch, 13. März 2019

Zum Niedergang der Weltmacht USA hat auch Deutsch-Europa beigetragen.
Konkret 02/2019

Es scheint eine jener ironischen Wendungen zu sein, zu denen der Weltgeist besonders in Krisenzeiten aufgelegt ist: Ausgerechnet der megalomane Borderliner Donald Trump, der antrat, die USA »wieder groß zu machen«, darf nun ihrer Abwicklung als globale Hegemonialmacht präsidieren. Die Vereinigten Staaten könnten »nicht weiterhin der Weltpolizist sein«, erklärte Trump Ende Dezember letzten Jahres während eines überraschenden Besuchs bei amerikanischen Soldaten im Irak. Es sei nicht fair, wenn das US-Militär die Last des Weltordnens allein tragen würde: »Wir möchten nicht mehr von Ländern ausgenutzt werden, die uns und unser unglaubliches Militär nutzen, um sich zu schützen.« Gewisse Länder würden »nichts dafür zahlen« wollen, so der Präsident mit dem Hinweis auf Auseinandersetzungen zwischen Washington und insbesondere Berlin um Militärausgaben und Nato-Beiträge. Die US-Army sei »auf der ganzen Welt verteilt«, was Trump »ehrlich gesagt lächerlich« findet.

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Die Ursprünge der Krise

Montag, 28. Januar 2019

Telepolis, 26.01.2019

Überblick über die systemischen Ursachen und den historischen Verlauf der Krise des spätkapitalistischen Weltsystems

Es scheint mal wieder so weit zu sein: die zunehmenden Turbulenzen an den Finanzmärkten, der einsetzende konjunkturelle Abschwung in den meisten Zentren des Weltsystems, die Währungs- und Schuldenkrisen der Schwellenländer bei einem beständig anschwellenden globalen Schuldenberg – sie deuten auf einen neuen Krisenschub hin. Der große Unterschied zum Crash von 2008 besteht aber darin, dass diesmal das Krisenbewusstsein in der Öffentlichkeit weitaus stärker ausgeprägt ist als beim Platzen der transatlantischen Immobilienblasen in den USA und Westeuropa, auf das der Mainstream bekanntlich nicht vorbereitet war.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Die-Urspruenge-der-gegenwaertigen-Wirtschaftskrise-4285127.html

Wolfgang Schäuble – Revolutionsführer wider Willen?

Dienstag, 25. Dezember 2018

Telepolis, 25.12.2018

Wie die europäische Sozial- und Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik den Aufstand in Frankreich zusätzlich anfachte

Frankreichs Präsident Macron steht vor dem Scherbenhaufen seiner Politik: innen-, wie außenpolitisch.

Zum einen sind die ehrgeizigen Pläne Macrons zur „Vertiefung“ der europäischen Integration weitgehend gescheitert, mit denen die Folgen der extremen Ungleichgewichte in der EU gemildert werden sollten. Die ehrgeizigen Reformvorhaben, mit denen ein unabhängiger Eurozonen-Haushalt, ein europäisches Finanzministerium und umfassende Ausgleichsmechanismen zur Beggar-thy-Neighbour-Politik der Bundesrepublik eingeführt werden sollen, wurden von Berlin und weiteren Kernländern der Eurozone erfolgreich hintertrieben.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Wolfgang-Schaeuble-Revolutionsfuehrer-wider-Willen-4258688.html

Auf Crashkurs

Donnerstag, 20. September 2018

Die USA eskalieren ihren Handelskrieg gegen China. Es droht ein neuer Krisenschub samt autoritärer Wende

Telepolis, 20.09.2018

Nach Ansicht des reichsten Oligarchen der „Volksrepublik“ China, des Internetmilliardärs Jack Ma, steht die Weltwirtschaft am Beginn eines 20-jährigen Handelskriegs. Mit dieser Warnung reagierte der Gründer der Internetplattform Alibaba auf die Eskalation des Handelsstreits zwischen China und den USA durch die rechtspopulistische Trump-Administration.

Somit scheint – sollte sich die Einschätzung Jack Mas bestätigen – das kapitalistische Weltsystem am Beginn einer neuen historischen Krisenperiode zu stehen, in der zunehmende Handelskonflikte und Protektionismus den Freihandel des neoliberalen Zeitalters ablösten. Die strukturelle Überproduktionskrise, in der sich das Weltsystem befindet, würde somit nicht mehr durch Kreditaufnahme und Verschuldung überbrückt, sondern durch Handelskriege direkt ausgetragen – mit allen verehrenden sozioökonomischen wie politischen Folgen.

