Archiv für die Kategorie 'Usbekistan'

Sozialer Sprengstoff

Freitag, 20. März 2009

21.03.2009
Zentralasiens Arbeitsmigranten sind von der Wirtschaftskrise besonders hart betroffen. Kasachstan und Rußland schotten Arbeitsmärkte immer stärker ab

Auf Zentralasien dürften unruhige Zeiten zukommen. Die verarmten Republiken der Region sehen sich einer Finanzkatastrophe gegenüber. Wichtigster Grund ist, daß im Zuge der Weltwirtschaftskrise Hunderttausende Arbeitsmigranten, die zuvor in Rußland oder Kasachstan Beschäftigung fanden, derzeit ihre Jobs verlieren. Betroffen von dieser Entwicklung sind vor allem Kirgisien, Tadschikistan und Usbekistan. Zum einen gehen die Geldüberweisungen der Arbeitsmigranten rapide zurück. Diese bildeten eine zentrale Stütze der jeweiligen Volkswirtschaften. Andererseits strömen die in Rußland arbeitslos gewordenen Tagelöhner in ihre Herkunftsregionen zurück. Aufgrund der angespannten sozialen und ökonomischen Lage baut sich in allen drei genannten Staaten ein ernsthaftes Konfliktpotential auf.
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Kampf ums Wasser

Montag, 02. März 2009

“Junge Welt”, 02.03.2009
Energieproduktion oder Landwirtschaft? Die zentralasiatischen Staaten kämpfen um die Aufteilung der knappen Ressourcen der Region

Die Konflikte um den Zugang zu Energie und Wasser gewinnen in Zentralasien an Schärfe. Am vergangenen Donnerstag zog sich Kasachstan aus dem zentral­asiatischen Stromnetz zurück, da das ebenfalls an diesen Energieverbund teilnehmende Tadschikistan viel mehr Elektrizität verbraucht haben soll, als der tadschikische Elektrizitätsversorger ins gemeinsame Stomnetznetz eingespeiste. Dieser Schritt Kasachstans führte wiederum zu enormen Stromausfällen in Kirgisien, wo in weiten Teilen des Landes – inklusive der Hauptstadt Bischkek – der Zugang zu Elektrizität rationiert werden mußte. In Tadschikistan nimmt die Energiekrise bereits katastrophale Züge an. Der Zugang zur Elektrizität ist in der Hauptstadt Duschanbe auf elf Stunden pro Tag begrenzt, während in der Provinz die Bevölkerung nur noch vier Stunden täglich Strom nutzen kann. In ganzen Regionen fließt überhaupt kein Strom mehr.
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Neue Wege durch Usbekistan

Montag, 02. März 2009

“Junge Welt”, 27.02.2009
Washington und Taschkent treffen Vereinbarung über den Transport nichtmiliärischer Nachschubgüter für Afghanistan

Den Vereinigten Staaten scheint es gelungen zu sein, nach der Schließung ihrer kirgisischen Luftwaffenbasis eine alternative – wenn auch nicht gleichwertige – Versorgungsroute für ihre in Afghanistan stationierten Truppen gefunden zu haben. Am Mittwoch bestätigte der usbekische Staatschef Islam Karimow, den USA den Transport von Versorgungsgütern über das Territorium seines Landes genehmigt zu haben: »Usbekistan hat den Transport von nichtmilitärischem Material, ich betone nicht-militärischem, gestattet«, erklärte Karimow. Ähnliche Vereinbarungen traf Washington bereits mit Tadschikistan, Turkmenistan und Kasachstan. Zwischen 50 und 200 Container sollen über diese Nordroute – per Lastwagen oder per Eisenbahn – nach Mazar-i-Sharif in Afghanistan gelangen. Am gestrigen Donnerstag trafen sich Vertreter Kasachstans, Turkmenistans und Usbekistans in Taschkent, um die Koordinierung des Gütertransits nach Afghanistan genauer zu besprechen.
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Leeres Faß Zentralasien

Sonntag, 10. August 2008

“Junge Welt”, 11.08.2008
Trotz Hitzerekord und Trockenheit: Keine Einigung zwischen Nachfolgestaaten der Sowjetunion in der Region über Wasserressourcen

