Archiv für die Kategorie 'Kasachstan'

Präsidiale Gnade

Donnerstag, 15. März 2012

„Junge Welt“, 14.03.2012
Kasachstan entläßt Gewerkschaftsanwältin aus der Haft. Gleichzeitig Prozeßwelle gegen Demonstranten

Das kasachische Regime um Staatschef Nursultan Nasarbajew entschloß sich in der vergangenen Woche zu einem me­dienwirksamen Gnadenakt: Am 7. März wurde die Gewerkschaftsanwältin Natalja Sokolowa unter strengen Auflagen aus der Haft entlassen. Sokolowa hatte sich für die Arbeiter im kasachischen Energiesektor engagiert, deren Gewerkschaftskampf für bessere Arbeitsbedingungen mit einer staatlichen Repressionskampagne beantwortet wurde. Diese gipfelte im vergangenen Dezember in einem Militärmassaker an Dutzenden von Demonstranten in der westkasachischen Stadt Schanaosen (siehe junge Welt vom 19.12.2011).
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Die Abrechnung

Freitag, 27. Januar 2012

„Junge Welt“, 27.01.2012
Repressionswelle nach Wahlfarce in Kasachstan. Oppositionelle Politiker und unabhängige Journalisten verhaftet

Kasachstans Staatsorgane starteten nur wenige Tage nach den Parlamentswahlen eine Repressionswelle gegen oppositionelle Gruppierungen und unabhängige Medien. Die Abstimmung vom 15. Januar, bei der die Staatspartei Nur Otan (Lichtstrahl des Vaterlands) von Präsident Nursultan Nasarbajew rund 80 Prozent der Stimmen errungen haben soll, wurde von internationalen Beobachtern als undemokratisch kritisiert, da wichtige Oppositionskräfte gar nicht zur Abstimmung zugelassen wurden. Die jüngsten Verhaftungen stehen im Zusammenhang mit den von Militäreinheiten blutig niedergeschlagenen Arbeiterprotesten in der westkasachischen Stadt Schanaosen, bei denen Mitte Dezember nach Gewerkschaftsangaben Dutzende Menschen ums Leben kamen.
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Keine Wahl

Dienstag, 10. Januar 2012

„Junge Welt“, 09.01.2012
Kasachstan soll über ein neues Parlament abstimmen. Doch der Westen des Landes wird von der Farce ausgeschlossen

Am kommenden Sonntag sollen im zentralasiatischen Kasachstan Parlamentswahlen stattfinden, jedoch nicht in allen Landesteilen. Die Region um die westkasachische Stadt Schanaosen, in der Militäreinheiten Mitte Dezember streikende Ölarbeiter massakriert haben, ist auf Weisung des autokratisch regierenden Staatschefs Nursultan Nasarbajew von der Abstimmung ausgeschlossen worden. Augenzeugenberichten zufolge waren bei mehrtägigen Auseinandersetzungen Dutzende Arbeiter, die schon monatelang gegen Massenentlassungen und für Lohnerhöhungen gekämpft hatten, der Staatsmacht zum Opfer gefallen, die auch Schützenpanzer und Maschinengewehre einsetzte. Während laut Regierungsangaben in der abgeschotteten Stadt 16 Opfer gezählt wurden, sprachen kasachische Gewerkschaftsvertreter bei einer Pressekonferenz in Moskau von mindestens 70 Toten und mehr als 100 Vermißten. Zudem führten die Polizeikräfte in der Stadt Massenverhaftungen durch, denen Hunderte Bewohner zum Opfer gefallen sind. Die Inhaftierten seien in dem lokalen Gefangenenlager folterartigen Praktiken ausgesetzt, bei denen die Gefangenen etwa nackt bei starkem Frost mit Wasser übergossen würden, berichteten die Gewerkschafter. Es seinen »Schreie aus dem Gefangenlager« zu vernehmen, berichtete der Kovorsitzende der Sozialistischen Bewegung Kasachstans, Ainur Kurmanow. Laut Augenzeugenberichten sollen Leichen aus dem Lager geschafft worden sein. Die Gewerkschafter sprachen ausdrücklich von »faschistischen Methoden«.
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Massaker am Feiertag