Links: https://www.heise.de/tp/features/Auf-Crashkurs-4168902.html?seite=all

Mit Allah gegen den US-Dollar

Montag, 13. August 2018

Telepolis, 13.08.2018

Kurzer Überblick über den geopolitischen und ökonomischen Hintergrund der aktuellen Krise in der Türkei

Die Töne werden zunehmend schriller im Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und der Türkei. Nachdem US-Präsident Donald Trump mittels eines Tweets, in dem er die Verdopplung der US-Strafzölle gegen die Türkei ankündigte, die türkische Lira abstürzen ließ, sprach der türkische Staatschef Erdogan von einem „Wirtschaftskrieg“, der von „außen“ gegen sein Land geführt werde. Dollar, Euro und Gold seien die „Patronen, Kanonen und Raketen“ dieses Krieges, so Erdogan.

Die USA hätten der Türkei „den Rücken zugekehrt“, es gebe eine „Währungsverschwörung“ gegen die Türkei, behauptete Erdogan, der abermals eine Anhängerschaft aufrief, Euro, Dollar und Gold gegen die schwindsüchtige türkische Lira einzutauschen, um den „nationalen Kampf“ zu gewinnen. Dabei appellierte der türkische Präsident an den Nationalismus und die religiöse Identität seiner Gefolgschaft: „Vergesst nicht, wenn sie ihre Dollars haben, dann haben wir unser Volk, unseren Gott.“

Neben der ins Hysterische abdriftenden Rhetorik des Präsidenten bemüht sich aber Ankara – bislang erfolglos – um eine Eindämmung der Währungsturbulenzen. Erdogans Schwiegersohn Berat Albayrak, der inzwischen den Posten des türkischen Finanzministers bekleidet, kündigte ein nicht näher spezifiziertes „Maßrahmenpaket“ an, das die Unabhängigkeit der Notenbank sicherstellen, die zweistellige Inflation bekämpfen, und die überhitzte Konjunktur dämpfen solle.

Bislang haben diese Ankündigungen, die mit dem bisherigen Wirtschaftskurs von Staatschef Erdogan – der sich wiederholt als „Zinskritiker“ outete – brechen würden, keine Erholung des Lirakurses zur Folge gehabt. Die türkische Währung ist massiv abgestürzt. Allein die Ankündigung Trumps, weitere Strafzölle zu erlassen, ließ die Lira um 20 Prozent einbrechen. Das türkische Währungsdesaser wird aus mittelfristiger Perspektive erst voll ersichtlich: Vor einem Jahr konnten die Bürger der Türkei einen US-Dollar für rund 3,5 Lira erwerben, nun sind es rund 6,5 Lira.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Mit-Allah-gegen-den-US-Dollar-4134016.html

Postkapitalismus ohne Verzicht

Montag, 13. August 2018

Telepolis, 11.08.2018

Plädoyer wider die Verzichtslogik in der gegenwärtigen Klimadebatte

In der öffentlichen Diskussion über Ursachen und Folgen des Klimawandels sind zumeist die ganz großen Verallgemeinerungen an der Tagesordnung: Wir lebten über unsere Verhältnisse, der Mensch an sich treibe durch seine Gier die Welt in den ökologischen Abgrund, wir alle trügen irgendwie durch unseren Konsum Schuld an der drohenden Klimakatastrophe, die Menschheit müsse endlich zur Besinnung kommen, etc.
Das ganz große „Wir“

Der sogenannte Earth overshoot day stellt eine jener Gelegenheiten dar, an denen die Medien sich dieses ganz großen „Wir“ bedienen können. Der dieses Jahr schon am 1. August erreichte Zeitpunkt, an dem die globale nachhaltige Ressourcennutzung überschritten wird und die Menschheit ökologisch „auf Pump“ lebt, wird von den üblichen Appellen ans große Ganze begleitet.

Ein „Weiter so“ sei keine Option, warnte etwa Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD), da wir auf Kosten kommender Generationen lebten und der Klimawandel „eine Folge unserer Übernutzung“ der natürlichen Ressourcen sei. Annalena Baerbock von der Partei der Grünen warnte: „Wir müssen unsere Lebensweise endlich klimafreundlicher und nachhaltiger gestalten, um den Raubbau von Ressourcen zu stoppen.“

Worauf dieses „wir“ hinausläuft, wird etwa bei der Finanzierung der gescheiterten deutschen Energiewende durch astronomische Strompreise, die letztendlich wie eine Kopfsteuer wirken, deutlich: Die Kosten, die aus dem kapitalistischen Wachstumswahn hervorgehen, sollen der Allgemeinheit aufgenötigt, letztendlich sozialisiert werden.