Es war eine mörderische Hitze, die Anfang des Monats in weiten Teilen Zentralasiens herrschte. Zwischen den 1. und 3. August wurden beispielsweise in Teilen Turkmenistans Höchsttemperaturen von bis zu 47,5 Grad Celsius gemessen, und während der Nächte fiel das Quecksilber auf gerade mal 34 Grad. Diese alles versengende Hitzewelle bildete den bisherigen Höhepunkt eines besonders trockenen Sommers, der die latente Wasserkrise in vielen Gebieten dieser Region voll ausbrechen lassen wird.
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Nase vorn im Energiepoker

Mittwoch, 13. Februar 2008

“Junge Welt”, 14.02.2008
Rußland hat über ein strategisches Pipelinenetz die Kontrolle über die zentralasiatischen Gas- und Ölreserven zurückerlangt. USA und EU versuchen, durch militärische Allianzen mit Anrainerstaaten des Kaspischen Meeres die Karten neu zu mischen

Die teils hinter den Kulissen ausgefochtenen, teils offen auf der weltpolitischen Arena zwischen den Großmächten ausgetragenen Auseinandersetzungen rund um die rohstoffreichen Staaten Zentralasiens erwecken unwillkürlich Erinnerungen an die Hochzeit des Imperialismus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Inzwischen wird auch längst überwunden geglaubtes Vokabular hervorgeholt, um – relativ zutreffend – den Machtpoker um die Energieressourcen des kaspischen Meeres zu charakterisieren. Es war Zbigniew Brzezinski, Sicherheitsberater unter US-Präsident James Carter zwischen 1977 und 1981, der große, alte Mann der imperialistischen US-Politik, der in bezug auf den zentralasiatischen Raum den Begriff des »Great Game«, des »Großen Spiels« reanimierte. Als ein geopolitisches »Großes Schachspiel« sah Brzezinski schon 1997 in seinem Buch »The Grand Chessboard« die Auseinandersetzungen um den »Eurasischen Balkan«, der sich von der kaukasischen und zentralasiatischen Flanke der ehemaligen Sowjetunion bis nach Afghanistan und Iran erstrecken soll. Doch verglichen mit dem europäischen Balkan sei der »eurasische Balkan unendlich wichtiger als ein potentieller ökonomischer Preis«. Damit knüpfte der Geostratege bewußt an das »Great Game« zwischen dem zaristischen Rußland und dem britischen Empire in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an, als beide Großmächte rücksichtslos um eine Ausweitung ihres Einflusses in Zentralasien kämpften.

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Die EU gibt Gas

Donnerstag, 19. April 2007

Telepolis, 19.04.2007
Die maßgeblich von Berlin formulierte “Zentralasienstrategie” der EU will die Rohstoffe dieser strategisch sensiblen Region an Russland vorbei gen Westeuropa schafften
Spitzendiplomaten der Europäischen Union gelten inzwischen als Dauergäste in nahezu allen Staaten Zentralasiens. Zuletzt besuchte zwischen dem 2. und 5. April eine hochrangige europäische Delegation Usbekistan, um die “Menschenrechtssituation” in dem autoritär regierten Land zu diskutieren, aber auch um die Möglichkeiten einer engen ökonomischen Kooperation im Energiesektor auszuloten. Einer engen energipolitischen Zusammenarbeit stehen noch die Sanktionen der EU im Weg, die gegen Usbekistan nach der blutigen Niederschlagung eines Aufstands im Mai 2005 verhängt wurden. Über Verlauf und Ergebnisse der Visite hielten sich beide Seiten Bedeckt. Die EU scheint aber inzwischen gewillt zu sein, die Frage der Menschenrechte der Energiesicherheit der Gemeinschaft klar unterzuordnen und das “Niveau der Kritik in Menschenrechtsfragen” zu senken.