Sonntag, 18. Dezember 2011

„Junge Welt“, 19.12.2011
Kasachisches Regime läßt streikende Ölarbeiter von Militär niedermetzeln

Seit dem vergangenen Freitag, an dem offiziell der 20. Jahrestag der Unabhängigkeit Kasachstans begangen wurde, ist die im Westen des Landes gelegene Ortschaft Schanaosen von der Außenwelt abgeschnitten. Alle Zufahrtsstraßen zu der rund 90000 Einwohner zählenden Ölstadt sind von Polizei- und Militäreinheiten gesperrt, während die Stromversorgung, das Mobilfunknetz und alle Internetanbindungen gekappt wurden. Der autokratisch regierende kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew verhängte den Ausnahmezustand über die Stadt, der mit einer nächtlichen Ausgangssperre und absolutem Versammlungsverbot einhergeht.
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Weiterhin ohne Opposition

Freitag, 18. November 2011

„Junge Welt“, 18.11.2011
Wahlen in Kasachstan werden zur Abstimmung über präsidententreue Parteien

Am 15. Januar werden die Bürger Kasachstans an einer vorgezogenen Neuwahl des Parlaments teilnehmen dürfen. Kasachstans Staatschef Nursultan Nasarbajew entsprach laut offizieller Darstellung mit dem am vergangenen Mittwoch publizierten Präsidialdekret den Bitten von 53 Parlamentsabgeordneten, die sich in einer diesbezüglichen Petition am 10. November an den Präsidenten wandten. Nasarbajew regiert das ölreiche zentralasiatische Land seit nahezu 20 Jahren autokratisch, ohne bislang Oppositionskräfte im Unterhaus des kasachischen Parlaments, der Mäschilis, zu dulden. Derzeit finden sich dort ausschließlich Abgeordnete der Präsidentenpartei Nur Otan (Leuchtendes Vaterland). Nasarbajew ließ sich im vergangenen April für weitere fünf Jahre im Präsidentenamt bestätigen – mit einem offiziellen Endergebnis von 95,6 Prozent der abgegebenen Stimmen.
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Zurück zum Atom?

Dienstag, 23. Juni 2009

„Telepolis“, 23.06.2009

Die Atomwirtschaft feierte ihre globale Renaissance, doch könnte dieser kostspielige und gefährliche Boom sehr bald an einem „Peak Uran“ scheitern

Zentralasien scheint vor einer neuen Rohstoffbonanza zu stehen. Diesmal ist es das Uran, der Energieträger der globalen Atomwirtschaft, auf dem die Hoffnungen insbesondere der kasachischen Staatsspitze ruhen. Nach dem Willen des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew [extern] soll das zentralasiatische Land bis 2010 zum größten Uranförderer der Welt aufsteigen und somit die bislang auf diesem Gebiet führenden Länder Kanada und Australien auf die Plätze verweisen. Nach einer Förderung von 8.500 Tonnen in 2008 sollen in diesem Jahr 11.900 Tonnen des radioaktiven Metalls abgebaut werden. Doch der kasachische Atomkonzern Kazatomprom will mittelfristig die jährliche Fördermenge auf bis zu 30.000 Tonnen Uran in 2018 steigern. Neben Kasachstan, das über die weltweit zweitgrößten bekannten Uranvorkommen verfügt, haben auch Usbekistan, Kirgistan und Tadschikistan beträchtliche Reserven dieses begehrten und höchst umstrittenen Energieträgers vorzuweisen.

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/30/30555/1.html

Sozialer Sprengstoff

Freitag, 20. März 2009

21.03.2009
Zentralasiens Arbeitsmigranten sind von der Wirtschaftskrise besonders hart betroffen. Kasachstan und Rußland schotten Arbeitsmärkte immer stärker ab