Wenn „wir alle“ irgendwie Schuld haben an dem sich überdeutlich abzeichnenden ökologischen Desaster, dann müssen wir alle auch dessen Last tragen – unabhängig vom Geldbeutel.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Postkapitalismus-ohne-Verzicht-4133750.html

Der Exodus der Geldmenschen

Mittwoch, 18. Juli 2018

Telepolis, 16.07.2018

Flucht auf den Mars, Upload in die Cloud oder Rückzug in den Atombunker? Wie die Superreichen sich auf die Apokalypse vorbereiten

Der Sozialwissenschaftler und Medientheoretiker Douglas Mark Rushkoff erhielt im vergangenen Jahr ein Angebot, das er kaum ablehnen konnte.

Es sei das mit Abstand höchste Honorar gewesen, das ihm für einen Vortrag vor einem äußerst exklusiven Publikum in einem abgeschotteten Luxusressort für Superreiche angeboten wurde. Für den Gegenwert seines halben Jahresgehalts als Professor für Medientheorie und digitale Wirtschaft an der City University of New York sollte Rushkoff einen Vortrag samt Diskussionsrunde vor dem erlesensten Geldadel des Spätkapitalismus halten, vor einer Gruppe von rund hundert Investmentbankern, die Auskunft über das Thema „Die Zukunft der Technik“ wünschten.

Nach seiner Ankunft wurde der Medientheoretiker zuerst in einen Raum geführt, wo fünf weiße, ungeheuer reiche Männer auf ihn warteten, die für einen fünfstelligen Betrag vor allem eine Frage beantwortet sehen wollten: Wie überleben wir das „Ereignis“? Mit diesem Begriff belegten die hohen Herren den Zusammenbruch der Zivilisation, den sie als unabwendbar ansehen.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Der-Exodus-der-Geldmenschen-4110247.html

Ost oder West?

Montag, 09. Juli 2018

Telepolis, 09.07.2018

Der globale Handelskrieg wird die exportfixierte Bundesrepublik in Mitleidenschaft ziehen. Deren politische Klasse steht nun vor einer strategischen Entscheidung

Es war ein dramatischer Appell, mit dem sich der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang an die deutschen Funktionseliten wandte, um diese zu einer eindeutigen Positionierung im voll ausbrechenden globalen Handelskrieg zu bewegen. In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) forderte Li Keqiang die Bundesrepublik auf, gemeinsam mit der Volksrepublik China die „auf Regeln basierende multipolare Weltordnung“ zu verteidigen – gegen die USA des Donald Trump.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Ost-oder-West-4104668.html

Handelskrieg: Point of no return überschritten?

Mittwoch, 04. Juli 2018

Telepolis, 29.06.2018

Die zunehmenden handelspolitischen Auseinandersetzungen scheinen sich der Kontrolle der staatlichen Akteure zunehmend zu entziehen

Ist es schon zu spät, um eine unkontrollierbare Eskalation des globalen Handelskrieges zu vermeiden? Bei dem sich zuspitzenden handelspolitischen Auseinandersetzungen sind die Augen er Öffentlichkeit zumeist auf die Hauptakteure, auf die Volksrepublik China, auf Merkels Eurozone und die USA Donald Trumps gerichtet. Doch es könnten gerade die kaum beachteten Reaktionen der übrigen Volkswirtschaften sein, die darüber entscheiden, ob der globale protektionistische Wettlauf bereits eine irreversible Eigendynamik entwickelt hat.

Kanadas Regierung etwa macht ebenfalls Ernst mit der Politik von „Grenzen dicht!“. Und dies geschieht nicht aus Überzeugung einer ansonsten liberalen Regierung, sondern aus blanker Notwendigkeit. Neben den bereits beschlossenen Vergeltungsmaßnahmen gegenüber den USA, die Kanada in Reaktion auf die US-Zölle auf Stahl und Aluminium am 1. Juli erlässt, sollen nun in Ottawa auch Handelsbeschränkungen für Produkte aus weiteren Volkswirtschaften erwogen werden.

