Archiv für die Kategorie 'US-Immobilienmarkt'

Sicherer Hafen?

Freitag, 21. Mai 2010

“Juge Welt”, 22.05.2010
Schuldenkrise in der Euro-Zone hat Ansturm auf US-amerikanische Staatspapiere und Kursexplosion des Dollars ausgelöst. Kein Aufschwung in der Realwirtschaft

Die Krise der Euro-Zone scheint eine wahre Renaissance des US-Dollars als globaler Leitwährung zu befördern und den amerikanischen Finanzsektor regelrecht zu beflügeln. Binnen der letzten sechs Monate sackte die europäische Gemeinschaftswährung von 1,50 US-Dollar je Euro auf nahezu 1,20 US-Dollar ab, was einem Wertverlust des Euro von circa 20 Prozent gegenüber dem Greenback gleichkommt. Ein am vergangenen Montag publizierter Report des US-Finanzministeriums konstatierte eine starke Zunahme ausländischer Investitionen auf dem amerikanischen Finanzmarkt. So hat sich der Absatz langfristiger US-Anleihen und Aktien an ausländische Investoren von 47,1 Milliarden US-Dollar im Februar auf 140,5 Milliarden US-Dollar im März rund verdreifacht.
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Der nächste Krisenschub

Mittwoch, 17. Februar 2010

“Junge Welt”, 18.02.2009
USA: Der Markt für Gewerbeimmobilien wird durch sinkende Kaufkraft und faule Hypotheken erschüttert. Shopping-Malls besonders betroffen

Die schwere Wirtschaftskrise in den USA versetzt auch den Kathedralen der dortigen Konsum»kultur« den Todesstoß. Einer Schätzung des Wall Street Journal zufolge sollen sich im vergangenen Jahr über 100 der sogenannten Shopping-Malls aufgrund der Rezession in »Geisterstädte« verwandelt haben. Hierbei handelt es sich um riesige Einkaufszentren, die tatsächlich teilweise wie überdachte Kleinstädte anmuten und neben Hunderten von Geschäften, Bars und Restarants auch kostenpflichtige Freizeitangebote beherbergen und längst die Funktion öffentlicher Treffpunkte eingenommen haben. Generationen US-amerikanischer Mittelklasse-Kids beispielsweise verbrachten wie selbstverständlich ihre Freizeit mit Konsum in diesen synthetischen Stätten, die Sicherheit durch strikte Kontrolle und Überwachung boten.
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Produkt der Krise

Freitag, 11. September 2009

“Junge Welt”, 12.09.2009
Vor einem Jahr kollabierte die US-Investmentbank Lehman Brothers und verstärkte das globale Finanzbeben. Dessen Ursache war der Crash nicht

Zum einjährigen Jubiläum der größten Pleite der US-Geschichte drehte die BBC einen Fernsehfilm. In »Die letzten Tage von Lehman Brothers« trachtete der Sender danach, unter Aufbietung der üblichen Klischees alles zu dramatisieren. Das geht dann so: Knallharte weiße Männer in teuren Anzügen, die zur Streßreduktion gerne mal auf Stoffgorillas oder Kollegen einschlagen, versuchen 60 Minuten lang, mit abenteuerlichen Konstrukten die Insolvenz der viertgrößten US-Investmentbank aufzuhalten. Letztendlich unterliegt Lehman-Chef Richard Fuld seinem Gegenspieler, dem damaligen Finanzminister Henry Paulson. Der hatte sich strikt geweigert, der in einer Unmenge fauler Hypothekenverbriefungen ertrinkenden Bank staatliche Gelder zur Verfügung zu stellen.
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Extreme Umverteilung

Sonntag, 19. April 2009

leicht gekürzt publiziert in: “Junge Welt”, 20.04.2009
Die vom US-Finanzministerium konzipierte öffentlich-private Investitionspartnerschaft dürfte sich zu einem passiven Subventionsprogramm für den Finanzsektor entwickeln