Auf Zentralasien dürften unruhige Zeiten zukommen. Die verarmten Republiken der Region sehen sich einer Finanzkatastrophe gegenüber. Wichtigster Grund ist, daß im Zuge der Weltwirtschaftskrise Hunderttausende Arbeitsmigranten, die zuvor in Rußland oder Kasachstan Beschäftigung fanden, derzeit ihre Jobs verlieren. Betroffen von dieser Entwicklung sind vor allem Kirgisien, Tadschikistan und Usbekistan. Zum einen gehen die Geldüberweisungen der Arbeitsmigranten rapide zurück. Diese bildeten eine zentrale Stütze der jeweiligen Volkswirtschaften. Andererseits strömen die in Rußland arbeitslos gewordenen Tagelöhner in ihre Herkunftsregionen zurück. Aufgrund der angespannten sozialen und ökonomischen Lage baut sich in allen drei genannten Staaten ein ernsthaftes Konfliktpotential auf.
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Kampf ums Wasser

Montag, 02. März 2009

„Junge Welt“, 02.03.2009
Energieproduktion oder Landwirtschaft? Die zentralasiatischen Staaten kämpfen um die Aufteilung der knappen Ressourcen der Region

Die Konflikte um den Zugang zu Energie und Wasser gewinnen in Zentralasien an Schärfe. Am vergangenen Donnerstag zog sich Kasachstan aus dem zentral­asiatischen Stromnetz zurück, da das ebenfalls an diesen Energieverbund teilnehmende Tadschikistan viel mehr Elektrizität verbraucht haben soll, als der tadschikische Elektrizitätsversorger ins gemeinsame Stomnetznetz eingespeiste. Dieser Schritt Kasachstans führte wiederum zu enormen Stromausfällen in Kirgisien, wo in weiten Teilen des Landes – inklusive der Hauptstadt Bischkek – der Zugang zu Elektrizität rationiert werden mußte. In Tadschikistan nimmt die Energiekrise bereits katastrophale Züge an. Der Zugang zur Elektrizität ist in der Hauptstadt Duschanbe auf elf Stunden pro Tag begrenzt, während in der Provinz die Bevölkerung nur noch vier Stunden täglich Strom nutzen kann. In ganzen Regionen fließt überhaupt kein Strom mehr.
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Neue Runde im Pipelinepoker

Freitag, 27. Februar 2009

„Junge Welt“, 28.02.2009

Gerät Moskaus Energietransitmonopol ins Wanken? Die EUversucht, ihre Chancen für die Nabucco-Pipeline im kaspischen Raum zu verbessern

Der Gasstreit zwischen der Ukraine und Rußland, der im Januar 2009 weite Teile der östlichen Peripherie der EU von der Gasversorgung abschnitt, zieht langfristige geopolitische Konsequenzen nach sich. Innerhalb der Europäischen Union erhielten die Bestrebungen zur Diversifizierung der Energieversorgung neuen Schwung. Die Europäer sind nun verstärkt bemüht, unter Umgehung Rußlands Zugriff auf die Energieträger des kaspischen Raumes zu erhalten. Von Mittelosteuropa, über den Balkan, die Türkei, den Kaukasus bis zu den Steppen Zentralasiens ist eine Intensivierung des energie- und geopolitischen Kräftemessens, des mit verstärkter Verbissenheit zwischen Rußland und dem Westen geführten »Great Game« zu beobachten.
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Leeres Faß Zentralasien

Sonntag, 10. August 2008

„Junge Welt“, 11.08.2008
Trotz Hitzerekord und Trockenheit: Keine Einigung zwischen Nachfolgestaaten der Sowjetunion in der Region über Wasserressourcen

Es war eine mörderische Hitze, die Anfang des Monats in weiten Teilen Zentralasiens herrschte. Zwischen den 1. und 3. August wurden beispielsweise in Teilen Turkmenistans Höchsttemperaturen von bis zu 47,5 Grad Celsius gemessen, und während der Nächte fiel das Quecksilber auf gerade mal 34 Grad. Diese alles versengende Hitzewelle bildete den bisherigen Höhepunkt eines besonders trockenen Sommers, der die latente Wasserkrise in vielen Gebieten dieser Region voll ausbrechen lassen wird.
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Kreml will Ressourcen sichern

Mittwoch, 09. Juli 2008

„Junge Welt“, 07.07.2008
Rußlands Präsident Medwedew tourte durch den Kaukasus und Zentralasien