Link: http://www.heise.de/tp/r4/artikel/25/25102/1.html

EU umwirbt Zentralasien

Donnerstag, 29. März 2007

“Junge Welt”, 30.03.2007
Westeuropa versucht sich im geopolitischen Kräftemessen um Rohstoffquellen der Region. Pipeline unter Umgehung Rußlands geplant

Nicht kleckern, sondern klotzen – unter dieser Devise scheint die EU ihr geopolitisches Engagement in Zentralasien intensivieren zu wollen. Am 27. und 28. März trafen sich BRD-Außenminister Frank-­Walter Steinmeier, EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner und der EU-Sonderbeauftragte für Zentralasien, Pierre Morel, mit Spitzenpolitikern der Region. Bei dem Gipfeltreffen in der kasachischen Hauptstadt Astana waren die Außenminister von Usbekistan, Tadshikistan, Kirgisien, Kasachstan und der Vizeaußenminister Turkmenistans vertreten. Steinmeier führte zudem Gespräche mit dem kasachischen Staatschef Nursultan Nasarbajew.

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GUS vor Zerfall?

Donnerstag, 30. November 2006

“Junge Welt” vom 30.11.06
Ihren 15. Jahrestag beging die »Gemeinschaft Unabhängiger Staaten« in Minsk. Es könnte ihr letzter gewesen sein

Rußlands Präsident Wladimir Putin gab sich am Dienstag abend reichlich Mühe, dem Gipfeltreffen der »Gemeinschaft Unabhängiger Staaten« (GUS) im belarussischen Minsk positive Züge abzugewinnen. So sollen laut Putin alle »führenden Repräsentanten« dieses losen Bündnisses ehemaliger Sowjetrepubliken darin übereingekommen sein, die GUS als Organisation zu erhalten. Tatsächlich kann schon der Fortbestand der GUS als Erfolg gewertet werden, da in den letzten Jahren und Monaten im postsowjetischen Raum starke Zentrifugalkräfte wirkten, die eine Wiederbelebung eines Intergationsprozesses nahezu unmöglich machen. Für wahrscheinlicher wird ein Zerfall der GUS in mehrere kleinere Bündnisse gehalten.
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Koizumi in Zentralasien

Mittwoch, 06. September 2006

Aus “Junge Welt” vom 31.08.06
Japans Premier in Kasachstan und Usbekistan auf der Suche nach neuen Bezugsquellen für Rohstoffe

Es sei nicht gut für Japans Energiesicherheit, zu sehr von den etablierten Erdöllieferanten im Mittleren Osten abhängig zu sein. »Auch Kasachstan und Usbekistan sind mit reichlichen Ressourcen gesegnet.« Schon vor Antritt seiner heute zu Ende gehenden viertägigen Reise in die beiden zentralasiatischen Republiken gab der japanische Premier Junichiro Koizumi freimütig Auskunft über deren Zielsetzung.

Bei einem Treffen mit Staatschef Nursultan Nasarbajew in der kasachischen Hauptstadt Astana unterstrichen beide Seiten am Montag ihre Bereitschaft zur Intensivierung der Wirtschaftsbeziehungen, insbesondere im Energiesektor. Japan wolle wirtschaftlich und politisch große Anstrengungen zur Festigung der bilateralen Beziehungen zu Kasachstan unternehmen, so Koizumi bei einer anschließenden Pressekonferenz. Das bisherige Engagement scheint erste Früchte zu tragen: Das bescheidene Handelsvolumen beider Länder von 736 Millionen US-Dollar soll in diesem Jahr um 20 Prozent wachsen. Zudem gelang es der japanischen Seite, mit Kasachstan ein Memorandum zur Kooperation bei der zivilen Nutzung der Kernkraft auszuhandeln. Kasachstan als der drittgrößte Uranproduzent der Welt beliefert derzeit hauptsächlich die russische Atomindustrie. Japanische Handelskonzerne wie Sumitomo oder Marubeni, die den Brennstoff für die Atommeiler der Landes einkaufen, haben in letzter Zeit ihre Anstrengungen verstärkt, ebenfalls Zugang zu den kasachischen Vorkommen zu bekommen. Schon im Januar gab Sumitomo – der drittgrößte Handelskonzern Japans – bekannt, in Kooperation mit Kansai Electric eine Uranmine in Kasachstan zu erschließen. Koizumis Staatsvisite dient vor allem dem Zweck, diesen Einstieg in den hart umkämpften kasachischen Uranmarkt politisch abzusichern. Japans zivile Atomindustrie rangiert nach den USA und Frankreich auf dem weltweit dritten Platz.