Kaum ein Unterfangen der neuen US-Administration hat solch heftige Kritik führender Wirtschaftswissenschaftler ausgelöst, wie der Bankenrettungsplan des amerikanischen Finanzministers Timothy Geithner. Nobelpreisträger Paul Krugman sprach von einem „Sieg der Zombie-Ideen“, da Geithner einfach die Konzepte seines republikanischen Amtsvorgängers Henry Paulson wiederbelebe. Die Ökonomen Joseph Stiglitz und Jefferey Sachs warnen vor einem enormen Transfer von Steuergeldern zu den „Banken“ und „Finanzmärkten“, den der „Geithner-Plan“ initiieren werde. Selbst einer der frühesten unterstützter Barak Obamas, der Finanzspekulant George Soros, monierte, dass dieses Vorhaben die Krise nicht löse sondern nur lägst insolvente „Zombiebanken“ am Leben erhalte.

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Krise schockt Supermacht

Mittwoch, 01. April 2009

“Junge Welt”, 02.04.2009

Hooverville, Bushville oder Obamaville? Bürger und Medien entdecken die USA als Land zwischen Verelendung, Vertuschung, Wut und Widerstand

Derzeit schießen überall in den USA Zeltstädte aus dem Boden, Notunterkünfte, in denen Opfer der aktuellen Weltwirtschaftskrise hausen. »Hoovervilles« werden sie gelegentlich genannt, ein längst vergessen geglaubter Begriff. Als Hoovers-Dörfer wurden in den 30er Jahren all die Elendsquartiere bezeichnet, die sich während der großen Depression im Land ausbreiteten. Dieser Begriff voller bitterer Ironie geht auf den inkompetenten US-Präsidenten Herbert Hoover (1929-1933) zurück, in dessen Amtszeit die bisher schwerste Wirtschaftskrise über das »Land der unbegrenzten Möglichkeiten« hereingebrochen war.
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“Geld verleiht keinen Sinn”

Dienstag, 10. Februar 2009

Telepolis, 10.02.2009

Warum der Kapitalismus gerade dabei sein könnte, das Geld abzuschaffen

Endlich spricht das konservative Leitmedium der Bundesrepublik Klartext. Während viele Linke sich noch in der öden Diskussion der diversen Konjunkturpakete ergehen, die international in jüngster Zeit aufgelegt wurden, stellt die Frankfurter Allgemeine Zeitung bereits die Systemfrage: “Unsere Milliarden, die diversen Pakete, Schirme und Spritzen hätten die Krise längst beeindrucken müssen”, schrieb Nils Minkmar in seinem Beitrag für die FAZ, doch die Krise fresse sich mit “nicht nachlassender Geschwindigkeit in die Fundamente der Gesellschaft”.

Link: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29705/1.html

Not trotz Überfluß

Montag, 26. Januar 2009

“Junge Welt”,
USA: Hunger und Obdachlosigkeit erreichen eine neue Dimension

Von einem »Rettungspaket« der ganz besonderen Art wußte am Wochenende die Washington Post zu berichten. Die Suppenküchen und Lebensmitteltafeln zwischen New York und Los Angeles wappnen sich dem Artikel zufolge für die größte Herausforderung, der sich dieses Wohltätigkeitssystem seit dessen Aufbau in den Sechzigern stellen muß. Es gebe Planungen, neue, große Einrichtungen zur Nahrungsmittelvergabe in den Städten zu errichten. Das Ziel, besonders den »arbeitenden Armen« genügend Nahrungsmittel zur Verfügung zu stellen, die neuesten Untersuchungen zufolge bereits die größte Gruppe der Unterernährten in den USA stellen. Der Bedarf wachse der ersten Generation der Suppenküchen bereits »über den Kopf«, berichtete Robert Egger, der Präsident das Wohltätigkeitsverbandes Central Kitchen. So würden Suppenküchen, die nur während der Hauptarbeitszeiten geöffnet sind, diese Gruppe überhaupt nicht erreichen.
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Veritable Systemkrise