Im Vorfeld des G-8-Gipfels in Japan hat der russische Präsident Dmitri Medwedew eine Reise durch etliche Staaten des Kaukasus und Zentralasiens absolviert. Die Tour durch Aserbaidschan, Turkmenistan und Kasachstan hatte die Festigung der dominierenden Stellung Rußlands in dieser ressourcenreichen Region zum Ziel. Am 3. und 4. Juli fand in Baku der heikelste Teil des Unterfangens statt, gilt doch Aserbaidschan als der einzige zuverlässige westliche Verbündete rund ums Kaspische Meer. So speisen die reichen Ölvorkommen bei Baku die vom Westen errichtete Baku-Tbilissi-Ceyhan-Pipeline, die russisches Territorium südlich – über Georgien und die Türkei – umgeht. Die Europäische Union hofft zudem, daß Aserbaidschan auch ihre geplante Nabucco-Gaspipeline mit Erdgas versorgen wird.
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Durchbruch in Mittelost

Sonntag, 27. April 2008

„Junge Welt“, 28.04.2008
Der Kampf um Ressourcen tobt weltweit, und Konzerneuropa ist dabei. Nun kann die EU erste bescheidene Erfolge beim zentralasiatischen Energiepoker vorweisen

Kasachstan steht offenbar kurz davor, sich offiziell bei der westlichen Baku-Tbilissi-Ceyhan-Pipeline (BTC-Pipeline) zu engagieren. Eine entsprechende Meldung von Itar-Tass lief bereits am Donnerstag über die Nachrichtenticker. Die im Juni 2006 in Betrieb genommene Pipeline transportiert Erdöl aus Aserbaidschan über georgisches Territorium in den türkischen Mittelmeerhafen Ceyhan. Ziel des von den USA durchgesetzten und unter der Führung des britischen Energiemultis BP realisierten Projekts ist es, die russische Einflußsphäre beim Öltransport aus dem Mittleren Osten zu umgehen und die Energielieferanten der EU zu diversifizieren.
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Nase vorn im Energiepoker

Mittwoch, 13. Februar 2008

„Junge Welt“, 14.02.2008
Rußland hat über ein strategisches Pipelinenetz die Kontrolle über die zentralasiatischen Gas- und Ölreserven zurückerlangt. USA und EU versuchen, durch militärische Allianzen mit Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres die Karten neu zu mischen

Die teils hinter den Kulissen ausgefochtenen, teils offen auf der weltpolitischen Arena zwischen den Großmächten ausgetragenen Auseinandersetzungen rund um die rohstoffreichen Staaten Zentralasiens erwecken unwillkürlich Erinnerungen an die Hochzeit des Imperialismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Inzwischen wird auch längst überwunden geglaubtes Vokabular hervorgeholt, um – relativ zutreffend – den Machtpoker um die Energieressourcen des kaspischen Meeres zu charakterisieren. Es war Zbigniew Brzezinski, Sicherheitsberater unter US-Präsident James Carter zwischen 1977 und 1981, der große, alte Mann der imperialistischen US-Politik, der in bezug auf den zentralasiatischen Raum den Begriff des »Great Game«, des »Großen Spiels« reanimierte. Als ein geopolitisches »Großes Schachspiel« sah Brzezinski schon 1997 in seinem Buch »The Grand Chessboard« die Auseinandersetzungen um den »Eurasischen Balkan«, der sich von der kaukasischen und zentralasiatischen Flanke der ehemaligen Sowjetunion bis nach Afghanistan und Iran erstrecken soll. Doch verglichen mit dem europäischen Balkan sei der »eurasische Balkan unendlich wichtiger als ein potentieller ökonomischer Preis«. Damit knüpfte der Geostratege bewußt an das »Great Game« zwischen dem zaristischen Rußland und dem britischen Empire in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an, als beide Großmächte rücksichtslos um eine Ausweitung ihres Einflusses in Zentralasien kämpften.