Politisch ist Koizumis Besuch in Usbekistan brisant. Der japanische Premier ist bislang der ranghöchste ausländische Besucher, der die autoritäre Führung um Präsident Islam Karimow mit einer offiziellen Staatsvisite beehrt, nachdem sie im Mai 2005 einen Aufstand in der südusbekischen Stadt Andischan blutig niederschlagen ließ. Nach harscher Kritik der USA am Vorgehen der usbekischen Sicherheitskräfte wurde der US-Militärstützpunkt im Land geschlossen, und die Beziehungen zum Westen wurden nahezu eingefroren. Die usbekische Führung scheint nun aber bestrebt zu sein, ihre Isolation zumindest partiell zu durchbrechen. In einer offiziellen im Vorfeld des Koizumi-Besuchs veröffentlichten Erklärung unterstreicht Karimow seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit mir Japan. Der usbekische Staatschef bezeichnet das Land darin als einen »Partner, der volles Vertrauen einflößt«, und den Besuch selbst als »einen überaus wichtigen Schritt in der Geschichte der Entwicklung der Beziehungen zwischen unseren beiden Staaten«. Neben dem Erdöl- und Erdgasbereich verweist auch Karimow auf die Möglichkeit, gemeinsam Uranvorkommen abzubauen, da die Nachfrage nach diesem Rohstoff weltweit steige.

Politische Beobachter werten die Visite Koizumis in Taschkent als den Versuch, in Zentralasien eine vom Washington unabhängige, pragmatische Politik zu betreiben. Zudem hofft man in Tokio, durch ökonomische Kooperation auch den Einfluß Rußlands und Chinas in Zentralasien abmildern zu können.

Taschkent hat mit Westkurs gebrochen

Dienstag, 29. August 2006

“Junge Welt” vom 28.06.06
Wladimir Putin verkündet Usbekistans Reintegration in russisch dominiertes Militärbündnis OVKS

Die am vergangenen Freitag in der belarussischen Hauptstadt Minsk abgehaltene, turnusmäßige Sitzung der Organisation des Vertrages über kollektive Sicherheit (OVKS) hielt eine handfeste Überraschung parat. Die 1992 gegründete OVKS ist das militärische Bündnis ehemaliger, in der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) organisierter Sowjetrepubliken. Neben Rußland sind Armenien, Kasachstan, Kirgisien, Tadschikistan und Belarus Teil der OVKS – seit dem 23. Juni kann auch Usbekistan dazu gezählt werden.
Der russische Präsident Wladimir Putin ließ es sich nicht nehmen, im Beisein des usbekischen Staatschefs Islam Karimow diese Nachricht persönlich auf der Sitzung des Rates der OVKS publik zu machen. Laut Putin habe Usbekistan das Moratorium über Aktivitäten im Rahmen der OVKS aufgehoben und sei somit wieder zum gleichberechtigten Mitglied dieser Organisation geworden. Im Vorfeld der OVKS-Sitzung war von offizieller Seite nur darauf verwiesen worden, daß Karimow als »Gast« dem Treffen beiwohnen würde.
Usbekistan gehörte zu den Gründungsmitgliedern der OVKS, doch ab 1999 setzte Taschkent zunehmend auf einen prowestlichen Kurs. Die sicherheitspolitische Kooperation vor allem mit den USA forcierend, suspendierte Karimow seinerzeit die Mitgliedschaft in der OVKS. Ihren Zenit erreichte die Westintegration Usbekistans während der Militärkampagne gegen die afghanischen Taliban 2001, als die US-Airforce die Nutzungsrechte für eine usbekische Luftwaffenbasis erhielt.
Die Beziehungen zum Westen kühlten erst mit dem Ausbrechen der »bunten Revolutionen« im postsowjetischen Raum merklich ab, die in Georgien, der Ukraine und Kirgisien westhörige Regierungen an die Macht spülten. Nachdem im Mai 2005 in der ostusbekischen, an der Grenze zu Kirgisien gelegenen Stadt Andijan eine islamistische Rebellion ausbrach und die USA deren blutige Niederschlagung durch usbekische Sicherheitskräfte vehement kritisierten, vollführte Karimow einen radikalen Kurswechsel. Binnen weniger Monate mußten die US-Streitkräfte die usbekische Militärbasis aufgeben, die Kontakte Usbekistans zu Rußland und anderen GUS-Staaten wurden wiederbelebt.