Die zusätzlichen Handelsschranken sollen dazu beitragen, eine „potenzielle Flut“ von Stahlprodukten abzuwehren, die sich gerade Aufgrund der US-Zölle über den kanadischen Binnenmarkt ergießen könnte. Der Grund hierfür: Der Druck auf den immer enger werdenden Märkten nimmt zu. Viele chinesische oder deutsche Stahlproduzenten, die sich mit den amerikanischen Handelsschranken konfrontiert sehen, suchen verstärkt neue Absatzmöglichkeiten auf anderen Märkten, was den Importdruck – etwa in Kanada – ansteigen lässt.

Links: https://www.heise.de/tp/features/Handelskrieg-Point-of-no-return-ueberschritten-4094618.html

Die Rezession der Neuen Rechten

Donnerstag, 14. Juni 2018

Telepolis, 08.06.2018

Kommentar: Der kommende Krisenschub wird durch die Politik des Rechtspopulismus in den USA und Europa beschleunigt

Auf einmal scheint dem exportgetriebenen Dauerboom in der Bundesrepublik sehr schnell die Luft auszugehen. Es seien „dunkle Wolken“, die sich über Deutschlands Industrie zusammenzögen, kommentierte die Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) die jüngsten konjunkturellen Frühindikatoren. Spiegel-Online berichtete, dass es in Europa nicht besser aussehe. Der wirtschaftliche Ausblick der Eurozone habe sich „dramatisch verschlechtert“, Ökonomen warnten inzwischen auch einem Abwärtstrend.

Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge ist der Auftragseingang der deutschen Industrie in vierten Monat in Folge zurückgegangen. Dies sei die „längste Auftragsflaute seit der letzten Finanzkrise“, konstatierte die FAZ. Analysten, die eine konjunkturelle Belebung erwarteten, zeigten sich überrascht von dem schwachen Jahresauftakt. Der Auftragsrückgang um 2,5 % im April sei „eine weitere kalte Dusche“, erklärte beispielsweise Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Diba-Bank gegenüber der Zeitung. „Die Entwicklung sieht nicht gut aus“, kommentierte auch der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Der „Dämpfer“ wurde zumeist mit der „jüngsten Debatte um Strafzölle“ erklärt, da die handelspolitischen Konflikte „erhebliche Verunsicherung“ in die Wirtschaft hineintragen würden.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Die-Rezession-der-Neuen-Rechten-4074987.html

Kapitalismus vor neuer Krisenphase?

Sonntag, 03. Juni 2018

Telepolis, 01.06.2018

Durch eskalierende Handelskriege droht der labilen Weltwirtschaft ein neuer Krisenschub

Der Rechtspopulist im Weißen Haus macht ernst. Mit der Verhängung von Strafzöllen auf Aluminium und Stahl durch die Trump-Administration scheint ein globaler Handelskrieg kaum noch abwendbar. Seit dem 1. Juni gelten in den Vereinigten Staaten Einfuhrzölle von 25% auf Stahl und 10% auf Aluminium, die auf entsprechende Waren aus der Europäischen Union, Kanada und Mexiko erlassen.

Alle drei betroffenen Volkswirtschaften und Währungsräume kündigten umgehend Vergeltung an. Aufgrund des hohen Handelsdefizits der Vereinigten Staaten dürfte sich die ökonomische Wirksamkeit dieser Gegenmaßnahmen aber in Grenzen halten. Die Europäische Union, die vorerst auf konkrete Maßnahmen verzichtete, drohte zuvor beispielsweise an, Strafzölle von bis zu 25 % auf amerikanische Motorräder, Zigarren, Saft und Erdnussbutter zu erlassen.

In einer ersten Reaktion sprach die EU-Kommission von einem „schlechten Tag für den Welthandel“, während die Bundesregierung Washingtons Vorgehen als „rechtswidrig“ bezeichnete. Der deutsche Außenminister Heiko Maas forderte ein geschlossenes Vorgehen der EU im kommenden Handelskrieg: „Unsere Antwort auf ‚America First‘ kann nur heißen: ‚Europe united‘.“ Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wiederum warnte vor der Kriegsgefahr, die im Zuge des „ökonomischen Nationalismus“, den Rechtspopulisten wie Donald Trump praktizieren, zunehme. Macron zog dabei Parallelen zwischen den 30er Jahren des 20 Jahrhunderts und der gegenwärtigen Krisenperiode.

Link: https://www.heise.de/tp/features/Kapitalismus-vor-neuer-Krisenphase-4063148.html