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Ölmultis unter Druck

Mittwoch, 12. September 2007

„Junge Welt“, 12.08.2007
Kasachstan kämpft um energiepolitische Souveränität. Macht westlicher Konzerne soll gebrochen werden

Die Zeiten traumhafter Renditen scheinen für die in Kasachstan operierenden, westlichen Ölkonzerne zu Ende zu gehen. Umgerechnet zehn Milliarden US-Dollar an »Ausgleichszahlungen« fordert der kasachische Staat von dem Joint Venture Agip KCO unter der Führung des ENI-Konzenrs, das mit dem Ölfeld Kaschagan eine der weltweit größten, bekannten Erdöllagerstätten erschließen soll. Neben ENI sind an dem Projekt auch Royal Dutch Shell, Exxon, Total, ConocoPhillips und der kasachische Konzern KasMunaiGas beteiligt.
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Aufgeklärter Despot des Tages: Nursultan Nasarbajew

Sonntag, 19. August 2007

„Junge Welt“, 20.08.2007

Der kasachische Staatschef Nursultan Nasarbajew scheint ein äußerst beliebter Landesvater zu sein. Die Präsidentenpartei Nur Otan konnte bei vorgezogenen Neuwahlen am vergangenen Wochenende satte 88 Prozent aller Stimmen auf sich vereinigen. Da alle anderen Parteien an der 7-Prozent-Hürde scheiterten, wird die mit dem lyrischen Namen „Lichtschein des Vaterlandes“ zu übersetzende Staatspartei im zukünftigen Parlament der Einfachheit halber ganz allein sein.

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Erfolg für Putin

Dienstag, 15. Mai 2007

„Junge Welt“, 16.05.2007
Kasachstan schert aus der Reihe der Staaten aus, die eine Ölpipeline ohne russische Beteiligung errichten wollen

Im digitalen Zeitalter müssen Politiker nicht unbedingt direkt vor Ort sein, um Wirkung zu erzielen. Rußlands Präsident Wladimir Putin brachte es auch so fertig, während seiner jüngsten Zentralasienreise einer rund 5000 Kilometer weiter westlich tagenden, illustren Runde die Stimmung massiv zu vermiesen. Im südpolnischen Krakow trafen sich am 10. und 11. Mai die Präsidenten Litauens, Polens, der Ukraine, Georgiens und Aserbaidschans, um den Bau einer von Odessa über das ukrainische Brody bis nach Gdansk verlaufenden Pipeline zu besprechen. Über diese Pipeline sollen zentralasiatische Energieträger an Rußland vorbei in die EU gelangen. Die Staatschefs der fünf Länder verabschiedeten zwar eine entsprechende Deklaration, doch die Abwesenheit des kasachischen Präsidenten entwertet dieses Ereignis beträchtlich. Er hatte kurzfristig seine Teilnahme am Gipfel abgesagt.

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Die EU gibt Gas

Donnerstag, 19. April 2007

Telepolis, 19.04.2007
Die maßgeblich von Berlin formulierte „Zentralasienstrategie“ der EU will die Rohstoffe dieser strategisch sensiblen Region an Russland vorbei gen Westeuropa schafften
Spitzendiplomaten der Europäischen Union gelten inzwischen als Dauergäste in nahezu allen Staaten Zentralasiens. Zuletzt besuchte zwischen dem 2. und 5. April eine hochrangige europäische Delegation Usbekistan, um die „Menschenrechtssituation“ in dem autoritär regierten Land zu diskutieren, aber auch um die Möglichkeiten einer engen ökonomischen Kooperation im Energiesektor auszuloten. Einer engen energipolitischen Zusammenarbeit stehen noch die Sanktionen der EU im Weg, die gegen Usbekistan nach der blutigen Niederschlagung eines Aufstands im Mai 2005 verhängt wurden. Über Verlauf und Ergebnisse der Visite hielten sich beide Seiten Bedeckt. Die EU scheint aber inzwischen gewillt zu sein, die Frage der Menschenrechte der Energiesicherheit der Gemeinschaft klar unterzuordnen und das „Niveau der Kritik in Menschenrechtsfragen“ zu senken.