Montag, 19. Januar 2009

“Junge Welt”, 20.01.2009

Durch Lohn- und Sozialabbau sowie Steuergeschenke an Unternehmen wuchs seit den 80er Jahren der Profit kräftig und sank die Massennachfrage. Die immensen Gewinne konnten daher kaum in der Realwirtschaft angelegt werden und führten zu Spekulationsblasen

Angesichts der im atemlosen Tempo voranschreitenden Implosion des in den letzten drei Dekaden errichteten, internationalen Finanzsystems ist allenthalben eine hektische Suche nach den Ursachen dieses Zusammenbruchs ausgebrochen, die oftmals in der mit neoliberaler Deregulierung und Liberalisierung einhergehenden Expansion der Finanzmärkte verortet werden.
Der vorliegende Text sieht hingegen bereits die Genese des Neoliberalismus – mitsamt der von den Finanzmärkten dominierten Ökonomie – als die Folge einer fundamentalen Krise des Kapitalreproduktion in der realen, warenproduzierenden Wirtschaft.

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Von der Immobilienspekulation zum Zusammenbruch der globalen Defizitkonjunktur

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Telepolis, 17.12.2008
Kurze Geschichte der Weltwirtschaftskrise Teil 3

Die als Antwort auf die Stagflation der 70er Jahre umgesetzten neoliberalen Reformen brachten fundamentale Widersprüche mit sich, die eine schwindende Massennachfrage zur Folge hatten, und folglich in Überproduktion von Waren sowie Überakkumulation von Kapital zu münden drohten. Weitere Faktoren verstärkten die systemimmanenten Widersprüche: Die mit den revolutionären, durch Mikroelektronik und Informationstechnologie ausgelösten Produktivkraftsteigerungen einhergehende, fundamentale Krise der Arbeitsgesellschaft führte zu einer neoliberalen „Flucht nach vorne“: Ausbau des deregulierten Niedriglohnsektors, Verlagerung von Produktion in Schwellenländer und verstärktes Wachstum des Finanzsektors, der sich zu einer Stütze der Konjunktur entwickelt, waren die Folgen. Es bilden sich globale, durch das Finanzsystem kreditfinanzierte Defizitkreisläufe heraus, die mit verstärkter spekulativer Blasenbildung einhergingen. Die sich immer weiter verschuldenden Vereinigten Staaten nahmen als eine Art „Konjunkturpumpe“ die weltweite Überschussproduktion der expostorientierten Volkswirtschaften auf, diese reinvestierten ihre Einnahmen vor allem im US-Finanzsektor.

Link: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29356/1.html

Explosionsartige Ausweitung der Finanzmärkte in der Clinton-Ära

Montag, 01. Dezember 2008

“Telepolis”, 01.12.2008
Kurze Geschichte der Weltwirtschaftskrise – Teil 2

Was bisher geschah: Das “Goldene Zeitalter” des Kapitalismus, die durch Wiederaufbau und rasante “innere Expansion” gekennzeichnete Periode der sozialstaatlichen, keynesianistischen Marktwirtschaft, ging seit den 70ern in Stagnation und Inflation über. Die durch den wissenschaftlich-technischen Fortschritt beförderten Produktivitätsfortschritte führten erstmals seit Kriegsende zu Massenarbeitslosigkeit und einer fallenden Profitrate in den meisten Industriestaaten. Der ab den 80ern in den USA und Großbritannien praktizierte Neoliberalismus zielte auf die Erhöhung der Profitrate der Unternehmen vermittels Stagnation bei den Löhnen, Sozialabbau, Steuererleichterungen für Unternehmen und der Deregulierung der Arbeitsmärkte. Die Aufhebung des Goldstandards sowie die Deregulierung der Finanzbranche führten zu der “Finanziellen Explosion”, die langsam als ein Motor der stagnierenden realen Ökonomie zu wirken begann.

Link: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/29/29235/1.html