Link: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25102/1.html

EU umwirbt Zentralasien

Donnerstag, 29. März 2007

„Junge Welt“, 30.03.2007
Westeuropa versucht sich im geopolitischen Kräftemessen um Rohstoffquellen der Region. Pipeline unter Umgehung Rußlands geplant

Nicht kleckern, sondern klotzen – unter dieser Devise scheint die EU ihr geopolitisches Engagement in Zentralasien intensivieren zu wollen. Am 27. und 28. März trafen sich BRD-Außenminister Frank-­Walter Steinmeier, EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner und der EU-Sonderbeauftragte für Zentralasien, Pierre Morel, mit Spitzenpolitikern der Region. Bei dem Gipfeltreffen in der kasachischen Hauptstadt Astana waren die Außenminister von Usbekistan, Tadshikistan, Kirgisien, Kasachstan und der Vizeaußenminister Turkmenistans vertreten. Steinmeier führte zudem Gespräche mit dem kasachischen Staatschef Nursultan Nasarbajew.

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Rohstoffpoker in Asien

Montag, 19. Februar 2007

„Junge Welt“, 20.02.07
Kasachstan soll für BRD-Konzerne als Sprungbrett in die Region dienen. Ökonomische und militärische Zusammenarbeit intensiviert

Die Bundesregierung hat Zentralasien ins Visier genommen. Schon vor der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch die Bundesrepublik unternahm Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) eine mehrtägige Reise durch die Region. Dabei traf er Ende Oktober mit kasachischen Spitzenpolitikern zusammen und lotete die Möglichkeiten einer verstärkten wirtschaftlichen Zusammenarbeit aus. Das Auswärtige Amt kommentierte, man wolle damit der »an Bedeutung gewinnenden Region Zentralasiens erhöhte Aufmerksamkeit zukommen« lassen. Ende März werde eine offizielle europäische Zentralasienstrategie vorgestellt, in der erstmals die langfristigen Zielsetzungen der Europäischen Union in dieser rohstoffreichen Region festgeschrieben wird. Hintergrund ist in erster Linie der Versuch der EU, neue Energiequellen zu erschließen und somit die Abhängigkeit von russischen Öl- und Gaslieferungen zu senken.
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Stahlgigant gibt klein bei

Sonntag, 08. Oktober 2006

„Junge Welt“ 07.10.06
Kasachstan: Erfolgreicher Kampf von Arbeitern in Stahlwerk und Kohleminen von Mittal Steel

Auch in Kasachstan ist Mittal Steel, der größte Stahlproduzent der Welt, die Nummer eins. Insgesamt besitzt der Megakonzern 61 Betriebe in 27 Ländern. Das kasachische Stahlwerk Karment, das zu den Flaggschiffen der Schwerindustrie des zentralasiatischen Landes gehört, kaufte der indische Tycoon Lakschmi Mittal schon 1995 für einen Spottpreis von 400 Millionen US-Dollar. Inzwischen in Mittal-Temirtau umbenannt, verfügt das ehemalige sowjetische Stahlkombinat über eine theoretische jährliche Produktionskapazität von sechs Millionen Tonnen Stahl. Allein Mittal-Temirtau steuert vier Prozent zum Bruttosozialprodukt Kasachstans bei, das Werk ist mit 55000 Beschäftigten zudem der größte private »Arbeitgeber« des Landes. An die 94 Prozent der Produktion werden exportiert, hauptsächlich nach China, Südostasien und in den Iran. 2005 bescherte das kasachische Stahlwerk Mittal Steel Einnahmen in Höhe von 1,4 Milliarden US-Dollar. Die Eisenerzreserven von Mittal-Temirtau belaufen sich auf 1,6 Milliarden Tonnen.
Unbefristeter Streik
Mittal Steel gehören in Kasachstan darüber hinaus mehrere Kohleminen, die 95 Prozent des Kohle- und Koksbedarfs des Konzerns decken sollen und in denen jährlich zwölf Millionen Tonnen Kohle gefördert werden. – Doch genau das passiert seit dem 20. September nicht mehr. An diesem Tag ereignete sich wieder einmal ein sehr schwerer Unfall in der zu Mittal Steel gehörenden Lenin-Zeche. Bei einer Methangasexplosion unter Tage starben 41 Bergmänner. Seitdem befinden sich 25000 Kumpel in acht Kohleminen in der zentralkasachischen Region Karaganda im unbefristeten Streik. Sie fordern die Erhöhung ihrer Gehälter, die derzeit bei etwa 350 US-Dollar monatlich liegen, und einen massiven Ausbau der Sicherheitsvorkehrungen. Auf Demonstrationen in der Industriestadt Schachtinsk, an denen Tausende Bergmänner teilnahmen, wurden Lohnerhöhungen auf bis zu 1000 US-Dollar gefordert.
Verdreifachte Löhne
Nachdem die Unternehmensführung die Forderungen der Kumpel wochenlang ignoriert hatte, lenkte sie nun nach einer gemeinsamen Demonstration von 6000 Bergleuten und Stahlkochern vergangenen Samstag vor der Firmenzentrale in Temirtau ein. Am Mittwoch teilte Mittal Steel mit, daß den Minenarbeitern eine Verdreifachung ihrer Löhne angeboten wurde. Die Stahlarbeiter sollen demnach ab Oktober 20 Prozent mehr Lohn und eine weitere Erhöhung um zehn Prozent ab Februar erhalten, so der Chef von Mittal Kasachstan, Narendra Choudhary bei einer Pressekonferenz. Wegen eines Streiks im Stahlwerk Temirtau war die dortige Produktion im September um rund 30 Prozent gesunken. Der Vorsitzende der kasachischen Metallarbeitergewerkschaft, Wladimir Dudnik, geht davon aus, daß die Gewerkschaft den Vorschlägen zustimmt. Die Löhne der Stahlarbeiter liegen derzeit bei rund 300 US-Dollar.

Zuvor hatte Mittal-Temirtau-Generaldirektor Nawal Choudhary noch behauptet, das rohstoffhungrige China und der Iran würden ihre Märkte für kasachischen Stahl »schließen«, wenn es zu signifikanten Lohnerhöhungen käme. Die Streikenden zeigten sich davon allerdings unbeeindruckt. Die derzeit über das kasachische Kohlerevier fegende Streikwelle ist Ausdruck der angestauten Wut der Arbeiter über ihre sich seit Jahren immer mehr verschlechternden Arbeitsbedingungen. Sie werfen Mittal Steel Lohndumping und Massenentlassungen vor. Zudem soll das Unternehmen aus Profitgier die Einhaltung von Sicherheitsstandards skandalös vernachlässigt haben. In der letzten Dekade hat der Konzern Gewerkschaftsangaben zufolge in dem zentralasiatischen Land fast 10000 qualifizierte Arbeiter entlassen. Bis 2010 sollen noch einmal so viele Stahlkocher und Kohlekumpel gehen. Oftmals werden die freigeworden Arbeitsplätze mit unqualifizierten, schlechter bezahlten Tagelöhnern besetzt, die nicht einmal 200 US-Dollar monatlich verdienen. An die zwölf Stunden dauert eine Schicht in den kasachischen Kohlegruben Mittals. Die Sicherheitstechnik stammt teilweise noch aus sowjetischen Zeiten.

Eine von Mittal Steel und der kasachischen Regierung ins Leben gerufene Sonderkommission soll nun die Ursachen des Grubenunglücks vom 20. September klären. Für jeden der unter Tage ums Leben gekommenen Bergmänner will der indische Stahlgigant eine Entschädigung von etwa 11000 US-Dollar zahlen und die Bestattungskosten übernehmen. Dieses »Angebot« hat nicht gerade zur Entspannung der Lage beigetragen.
Empfindlich getroffen
Am Montag hatte Nawal Choudhary gegenüber der Presse einräumen müssen, Mittal-Temirtau werde russische Kohle für seine Stahlwerke einzukaufen versuchen, um die streikbedingten Ausfälle zu kompensieren. Die Demonstration am Samstag gab aber offenbar den Ausschlag für das Einlenken der Unternehmensführung. Daß die Stahlarbeiter sich den Protesten der Bergleute anschlossen, ist darauf zurückzuführen, daß es auch im Werk Temirtau gravierende Sicherheitsmängel gibt. Zwei große Brände haben dort 2005 die Produktion von 5,1 Millionen Tonnen Stahl 2004 auf 4,13 Millionen 2005 sinken lassen. Am Mittwoch wollten die Metallarbeiter nach Gewerkschaftsangaben über eine vollkommene Einstellung der Produktion in Temirtau entscheiden. Dem ist die Konzernführung durch ihr Angebot nun zuvorgekommen.